Robinsonaden


Als „Robinsonaden“ bezeichne ich Geschichten, in welchen ein einzelner Menschen seinen Haushalt organisiert.robinson

Die namengebende Welt des Robinson Crusoe war eine Insel, auf welcher er als Schiffbrüchiger alleine leben musste. Robinson erzählte, wie er um sein Überleben zu sichern zahlreiche Tätigkeiten wie Ackerbau, Zimmermannshandwerk, Schneidern usw., die mir als gesellschaftliche Kulturtechniken bekannt sind, selbst ausführen musste. Robinson ist allerdings nicht vom Himmer gefallen, er wusste aus seinem vormaligen Leben in der Gesellschaft, wie er seine Welt einrichten musste und er hat auch Werkzeuge, Kleider und Waffen, die er nicht erst erfinden musste. Er wusste insbesondere auch, wie er mit dann doch erscheinenden Menschen umzugehen hatte, was er überdies auf die Moral bezog, die er in seiner Bibel, die er auch nicht selbst geschrieben hat, gefunden hat.

Der Witz der Robinsonade besteht darin, als Individuum zu leben und aus den darin erkannten Bedürfnissen eine Gesellschaftsform herzuleiten.

Ich unterscheide zwei zwei Formen, mit „Robinsonaden“ umzugehen:
– ich kann eine Robinsonade erfinden und erzählen oder
– ich kann die Robinsonade als bürgerliche Ideologie kritisieren.
Ersteres hat auch D. Defoe getan, letzteres hat auch K. Marx getan.

Die „Robinsonade“ als Utopie

In den Utopien wird die Robinsonade als literarische Form verwendet. Bekannte Beispiele sind Walden von H. Thoreau, der sich – wie Robinson, aber freiwillig – in die Wälder zurüchgezogen hat. Und Käpten Nemo von J. Verne, der sich – halb freiwillig – auf ein Uboot zurückgezogen hat, oder die die Insel-Aneigner auch von J. Verne. Man kann unter beliebig vielen Werken auch Herr der Fliegen so sehen.

Die (von K. Marx entdeckte) „Robinsonade“ in der Ökonomie

In den Utopien im engeren Sinne wie etwa in Walden II von B. Skinner wird oft auch die Ökonomie mitbehandelt. Dabei wird aber gerade der Kapitalismus sehr oft kritisiert, so dass der Ideologie-Vorwurf von K. Marx zumindest ambivalent erscheint. K. Marx hatte mit seiner Kritik vor allem das Werk von A. Smith im Auge, dessen Robinson von Natur aus so gestaltet ist, dass er im denkbar besten Fall ein Kapitalist werden muss.

Silvio Gesell dagegen bringt seine ökonomische Robinsonade explizit ins Spiel und zeigt damit vor allem, dass die Erzählform mit Robinson sachlich belanglos sein kann. S. Gesells Robinson spielt den Idioten in einem gesell-sokratischen Diskurs. Dieser Robinson ist nicht Herr seiner Lage, er wird belehrt (und ist wohl als K. Marx erkennbar).

Ich habe eine eigene Auffassung der utopischen Robinsonade als Remake von Skinners Walden II geschrieben:  Walden III. Mir ging es auch darum, dass die Insel nicht räumlich abgegrenzt sein muss und von vielen Robinsons bewohnt sein kann.

Eine bewusste Art der Robinsonade wähle ich in meinem Projekt diasynchron, wo ich meine Kategorien nicht konservativ reproduzieren will. Die Frage ist, welche Geschichten soll ich mir erzählen, und warum gerade die. Warum beispielsweise sind Kriege, Nationen oder Religionen jenseits davon, dass sie oft im Gespräch sind, wichtig. Spielen sie in meinem Leben eine Rolle oder sind sie jenseits von mir, einfach das was in die Geschichte von wem auch immer gehört?Meine Robinsonade handelt von einem Robinson, der gerade zufällig hier und jetzt lebt, aber keine GeschichtE, sondern nur GeschichteN kennt.

Ich berichte später mehr 😉

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