Hauswirtschaft als Schulfach


Hauswirtschaft zwischen Handwerk und Wirtschaftlehre

Die als Lehrplan 21 bezeichnete Hauswirtschaft-Diskussion, lässt mich nochmalskochen darüber nachdenken, was ich mit Schule verbinde. Ich unterscheide Bildung und Ausbildung, ersteres schaft Wissen, das Zweite schaft Können. Die Schule verbinde ich mit Bildung, aber die Schule selbst reklamiert ein Schulfach, in welchem das Kochenkönnen gelehrt werden soll. Meine Zeitung schreibt: „… wir wollen nicht, dass die praktischen Fächer zugunsten der Kopflastigkeit noch mehr reduziert werden.“

Ich habe bislang – in einer naiv-unbewussten Aussensicht – den Haushaltsunterricht gar nicht zu den Schulfächern gezählt, noch viel weniger als Zeichnen, Singen und Turnen. Dass die Mädchen auch Koch- , Putz- und Strick-Kurse besuchen müssen, rechnete ich einem erweiterten Religionsunterricht zu, der auf ein gesittetes Familienleben (KKK) vorbereiten soll.

Jetzt lese ich, das Kochen (wohl neben dem Flicken) als letztes Handwerk, das in der Schule unterrichtet werde, gesehen werden könnte. Ich schreibe gerade ein Buch über das Schreiben als Handwerk und reflektiere, dass das Schreiben – das ich auch ohne Schule gelernt hätte – das einzig Nützliche ist, was ich in der Schule gelernt habe. Als Knabe wurde mir in der Schule (damals noch) kein Kochen angeboten. Ich kann es trotzdem. Ich habe auch in der Schule statt Kochen das Fach Holz- und Metallbearbeitung besucht. Das war auch so praktisch, dass ich es nie als Schulfach gesehen habe.

Jetzt lese ich, dass „Wissen über Konsum oder Budgetplanung künftig wichtiger sei als Kochen“. Das glaube ich mitnichten, aber ich glaube umso mehr, dass die Schule dem Erwerb von Wissen verpflichtet ist, dass also „Haushalt“ – wie in der Politik – eine ökonomisch Wirtschaftslehre bezeichnen sollte, die mit Kochen rein gar nicht zu tun hat. Und klar: Das, was beim Schreiben noch als Handwerk aussieht, das Schönschreiben, soll auch endlich abgeschaft werden. Und die Argumente dagegen wiederholen buchstäblich die Argumente gegen das Abschaffen des Kochens (oder umgekehrt). Beim Schreiben aber gibt es Bestrebungen anstelle des Schönschreibens das copy-paste zu lehren, das Kochen-Schulfach könnte in diesem praktischen Sinn, das Bestellen von Kurier-Food oder das Aufwärmen von Fertigpizza unterrichten.

Die Diskussion reflektiert die Diskussion um die Informatik, bei welcher das Handwerk systematisch ausgeblendet wird, wohl weil auf Computern selten gekocht wird. Man könnte aber Informatik und Hauswirtschaft zusammenlegen, weil die Fertigpizza im Internet bestellt werden kann.

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