Das Ich – oder: die ich-Formulierungen


Ich habe in den vorangehenden Beiträgen zur Kybernetik ich-Formulierungen verwendet. Was ich zur Kybernetik und zum Sprechen über Kybernetik gesagt habe, könnte ich diskursiv als Beiträge zu einer Diskussion über die Kybernetik lesen. Das macht für mich aber keinen Sinn, was ich durch die ich-Formulierungen ausdrücken will. „Es“ geht nicht um Kybernetik sondern um den Dialog, in welchem Kybernetik Thema ist.

Wenn ich ich sage, bezeichne ich differenzlogisch verschiedene Unterscheidungen. Eine dieser Unterscheidungen bezeichnete M. Buber mit „es“. Ich spreche so gesehen über michh oder nicht über mich. Ich kann beispielsweise sagen, dass „es“ regnet oder dass die Sonne, die dann das „es“ repräsentiert, scheint. Ich sage dann etwas über eine von mir unabhängige Wirklichkeit, der ich quasi – nicht bezeichnet – ausgeliefert bin. Auf der dann nicht markierten Seite der Unterscheidung, kann ich mich natürlich fragen, warum ich überhaupt etwas zum Wetter sage – oder warum ich überhaupt etwas sage.

Wenn ich etwas sage, unterstelle ich einen Hörenden oder sogar einen Zuhörenden, den ich mit Du ansprechen könnte. Eine dabei nicht ausgesprochene Unterscheidung ist das Du, das insofern als Differenz erscheint, als auch ich höre, was ich sage. Als Hörer kann ich die Unterscheidung zwischen ich und Du machen oder im Gesagten aufheben. In einer Diskussion mag es wichtig sein, wer was sagt. Im Dialog dagegen ist wichtig, wer was hört. Das Gesagte steht im Raum und es ist ohne Bedeutung von wem es gesagt wurde.

Im Dialog beobachte ich, was wie gesagt wird und was ich davon unter welchen Voraussetzungen auch sagen kann. Die Worte, die ich verwende, sind nicht von mir. Ich finde sie in meiner Sprachgemeinschaft, also im Sprechen mit andern.dialogbuch3 Ich wähle Worte, die mir passen und ich erkenne durch meine Worte, wie ich meine Vorstellungen zur Sprache bringe, wodurch sie erst zu Vorstellungen werden.  Im Dialog können alle Beteiligten auch untersuchen, wie sie selbst sprechen, also untersuchen, inwiefern welche Redeweisen für sie selbst passen. Im Dialog achte ich auf die Worte. Keine Wirklichkeit zwingt mich, bestimmte Worte zu wählen. Mit der Wahl meiner Worte zeige ich – vor allem mir selbst – welche Form(ulierung) ich für adäquat halte.

Ich entfalte eine Sichtweise auf Kybernetik, aber keineswegs die Vorstellung, dass jemand Kybernetik auch so sehen müsste. Ich suche im Dialog Nachahmung in Bezug auf das Entfalten von Sichtweisen, nicht in Bezug auf eine bestimmte Sichtweise.

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