Die Autopoiese der Verwaltung (Politik-Trilogie 3 von 3)


administrationEin entwickelteres Verständnis der Haushalts-Auffassung von Politik hat ihren dialektischen Ursprung in der als Merkantilismus beschriebenen Welt, in welcher vordergründig private Haushalte von Fürsten in „politische“ Haushalte umgewandelt wurden. Dabei geht es nicht wie in der Polis-Geschichte um sozusagen aussenpolitische Bündnisse mit anderen Fürsten, sondern quasi innenpolitisch darum, dass die Verwaltung, die Zölle und Steuern für den Fürsten eintreibt, einen Teil davon am privaten Haushalt des Fürsten vorbeigelenkt, indem sie sich direkt von den Einnahmen bezahlt, und dem Fürsten nur noch gibt, was des Fürsten ist. Das Geld der Verwaltung kommt so nicht mehr in die Kasse des Fürsten und die Beamten werden nicht mehr vom Fürsten bezahlt, obwohl sie für oder im Auftrag des Fürsten arbeiten.

Narrativ hat diese Geschichte zwei Richtungen. Einerseits sind es Beamte, die den Haushalt (Hof) eines Fürsten verwalten und diesem erklären, wie er durch die Verselbständigung der Verwaltung reicher werden könnte. Der Fürst willigt gerne ein und die Sache nimmt ihren Verlauf, beispielsweise als Heldengeschichte wie die der Fugger, die das Zollwesen organisieren und dabei viel reicher werden als jeder Fürst.
Andrerseits sind es Fürsten, die ihren Beamten erklären, wie diese reicher werden könnten, wenn sie nicht mehr aus den Taschen des Fürsten leben. Eine „schöne“ Geschichte dazu ist die Erfindung von Elisabeth I., die F. Drake als Freibeuter hervorgebracht hat, der sozusagen auf eigene Rechnung für sie und für England Krieg führte und dabei sein eigenes Geld statt jenes der Königin verlor, während er, solange er mit seinem Sklavenhandel noch Gewinn machte, die Königin, die von seiner Piraterie nichts wusste, beteiligen musste.

Vordergründig geht es um eine Art „Vergesellschaftung“ von Verwaltungskosten, vor allem der Kosten der stehenden Kriegs- und Beamtenheere in einem eigenständigen Finanzkreis, in welchem die Verwaltung und die Armee für ihre Aufwände aufkommen und nicht den Haushalt des Fürsten belasten. Eigentlich ist es ein Nullsummenspiel, aber beide Parteien können mit Vorteilen rechnen, wie die beiden obigen Geschichten zeigen. Die Selbstfinanzierung der Verwaltung jenseits der privaten Finanzen des Fürsten bringt eine selbständige Verwaltung hervor, die eben nicht privat, sondern politisch ist. Politisch steht dabei für die Differenz zwischen politisch und privat, wobei politisch jetzt die Verwaltung von nicht Privatem bezeichnet.

Konventionellerweise wird eine andere Geschichte erzählt, in welcher sich die Fürsten bei Bürgern verschulden und so allmählich Mut, Gut und Blut verlieren, während die spartanischen Bürger – die treffender als Bourgoisie bezeichnet werden – den Grundstock des künftigen Kapitals gewinnen. Gerade in England aber, wo das Königshaus immer reicher wurde, entwickelte sich der Kapitalismus zuerst, während die Fugger wie die Medici nur Banker wurden.

Die „politische“ Verwaltung hat sozusagen ein eigenes Hoheitsgebiet, das räumlich mit dem Fürstentum übereinstimmen kann, aber eine eigene Konstitution hat, die den Finanzverkehr regelt und durch die Armee sicherstellt, die dann auch nicht mehr dem Fürsten gehört, sondern zunächst eine Art Freibeuterstatus hat, der durch die Verfassung begrenzt wird. Die konstitutive und zugleich generellste Verwaltungsaufgabe besteht in der Herausgabe von nationalem Geld, was als Währung durch die Armee geschützt wird. Das Geld wird politisch, indem es nicht mehr als Siegel des Fürsten dient, sondern von einer Nationalbank verwaltet wird.
Das von den Merkantilisten beschriebene Geld gehört niemandem, es ist Medium im engeren Sinne des Wortes, weil es gedeckt ist. Es könnte von der Nationalbank jederzeit zurückgenommen und vernichtet werden, ohne dass irgend jemand irgendetwas gewinnen oder verlieren würde. Darin motiviert sich der merkantilistische Begriff der politischen Ökonomie.

Als Politik erscheinen so Handlungen, die dazu dienen, Verwaltungsentscheidungen durchzusetzen und die erforderliche Machtbasis für die Durchsetzung sicherzustellen. Die Politiker kontrollieren als Behörden die politische, also die nicht private Verwaltung. Wenn die politische Verwaltung eine hinreichende Stabilität erreicht, so dass sie in einer Verfassung beschrieben werden kann, spreche ich von einem Staat. Der Staat ist eine Nation, wenn eine Nationalbank und mithin eine Währung gegeben ist.

Die grundlegenden politischen Handlungen bezeichne ich als Verstaatlichung und Privatisierung, wobei der Ausdruck Verstaatlichung nicht den Staat meint, sondern die entprivatisierte Verwaltung. Politik heisst der merkantilistische Prozess, der die Verwaltung aus der Obhut von bezeichneten Hausvorständen (Monarchen) herausführt und die Funktion des Hausvorstandes gewährleistet.

Jede Verwaltung verwaltet Finanzen.

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