Risiko und Gefahr


Auch in der aktuellen AKW-Diskussion erscheinen mir viele Aeusserungen sehr schwammig. Von schwammigen Begriffe spreche ich, wenn die jeweilige Verwendungsweise nicht durch die implizierten Differenzen reflektiert wird, also wenn Begriffe für sich selbst sprechen müssen. In der AKW Diskussion fallen die Ausdrücke Gefahr und Risiko sehr häufig, ohne dass mitgesagt wird, wie die Ausdrücke zu verstehen sind. Ich meine nicht, dass Begriffe generell definiert werden können, weil ich die Bedeutung der Worte vom Gebrauch abhängig mache. Ich meine aber, dass die jeweilige Verwendung der Worte reflektiert werden kann, etwa durch die Erläuterung von implizierten Differenzen.

Differenztheoretisch kann ein Risiko als eine Differenz zwischen Risiko und Gefahr gesehen werden. Als Risiko bezeichne ich eine Gefahr, die ich (im Sinne einer Prävention) vermeiden kann (aber nicht vermeiden muss). Wenn ich ohne Schirm unterwegs bin, riskiere ich nass zu werden. Dieses Risiko kann ich nur eingehen, wenn ich einen Schirm habe, während die Gefahr, dass es regnet, unabhängig davon existiert.

Als Gefahr bezeichne ich latent wahrgenommene Schadenereignisse wie etwa nass oder verstrahlt zu werden. AKW-Brennstäbe verbinde ich mit der Gefahr verstrahlt zu werden. Ich kann das Risiko eingehen, mich vor dieser Verstahlung nicht oder nicht hinreichend zu schützen. Dieses Risiko kann ich genau soweit eingehen, wie ich mich schützen könnte, ohne es zu tun.

Das Herstellen von AKW-Brennstäben produziert Gefahr, nicht Risiko. Ob ich mich dieser Gefahr aussetze oder nicht, ist eine Frage die ich jenseits von Risiken abschätzen und entscheiden kann. Ich kann aber auch ein Risiko ins Spiel bringen, indem ich das AKW so baue, dass die Gefahr im Sinne einer Prävention gebannt ist. Dann kann ich mich fragen, ob ich das Risiko eingehen will.

Nachdem ich das Risiko einmal ins Spiel gebracht habe, muss ich mich fragen, ob ich das Risiko eingehen will, das Risiko einzugehen. Das Containment des AKW bannt die Gefahr der Verstrahlung, aber natürlich nur solange das Containment – etwa angesichts Erdbeben usw – hält. Das Containment begründet – jenseits von nicht beabsichtigten Nebeneffekten – keine Gefahr. Das Containment begründet ein Risiko, weil ich es weglassen oder nicht hinreichend gut bauen kann.

Und wo ich schon dabei bin: Ein AKW kann nicht sicher oder unsicher sein. Das kann nur ich. Ich kann sicher oder unsicher sein, dass keine Gefahr vorliegt (ganz unabhäng davon, was in welcher Realität der Fall ist). Und ich kann sicher oder unsicher sein, dass kein Risiko vorliegt.

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