Teilen


Teilen ist ein Homonym für sehr verschiedene Wortbedeutungen:
a) für in Teile zerlegen oder etwas als Teile von etwas auffassen
b) für gemeinsam nutzen
c) für Wissen teilen, mitteilen, vervielfältigen (etwa share im Facebook)
d) für Dividieren und andere Operationen wie Unterscheiden
Teilen hat entsprechend viele Vorsilben: mit-, zer-, ver-, zu-, ab-, auf-, ein-, um-, Ich behandle hier nicht alle Fälle, es geht mir mehr um Sprachkritik, in welcher ich mir meine Verwendungen des Wortes bewusst mache, weil ich umgangssprachlich ja auch von Arbeitsteilung rede.

Mit dem Verb teilen bezeichne ich sowohl das Aufteilen eines Aufwandes oder einer Ressource als auch ein gemeinsames Nutzen einer Ressource.kuchen

Ich teile etwas auf, wenn ich die Sache zerteile und verteile, also wenn ich ein Ganzes zerlege und die Teile separiere, insbesondere an verschiedene Personen verteile. In diesem Sinne teile ich beispielsweise Kuchen mit anderen Menschen, indem ich den Kuchen zerteile und die Teile anderen Menschen schenke.
Bei dieser Art zu teilen sind die Ressource und die Teile gegenständlich. Wenn eine Person einen Teil besitzt, kann dieser Teil nicht auch von einer anderen Person besessen werden.

Ich teile den Aufwand mit anderen Personen, wenn diese sich entsprechend beteiligen. Oft wird dann auch der Ertrag geteilt. In diesem Sinne teile ich beispielsweise die Gartenarbeit mit meiner Frau, wobei wir dann auch das Gemüse zusammen essen, also wie Kuchen teilen. Bei dieser Art zu teilen bleibt offen, ob verschiedene Tätigkeiten oder die Menge des Aufwandes geteilt wird.

Ich teile etwas, wenn ich die Sache gemeinsam mit anderen Personen nutze. Die gemeinsame Nutzung hat einen räumlichen und einen zeitliche Aspekt. In diesem Sinne teile ich etwa einen Büroraum mit anderen Personen, die dann gleichzeitig denselben Raum benutzen. Ich teile aber auch etwa ein Fahrzeug, wenn dieses auch anderen Personen zur Verfügung steht. Dabei handelt es sich um ein zeitliches Teilen. Bei dieser Art zu teilen wird das relative Ganze geteilt, also beispielsweise das ganze Büro. Wenn wir einen Kuchen teilen, konsumiert nicht jeder den ganzen Kuchen, sondern jeder seinen ganzen Kuchenteil.

In Bezug auf das gemeinsamen Nutzen verliert das Teilen einen Teil des Wortsinnes, wenn die gemeinsame Nutzung wie etwa bei der innerbetriebliche Arbeitsteilung  gesellschaftlich organisiert wird. Teilen kann als Aktivität des oder der Teilenden gesehen werden. Wenn aber die „Teilung“ vorab von anderen vorgenommen wurde, sehe ich viel mehr eine fremdbestimmte Zuteilung.

Schliesslich verwende ich den Ausdruck teilen auch in einem ganz anderen Sinn, wo ich beispielsweise mein „Wissen“ teile, also mitteile, was ich weiss. Bei dieser Art zu teilen wird nicht geteilt, es werden sozusagen Kopien verbreitet. Dabei wird der Aspekt des Schenkens hervorgehoben, weil diese Art des Teilens praktisch gratis ist. Ich verliere gar nichts und es kostest mich praktisch nichts, wenn ich Daten kopiere und sie anderen zur Verfügung stelle. Dabei wird allerdings ein Tauschgeschäftsmodell, in welchen Journalisten ihre Daten verbreiten, unterlaufen.

Und wenn ich Gemeinschaft und Gesellschaft dadurch unterscheide, dass in erstere geteilt und und letzter getausch wird, meine ich das Teilen natürlich in einem oikonomischen Sinn, der weniger mit gratis als mit einer Aufhebung des Schenkens zu tun hat.

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Eine Antwort zu “Teilen

  1. Pingback: Arbeitsteilung | Dialog

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