Die Nutzung der Natur – Ecopopulismus


ecopopHanspeter Guggenbühl bringt im Kontext der Ecopop-Abstimmung ein paar Gedanken ins Spiel, die für mich hinreichend PEINlich sind, um sie zu reflektieren. Er schreibt:

Die Nutzung der Natur wird von drei Faktoren bestimmt. Erstens vom Konsum pro Person (gemessen in Geld). Zweitens vom Naturverbrauch (Rohstoffe, Land etc.) pro Konsumeinheit. Drittens von der Zahl der Personen. Diese Formel wird in der Regel nicht bestritten.“

Diese „Formel“ ist keine Formel sondern eine blöde Leier. Von einer „Nutzung der Natur“ zu reden, ist die erste Blödheit. Die Natur, was immer das sein soll, kann nicht „genutzt“ werden. Ich kann Erdöl oder Kohle „nutzen“, aber nicht die Natur.

Der „Konsum pro Person“ ist die zweite Blödheit. Ich messe den Konsum JEDER Person in Franken. Meinen Konsum vergleiche ich mit dem Konsum von anderen Menschen – auch in Franken. Es ist nicht nur blöd, sondern eine brutale Aggression, wenn man mir sagt, dass ich und irgendein anderer zusammen sehr reich seien und sehr viel konsumieren. Es ist wie wenn der Fischer zum Wurm sagt: Komm lass uns angeln gehen.

Von einem Naturverbrauch zu sprechen ist blöd, wenn Warenverbrauch wie sogenannte Rohstoffe gemeint sind. Und wenn Waren gemeint sind, dann messe ich mit Geld, das nicht pro Kopf ausgegeben wird, sondern von individuellen Menschen.

Die Zahl der Personen zu thematisieren ist nicht nur blöd, sondern „herrenmenschiger“ Malthusianismus. Wer von zu vielen Menschen in der Natur spricht, negiert mich, weil ich mich als einen der vielen Menschen sehe – wohl immer in der Absicht mein Geld oder euphemistischer meine „Naturnutzung“ auch noch zu bekommen.

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10 Antworten zu “Die Nutzung der Natur – Ecopopulismus

  1. Den Warenverbrauch kann man nicht allein mit Geld messen, weil Geldbeträge nichts darüber aussagen, welche Ware verbraucht wurde. Außerdem bezeichnet man z.B. „Land“ normalerweise nicht als Ware, daher wohl „Naturverbrauch“.

  2. ja, lieber cubefox, Geld stinkt nicht, man sieht nicht, für welche Ware es steht. Aber jede Ware kostet Geld. Und Land ist insofern eine Ware, als Land Geld kostet, also als Ware gehandelt wird – aber niemals als „Natur“.

  3. Genau, Geld stinkt nicht. Deswegen kann man den Warenverbrauch wie gesagt nicht bloß mit Geld messen.
    Nebenbei, nicht jede Ware kostet Geld. Z.B. bei Tauschhandel: „China ist Hauptabnehmer iranischen Erdöls, doch für sein Öl bekommt der Iran keine Dollar oder Euro, nicht einmal die chinesische Währung Yuan, sondern nur Waren.“
    http://transparency-for-iran.org/politik/steine-die-den-koran-rezitieren-chinas-rolle-auf-dem-iranischen-markt

    • hmmm … nachdem es Geld gibt ist jedes Tauschen durch Geld vermittelt, selbst wenn das Geld nicht mehr leiblich erscheint, sondern nur noch als Grösse im Kontokorrent verwendet wird.
      Und natürlich muss Geld nicht aus Noten oder Münzen bestehen, ich kann in einer anderen Währung auch Öl als Geld verwenden.
      Hier geht es mir aber weniger um die politische Ökonomie als um den Populismus von Argumentationen mit „Natur“. Erdöl ist nicht „Natur“ sondern eine Ware. Und wie viel von dieser Ware jeweils „genutzt“ wird, wird mindestens teilweise über deren Preis in Form von Geld geregelt.
      Wenn ich Geld ausgebe, kaufe ich immer Waren. Und ich kann beim besten Willen nicht sehen, inwiefern bestimmte Waren „ecopopulistisch naturverträglicher“ sein sollen als andere. Jeder einzelne Franken – nicht irgendein Durchschnitt pro Kopf – belastet jemanden oder etwas. Sonst müsste ich ja nichts bezahlen.
      Es ist völlig irrelevant, wie viel die Bevölkerung der ecopop-Schweiz oder der ganzen Erde ausgibt, relevant ist, was jeder einzelne ausgibt, was nebenbei bemerkt am einfachsten in Form seines Einkommens gemessen wird.

  4. Ja Erdöl ist eine Ware, z.B. bei Land ist die Bezeichnung aber wie gesagt unüblich. Dass du sie hier trotzdem auch für Land verwendest, ändert daran nichts. Und dass du offenbar Öl im Tauschgeschäft als eine Form von Geld bezeichnest heißt auch nicht, dass das üblich ist.

    „Jeder einzelne Franken – nicht irgendein Durchschnitt pro Kopf – belastet jemanden oder etwas.“

    Natürlich, aber es kommt bei der Naturbelastung darauf an wofür er ausgegeben wurde. Manche Waren oder Dienstleitungen belasten die Umwelt stärker als andere, die gleich viel kosten. Siehe z.B. hier:
    http://www.spektrum.de/news/der-rebound-effekt-wird-ueberschaetzt/1181936
    Genau das kannst du aber nicht mehr nachvollziehen wenn du den Natur- bzw. „Warenverbrauch“ nur in Geld misst.

  5. ok … das ist genau mein Punkt: Ich finde es ecopopulistisch, verschiedene Umweltbelastungen bei verschiedenen Arten des Konsums herbeizureden, statt im Klartext die Menge des individuellen Konsums in Anzahl Franken zu beobachten.
    Natürlich kann ich in einer kurzfristigen Perspektive überlegen, ob eine Öl- oder eine Holzheizung umweltverträglicher ist. Aber die Frage ist, WIE VIEL ich verheize. Und das kann ich in Franken angeben – zumal der Öl- und der Holzpreis sich auf dem Markt ziemlich schnell folgen.

    PS danke für den Rebound-Link, wo diese Geschichte ja auch angesprochen ist

  6. Zum Verständnis: Du behauptest, dass die Umweltbelastung bei verschiedenen Arten des Konsums immer gleich ist, solange sie gleich viel kosten? Das wird im verlinkten Artikel bestritten (indirekter Rebound nur 5-15% statt 100).

  7. ja, ich habe das so verstanden wie Du. Ich meinte, die machen das auch zum Thema und ziehen ganz andere Schlüsse als ich – eben weil sie eco-Politik machen und sich nicht für die Verteilung des Geldes interessieren. So kann man ohne weiteres auf die Idee kommen, das ein westlicher Milliardär die Umwelt mehr schützt und weniger belastet als ein am Hunger sterbender 3. Welt Bewohner … rein durchschnittlich !!!

  8. Ich verstehe dich nicht. Sehe es umgekehrt. Z.B. der CO2-Ausstoß korreliert mit dem BIP. Die meisten Bewohner eines Entwicklungslandes haben also einen wesentlich kleineren „Fußabdruck“ als die meisten Bewohner eines Industrielandes. Beim Verbrauch von Ressourcen ist es wohl ähnlich.

  9. ja, verStehen heisst an einen anderen Beobachtungspunkt Stehen.
    Ein verhungernder 3-Welt-Bewohner macht beispielsweise mit dem Rest seines Vermögens ein offenes Holzfeuer und belastet damit die Umwelt mit CO2 und Feinstaub. Der Milliardär in unserer Gesellschaft fährt mit seinem Tessla in sein energieneutrales Haus und schont so die Umwelt.
    Mein Standpunkt ist so einfach – wie er ecopolitische auch tabuisiert ist – ich schaue, was der einzelne Mensch beiträgt. Und das messe ich nicht mit chemischen Formeln sondern mit Franken.
    One men – one vote – und wieviele Franken?

    Warum darf ein reicher Europäer die Umwelt mehr belasten als ein armer Europäer? Warum darf er mehr Natur „benutzen“, will heissen Erdöl verbrennen?

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