Tesla und das Gute am Kapitalismus


Im Tagesanzeiger wird einmal mehr Elon Musk als guter – gemeint ist extrem clever – Kapitalist gefeiert. Der Artikel vom Leiter des Wirtschaftressort ist ein typisches Exemplar des sogenannten Qualitätsjournalismus, in welchem ein grosser Spekulant als grosser Held gefeiert wird. So weit so gut.

Nicht so gut finde ich das Outcoming der Redaktion, wonach es richtig gutemusk.png Kapitalisten gibt, die für die Welt einen Segen sind, weil sie beispielsweise ein elektrisches Auto herstellen. Die implizierte Differenz unterscheidet guten und schlechten Kapitalismus, und zwar ganz durchsichtig mit der Differenz zwischen industriellem versus Finanzkapitalismus. Die bösen Kapitalisten machen nur Geld, aber es gibt gute Kapitalisten, die auch noch gute Waren – etwa superteure Autos – herstellen.

E. Musk ist wohl der grösste Spekulant unter den Industriekapitalisten. Seie Tesla-Industrie überbietet alle Verluste, die ein normales Industrieunternehmen machen könnte, ohne Bankrot zu gehen. E. Musk ist ein wahrer Finanzjongleur, der die meisten Finanzkapitalisten in den Schatten stellt.

Und unabhängig davon repräsentiert E. Musk keinen iIndurstriekapitalistischen Unternehmer, der – dem Wortsinn nach – in seiner Fabrik Lohnarbeiter ausbeutet, sondern viel mehr einen absoluten Feudalherren, der finanzielle Entscheidungen trifft, wie sie vor ihm kaum je von absoluten Fürsten, Königen und Kaisern gefällt wurden. Wer solche Verteilungen von Kapital gut findet, glorifiziert feudale Patriarchen. Dass der Tagesanzeiger das hemmungslos tut … erscheint als dessen Qualität.

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2 Antworten zu “Tesla und das Gute am Kapitalismus

  1. Frank Schmidt (im Facebook): Immerhin finanziert er seine zukunftsorientierten Ideen mit eigenem Kapital oder dem von Risikokapitalgebern. Nicht nur Tesla ist ihm zu verdanken, sondern auch SpaceX und zum Teil auch PayPal. Typisches Musk-Bashing, anstatt dass der europäische oder schweizer Geldadel mal was Innovatives auf die Beine stellt.
    Wer sich wirklich informieren will, der lese hier:
    http://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.amazon.de%2FElon-Musk-Billionaire-SpaceX-Shaping%2Fdp%2F0753557525%2Fref%3Dsr_1_2%3Fie%3DUTF8%26qid%3D1462825785%26sr%3D8-2%26keywords%3Delon%2520musk%2520biografie&h=xAQEkeocs

    • ja, mir geht es – wie den Tagesanzeigern explizit – nicht um E. Musk, sondern darum, ob es guten Kapitalismus gibt. „Eigenes“ Kapital ist auch so eine Redewendung, die verschweigt, wie Kapital je eigenes geworden ist – auf gute oder auf nicht so gute Art.
      Und welches Kapital, bitte, wird nicht zukunftsträchtig investiert, und behauptet nicht von sich, Risiken zu tragen??

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