Erklärung


Ich kann beispielsweise darüber staunen, dass die Planeten auf bestimmten Bahnen um die Sonne rasen. Ich glaube, die meisten Menschen staunen darüber nicht so sehr, aber man kann es tun und nach einer Erklärung suchen. Indem ich eine Erklärung suche, mache ich das zu Erklärende zum Phänomen (zu etwas, was so erscheint, weil es einen Grund oder eine Erklärung dafür gibt).

Wie kann ich mir also das Verhalten der Planeten erklären? Ich glaube, es gab früher die Vorstellung, wonach die Gestirne in einem Firnament (Himmelskugel) befestigt sind und sich mit dieser Kugel drehen. Das ist für mich eine zunächst mögliche Erklärung, die aber etliche Frage offen lässt. Diese Erklärung steht dann wie jede Erklärung in Konkurenz zu anderen Erklärungen. Natürlich ziehe ich heute eine andere Erklärung vor.

Hier geht es mir aber darum, was Erklärungen in der Kybernetik sind, nicht darum, welche Erklärung besser ist. Das sich drehende Firnament kann ich mir als Mechanismus vorstellen. So kann ich mir erklären, dass ich die Gestirne was ich als Bewegung der Gestirne sehen kann.
Eine andere Erklärung wäre eine Art Analogie zu Flugzeugen. Jedes Gestirn ist ein Flugzeug, das relativ weit weg um die Erde fliegt. Auch das ist für mich eine mögliche Erklärung, die auch etliche Frage offen lässt, aber als Mechanismus grundsätzlich funktioniert, weil ich ja weiss, wie Flugzeuge am Himmel fliegen.
Die aktuelle Erklärung ist auch ein Mechanismus. In diesem Mechanismus „fliegen“ die „Flugzeuge“ ohne Antrieb. Das können sie, weil sie in Bewegung sind und nicht gebremst werden. Sie würden geradeaus fliegen, was sie aber nicht machen, weil sie von der Sonne angezogen werden, was ich als Gravitation bezeichne. In diesem Mechanismus spielen andere Kräfte eine Rolle als in den beiden zuvor beschriebenen Mechanismen. Aber der Aufbau des Mechanismus ist in allen drei Fällen sehr
ähnlich.

Als Erklärungen fungieren in allen drei Fällen dynamische Mechanismen, bei welchen ich immer auch fragen kann, wodurch die Bewegungen zustande kommen. Beim Flugzeug ist die Bewegung eine Folge des Antriebes, etwa der Porpeller in der Luft. Dann muss ich sagen, wieso die Propeller sich drehen usw usw. Das heisst, jede Erklärung fordert weitere Erklärungen – bis ich an einen Punkt komme, den ich nicht weiter erklären kann.

Ich habe jetzt sehr viele Worte gemacht. Mich würde sehr interessieren, was Sie davon halten.Für mich ist das eine Explikation dessen, dass die Kybernetik Inhalte von Blackboxes beschreibt: Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten und es sind immer Mechanismen, also nicht nur Kräfte oder Prinzipen. Darin sehe ich den Unterschied zwischen Kybernetik und Naturwissenschaften.

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2 Antworten zu “Erklärung

  1. So viele Worte für den Unterschied zwischen der Religion Kybernetik (im Gegensatz zu einer Wissenschaft von den Systemen: Kybernetik) und „den“ Wissenschaften sind das nun auch wieder nicht, diese Feststellung ist wohl heftig übertrieben.
    Religion Kybernetik – deshalb so eindeutig, weil du die Kybernetik auf den Inhalt von Blackboxen reduziert behandeln möchtest – das ist aber das typische Merkmal von Religion und nicht von Wissenschaft.
    Kannst du mal noch sagen, was du unter deinen „Mechanismen“ verstanden wissen möchtest und was diese mit „Kräften“ und „Prinzipien“ zu tun oder nicht zu tun haben? So wie oben jetzt in den Raum gestellt, ist das weder eine religiöse noch eine wissenschaftliche Sicht und nicht einmal zwittrig.
    Übrigens:
    „Dynamische Mechanismen“ sind gequirlter Quark, da volle Tautologie. Wer das so bezeichnet, weiß entweder nicht, was dynamisch ist oder was ein Mechanismus ist – Beides sind Bewegungen – oder genau das eben nicht. Einen undynamischen Mechanismus gibt es nicht, das ist ein Fahr-Zeug ohne Zeug oder ohne Fahr – beides unbrauchbar. Genau so verhält es sich mit einem „dynamischen Mechanismus“.

    Während die Wissenschaft ihr Ziel darin sieht, an dem Punkt ernsthaft zu arbeiten zu beginnen, „den ich nicht weiter erklären kann“, hört Religion dort auf und erfindet sich an dieser Stelle stets individuell als Ersatz dafür. Beides halte ich für zulässig – allerdings nicht als identisch / austauschbar und erst recht nicht als eventuellen Gegensatz, der in einem Unterschied formuliert werden könnte oder sollte. Es sind zwei so verschiedene Felder wie Wüste und Ozean, beide unendlich, beide permanent in Bewegung, beide parallel nebeneinander existierend ohne direkten Bezug oder Möglichkeit dazu.
    In dem vergangenem Jahrhundert gab es jedoch genau dafür eine Reihe von Versuchen der undeutlich zwittrigen Theosophie, an die mich dein Text stark erinnert: Was konkret nicht erwünscht ist wird durch individualhygienische PhiloTheosophie im Sinne von „wsissenschaftlicher Religion“ (nur als Unsinn von der einen wie von der anderen Seite her zu belächeln) neu formuliert und versucht, als etwas Neues, Neuartiges oder Neuwertiges, kurz als etwas Eigenständiges auszureichen.
    Ist das Theosophie, was Rolf Todesco hier versucht?
    Oder bist du hier nur (ziemlich ungelenk)? lustig?

  2. Lieber Ludwig, ich würde mich freuen, wenn das Trollige etwas versteckter bleiben würde, sagen wir, quasi proforma seriös – oder noch lieber hätte ich, da es hier nicht um Wissenschaft oder Religion geht, weil ich mit beidem nichts am Hut habe, Beiträge in der ich-Form.

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