Haushalt und Staatshaushalt


Als Haushalt bezeichne ich die Hypostasierung einer Praxis des reflektierten Haushaltens, die ich als Oikonomik bezeichne.

Der namengebende spezifische Fall ist eine private Hausgemeinschaft, die einhaushalt „ganzes Haus“ umfasst. Zum „ganzen Haus“ gehört mindestens ein Haus, vor allem aber alles, was der Hausbesitzer besitzt, wozu – tautologischerweise -auch ein Haus gehört. Im alten Rom wurde dafür der Ausdruck Familia verwendet.
Eine mögliche Darstellung der Aufgaben, die im Haushalt anfallen, hat A. Maslow in Form seiner Bedürfnishierarchie gegeben.

Die Merkantilisten haben den Staats-Haushalt erfunden, indem sie den Staat der Fürsten als Haushalt auffassten, dem also die Aufgaben des Haushaltens übertragen und durch Verwaltungen zugleich weggenommen haben. Der Fürst war dabei zunächst als relativ absoluter Patriarch Vorstand und wurde dann Nutznieser, einer sich kapitalistisch entfaltenden Staatsverwaltung, die etwa von M. Foucault als Institutionalisierung beschrieben wurde. Dabei wurde der ursprüngliche Haushalt zum privaten Haushalt, dem ein öffentlicher Haushalt gegenübersteht.

Schon vor den Merkantilisten hat J. Bodin den Staat als Organisation von Familien aufgefasst, die wie die Familien organisiert sein sollte, was insbesondere eine Souveränität des Pater familia bedeutet, wobei damit sowohl ein absoluter Monarch wie auch eine republikanische Instanz gemeint sein kann. Der politische Haushalt wird bei J. Bodin noch von einer juristischen Person geführt, deren Gewalt nicht aufgeteilt ist, auch wenn Teile delegiert werden können.

Später wird der politische Haushalt als Organisationsform auf beliebige Wirtschaftseinheiten heruntergebrochen, die ihrerseits öffentlich oder privat sein können. Im realen Sozialismus werden private Haushalte veröffentlich (verstaatlicht), im Neoliberalismus werden alle öffentlichen Haushalte wieder privatisiert.

Der finanzielle Aspekt des politischen Haushaltes ist Gegenstand der politischen Ökonomie, die eben politisch(e) Ökonomie genannt wurde, weil die Ökonomie davor (seit Aristoteles den Ausdruck prägte) private Haushalte beschrieben hat.

E. Schumacher unterscheidet privat und öffentlich wie folgt:
öffentlich sollte möglichst gespart werden und privat sollte möglichst verschwendet werden, weil der öffentliche Haushalt BIP davon lebt, dass privat viel konsumiert wird.

Siehe auch Radikale Haushaltung

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2 Antworten zu “Haushalt und Staatshaushalt

  1. „der Haushalt“, „der Staat“ geht doch elegant über die Klassenverhältnisse hinweg.

    Wie machen das die Mitglieder eines „Haushaltes“ um von einem Tag zum anderen, von einer Generation in die andere zu kommen? Machen die das alle gleich, oder kann man Gruppen erkennen die unterschiedlich sind?

    Nehmen wir den pharaonischen Haushalt und fahren den Nil entlang. Da gibt’s Bauern die von Vorarbeitern gepeitscht werden, in ärmlichen Hütten wohnen und nur Mampf essen. Dann gibts Priester die denen erklären dass ihr Herr der Pharao auch Gott ist. Diese Priester leben ganz gut, haben bessere Gewänder und Hütten und keine harte Arbeit.
    Dann gibts den Pharaonenpalast: alles in Gold, beste Speisen, alles kniet vorm Pharao.

    Ein Zeitsprung in unsere Gesellschaft und deren Staatshaushalt: einige sind unendlich reich, Yachten, Villen und Privatflugzeug – und andere arbeiten hart, und leben nur in kleinen Wohnungen.

    Die Frage unserer Gesellschaftsordnung ist: wo ist die Pharaonenpeitsche, die den produzierten Reichtum bei einer kleinen Gruppe anhäuft?

    Dein Wegweiser zur politischen Ökonomie ist richtig, aber die Sparwut des Staates gegen die Konsumwut der Privaten erklärt die Peitsche noch lange nicht.

    BIP ist ein gutes Stichwort: Privatarbeit die nur tauschvermittelt über den Markt vergesellschaftet wird. Jeder soll möglichst billig kaufen und möglichst teuer verkaufen; jeder gegen jeden. Die Summe dieser Benutzungsverhältnisse wird aufgerechnet, ergibt das BIP und muß auch noch wachsen (Sonst sperren die Unternehmer zu und entlassen die Arbeitnehmer). Möglichst viel soll Eigentum, also Ware werden. Gestern Nahrung und Wohnraum, morgen Wasser.

    Jetzt sagt der Staat nicht: in meinem Territorium gilt Eigentum, jagt euch möglichst viel davon ab ohne euch zu erschlagen oder zu stehlen (deswegen gibts Gesetze) um eure Existenz zu bestreiten,

    sondern er sagt: wer wenig Geld hat darf sich wenig kaufen, wer viel hat darf sich viel kaufen, und wer sehr viel hat – bei dem schlägt das Geld in Kapital um, weil damit darf man sich fremde Arbeitskraft kaufen die für einen arbeitet und braucht selbst nicht mehr zu arbeiten.
    Und wer kein Geld hat darf seine Arbeitskraft gegen Lohn verkaufen; wer keinen findet der ihm die Ware Arbeitskraft abkauft weil sie keinen Profit abwirft, der darf aufs Arbeitsamt.

  2. hmmm … ich unterscheide hier private und öffentliche „Haushalte“, wobei letztere Gegenstand der POLITISCHEN Ökonomie sind. Ich sehe in der Tat nicht, was Haushalt mit den Klassenverhältnissen zu tun hat.

    Ich sehe, dass der „öffentliche Haushalt“ ein Konstrukt der bürgerlichen Aufklärung ist. Und ich sehe, dass dieses Konstrukt eine wesentliche Grundlage für die Entfaltung des Kapitalismus auf der feudalen Grundlage darstellt. Aber ich schreibe hier ja keine Weltgeschichte, sondern denke nur über das Haushalten nach – wobei ich meine, dass die Metapher problematisch ist, gerade weil dem öffentlichen Haushalt das Subjekt fehlt und durch Institutionalisierungen (im Sinne von Foucault) ersetzt wird.

    Gibt es zwischen uns eine Differenz? Was siehst Du in Bezug auf den Haushalt anders?

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