Textproduktion


Als Textproduktion bezeichne ich tautologischerweise die Produktion von Text.

In der Alltagsprache hat sich der (un)sinnige Ausdruck „Textverarbeitung“ eingebürgert, was ich als Ausdruck einer blanken Begriffslosigkeit zur Textproduktion interpretiere. Davon abgesehen:

Die Textproduktion ist eine Produktion, die ich selbst mit hochentwickelter Technik quasi im Privaten betreibe ohne dass meine Texte zu Waren werden. Mir fällt keine vergleichbare Produktion ein.

Was ich als Produktion bezeichne, folgt einem Zweck und einem Plan, ist Ausdruck davon, dass ich als Produzent etwas Bestimmtes erreichen will. Das, was ich mit Text erreichen will, kann ich unter verschiedenen Gesichtspunkten beobachten. Wenn ich Text produziere, mag ich eine von Menschen interpretierbare Aussage im Kopf haben und etwas mitteilen wollen, abzeichen_lupeer sicher will ich zuerst, dass mein Text überhaupt gelesen werden kann. Wenn ich Text herstelle, produziere ich einen materiellen Gegenstand der sinnlich wahrgenommen werden kann und soll.

Wenn ich beispielsweise einen Hammer produziere, produziere ich auch einen Gegenstand mit einem bestimmten Zweck. Auch ein Hammer ist ein Gegenstand, den ich als geformtes Material sehen und sinnvoll verwenden kann. Texte verwende ich wie beispielsweise Signalflaggen oder Verkehrszeichen als Symbole, aber wenn ich ein Symbol herstelle, stelle ich eigentlich den Zeichenkörper her. Ich produziere beispielsweise eine dreidimensionale Graphitstruktur auf einem Papier.

Wenn ich einen Hammer produziere, folgt dessen Form seiner Funktion und meiner eigenen Beschaffenheit, da ich ihn die Hand nehmen können muss. Wenn ich Text produziere, mache ich das in einer Schrift, die mir vorgibt, wie ich die Textartefakte gestalte und in einer Sprache, die mir vorgibt, wie ich die Artefakte anordnen kann. Schrift und Sprache sind aber kein Dinge sondern Teil eines Handlungszusammenhangs. Ich stelle Text her, nicht Schrift oder Sprache.

Die quasi handwerkliche Produktion von Text bezeichne ich als Schreiben, womit ich eine Differenz zwischen schreiben und abschreiben bezeichne. Beim Abschreiben – wie es vor dem Buchdruck etwa in Klöstern gemacht wurde – ist die Herstellung von Text nicht mit irgendwelcher „geistiger“ Autorenschaft verbunden, sondern eine Produktion von Artefakten, bei welcher ich Werkzeuge verwenden kann und die deshalb auch mechanisiert und automatisiert werden kann.

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