Kybernologie


Nachtrag am 25. Aug. 2014:
Dieser Artikel hat offline zu Kommentaren geführt, die mir zeigten, dass ich das ganze nochmals gründlich überarbeiten muss. Was hier steht, finde ich nicht falsch, aber doch zerstückelt. Ich lösche das nicht, aber ich schreibe das Ganze nochmals in mehreren Folgen und etwas sorgfältiger:

Kybernologie (überarbeite Version)


Hier die erste Version, die mir nicht mehr recht gefällt

Als Kybernologie bezeichne ich – in Anlehnung an meine Unterscheidung zwischen Technik und Technologie – eine Lehre zur Kybernetik, wobei ich die Kybernologie als Teil der Technologie begreife, weil ich die Kybernetik als Teil der Technik sehe, die auch die Informatik beinhaltet. Ich schreibe zunächst ein paar Worte dazu, wie ich den Begriff „Kybernologie“ verwende und dann ein paar generelle Bemerkungen zu (m)einer Kybernologie, die ich beispielsweise bei G. Bateson auch erkennen kann.

Kybernologien explizieren – als spezifische Technologien – Weltanschauungen, in welchen die Entwicklung der Kybernetik in einem übergeordneten Rahmen dargestellt und invers eine kategoriale Logik entwickelt wird, durch welche ich die Entwicklung der Kybernetik rekonstruiert wird. Als „Kybernetik“ bezeichne ich dabei analog zum Ausdruck Technik, der auch auf ik endet, eine Differenz zwischen einer Theorie und einem darin reflektierten Sachverhalt. Der Sachverhalt besteht in Rückkoppelungsmechanismen, die Verfahren der Regelung repräsentieren. Die Lehre beschreibt, dass und wie diese Verfahren als Erklärungen für Phänomene verwendet werden, die durch diese Verfahren erzeugt werden können.

Der Radikale Konstruktivismus stellt – wo er nicht epistemologisch gedeutet wird – eine Variante der Kybernologie dar. Jede Konstruktion „erklärt“ wie das Phänomen, das mit ihr erzeugt wird, zustande kommt. Die Kybernologie beschreibt die Kybernetik also nicht nur als Konstruktionsanweisung für Maschinen, sondern auch als generelle Erklärungsgrundlage und umgekehrt – als Anschauung – was Erklärungen sind.

Ich spreche bewusst von Kybernologien und Technologien in der Mehrzahl, weil verschiedene Beobachter sich dadurch unterscheiden, dass sie verschiedene Kategorien oder Unterscheidungen verwenden. Die allgemeine Charakterisierung der Kybernetik durch Regelungsmechanismen ist in diesem Sinne bereits eine Festlegung, der man nicht folgen muss, die aber in dieser Allgemeinheit in praktisch allen mir bekannten Beobachtungen noch geteilt wird, zumal der Ausdruck „Kybernetik“ auch mit der Zustimmung von N. Wiener, von dem der Ausdruck eingeführt wurde, als Er-„Satz“ für die explizite Umschreibung „zirkulär-kausale und Rückkoppelungsmechanismen in biologischen und sozialen Systemen“ verwendet wird.

Als Kybernetik bezeichne ich den Teil der Technik, der sich mit automatischen Mechanismen befasst. Die Kybernologie sehe ich in diesem Sinne als Teil der Technologie. Als „Logie“ oder Lehre bezeichne ich propagierte Weltanschaungen, also Formen von Wissen, die in genau dieser Form tradiert werden sollen. Ich unterscheide Lehre und Theorie. Alle Aussagen über Tatsachen gehören zur Lehre, während Theorien solche Aussagen quasi reflexiv plausibilisieren sollen. Die Techno-Logie begründet das Begreifen oder Denken schlechthin durch Kategorien, die in der Entwicklung der Technik generiert werden, was insbesondere auch in der Vorstellung eines toolmaking animals zum Ausdruck kommt.

Mit toolmaking animal bezeichne ich in gewisser Hinsicht einen spezifischen Moment einer dort geteilten Entwicklung des Menschen. Ich unterscheide eine naturhistorische Entwicklung innerhalb des Tierreiches, die mit dem Auftreten des Menschen abgeschlossen ist, und eine sozialhistorisch Entwicklung des Menschen, die mit dem Auftreten des Menschen beginnt und in welcher sich nicht mehr der Mensch, sondern dessen Lebensverhältnisse als Kultur entwickeln. Menschen kann ich beispielsweise – wenn mir das gefällt – als toolmaking animals sehen. Dann beobachte ich im Tierreich eine Entwicklung hin zur Verwendung von Objekten, welche am Schluss den Menschen als Herstellenden hervorbringt, und eine zweite Entwicklung, in welcher sich die Menschen dadurch entwickeln, dass sie ihre Werkzeuge entwickeln.

Die Technologie beschreibt in diesem Sinne vordergründig die Entwicklung der Werkzeuge. Als Lehre aber beschreibt sie die Entwicklung der Werkzeughersteller und deren Selbstverständnis als Werkzeughersteller, das sich in begrifflichen Kategorien und Konzepten zeigt, die der Technik entwickelt werden. Wo die Technologie evolutionstheoretisch beobachtet, beobachtet sie die Entwicklung der Technik quasi zurückblickend durch die Kategorien der jeweils jüngsten Entwicklungsstufe. Evolutionstheoretisch der Automat ein Schlüssel zum Verständnis der Werkzeuge, so wie die Anatomie des Menschen ein Schlüssel zur Anatomie des Affen ist.

Automaten sind in einer bestimmten kybernetischen Perspektive explizit geregelte Maschinen. Maschinen sind Wekzeuge, die nicht von Lebewesen angetrieben werden. In dieser Logie stellt der Mensch zunächst Werkzeuge her, die er selbst antreiben und selbst steuern muss. Dann verwendet er Kraftmaschinen, um die Werkzeuge anzutreiben. Schliesslich konstruiert er Automaten, die durch Prozessoren gesteuert werden. Der Entwicklungsstufe der Kraftmaschine entspricht ein Bewusstsein für Energie, den Automaten entspricht ein Bewusstsein für Regelung und „Information“. Auf dieser Stufe sehe und lehre ich „Welt“ als einen geregelten Energieprozess und beispielsweise den Menschen als intelligent sublimierendes Triebwesen. Als Erklärung für Phänomene gilt die Funktionsweise eines geregelten Mechanismus, mit welchem das Phänomen erzeugt werden kann – was natürlich mitbestimmt, was als Phänomen überhaupt in Frage kommt.

In der Kybernologie fasse ich alles, was ich beobachte, als kybernetische Systeme auf, die Rekonstruktionen von Automaten darstellen, also mit derselben Sprache beschrieben werden, mit der ich Automaten beschreibe. Automaten haben als Maschinen eine materielle Struktur, die ich in Zeichnungen abbilden kann, und eine Funktionsweise, die ich – nur – sprachlich, beispielsweise in Programmen darstellen kann – wobei natürlich auch die Idee des „Programms“ in diesem Sinne unmittelbar aus der Technik stammt.

Das zentrale Konzept der Kybernetik ist die sekundäre Energie, die der Steuerung von primären Energiekreisen dient, und technisch als Transistor oder als Verstärker-Relais bekannt ist. Kybernetisch werden Ströme zirkulär-kausal durch Ströme gesteuert .

Das zentrale Konzept der Kybernologie besteht in einer Differenz, deren Einheit ich als Information bezeichne. Information wird dabei – umgangssprachlich – von Energie unterschieden, ist aber selbst auch wieder Energie, die zur Steuerung einer anderen Energie verwendet wird. Da die steuernde Energie im Normalfall sehr viel kleiner ist als die gesteuerte Energie, wird sie gar nicht als Energie thematisiert, sondern eben als Information bezeichnet. G. Bateson definierte „Information“ als: „Der Unterschied, der einen Unterschied macht“. Ich interpretiere das so: Ein Unterschied im sekundären Stromkreis macht einen Unterschied im primären Stromkreis. Die Unterschiede im sekundären Kreis bezeichnet G. Bateson „Information“.

Beim Radio-Verstärker etwa wird anhand eines schwachen Signals, das beispielsweise über eine Radioantenne empfangen wird, ein starkes Signal, das auf Strom aus der Steckdose beruht, gesteuert. Das Signal wird dabei nur quasi verstärkt, eigentlich wird das sekundäre Signal durch ein starkes Signal ersetzt, welches im Lautsprecher des Radios nochmals sekundär die Schallwellen steuert, die zum Ohr des Hörer fliessen.

Gerade darin, dass ich dann auch das Ohr des Hörers unter diesen kybernetischen Gesichtspunkten anschaue, zeigt sich die Kybernologie als Weltanschaung, die dann als Radikaler Konstruktivismus auf den Punkt gebracht auch den Beobachter als kybernetisches System beschreibt.

Ein paar inhaltliche Aspekte zum Verhältnis zwischen Kommunikation und Information werde ich später nachführen.

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2 Antworten zu “Kybernologie

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