Medien(organisationen) als Institutionen


Aufgrund einer etwas peniblen Facebook-Diskussion habe ich mir ein paar Gedanken zum Begriff „Institution“ gemacht. Als Institution bezeichne ich eine als Objekt konstruierte Verursachungsinstanz für zugerechnete Aspekte einer gesellschaftlichen Ordnung.  Institution ist eine Hypostasierung, also eine Verdinglichung einer gedanklichen „Konstruktion“, die ich als Institutionalisierung bezeichne.

Diese nicht ganz leicht verständliche Formulierung wird vielleicht am Beispiel deutlicher. Ich beziehe mich dabei auf den sozialen Konstruktivismus von P. Berger, in welchem Institution als soziologisches Konzept eingefüht wurde.

Beispiel: die Institutionalisierung der „Schule“

Ich konstatiere, dass es die Institution Schule gibt und frage nach deren Institutionalisierung. Bevor es Schulen gibt lehren die Eltern ihre Kinder unter anderem beispielsweise rechnen. Mit der Zeit machen das viele Eltern, so dass viele Kinder betroffen sind, was ich als Sozialisation bezeichne, solange es unbewusst und nebenbei geschieht. Dann merken die Eltern, dass sie lehren und stellen einen Lehrer an. Sie produzieren damit einen handlungsbezogenen Typ, der die Handlung als Lehrerhandlung typisiert. Die Lehrer besuchen die Schüler zunächst – als Hauslehrer – in deren Zuhause. Dann besuchen die Schüler das Haus des Lehrers und produzieren damit einen (ortsbezogenen) Typ, der den Ort als Schulhaus typisiert. Das, was im Schulhaus gemacht wird, wird typisiert als Schule.

„Schule“ bezeichnet in einer entsprechenden objektsprachlichen Terminologie ein Objekt, unde jede Schule ist dann eine Instanz des Objektes. Jede Schule kann ich als Organisation auffassen. (In der Umgangssprache werden Objekt und Instanz kaum unterschieden, weshalb dort oft gesagt wird, dass eine Institution eine Organisation sei (was in der erwähnten Diskussion auch von einem Prof gesagt wird)).

Die Institution entsteht in diesem Sinne durch eine Externalisierung, eine Objektivierung und eine Internalisierung, in welcher sie als Wirklichkeit angenommen wird, die das Verhalten orientiert. Die Institution Schule „zwingt“ Menschen in die Schule zu gehen. Sie erscheint als etwas naturwüchsig Normales, als etwas, was gegeben ist und nicht gewählt werden kann. Die ihr zugrunde liegende Externalisierung findet dadurch statt, dass etwas, was zunächst (familien)intern geleistet wurde, nach aussen delegiert wird. Die Objektivierung findet dadurch statt, dass es Lehrer und Schulen gibt. Die Internalisierung findet statt, wenn Lehrer und Schule mit Hilfe von Sanktionen als Wirklichkeit durchgesetzt werden, also nicht mehr mit ihrer Enstehungsgeschichte begründet.

Literatur: „Institutionalisierung findet statt, sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handelnden reziprok typisiert werden. Jede Typisierung, die auf diese Weise vorgenommen wird, ist eine Institution“ (Berger, 1969, S. 58).

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Eine Antwort zu “Medien(organisationen) als Institutionen

  1. Reblogged this on Differentia und kommentierte:
    “ … Man muss unterscheiden zwischen einem Tomatenhändler, der die Oeffentlichkeit mit Tomaten versorgt und einem Tomatenhändler, der damit Geld verdienen will: Das sind zwei GANZ verschiedene Schizos …“

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