Technikgeschichte (zu diasynchron)


Im Projekt diasynchron untersuche ich die Geschichte als Geschichte, indem ich das narrative Element durch Zeittafeln quasi negativ focusiere. Die Zeittafel wird darin selbst zum Problem, weil sie ein quasi archetypisches Muster darstellt, in welchem alles, was passiert, in der Zeit passiert.

In einer konventionellen Technikgeschichte schreibe ich, was ich als technisch erachte, in eine Reihe des jeweilig ersten Auftretens. Ich schreibe etwa, dass die Dampfmaschine anfangs des 18. Jhds erfunden wurde. Wenn ich darüber eine dampfmaschine_newcomennovellige Geschichte schreibe, schreibe ich über die Rivalitäten der Erfinder und über die Rechtsverhältnisse, in welchen diese ausgetragen wurden. In einer Zeittafel schreibe ich nur „1712: Dampfmaschine von Newcombe“.

Die Anordnung der Dampfmaschinenerfindungen in der Zeit hat als Geschichte eine eigenständige Plausibilität, die die Tatsache, inwiefern eine Dampfmaschine in die Geschichte gehört zum Rhema macht. Thema ist die Erfindung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Und wenn ich die Dampfmaschine in der Technikgeschichte aufführe, zeige ich, dass ich ihre Erfindung als technisches Ereignis begreife, selbst dann noch, wenn ich viel mehr über die Rechtsfragen der Patente schreibe, als darüber, wie die Maschine funktioniert oder konstruiert ist.

Als diasynchron bezeichne ich eine Art Inversion der Geschichte, in welcher die Funktion der Zeit darin besteht, verschiedene Geschichten zu verbinden. Ich erzähle beispielsweise eine Entwicklungsgeschichte der Dampfmaschine jenseits der Zeit und verwende „Zeit“ als Item der Verlinkung. Die Dampfmaschine zeigt sich dann in der Antike als etwas anderes als in der Renaissance, was ich eben als eine alternative Geschichte begreife. Es geht mir nicht darum, alternative Geschichten zu erfinden, sondern darum, eine Form der Darstellung zu entwickeln, die die Verlinkung sichtbar(er) macht.

Da die hier erzählten Geschichten nicht durch Zeit- sondern durch Sachfolgen begründet sind, zeigen sich auch viele Sachen in einer anderen Perspektive. Meine Technikgeschichte zeigt in Form der diasynchronen Tabelle, wie ich mir die Entwicklung der Technik vorstelle und mithin, was ich als Technik begreife. Durch die Einfaltungen der sachorientierten Tabellen werden die elementaren Kategorien sichtbar, während in der Zeittafel nur Epochen sichtbar werden, die sich gerade nicht technisch begründen.

Indem die Kategorien, die ich verwende, auch für sichtbarbar werden, reflektiere ich sie auch als Teil meiner Geschichten und mithin als Teil meiner eigenen subjektorientierten Geschichte. Den Ausdruck Technik verwende ich in einem objektiven Sinn für die Kunst des Effizient-Seins, also für das, was die alten Griechen in historischen Interpretationen als Techne bezeichneten. In diesem spezifischeren Sinn verwende ich den Ausdruck für in Artefakten konservierten Verfahren, die mich – im Sinne der holzkampschen Subjekttheorie – effizient machen.

Subjektiv verfolge ich technisch – meine je eigenen – Ziele, die nur sehr vermittelt etwas mit den Zielen der Techniken der „antiken“ Sklavenhaltern zu tun haben. Auch mein je eigener Beitrag zu meinem Lebensunterhalt ist sozial so vermittelt, dass ich  ihn nur denkend als solchen begreifen kann. Nachdenkend über den Teil meines Lebensunterhaltes, den ich technisiert vorfinde, unterscheide ich innerhalb der Technik folgende Gegenstandsbereiche:

– Anbau
– Bau
– Geräte
– Werkzeuge
– Widerspiegelung

Mir ist noch nicht klar, wie gut sich diese Einteilung bewähren mag und ich würde sehr gerne Alternativen zu diesem Anfang finden.

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3 Antworten zu “Technikgeschichte (zu diasynchron)

  1. Eine meiner Lieblingsthesen ist, dass Kants Kririk der Urteilskraft nicht ganz zufällig in dem selben Jahr (in Königsberg) erschien, in dem in England die erste Dampfmaschine in einer Fabrik aufgestellt wurde.
    Wie oder wo würde das denn in Ihre Einteilung passen?

    • solche Zeitgleichheiten nehme ich als Anlass – ich halte sie für fast ganz zufällig, lasse mich aber trotzdem irritieren (perturbieren).
      Im konkreten Fall würde ich aber eher auf „Fabrik“ als auf „Dampfmaschine“ setzen. Ich halte Kant für den Philosophen der Indurstrie. Aber das ist hier noch ganz versteckt, weil ich weder zur Industrie noch zur Philosophie Zeittafeln angefangen habe.

  2. Pingback: Technikgeschichte (zu diasynchron, Teil 2) | Dialog

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