Ja/Nein-Demokratie


mxasseneinwanderungNach der Abstimmung zur „Initiative gegen die Masseneinwanderung“ könnte ein neues Gespräch aufkommen, eines das die verwendeteten Unterscheidungen reflektiert. Wenn aber weiter wie im Abstimmungskampf diskutiert wird, wird keinerlei Erkenntnis anfallen – ausser die bereits bekannte, wonach die andern die Sache nicht verstehen.
Wenn ich mit jemandem, der mitgestimmt hat, ins Gespräch komme, staune ich immer wieder – nicht darüber, wie, sondern darüber, worüber er meint, abgestimmt zu haben.
Vielleicht ist es ein generelles Problem, aber in dieser Abstimmung ist es mir wieder sehr bewusst geworden. Die Frage, die mit JA/NEIN beantwortet werden muss, hat den Charakter von Watzlawick-Fragen: Ist es wahr, dass Sie Ihren Ehemann nicht mehr mit dem Wallholz schlagen?
Auf dem Stimmzettel kann ich auf solche Fragen nicht reagieren, weil die Anworten vorgegeben sind. JA, ich schlage meinen Mann nicht mehr, aber ich habe es bisher getan, oder NEIN ich schlage ihn immer noch.
Demokratie – was für Parteiendemokratie gerade nicht der Fall ist – würde Gespräche entwickeln, in welchen untersucht würde, was für alle, also nicht für Parteien, schön wäre. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in solchen Gesprächen Fremdenangst/hass eine Rolle spielen würde – und schon gar nicht kann ich mir vorstellen, dass sich einige Gesprächsteilnehmer für die andern schämen würden … Für mich jedenfalls muss sich niemand schämen, auch wenn er JA oder NEIN gestimmt hat.

Ich will noch zwei Nachträge machen:

„Fremdenfeindlichkeit“ ist eine Erklärung für sich selbst. Warum sind wir Fremden gegenüber feindlich? WEIL wir fremdenfeindlich sind. Dabei ist ohne Belang, was „fremd“ und was „feindlich“ heisst, es stimmt immer und sowieso – und erklärt genau, was es erklärt.

Für mich ist UNdenkbar, angesichts eines Abstimmungsresultat von einem Votum zu sprechen und so zu tun, als ob jemand gesprochen hätte. Tausende haben zu ganz beliebigen Fragen, also zu ihren jeweiligen Interpretationen JA oder NEIN gesagt. Wer daraus EIN Votum konstruiert, der konstruiert im radikalsten Sinne des Wortes ein sprechendes Subjekt.

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3 Antworten zu “Ja/Nein-Demokratie

  1. Aber sehr gut: „Die Frage, die mit JA/NEIN beantwortet werden muss, hat den Charakter von Watzlawick-Fragen: Ist es wahr, dass Sie Ihren Ehemann nicht mehr mit dem Wallholz schlagen?“

  2. Nun, Kusanowsky war schneller, dann kann ich uns ja dessen Sicht nun hier ersparen – ohne diese gleich zum vorgezogenen Valentinsgeschenk zu posen.
    Dieser direkte Schweizer „Massenmanipulationsversuch gegen Masseneinwanderung“ mittels einer Watzlawiakschen „Abstimmung“ verwirrt mehr die Schweizer und Europa, als daß sie in der Lage wäre, in dieser Form IRGENDEINEN Volkswillen darzustellen, zu begründen oder zu bestärken.
    Es ist halt wieder mal eine typisch Schweizer HarlekinadeDemokratur, in der Demokratie praktiziert wird um derer selbst willen und nicht um zweckmäßig ein Problem nach prüfbaren Divergenzien als Wille des Volkes zu entscheiden, weil diese (wohl aus gutem Grund) nicht einmal saqchgerecht benannt sind:
    Wer ist schon für „Masseneinwanderung“ und was wäre denn darunter konkret zu verstehen?
    So ist das halt, wenn (eindeutig gebriefte) Dechnokraten (damit’s auch mit D anfängt) die Frage formulieren, die das Volk nicht verstehen muß, um das (im Stillen) gewünschte Ergebnis damit befördern zu können.

    Dabei ist die Variante „Ja / Nein“ nicht das Problem, die ist schon OK, das soll bei Abstimmungen oft so sein, daß man sich entscheiden muß – was man unter Menschen wohl eben mit Ja oder nein macht, um unmißverständliche Ergebnisse zu erzielen …(:-))

    Das eigentliche Problem ist – wie immer – das Problem!
    Besser:
    Die GENAUE Bezeichnung und Darstellung des Problems, und genau damit haben die Schweizer Alternativen Freunde der Deutschen Alternative den ganzen Saftladen so manipuliert, daß die meisten Abstimmer weder vorher noch jetzt genau wissen, was da tatsächlich abzustimmen gewesen wäre, so stimmten sie halt etwa in diesem Sinne soetwas ab, wie das hier:
    „Ist es wahr, dass die Schweizer nie ihren Lebensstandard ihren Ausländern und deren Gunst zu verdanken hatten oder sind nicht ihre Ausländer daran schuld: Ja – oder Nein?”…

    Auch reicht bereits das Sinnbild „Ausländer“ – das Fremde, dargestellt durch „Ein“wanderung – in der Frage, um zum großen NEIN zu kommen …

    Es gibt auch eine vorgeblich demokratisch praktizierende Volksherrschaft, die Volk von Volk trennt, weil sie nur sich selbst elitär und singulär respektierbar als Volk behandeln will und meint, in diesem Geist als „frei von äußeren Abhängigkeiten“ wie im Rausch sich durch das heutige MenschSein schummeln zu können
    Erinnerung:
    Nach jedem Rausch folgte – sofern man nicht erlag – noch immer die Phase der Ernüchterung, in der Ja / Nein die Geige eh nicht spielt

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