Massenmedien


Als Massenmedien bezeichne ich Zeitungen, Radio, Fernsehen, usw., also journalistische Artefakte, die funktional zwischen einer Redaktion und einem Publikum vermitteln, indem sie Signale vermitteln, die als Schrift, Bild oder Ton usw. interpretiert werden.

Der Ausdruck „Massenmedium“ wird im Alltag ziemlich diffus verwendet, da der Ausdruck eher als Eigenname für „das Informieren von Massen“ fungiert. So kann man anhand einer Vereinszeitung oder anhand eines Theater darüber nachdenken, ob Bedingungen wie: an eine unbestimmte (weder eindeutig festgelegte, noch quantitativ begrenzte) Zahl von Menschen und somit öffentlich an ein anonymes, räumlich verstreutes Publikum gerichtet sinnvoll sind. Der Briefträger aber ist kein (Massen)medium, er transportiert – wenn er Zeitungen bringt – ein Massenmedium. Der Radio(empfangs)apparat gehört dagegen zum Massenmedium Radio, weil ich ihn wie die Zeitung verwende, wenn ich mich von der Redaktion informieren lassen will.

Mein Begriff „Massenmedium“ ist auf einer anderen Ebene diffus: „Zeitung“ steht sowohl für das Exemplar, das ich im Briefkasten habe wie auch für das Unternehmen, zu welchem die Redaktion gehört. Radio und TV sind noch komplizierter. Ich sehe aber von all dem ab, und verwende die Redaktion als Kriterium. Wenn sich eine Redaktion bildet, produziert sie ein Massenmedium.
Das Internet sprengt das Konzept eines Massenmediums, weil es von Massenmedien genutzt wird. Das Internet ist – in der hier gewählten Hinsicht – kein Massenmedium, weil es kein Redaktion hat (und eben nicht, weil es keine „Masse“ bedienen würde).

Ich will hier nicht klären, was „Massenmedien“ sind, sondern exemplarisch eine bestimmte Kommunikation, die eben mit „Massenmedien“ bezeichnet wird, unter systemtheoretischer Perspektive genauer betrachten.

Wenn ich im Fernsehen einen Spielfilm anschaue, weiss ich, dass die Figuren Schauspieler sind, also Rollenhalter, die nicht miteinander sprechen, sondern einen dramatischen Text vorführen; wobei das Drama natürlich darauf beruht, dass ich dieses Wissen gerade nicht verwende, also nicht die Schauspieler, sondern die Figuren für wahr nehme. Wenn dagegen im Fernsehen eine sogenannte Talkshow gezeigt wird, weiss ich nie recht, ob die Beteiligten dieser Gesprächsrunde miteinander oder auf eine ziemlich verstörte Art mit mir sprechen. Aber Talkshows haben ja trotzdem die grössten Einschaltquoten – vielleicht, weil sie in gewisser Hinsicht des Publikums Fussballspielen sehr ähnlich sind.

Ich verhalte mich also angesichts Talkshows naiv und unterstelle, dass die Gesprächsgruppe ein Gespräch führt und ich – wie beim Fussball – im Publikum sitze. Dann sehe ich die Gesprächsgruppe als kommunizierendes System und ich bin aus dieser Kommunikation ausgeschlossen. Ich kann eigentlich gar nicht gemeint sein, denn die Gruppe weiss ja gar nicht, ob ich einen Fernseher habe und ob ich allenfalls zuschaue. Die Gruppe könnte denselben Prozess auch ohne Fernsehkamera durchlaufen – wenigstens im Prinzip, obwohl mir das oft sehr unwahrscheinlich scheint.

Systemtheoretisch ist die Gesprächsgruppe mit sich selbst beschäftigt, nicht mit mir. Natürlich kann die Gruppe dieses Gespräch so nur führen, weil es ein Fernsehpublikum gibt. Das Publikum und die Institution Fernsehen bilden sozusagen das Milieu, in welchem die Gruppe existieren kann, so wie ein Fisch Wasser oder ein Mensch Luft braucht, um seinen Lebensprozess aufrecht zu erhalten. Das Milieu ist aber System-Um-Welt, nicht Kommunikationspartner – oder sprechen Sie mit der Luft, die Sie zum Leben brauchen?

Natürlich kann man auch in diesem Fall beliebige Systeme betrachten. „Massenmedien“ sind Medien, die sich an Massen richten. Dabei ist offengelassen, zwischem wem die Medien vermitteln. Traditionell ist wohl eine Redaktion gemeint, die ein Publikum formiert. Im Falle von Talkshows selektiert die Redaktion aber nur die Teilnehmer, die dann ihre eigenen Anliegen vertreten können. Die Talkshow ist in diesem Sinne kein Massenmedium, obwohl sie vor einem kaum abgegrenzten Publikum läuft. Die Talkshow läuft aber als Fernsehprogramm und gibt deshalb ein Beispiel dafür, wie man Fernsehen und Massenmedien insgesamt verstehen kann.

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6 Antworten zu “Massenmedien

  1. „„Massenmedien“ sind Medien, die sich an Massen richten. “ – könnte man nicht umgekehrt behaupten, Massenmedien seien Medien, die Massen erschaffen. Spezifizierter (wenn es um als nicht-fiktional gekennzeichnete, sogenannte Nachrichtensendungen geht): ein Publikum oder gar (wenn es sich um politische-gesellschaftliche) Nachrichten handelt: eine Öffentlichkeit? Sodaß der Fluch des Massenmediums darin bestünde, fortgesetzt weiter Inhalte zu produzieren, um die Masse, die sich zwar vereinzelt in den Wohnzimmern befindet, durch Schaffung eines potenziell allgemeinen Gesprächszusammenhangs (Über Politik reden – mit Freunden, an Stammtischen, auf Parties) weiter als Masse zu stabilisieren, die genau idann wieder in ihre Konstituenten zerfiele, wenn das Massenmedium ausfällt?

    • @Postdramatiker – ja, umkehren geht (fast immer ;-). Dann will ich mögliche Umkehrungen beobachten (und den Akzent retour verschieben):
      1) Massenmedien richten sich an Massen /versus/ Massenmedien er-schaffen Massen.
      Hier wird „sich richten an“ und „erschaffen“ als Möglichkeiten angeboten. Konstruktivistischen fallen die beiden Fälle quasi zusammen.
      2) Massenmedien wird durch die Vorstellung einer „Masse“ bestimmt /versus/ Massenmedien wird durch die Vorstellung einer „Redaktion“ bestimmt.
      Hier wird das Massenmedium jenseits von Masse bestimmt, quasi durch eine Redaktion, die sich Masse erschafft und sich an sie richtet.
      Die Redaktion hat dann das Problem sich die Masse allopoietisch zu re-/produzieren. Und da würde ich auch sagen, dass die Masse zerfällt, wenn die Redaktion ausfällt – oder um umgekehrt zu formulieren, die Redaktion fällt aus, wenn sie sich keine Masse erschaffen kann.

  2. Pingback: » Die Massen der Medien Postdramatiker

  3. @Rolf Todesco
    @Postdramatiker
    Bevor wir uns über Massenmedien unterhalten, sollten wir feststellen, welche gemeinsame Ausgangsbasis in der Anwendung der wichtigsten benötigten Begriffen besteht, da keinesfalls „klar“ ist, was allgemein unter diesen verstanden wird:
    – WAS ist EINE BESTIMMTE KOMMUNIKATION – ist hier die VERBINDUNG, das ROHRSYSTEM, der KANAL oder das, was diese lediglich als banales inhaltsleeres Hilfsmittel benutzt, die INFORMATION primär gemeint?
    – was ist ein MEDIUM?
    – was ist (hier) mit MASSE gemeint
    – Was ist ein MASSENMEDIUM? (Medium DER Massen, für Massen, mit Massen, gegen Massen, von Massen – wenn ja, von welchen) – Die Erklärung des Autors entspricht irgendeiner ältlichen Lehrmeinung aber nicht den Gegebenheiten unserer Zeit.
    – Was gehört dazu? Gehören z.B. private TV- oder Hörfunkanbieter dazu?
    – welches Unternehmensziel hat ein Massenmedium? (und welches ein privater Rundfunkanbieter oder eine Zeitung)
    – ist Internet eine vergleichbare Kategorie mit Massenmedium oder mit Werbemarkt oder mit Informationsmarkt oder mit Kommunikationsmarkt oder mit Redaktion?
    – Feststellung: DAS INTERNET ist nur vergleichbar mit DAS FERNSEHEN oder DAS VERLAGSWESEN oder DAS BIBLIOTHEKSWESEN oder DAS KINO oder DAS RADIO oder DAS FUNKNETZ oder DAS bAHNNETZ usw. ….und nicht mit EINEM MEDIUM, denn es beherrbergt derer viele und noch Anderes, es könnte natürlich auch MASSENMEDIEN beherrbergen / transportieren – Gibt es ein UNTERNEHMENSZIEL „DES INTERNETS“?

    Liebe Freunde, so geht es einfach nicht, wie hier die Tomaten unter die Kartoffeln gemischt werden und dann Qualität der Pflaumen an diesen geprüft werden soll …
    … konstruktivistisch fällt hier zunächst nichts zusammen sondern alles auseinander, da rundum im Artikel selbst wie in den Kommentaren ein Mangel an gemeinsamen Informationsvorrat festgestellt ist und die erwünschten Fragestellungen bereits davon betroffen sind geschweige damit (nicht) beantwortet werden können.
    Bitte doch um etwas mehr begriffliche Sorgfalt. Zum Beispiel zunächst meine Fragen (wenigstens versuchen) zu beantworten, das übt ungemein besonders was die Kenntnis der Medienbranche betrifft.
    … und nicht vergessen: SINN als DEUTUNGSHORIZONT ! (?)

  4. @ Lusru – ich glaube, das „Programm“ das Sie hier vorschlagen ist mir in einem Blog zu gross. Ich weiss nicht, wie ich auf so viele Einwände und Ergänzungen sinnvoll reagieren könnte. Es müssten klein Häppchen sein – oder eben ein Gesamturteil, das dann nicht kommentierbar sein müsste.

    Ein kleines Häppchen ist meine „Definition“:
    Massenmedien haben eine Redaktion. Die Redaktion ist das für mich entscheidende Kriterium. Ich spreche HIER also nicht von Medien, Massen, Kommunikationen usw usw.

  5. Pingback: Medium – Medien | Dialog

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