Kategorie


Umganssprachlich wird der Ausdruck Kategorie auch für Klasse (im Sinne einer Klassifikation) verwendet (etwa in hors catégorie). In der Wikipedia steht, dass der Ausdruck Kategorie für „einen grundlegenden Allgemeinbegriff zur Ordnung von Erkenntnisinhalten“ () verwendet werde. Man muss dabei allerdings selbst wissen, was ein grundlegender Allgemeinbegriff anderes als eine Kategorie wäre, weil weder „grundlegend“ noch „Allgemeinbegriff“ in der Wikipedia einen Eintrag hat.

Oft wird der Ausdruck Kategorie im Sinne einer Eigenschaftsdomäne verwedet. S. Schmidt gibt dafür ein Beispiel: „Jung, schön und Mädchen machen Sinn, indem sie die in der Unterscheidung unbeobachtet mitlaufende Differenz zu alt, hässlich und Mann in Bezug auf die Kategorien Alter, Aussehen und Geschlecht ausnutzen“. Er spricht dabei von der Einheit der Differenz: „Insofern können Kategorien als Einheit der Differenz von semantischen Differenzierungen und Unterscheidungen beschrieben werden“. Das Beispiel von S. Schmidt ist so gewählt, dass sich die Einheit als Domäne leicht benennen lässt. Es zeigt aber nicht, weshalb oder wann anstelle von Eigenschaftsdomäne von Kategorie gesprochen wird.

Als Eigenschaftsdomänen hat Aristoteles und nach ihm I. Kant die Kategorien eingeführt, was ihrem Beobachten entsprochen hat. Aristoteles ging davon aus, dass die Gegenstände der Welt, die er Natur nannte, Eigenschaften haben, die ontologisch bestimmbar sind. I. Kant hat dann diese Welt in einer „kopernikanischen“ Wende als Resultat von „apriorischen Denkformen“ bezeichnet, also die Eigenschaften der natürlichen Dinge nicht mehr in den Dingen, sondern im – allerdings anschaulichen – Denken (Formen der sinnlichen Anschauung) begründet. Beide, Aristoteles und I. Kant, beobachten die Beziehung der Menschen zur Welt als Hervorbringung von Reaktionen der Individuen auf Grund unmittelbarer Einwirkungen aus der Umwelt. Beide nehmen wahr, was unabhänig von ihrem Tun der Fall ist, was bei I. Kant zusätzlich durch seine Denkformen gefiltert wird.

Die radikalen Konstruktivisten haben diese Vorstellung als Kamera-Modell kritisiert und durch Aufmerksamkeit“, die vom Individuum gesteuert wird, aufgehoben. S. Ceccato hat den Unterschied zwischen einer Kamera und dem Auge hervorgehoben, letzteres nimmt nicht einfach Bilder auf, sondern ist aufmerksam. H. Maturana hat das auf den Punkt gebracht: „Wir sehen mit den Füssen“, wir richten unsere Aufmerksamkeit auf uns interessierende Dinge. Allerdings bleibt bei den Konstruktivisten wie bei Aristoteles und I. Kant offen, was uns weshalb interessieren könnte. Die von den Konstruktivisten eingeführte aber nicht bezeichnete Kategorie, bezeichne ich als Konstruktion. Bei der Konstruktion interessiert mich nicht, wie die Welt ist, sondern was ich machen kann.

Die Konstruktivisten – angefangen bei S. Ceccato und J. Piaget, der den Ausdruck geliefert hat, beobachten mentale Operationen, die sie der Psyche zurechnen. Dabei spielen die hergebrachten aristotelischen Kategorien, die den Wahrnehmungsgegenstand bestimmen, keine Rolle mehr, sie werden durch kybernetischen Kategorien ersetzt, die die Wahrnehmungsoperationen bestimmen. Beobachtet wird aber immer noch die Wahrnehmung als solche, nicht die Wahrnehmung als Mittel. E. von Glasersfeld hat beispielsweise die Viabilität als Kategorie eingeführt, er hat sie aber noch auf die mentale Abbildung bezogen.

A. Leontjew bezeichnet die Tätigkeit als wichtigste Kategorie seiner Theorie. Dabei lxeontiegeht es nicht um die Eigenschaftsdomäne zur Differenz tätig/untätig, sondern darum, Eigenschaftsdomänen mittels der Tätigkeit zu begründen. Die Eigenschaftsdomänen sind dann keine Kategorien mehr, sondern Folgen einer Kategorie.

A. Leontjew bezeichnet als Gundlage der interessierten Aufmerksamkeit die gegenständliche Tätigkeit, die die Wahrnehmung bestimmt. Ich verwende die Augen um mein Herstellen zu koordinieren. K. Holzkamp schreibt, dass durch diese Kategorie ein „Unmittelbarkeits-Postulat“ in der Beziehung des Menschen zur Welt aufgehoben werde. Das Hervorbringung von Reaktionen erfolge nicht auf Grund unmittelbarer Einwirkungen aus der Umwelt, sondern als Widerspiegelung gemäss den Notwendigkeiten der Tätigkeiten. Mich interessiert in diesem Sinne nicht die Natur an sich, sondern wie sie meiner Tätigkeit entgegensteht, oder positiv formuliert, welche Tätigkeiten unter welchen naturhaften Bedingungen viabel sind. Hier interessiert aber, dass mit Kategorie etwas völlig anderes bezeichnet wird, als in der herkömmlichen Philosophie.

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Eine Antwort zu “Kategorie

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