Konversation der Differenz


Die Konvers(ation) verstehe ich als aufzuhebende Differenz. Als konvers bezeichne ich Perspektiven, die ich verwende, um die Einheit einer Differenz so aufzuheben, dass ich sie zur Sprache bringen kann. Kaufen und verkaufen ist von verschiedenen Seiten gesehen dasselbe, das ich auch als Tauschen begreifen kann. Während im Tausch beide Seiten dasselbe tun, bringe ich durch die Konversion eine Differenz ins Spiel, die ich mir in der Konversation bewusst mache. Die Konversation lebt davon, dass Perspektiven eingebracht werden, ich sehe Dich, Du siehst mich, wir sehen verschieden, obwohl wir uns betrachten.

Konversationen sind zwar Gespräche, aber keine Zwie­gespräche oder Diskussionen. In der Konversation unterscheide ich zwischen Ich und Du, damit ich die Beziehung, die Art, wie Ich und Du in der Einheit einer um­fassenden dialogischen Kultur zusammen gehören, dia logos zur Sprache brin­gen kann. Indem ich die analytische Differenz eines perspektivischen Ichs erzeuge, kann ich über die Einheit in Form von Be­ziehungen zwischen Ich und Du sprechen. Die in diesem Gespräch gemeinten Beziehungen zwischen Ich und Du sind nicht wech­sel­seitig, sondern eine Einheit. Sie werden lediglich in dialektischer Rede konvers ent­fal­tet. In der Konversation höre ich, wie ich diese Beziehungen auch formu­lie­­ren könnte, weil andere sie so formulieren. In der Konversation erkenne ich dia logos, al­so durch die Formulierung hindurch, wo ich wie aufgehoben bin.

In der Konversation geht es mir also gerade nicht darum, jemandem etwas mitzuteilen, sondern darum, etwas zu teilen. Wenn ich mitteile, behandle ich mein Gegenüber als Es, ich konfiguriere oder in-form-iere Es. Ich entscheide, was mein Gegenüber wissen muss. Im auf­ge­ho­benen Mitteilen der Konversation habe ich gar kein individualisiertes Gegenüber, das ich informieren könnte. Ich nehme zwar perspektivisch Personen wahr, aber ich neh­me sie als persona eines Du. Wo ich zum Du spreche, idealtypisch bei­spiels­weise im Gebet, reproduziere ich keine Information über die Welt, son­dern spreche über mein Wahrnehmen unserer Beziehung. Dein Reich komme, es ist das eine Reich, das wir konvers entfalten.

In dieser Entfaltung be­grei­fe ich mein Ich (also mich) als Ausdruckswei­se einer Inkarnation. Ich strebe dabei nicht nach einer Selbstfindung oder Selbstverwirk­li­chung eines Ichs, sondern danach, das Ich oder das Selbstbewusstsein als Mit­tel des Dialoges zu erkennen. Es geht mir nicht darum, individuelle Subjekte zu ver­stehen, sondern darum, den Sinn zu erkennen, der hinter dem Sprechen liegt, das die Subjekte erst hervorbringt. Verstehen bedeutet in dieser Differenz nicht an die Stelle des andern zu stehen, also ihn oder seine Worte zu ver­ste­hen. Verstehen heisst die Offenbarung des Sinns zu sehen. In der Konversation mit dem Du muss ich verstehen, was ich sage, ich muss meine Worte verstehen. Das Du, das ich   anspreche, weiss – wie jenes, das ich im Gebet an­spre­che – immer schon und antwortet nicht mit Wörtern. Ich will nicht (be)lehren, denn lehrend beziehe ich mich auf Realitäten, die mir so wichtig scheinen, dass ich sie mitteilen muss. Dabei zeige ich keinen Respekt vor dem Du und der konversen Sicht.

Wo wir gemeinsam denken und sprechen, liegt die Vorstellung nahe, dass wir ein gemeinsames Verständnis anstreben oder gar erreichen könnten. In der Konversation baue ich aber auf einer Gemeinsamkeit auf, ich habe sie nicht als Ziel.

Die Gemeinsamkeit ist in der Konversation bereits gegeben, bevor irgendetwas ge­äus­sert wird. Ich spreche nicht zu Menschen, die mir gegenüber stehen, sondern mit Menschen, die die Du-Ich-Unterscheidung als Ausdrucksform der Ge­mein­schaft mit mir teilen.

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16 Antworten zu “Konversation der Differenz

  1. Pingback: Konversation als Utopie | Dialog

  2. ich habe das gelesen, gerne, und mehrmals.
    Ich finde keinen Widerspruch – nicht in sich.

    Kann es sein, daß wir (beide) inzwischen und gelegentlich etwas teilen?

    Wenn ja, dann sicher nicht Standpunkt, Ziel und Anliegen: So bete ich nicht, aber du scheinst zu wissen, wovon du da sprichst.

    Dennoch entsteht hin und wieder das Gefühl (in letzter Zeit mehr als zuvor), daß wir (beide) gern mal in der gleichen Suppe rühren, am gleichen Stamm herumschnitzen, gern mal nicht nur die Nase sondern auch etwas mehr in etwas stecken, das wir (beide) eigentlich doch erst noch suchen?
    Ob wir da schon „teilen“ – dieses ist deins, und das mein – oder: deins ist auch meins – dann ganz anders „geteilt“?
    Allein wenn eines davon zutrifft, gelegentlich, sind wir (beide) dann konvers, treiben wir Konversation, um zu teilen – oder trotz einer Teilung?

    Wohl keiner von uns beiden besteht wohl darauf, Konversation als Ziel zu betreiben, und ebenso keiner darauf, Gemeinsamkeit (z.B. dadurch) erzeugen zu wollen.
    Es sieht aber wohl fast so aus, als ob (zumindest ich für meinen Teil) diese voraussetzen, jedoch gemeinsames Verständnis nebensächlich darbtt, da es sichtlich keiner von uns (beiden) anstrebt, z.B. zu Lohn oder Tausch.
    Dennoch tauschen wir, man könnte auch meinen, wir teilen, da
    „Die Gemeinsamkeit ist in der Konversation bereits gegeben, bevor irgendetwas ge­äus­sert wird.“, haben damit also Konversation.

    „Ich spreche nicht zu Menschen, die mir gegenüber stehen, sondern mit Menschen, die die Du-Ich-Unterscheidung als Ausdrucksform der Ge­mein­schaft mit mir teilen“ – nun, wenn das eine Feststellung sein soll, würde ich sie begrüßen , sollte es eine Frage sein, sollte sie wohl inzwischen bejaht werden können – was ich eigentlich nicht vor hatte.

    Aber so ist das halt mit der Konversation, wer sie treibt, kann leicht von ihr getrieben werden, eventuell wie du, wie ich – oder: Wir (beide)?

    Da stört die Differenz nicht, sondern sie ist das Bindeglied.
    Das ich allerdings – wie du wissen solltest – den alles (an)treibenden UNTERSCHIED nenne, der, einmal wahrgenommen, zur INFORMATION geworden ist.
    So treiben wir demnach eine Konversation (du) der Differenz und (ich) des UNTERSCHIEDES, von der hernach so oder so nichts anderes bleibt als – INFORMATION.
    Oder die Feststellung:
    Kon vers ation in form iert.
    (1:0 !)

  3. Es ist recht einfach:
    „… gern mal nicht nur die Nase sondern auch etwas mehr in etwas stecken, das wir (beide?) eigentlich doch erst noch suchen?“
    Was wäre dieses „etwas“, ist es das, was du erfragst?

    Keine Mystik um der Mystik willen – Es könnte Wahrheit sein (so man annimmt, daß es eine gäbe).
    Es könnte das Durchscheinen sein, im Sinne von mittendurch wie dahinter schauen.
    Und es könnte Freude sein, die wir (beide?!) suchen, Freude am Erkennen, Benennen und Prüfen – unterscheiden – all dessen.
    Wie auch immer gehst auch du wohl „an und mit diesem Stock“, zumindest ist es das, was ich erkennen kann.

    Sollten wir etwas „teilen“, nicht im Sinne von auf- oder zerteilen sondern mehr von etwas gleichermaßen teilhabend, so käme dies eventuell infrage, besonders die Freude daran – was sofort aus jeder Differenz den verbindenden weil erkannten UNTERSCHIED und damit Information für die derart Teilenden werden läßt.

    Man muß nicht alles „sprechen“, was erkannt wurde, jedoch alles (er)kennen, was gesprochen werden soll, da Sprache unsere einzige Möglichkeit ist, etwas zu denken, z.B. zur Konversation, der der DIFFERENZ wie der des UNTERSCHIEDES, die beide stets nur das in form bringen, formieren wie in formieren, was hinzukommt, also neu oder anders oder wieder anders wäre, erst dann und dadurch als: INFORMATION.

    Die Differenz zwischen Unterschied und Information besteht so offensichtlich lediglich in der zeitlichen Abfolge des Wahrnehmens und Erkennens von so als NEUES Daherkommendem, was auch die erforderlichen (Antriebs)Differenzen begründet.
    Natürlich ist das konvers wie differenziert zu betrachten, und als Konversation (be)treibbar, die es zu teilen gälte.

    • ja, das teilen wir jenseits aller Dinglichkeit, die mir am Herzen liegt. Ich weiss nicht mehr, inwiefern wir Information schon behandelt haben. Im Dialog oder in der Konversation spielt sie keine – oder nur jene, die ihr C. Shannon gegeben hat – Rolle. Ich kann keine anderen Menschen informieren, weil ich dazu wissen müsste, was sie wie deuten.

  4. „inwiefern wir Information schon behandelt haben.“ –
    Ausreichend über einen längeren Zeitraum hinweg, jedoch zwar behandelt, aber nicht mit dieser Todesco-Aussage:
    “ Im Dialog oder in der Konversation spielt sie keine – oder nur jene, die ihr C. Shannon gegeben hat – Rolle.“
    Voll auf das Glatteis – und : AUSGERUTSCHT!

    Könnte nun fragen, bitte welche „Rolle“ hat denn der Shannon der INFORMATION gegeben?
    Du darfst das gern mal versuchen zu ergründen, bisher hat genau das keiner geschafft – um so verwunderlicher ist es, daß du zu wissen meinst, wovon die Rede ist … – Ich kürze es mal ab:
    Er (Shannon) hat ihr (der Information) (noch) KEINE (Rolle) gegeben, da er sich damit überfordert fühlte und das bedauerte und beständig gegen die Halbjournalisten um ihn herum und gegen die Schmalspur-DatennologiePhysiker seiner Zeit betonte, indem er darauf bestand, keine Informationstheorie sondern als Physiker NUR eine (technische) KOMMUNIKATIONSTHEORIE entworfen zu haben, die der ausführlichen Unterordnung einer noch zu entwickelnden INFORMATIONSTHEORIE zu zuführen sei, sobald INFORMATION geklärt und beschreibbar gemacht worden ist.
    So wird mit der Shanonschen Theorie nicht INFORMATION sondern NUR Kommunikationsmenge gemessen, da diese Theorie zu anderem nicht in der Lage ist (frei nach Shanons Erörterungen, die von den verstörten Daten- und Mathefuzzis aufgrund ihres eingeschränkten Verständnisses nach einer angeblich (!) „kybenetischen“ Betrachtung verschämt übergangen wurden, und aus Tradition und mangels Bereitschaft zur eigenen Beweglichkeit zur Korrektur gelegentlich sogar noch immer werden)
    Bis heute gibt es keine Möglichkeit, INFORMATION geschweige deren Menge zu messen, da das auf das Messen von ALLEIN der UNTERSCHIEDE, des reinen Neuen, hinausliefe, ohne den bereits bekannten und damit redundanten Anteilen.

    „Ich kann keine anderen Menschen informieren, weil ich dazu wissen müsste, was sie wie deuten.“ –
    Das ist so korrekt.
    Deshalb versuchen das auch andere.
    Z.B. über die Herstellung eines GEMEINSAMEN INFORMATIONS-VORRATES – was deutlich kein Geschäft eines sogenannten Informatikers (Datenfuzzis) ist, da das weder in seinem Werkzeugkasten enthalten ist noch hineinpasst in das dort verschlossene Verständnis…
    Ein „Fuzzi“ ist einE FachMannFrau, um nicht zu sagen, einE FachbeschränkteR, Information ist jedoch eine interdiszuiplinäre Kategorie.
    Es geht schon mal deshalb bei all denen nicht, die bereits (selber) den Begriffsinhalt INFORMATION weder deuten noch erklären können, da sie ihn weder kennen noch ahnen – obwohl sie laufend damit hantieren, sogar wie mit Messer und Gabel, stets in der (stillschweigend unterstellten) Hoffnung, der Zuhörende und man selber würden eben DOCH gleichermaßen wissen und deuten, was gemeint sei – was sich wiederum schlecht verträgt mit
    „Ich kann keine anderen Menschen informieren, weil ich dazu wissen müsste, was sie wie deuten.“
    Denn:
    Warum, Rolf Todesco, versuchst du das dennoch (auch über dein blog) laufend, wenn du selber dir doch sicher scheinst, daß du es nicht kannst, das Informieren?
    INFORMATION läßt sich nicht, wie ihr technisches Hilfsmittel Kommunikation, auf Technik reduzieren, weder auf angewandte noch auf „materiell geronnene“, da laut Shannon diese, wie für Information erforderlich, keine Fähigkeit für die Semantik und deren Kriterien, und damit irgendwelcher Deutung überhaupt und erst recht nicht interdisziplinär erbringen können.
    Ob wir an diesem Punkte schon einige Male „verweilten“?

    Eine Frage fernab jeder Physik, Mathematik, Datenwirtschaft, Kybernetik – jedoch nicht: der Informatik, die solange eine amputierte oder kastrierte bzw. eine Untermenge der Mathematik und Physik bleibt, wie sie selber sich nicht als das interdisziplinär taugliche Bindeglied begreift …
    Deutung ist keine Ingenieurtechnik, jedoch für INFORMATION; ihre Messung und Bewertung unerläßlich.

    Deshalb ist dieser Satz zu unterstreichen:
    „Ich kann keine anderen Menschen informieren, weil ich dazu wissen müsste, was sie wie deuten.“ – oder eben umgekehrt : Diese dann wissen müßten, was ich wie deute …

    • ich sehe das alles etwas einfacher: Shannon hat der Information die Rolle des in der Kommunikation Abwesenden gegeben. Er spricht von einem InformationsGEHALT, der technisch bestimmt ist, also jenseits von Be-Deutung und Semantik.
      Bei Luhmann und vielen Kommunikationswissenschaftlern steht Information für „das in der Mitteilung Mitgeteilte oder Gemeinte“. In der Konversation oder im Dialog gibt es keine Mitteilung und deshalb muss auch kein Wort für das Mitgeteilte gefunden werden.
      Mit Shannon kann man Information – ganz technisch – als die Energie sehen, die das Signal trägt: jedes Signal ist dann strukturierte Information.
      Ich muss also nicht warten, bis jemand eine Informationstheorie gefunden hat oder Information erklären kann — das brauche ich gar nicht. Ich verwende andere Unterscheidungen

  5. Wie ich das sehe, siehst du das nicht „einfacher“, da du dabei auf diverse Hilfskonstrukte angewiesen bist, von denen sich trotz (besser wegen) Luhmann keines aus den anderen erschließt, sie wurden nur nebeneinander gestellt und ergeben eben kein „Ganzes“.
    Allerdings kann man es wohl so sehen, wenn der legitime Anspruch, den Sinn bzw. das Ziel von Konversation über Kommunikation zu vermitteln, also der einzige Grund, überhaupt zu kommunizieren (der in der anorganischen wie organischen Natur sich aus den allgemeinen systemischen Bedingungen eh – auch undefiniert durch Mensch – ergibt) , wenn man meint, darauf verzichten zu dürfen, besser: diesen ignorieren zu dürfen – An diese4n Fragen ist bekanntlich Luhmann immer wieder soziologisch und systemisch betrachtet trotz seiner eigens dazu erbauten Wort-Sinn-Konstruktionen gescheitert.
    „Ich muss also nicht warten, bis jemand eine Informationstheorie gefunden hat oder Information erklären kann — das brauche ich gar nicht. Ich verwende andere Unterscheidungen“ – das ist sicher (für edich betrachtet) so möglich – jedoch nicht unter Verfälschung der Shannonschen Kommunikationstheorie und seiner DEfinitionen – die wie er selber stets auf das zurück, was bereits erklärt wurde, da er den großen Fehler in der Fehlnutzung seiner Erkenntnisse noch rechtzeitig bemerkte.

    „Mit Shannon kann man Information – ganz technisch – als die Energie sehen, die das Signal trägt: jedes Signal ist dann strukturierte Information“
    Auch dies hat mehrer Fehler in sich:
    – Es gibt keine „strukturierte Information“, da bereits STRUKTUR Information selber ist, sein muß gemäß jedem systemischen Verständnis – daß du (offenbar in Anlehnung an Luhmann) hier ignorieren zu dürfen glaubst.
    Information ist nicht zufügbar oder verzichtbar, da wesentliche Kategorie jedes Systems, ohne Information gibt es kein System, da es sich nicht einmal selber strukturieren und definieren kann, geschweige in Selbstregulierung sich erhalten kann.
    – … kann man – ganz technisch -? was sollte das denn sein? – die Energie sehenn … – das geht wohl eher nicht, da INFORMATION mit ENERGIE und MASSE zusammen die (System-) ELEMENTE des Systems MATERIE sind und sich schlecht das eine durch das andere ausdrücken lassen
    – jedes Signal ist dann … Information? Nein, nicht jedes, die Masse der Signale sind stets redundante Daten, von denen nur bestimmte UNTERSCHIEDE vermitteln und erst dadurch INFORMATION sein können.
    Hier liegt eine grobe Verwechselung von Signalen, Daten und Information vor, die der Klärung des Verhältnisses zueinander aus interdisziplinärer Sicht bedarf, es sei denn, wir reduzieren hier den Anspruch unserer Konversation (!) auf Elektrik, Elektronik oder Physik allgemein (bei Ausschluß der Kybernetik mit ihren sich regelnden Systemen) , wovon ich – und meiner Meinung nach auch du – nicht ausgehen.

  6. hmmm … jetzt ist es komplex geworden. Ich habe nicht über Information gesprochen, sondern über eine ganz bestimmte Verwendung des Ausdruckes „Information“. Über Information spreche ich – wie Shannon – NICHT, weil ich nicht weiss, was Information sein sollte.
    Ich verwende aber die Buchstabenkette „Information“ unabhängig davon, was Information überhaupt sein sollte, für eine technisch ganz klare Sache, die ich bei G. Bateson auch so finde (was aber mit Luhmann rein gar nichts zu tun hat)
    Technisch oder kybernetisch wird bei der Regelung immer ein Energiekreis durch einen dazu sekundären Energiekreis gesteuert. Die Energie, die im sekundären Energiekreis fliesst, bezeichne ich (und G. Bateson) insofern als Information, als ein Unterschied in diesem Energiekreis einen Unterschied im primären Energiekreis macht. G. Bateson gibt bei seiner überall nachgeplapperten Definition ganz viele Beispiele, die man nicht gut anders lesen kann (man kann aber – was unglaublich viele Leute – so auch Luhmann – tun, seine Definition zitieren, ohne sie je nachgelesen zu haben).

    Also einfach und um Missverständnisse zu vermeiden: es geht nicht um Information (was immer das sein sollte) sondern um eine ganz klare – kybernetische – Verwendung dieses Ausdruckes.
    Und wo immer ich eine klare Definition habe, spreche ich eine Sprache, die vielleicht andere nicht sprechen, weil sie andere Unterscheidungen pflegen oder ihre Unterscheidungen gar nicht pflegen.
    Ritualisiert würde ich dann fragen: Kennst Du G. Bateson, wobei ich nicht ihn sondern seine Texte und darin seine Verwendung des Ausdruckes Information meine.

  7. Natürlich kenne ich Bateson nicht. Allerdings beschäftigen mich gerade einige seiner Druckwerke, so auch das letzte von der Tochter aufbereitete.
    Allerdings bin ich aus Zeitmangel noch nicht durch damit, kann jedoch bisher nur die direkte Papfähigkeit meiner Darstellunge4n zu ihm feststellen.
    Kunststück: Stammen doch wesentliche Anregungen für meine Welt („.. „) auch und besonders von ihm, und zwar bevor ich „loslegte“.
    Denke mal, wir sollten uns beide noch ein wenig mit ihm (und auch anderen, gelegentlich auch etwas Schrödinger, Witgenstein, Ursul u.v.a.m.) beschäftigen und hernach neu beginnen, da gegenwärtig keine „Ernte“ möglich scheint – abgesehen davon, daß Kybernetik für mich eine feine Nebensache ist, ein Werkzeug für Anderes, das dich offensichtlich bisher nicht begeistern konnte.
    Dessen ungeachtet ist deine zuletzt geäußerte Verwicklung in die Erscheinung Information reichlich konfus und widersprüchlich in sich (hat auch nichts mit Bateson zu tun) und bleibt daher unverständlich, etwa so, als ob du Luftgitarre spielen willst und dabei mit echten Tönen rechnest – jedoch behauptest, beides interessiere dich nicht, da du doch an der Luftgitarre und den echten Tönen genug hast …

    • für mich wäre es einfacher, wenn wir uns auf konkrete Textstellen beziehen könnten, statt auf allerlei Philosophen wie Wittgenstein. Von G. Bateson gibt’s das geflügelte Wort, wonach Inforation ein Unterschied sei, der einen Unterschied mache. Und soweit ich sehe, hat er diese „Definition“ in „Geist und Natur“, S.126f eingeführt und erläutert. Vielleicht gibt es dazu auch andere Textstellen von ihm, die ich nicht kenne.
      Ich wüsste gerne, wie ich die erwähnte Textstelle anders als oben erwähnt lesen könnte. Ich bin an jeder möglichen Leseweise dieser Textstellen sehr interessiert. Aber ich meine Leseweisen von Texten, nicht Phatasien darüber wer was gemeint haben könnte.
      N. Luhmann beispielsweise schreibt in seiner Einführung in die Systemtheorie (S. 128f), dass G. Bateson seine viel zitierte Aussage Information sei „ein Unterschied, der den Unterschied macht“ einfach so sage. „Man findet das als Text, ohne dass die Bedingungen dieser Formulierung reflektiert würden“. N. Luhmann macht einen Quellverweis auf die „Oekologie des Geistes“, wo er nichts gefunden hat. G. Bateson hat seine vielzitierte Aussage sehr ausführlich erläutert, aber eben in „Geist und Natur“, einem Bestseller, den N. Luhmann offensichtlich so wenig gelesen hat, wie die vielen anderen Zitierer des Zitates.

  8. Nun gut, ich bin etwas in Zeitdruck, aber soviel vorweg:
    „Von G. Bateson gibt’s das geflügelte Wort, wonach Inforation ein Unterschied sei, der einen Unterschied mache. “
    Nun, daß Information ein UNTERSCHIED ist, hat er von URSUL, einem russischen Kybernetiker und Philosophen, akzeptiert, der war ihm bekannt.

    Daß jeder Unterschied, der erkannt / gemessen / wahrgenommen wurde, aufgrund der WAHRNEHMUNG an der wahrgenommenen Stelle / Lokalität eine VERÄNDERUNG des bisher Bkannten bewirkt, ist undiskutabel. Damit ist Unterschied grundsätzlich an seine Wahrnehmung / Erkennen gebunden, da es ihnsonst nicht gibt und grundsätzlich ein Unterschied produzierender.
    Das ist die Grundlage für jedes System, für jede Ganzheit (außer bei Luhmann, der sich darum einen Dreck scherte und anderes erfand, statt zu finden, was ist und geht, es mag an seinem ausschließlich konstruktivistisch tickendem Zettekasten-Extrakt gelegen haben, das nicht finden kann, was ist, da dort nur konstruiert werden kann, weil was nicht ist – nicht sein soll – ja nicht gefunden werden kann).

    Ursul machte den nächsten Schritt, um heraus zu finden, was denn Systeme treibt, was sie ausmacht, wie sie funktionieren, wobei er an dieser Stelle weder aus der Physik, noch der Biologie (wie Bertalanffy) noch der Philosophie sondern aus soziologischer Sicht den Sprung wagte und zunächst feststellte, Gesellschaft ist SOZIALE INFORMATION (hier vereinfacht beschrieben), wie alles was in, unter von zwischen und zu Menschen immateriell getauscht wird ( was nichts mit dem altdeutsch eingebürgerten Sozial-Verständnis der Fürsorge und der Sozialversicherung zu tun hat, sondern in dem Verständnis gesellschaftlich, als Soziales Wesen auf Partnerschaft angewiesen zu verstehen ist), Gesellschaft ist jedoch auch System.
    Damit stellte er fest, das System (die soziale Ganzheit) Gesellschaft ist vollständig abhängig von Information, es gibt keine „Immaterialität“ in der menschlichen Gesellschaft,die nicht SOZIALE INFORMATION ist, und Marktinformation, wissenschaftliche Erkenntnisse, kulturelle Leistungen und produkte aller Art sind Teile der SOZIALEN INFORMATION, ihr subordiniert.
    Damit drängte es Ursul wie Bertalanffy (und viele andere auch), mehr über das Innenleben von System (Algemeine Systemtheorie) und die Funktion Von Information zu erfahren, vor allem anderen: WAS IST DAS – INFORMATION, wie kommt sie zustande, welche Funktion erfült sie wie usw., da offensichtlich jede innere und äußere Bewegung des Systems (und damit seine Entstehung, ERhaltung, Entwicklung – aber auch sein Vergehen) nur durch Transport und Verarbeitung von Information mittels der technischen Hilfskomponente Kommunikation durch Erfassung, Wahrnehmung, Messung und Vergleich von UNTERSCHIEDEN möglich ist.
    Unterschied ist der Antrieb jeder Bewegung, in jedem System, anorganisch oder organisch, in der Makrowelt wie in der Mikrowelt) und völlig an seine gewissermaßen zweite ERscheinung gebunden: Den wahrgenommenen / erfaßten Unterschied, den Ursul als das Wesen, besser direkt als Information erkannte.
    Es gibt somit keine Information, ohne Unterschied, da sie anderenfalls keine ist – was nun, aber in der Tat erst jetzt zum Ausgangspunkt werden kann für die Betrachtung z.B. einer journalistischen Information, für die um so mehr gilt:
    Kein Unterschied (alltagssprachlich: nichts Neues) = Keine Information.

    Wenn sich denn nun Wissenschaft und Medien (bezogen auf alle Bereiche) als Haupttangenten dieses Zusammenhanges entschließen könnten, permanent nur „Unterschiede, die einen Unterschied machen“ zu verbreiten in ihren Kanälen, dann, erst dann würden sie -verkürzt gesprochen – INFORMIEREN.

    Man darf getrost auch u.a. am Bateson direkt und kreativ/schöpferisch prüfen, ob das was mit seiner Gesamtschau -und nur um die muß es gehen – zu tun hat …
    Verkürzt und – zugegeben: populistisch provozierend angelegt – ist Lusru der Auffassung:
    Information ist Unterschied,
    und dieser der „Treibriemen“ aller Systeme, aller Ganzheiten, und das vor allem IN der Materie, was das auch immer sei …

  9. Nun hast du „Textstellen“ genug, zusammen mit der Wahrnehmung des Unterschiedes zwischen uns beiden: Während du auf fremdproduzierte Texte vergangener Persönlichkeiten fixiert bist, versuche ich genau das zu vermeiden, da ich mich meist selber mitgebracht habe und sture Widerkäuerei nicht für kreativ oder sinnvoll vermittelbar halte – kann man das so sagen?

    • „Während du auf fremdproduzierte Texte
      vergangener Persönlichkeiten fixiert bist,
      versuche ich genau das zu vermeiden, da ich
      mich meist selber mitgebracht habe und sture
      Widerkäuerei nicht für kreativ oder sinnvoll
      vermittelbar halte – kann man das so sagen?“

      Ja, wenn man will, kann MAN das SO sagen. Ich würde das – konvers – anders sagen. WENN von Disziplinen oder von Autoren die Rede ist, mag ich Zitate im eigentlichen Sinn des Wortes, also Textstellen. Und wenn jemand seine eigene Ansicht gibt, mag ich ich-Formulierungen. SO mag ich es, andere sehen das anders.

  10. Dann haben wir doch zumindest DAS nun bestens und allseits sortiert.
    Was für ein Erfolg.
    Ergänzend:
    Falls Fragen dazu: ich beschränkte mich bisher auf meine bereits verknotete Takelage, sobald mehr Zeit, spiele ich auch wieder mit Seitenzahlen anderer Leute mit.
    Bis dahin bitte alles so nehmen, wie du es fandest, und falls das uninteressant oder erst nach nachgereichten Seitenzahlen von Relevanz, kannst du es gern auch entsorgen – so du das dann (noch) können wollen solltest
    Muß leider hier unterbrechen und nachdenken, was du mit „Disziplin – Seitenzahlen “ meinen könntest, haben die (welche eigentlich) solche auch?

  11. nein, Erfolg sehe ich auch noch nicht, das ist aber so bei Investitionen, die sich – vielleicht oder nicht – später auszahlen.
    Mit Disziplin meine ich Referenzobjekte von Wörtern wie Systemtheorie oder Kybernetik, wenn diese nicht für persönliche Anschauungen verwendet werden.
    Mich interessiert, ob jemand auf die Person oder den Kybernetiker G. Bateson bezug nimmt, oder auf einen Text von ihm, den man (mit Seitenzahlen) zitieren kann.
    Und in Deinen Texten bleibt mir sehr oft unklar, ob mir eine persönliche Anschauung geboten wird oder ob eine Art Gültigkeit mitgemeint ist, die für andere – zb rationale Wesen – auch gelten soll. Ich selbst markiere diese Differenz durch ich-Formulierungen. Aber natürlich kann man andere Unterscheidungen pflegen UND auch anders markieren, was MAN meint.

    Ich habe in den letzten Beiträgen geschrieben, wie ich „Konversation“ begreife – umd dazu gehört natürlich auch, wie ich mir die Erörterung von Begriffen wie INFORMATION vorstelle. Erfolg und Ertrag mag sich so nicht rasch einstellen, das macht aber nichts … vielleicht später

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