Projekt Software-Geschichte


softwareDiese Software-Geschichte hat drei Teile: Hardware, Betriebssystem und Programme, wobei das Betriebssystem auch ein Programm ist.

1) Hardware

Als Hardware gelten hier programmierbare Automaten wobei datengesteuerte Automaten nicht zu den programmierbaren Automaten gezählt werden. Es geht also um die explizite Unterscheidung Programme/Daten im Sinne von J. von Neumann. Automaten haben eine explizit konstruierte Steuerung, die ich als Prozessor bezeichne. Die Programmierung betrifft immer und ausschliesslich die Steuerung.

Die Universalität der Turingmaschine betrifft die Steuerung. Es gibt keine universelle Maschine, jede Maschine hat eine eigenständige Funktion.

Bei einem ABS-Bremssystem beispielsweise ist die Funktion das geregelte Bremsen. Dabei vermittelt der Prozessor zwischen Fahr- und Bremszuständen. Man kann auch bei diesem Prozessor verschiedene Programme laden, weil man die Funktion der Bremsregelung verschieden interpretieren kann. Bei einem Computer vermittelt der Prozessor unter anderem zwischen der Tastatur und dem Bildschirm, wobei der Prozessor aus vielen Prozessoren bestehen kann.

Hardware bezeichnet in diesem Sinne ein Halbfabrikat, das erst durch die Programmierung zu einem Automaten wird. Das Kriterium für Software besteht darin, dass verschiedene Programme funktional verschiedene Automaten bewirken.

2) Programm

Als Programm bezeichne ich die Softwareteile in der Steuerung einer Hardware, die praktisch ohne Aufwand ausgewechselt werden, wenn die Software eine andere Funktion erfüllen soll (noch etwas differenzierter hier)

Wenn ich bei meinem Handmixer oder meiner Black&Decker die Funktion verändern will, wechsle das eingesetzte Werkzeug. Wenn ich meinen PC von einer Buchhaltungsmaschine zu einer Textbearbeitungsmaschine verändern will, wechsle ich ein Programm. Die Werkzeuge sind Teile der Maschine, die Programme sind Teile der Steuerung.

Meine Black&Decker ist ohne eingesetztes Werkzeug ein Halbfabrikat, obwohl ich sie als Ware in diesem Zustand kaufe. Mein PC ist ohne Programme ein Halbfabrikat.

Programme sind – entgegen einer verbreiteten Vorstellung – ihrerseits Hardware. Sie sind materielle Teile, die nicht leicht verändert werden können. Sie bekommen ihren Sinn durch eine Maschinensteuerung, in welcher sie leicht ausgewechselt werden können, so dass die Maschine als Software verschiedene Funktionen erfüllen kann. „Soft“ bezeichnet die einfache Veränderung der Funktion.

3) Betriebssystem

Als Betriebssystem bezeichne ich Programme, die unter funktionalem Gesichtspunkt nicht ausgewechselt werden. Die Entwicklung der programmierbaren Maschinensteuerung, die ich als Prozessor bezeichne, geht dahin, immer mehr Teilprozesse flexibel, also programmierbar zu machen. In den Maschinen, in welchen solche Steuerungen eingesetzt werden, unterscheide ich deshalb Programme, die die Funktion der Maschine betreffen, und oft als Anwendungen bezeichnet werden, von Programmen, die für alle Maschinenfunktionen und spezielle auch für das Wechseln dieser Funktionen verwendet und deshalb auch nicht ausgewechselt werden.

Die Funktion des Betriebssystem besteht darin, zwischen den funktionalen Programmen, die nach Bedarf gewechselt werden und der festgelegten Hardware zu vermitteln. Metaphorisch übernehme ich die Funktion des Betriebssystem, wenn ich bei meiner Black&Decker den Bohrer gegen eine Schleifscheibe austausche. In Bezug auf Steuerungen anschaulich ist diese Funktion etwa, wenn ich bei einem lochkartengesteuerten Webstuhl ein anderes Lochkartenband einsetze, um ein andere Stoffmuster zu weben.

Bei einem hinreichend entwickelten Computer fallen eine sehr grosse Menge von Steuerungsoperationen an. Das Wechseln einer Anwendung ist dabei ein anschaulicher Fall. Die Organisation des Betriebssystems repräsentiert die Prozesse und deren Schnittstellen, die durch die verschiedenen funktionalen Verwendungen der Maschine betroffen sind.

Eine Geschichte der Software – wie ich sie hiermit plane – beschreibt die Evolution des Betriebssystems im Sinne einer zunehmenden Einbindung von Prozessen und einer Flexibilisierung dieser Einbindungen. Die elementare Funktion ist Einbindung von Programmen in den Prozessor. Die(se) Geschichte muss also relativ zu diesen beiden Begriffen geschrieben werden. Sie beginnt deshalb mit dem ersten Programm im ersten Prozessor.

Wenn ich diese Geschichte als Evolution beschreibe, begreife ich den ersten Prozessor durch technologische Kategorien der aktuell höchstentwickelten. So wie ich die Anatomie der Säugetiere aufgrund meiner eigenen evolutionstheoretisch späteren Anatomie beobachte, sehe ich in einfachen Prozessoren die Andeutungen zu entwickelteren Stufen, weil ich letztere bereits kenne. Evolutionen beschreibe ich rückwärtsblickend.

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