Fliegen (nach Otto Lilienthal)


lilienthal2„. . .to design an aeroplane is nothing; to build an aeroplane is something; but to fly an aeroplane is EVERYTHING!“

Otto Lilienthal (1849-1896) war einer der ersten Flieger. Er machte darüber einige markante Aeusserungen.

• Eine eher sozialutopische Ansicht von ihm:
In einem Brief an den Sozialreformer Moritz von Egidy aus dem Jahr 1894 schwärmt Lilienthal aber trotzdem von den friedensstiftenden Möglichkeiten der Fliegerei. „Die Grenzen der Länder würden Ihre Bedeutung verlieren, weil sie sich nicht mehr absperren lassen. Die Landesverteidigung, weil zur Unmöglichkeit geworden, würde aufhören, die besten Kräfte der Staaten zu verschlingen, und das zwingende Bedürfnis, die Streitigkeiten der Nationen auf andere Weise zu schlichten als den blutigen Kämpfen um die imaginär gewordenen Grenzen, würde uns den ewigen Frieden verschaffen.“

• eine bionische Vorstellung habe ich im Buch Technische Intelligenz analysiert:
„Die Produkte der Ingenieure imitieren nicht die Natur (Das Verstehen der Natur ist für Ingenieure, die an Performanz interessiert sind, ”nur insofern notwendig, als es diese erleichtern würde” (Weizenbaum,1978, 220f)). Unsere Flugzeuge imitieren im Unterschied zum schliesslich abgestürzten Ikarus keineswegs die Vögel (Während sich die Flugzeugingenieure heute konstruktiv nicht mehr so sehr um das Fliegen der Vögel kümmern und eindeutig im Performanzmodus arbeiten, arbeiten viele ihrer Kollegen in der KI-Forschung immer noch unter dem Simulationsmodus daran, wie sie was vom Menschen kopieren können (vgl. Weizenbaum, 1978,220f).). O. Lilienthal, einer der Erfinder des Flugzeuges, schrieb anfänglich irritiert durch die Metapher, die er mitbegründete: „Mit welcher Ruhe, mit welcher vollendeten Sicherheit, mit welchen überraschend einfachen Mitteln sehen wir den Vogel auf der Luft dahin- gleiten! Das sollte der Mensch mit seiner Intelligenz, mit seinen mechanischen Hilfskräften, die ihn bereits wahre Wunderwerke schaffen liessen, nicht auch fertigbringen? Und doch ist es schwierig, ausserordentlich schwierig, nur annähernd zu erreichen, was der Natur so spielend gelingt“ (Lilienthal, zit: Klemm, 1983,177). Die in der nicht bewussten Metapher begründete Verwechslung ist offensichtlich. „Mit überraschend einfachen Mitteln auf der Luft dahingleiten“ sehen wir natürlich nicht die Vögel, sondern die – wenn man überhaupt Vergleiche anstellen wollte – extrem primitiven Gleiter, die O. Lilienthal konstruiert hat. Auf die wirkliche Konstruktionstätigkeit bezogen, schrieb er aber bereits während der langjährigen Entwicklungsphase des Flugzeuges, also lange bevor die ersten Flugzeuge wirklich flogen: „Ob nun dieses direkte Nachbilden des natürlichen Fluges (des Vogels) ein Weg von vielen oder der einzige ist, der zum Ziel führt, das bildet heute noch eine Streitfrage. Vielen Technikern erscheint beispielsweise die Flügelbewegung der Vögel zu schwer maschinell durchführbar, und sie wollen die im Wasser so liebgewonnene Schraube auch zur Fortbewegung in der Luft nicht missen“ (Lilienthal,zit: Klemm, 1983,78) (Der Streit dauert an. Die kanadische Firma Battelle hat nach eigenen Angaben 1992 ein Patent für einen Flügelkippmechanismus angemeldet, mit welchem ein Ornithoper genanntes Flugzeug wie ein Vogel fliegen kann (Battelle today, zit. in: Tagesanzeiger, Zürich, 24.10.92, 88). LeonardodaVinci wollte den Streit auch nicht entscheiden. Neben technisch begründeten Beispielen musste auch der Flug des Vogels als Beweis dafür herhalten, dass seine konstruktiven Überlegungen zum Fliegen richtig waren: ”Mit einem (bewegten) Gegenstand übt man auf die Luft eine ebenso grosse Kraft aus wie die Luft auf diesen. Du siehst, wie die gegen die Luft geschwungenen Flügel dem schweren Adler ermöglichen, sich in der äusserst dünnen Luft nahe an der Sphäre des feurigen Elements zu halten. Weiter siehst du, wie die bewegte Luft über dem Meere das schwer beladene Schiff dahinziehen lässt, indem sie die geschwellten Segel stösst und zurückgeworfen wird” (Leonardo, zit: Klemm, 1983,79).). Sehr tiefschürfend konnte dieser Streit nicht gewesen sein, haben sich doch bislang immer die Ingenieure durchgesetzt, die die Natur nicht imitierten, sondern wie im Falle der „liebgewonnenen Schraube“, die mittlerweile nur noch in der Luft Propeller heisst, ein Mittel erfunden haben, das dem gesetzten Zweck diente. Überdies gibt uns die Natur, wie man sich etwa anhand des Schiffes bewusst machen kann, für die meisten Produkte, die wir bauen, überhaupt keine Vorbilder. Schwimmen überhaupt war nie eine Motivation für Ingenieure, und wenn wir nur wie Vögel fliegen könnten, hätten wir ausser Spass nicht viel gewonnen.

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