Digitalisierung


Digitalisierung ist ein Plastikwort mit zwei Konnotationen, die mit dem Begriff „digital“ nichts zu tun haben, aber umso mehr mit nicht verstandener Technik.

Zum einen wird mit „Digitalisierung“ ein (Arbeits)-Prozess bezeichnet, in welchem meistens gedruckte Vorlagen in elektronisch gespeicherte Dateien übertragen werden, beispielsweise die Bücher von Goethe in sogenannte e-books. Diese Wortverwendung wurde durch die sogenannten „digitalen“ Musikträger lanciert, weil man den cdUnterschied zu den herkömmlichen Schallplatten benennen wollte. Dass die zugehörigen Abspielgeräte irgendwie computerartig waren, spielte keine Rolle, es waren einfach CD-Players. Und dass digitale Bücher auch ein Abspielgerät brauchen, ist im Ausdruck e-book auch irgendwie aufgehoben.

Zum anderen wird mit „Digitalisierung“ ein Modernisierungsprozess bezeichnet, in welchem immer mehr elektronische Technik eingesetzt wird, die allerlei und ganz verschiedene spezifische Auswirkungen hat, die im Schlagwort ohne Differenzierung alle zusammen mitgemeint werden. Du weisst doch, was ich meine? Auch ohne dass ich es sagen könnte!

Der Ausdruck „Digitalisierung“ ist nicht nur in der Umgangssprache ein Plastikwort für alles, was wie entfernt auch immer mit elektronischer Technik zu tun hat. Das hängt damit zusammen, dass der Ausdruck bereits in der ganz frühen Computer- und Mediengeschichte ganz beliebig verwendet wurde. N. Wiener sagte: „I want to make a distinction between the digital and analogic. The distinction is not sharp. Every digital device is really an analogical device which distinguishes region of attraction rather than by a direct measurement. In other words, a certain time of non-reality pushed far enough will make any device digital.“ (Pias 2003, 158. (C. Pias: Cybernetics – Kybernetik. The Macy-Conferences 1946 – 1953, Bd. 1, Berlin 2003.
Bereits N. Wiener verdreht damit die Verhältnisse, indem er zum einen kontinuierlich mit analog verwechselt und zum andern die Differenz auf analog statt auf digital begründet.

In der Wikipedia wird in diesem Sinne Un-Sinn geschrieben: Das Morsen wird als frühe Digitalisierung bezeichnet, weil dabei ein binäres Alphabet verwendet wird. Dabei geht es nicht mehr um elektronische Technik sondern um eine eine spezifische Codierung die in der elektronischen Technik oft verwendet wird, wodurch digital auch mit binär verwechselt wird, was aber die Sache auch nicht schlimmer macht, weil man ja ohnehin weiss, was gemeint ist.

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Eine Antwort zu “Digitalisierung

  1. Pingback: Was bedeutet Digitalisierung? (Teil I) – Mimesis

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