Libyen oder die Wahl des Systems


In den Massenmedien wird berichtet, dass in Libyen militärisch auch mit Flugzeugen und Panzern gekämpft wird.
Es eine Art Krieg im Gange.

Ich mache mir bewusst, dass jede Beobachtung perspektivisch ist – und das Dialoge dazu dienen, sich der Perspektiven bewusst zu werden. Ich stelle mir also die Fragen, wer kämpft wo und warum oder worum. Mit Libyen könnte ein Staat oder eine Nation gemeint sein, ich kann Libyen aber auch als geographische Angabe wie etwa Nordafrika lesen. Wenn ich an einen Staat denke, beeinflusst das meine Auffassung davon, wer wofür und gegen wen kämpft. Wenn ich Libyen nur als Ort verstehe, muss ich die Kampfhandlungen nicht auf staatliche Verhältnisse beziehen.

In den Massenmedien werden die Kampfparteien fast durchwegs als (diktatorische) Regierung und als (aufständische) Opposition bezeichnet (unabhängig davon, dass Gaddafi gemäss seiner Selbstbeschreibung kein Regieerungsamt ausübt). Unter diesem Gesichtspunkt scheint eine Art Revolution des Volkes gegen seine unterdrückende Regierung im Gange zu sein. Ich will aber auch in dieser Hinsicht etwas zurücktreten, weil ich nicht annehme, dass das aufständische Volk französische und us-englische Militärflugzeuge besitzt.

Ich beobachte, dass Flugzeuge und Panzer gegeneinander ins Feld ziehen. In dieser Feld-Perspektive, die ich analog etwa auf ein Fussballspiel anwende, erscheinen zwei „Mannschaften“, die mit allfälligen Zuschauern und Opfern des (Wett)Streites nichts zu tun haben. Die meisten Menschen, die im geographischen Bereich Libyen leben, beobachte ich als Zuschauer und Opfer, die für das von mir beobachtete Kriegssystem nur eine Umwelt darstellen und wegen der Geschlossenheit jedes Systems buchstäblich keinen Einfluss nehmen – so wie die brüllende Zuschauerschar nicht Fussball spielt. Ich bezeichne die im Kriegssystem operierenden Parteien willkürlich als Gaddafi-Klan und als dessen Gegner. Die Frage, worum gekämpft wird, beantworte ich zunächst ganz abstrakt mit Geld. Es könnte um Erdölerträge gehen, es geht sicher um die Verteilung von Vermögen. Das Vermögen kann ich aber auch als künftiges Produkt sehen, das den Gewinnern des Krieges zufallen wird, also beispielsweise die Steuergelder, die durch den Gewinn des Krieges angeeignet werden.

In den Massenmedien lese ich, dass Gaddafi aufgrund der Erdölvorkommen, die er ausbeute, über sehr viel Geld verfüge. Ich überlege mir also, wer zur Gaddafi-Partei gehört und mithin von diesem Vermögen profitiert und wer auf der anderen Seite um dieses Vermögen kämpft? Das ist einen ganz andere Fragestellung und eine ganz andere Perspektive, als wenn ich annehme, dass ein unterdrücktes Volk gegen eine Regierung um politische Rechte kämpft. Nochmals, es geht mir hier nicht darum, was wirklich der Fall ist, sondern darum, wie ich die Sache beobachte und was ich in Abhängigkeit meiner Perspektive wie für-wahr-nehme.

In der Schweiz gibt es eine Oel-Firma Tamoil, die bislang eindeutig zu Gaddafi gehört hat, und die die Ressourcen dieser Kriegspartei mitangehäuft hat. Diese Firma ist ein Gewebe von Aktien, die durch verschiedenste Verhältnisse verschiedensten Mensch gehören, die ich alle zusammen als ursprünglichen Gaddafi-Klan bezeichne. Nun könnte dieser Klan von aussen angegriffen werden. Das ist in der heutigen Zeit nicht so leicht vorstellbar, obwohl die jüngere Geschichte immer wieder eigentliche Eroberungskriege erzählt. Es ist noch nicht sehr lange her, dass der italienische Staat Libyen erobert und finanziell mehr oder weniger erfolglos ausgenommen hat. Dass ein Finanzimperium von einer Armee eines anderen Finanzimperiums oder gar eines Staates angegriffen wird, erscheint mir aber heute eher unwahrscheinlich. Eine andere Vorstellung besteht darin, dass der Gaddfi-Klan in sich zerfällt, weil er es nicht schafft, eine Geldverteilung zu finden, die den internen Kräfteverhältnissen entspricht.

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2 Antworten zu “Libyen oder die Wahl des Systems

  1. – VOLLTREFFER
    – LEHRBEISPIEL FÜRS KÜNFTIGE SELBERDENKEN aller DEUTSCHEN NACHRICHTENMACHER
    – in dieser gepunkteten Glosse befindet sich mehr Information, als in 8 Wochen Nachrichten in ganz Deutschland
    – ich abboniere, nicht nur wegen der Informationen, sondern weil:
    DER KANN ES!!

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