Beobachtung 2. Ordnung


zu einem Beitrag von Klaus Kusanowsky über die

Kommunikation zwischen Unbekannten

Klaus liefert hier/dort (wie gewollt auch immer) eine klassische Anwendung der kybernetischen Systemtheorie, die ich durch meine (Gegen)Beobachtung zu einer Beobachtung 1. Ordnung mache.

Klaus schreibt, dass der Systemtheoretiker als erstes Staunen muss (er nimmt den Ausdruck etwas seltsam finden). Davor schreibt er, was KEINE Erklärung ist und dass er eine Erklärung liefern will. Er unterstellt dann – was eben die Systemtheorie so verlangt – dass sich die Erklärung auf etwas zuvor als Seltsames bezeichnetes beziehen muss, damit auch geklärt ist, was erklärt werden soll. (Ich würde von einem Phänomen sprechen, aber das ist ja nur ein anderes Wort).

Klaus fragt sich, was er seltsam finden soll. Das ist die bewusste Wahl eines Phänomens. Sein Beispiel ist gut: Er kann fremde Leute kennen lernen. (Gut, Leute die ich schon kenne, kann ich nicht kennenlernen, aber um diese Differenz geht es hier nicht). Es geht darum, ob ich darüber staune, es seltsam finde, dass ich Leute kennen lernen kann. Ich kann darüber staunen oder eben nicht. WENN ich darüber staune, will ich es erklären, sonst eben nicht.

Man kann – und Klaus tut es in der Luhmannschen Tradition – auch noch lange darüber philosophieren, dass das, was er seltsam findet, auch wirklich seltsam ist. Aber das spielt systemtheoretisch alles keine Rolle. Es geht nur darum, dass Klaus sich auf etwas Seltsames festlegt, damit er etwas erklären kann.

Klaus macht dann eine klassische Operationalisierung. Was heisst sich kennen lernen? Hmmm, weiss ich so ohne weiteres nicht, aber als Operation kann ich sagen, man muss miteinander sprechen. Es geht jetzt also nicht mehr ums Kennenlernen, sondern darum, ins Gespräch zu kommen. Die Systemtheorie funktioniert so. Ich erkläre nicht das, was ich erklären will, sondern etwas anderes, wobei die gefundene Erklärung dann doch für Ersteres steht.

Ich breche hier mal ab und beobachte noch, was Klaus als seltsam beobachtet. Klaus macht zur hinterfragbaren Erscheinung, also zum Phänomen, dass ich mit andere Menschen spreche. Dann sagt er, dass das zustande komme, weil es Organisationen (vielleicht meint er eher Institutionen) und Massenmedien gebe. Das finde ich – zunächst – sehr seltsam, womit ich eine Art re-entry des Seltsamfindens vollziehe. Es geht dabei nicht darum, was Klaus wie sieht, sondern um die von ihm gewählte kontingente Beobachtung, in welcher Massenmedien vorkommen.

Ich frage mich, woher kommen die Massenmedien in diese Geschichte, wo es darum geht, ob und wie ich mit einer mir fremden Person, mit welcher ich zufällig ein Zugsabteil teil, ins Gespräch komme. Ich breche hier meine auch Frage ab. Mir geht es ja nur darum, dass Klaus sich ganz normal verhält, also genau so argumentiert, wie ich es aufgrund meiner Systemtheorie erwarten würde.

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4 Antworten zu “Beobachtung 2. Ordnung

  1. „Mir geht es ja nur darum, dass Klaus sich ganz normal verhält“

    Die Erklärung dafür könnte sein, dass wir uns kennen. Toll! Gut herausgefunden: ich stelle fest, dass was, was mir bekannt ist, ganz normal vorkommt. Und ich stelle erstaunt fest: dir offensichtlich auch.
    Web 2.0 Kommunikation ist Kommunikation für Doofe.

  2. hmmm… so doof finde ich das nicht. Mit „normal“ habe ich auf theoretisch begründete Erwartungen verwiesen: nämlich ein Phänomen zu erzeugen und dann etwas andere zu erklären … – aber gut, vielleicht ist das nur in meinen Augen keine doofe Beobachtung

  3. ich hatte eher meinen kommentar als doof angesehen. Aber man weiß ja nie, wo der Irrtum genau liegt. Jedenfalls kennen kennen wir uns irgendwie.

  4. ihr seit super zum mitlesen 😉

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