Geld als Grösse


Umgangssprachlich (aber sehr weit in die politische Ökonomie hinein) wird „Geld“ diffus für eigentliches Geld und für verschiedenste Dinge, die irgendetwas mit Geld zu tun haben können, vorab beispielsweise für Schulden oder Schuldscheine verwendet. Sehr oft wird Geld mit Währungseinheiten oder noch verkürzter mit deren Namen gleichgesetzt. Geld bedeutet in diesem weiten Sinn dann eine Banknote, eine Menge Franken oder ein Bankguthaben.

Gemeinhin wird Geld funktional begriffen. Anstelle der Frage, was Geld sei, wird die Frage gestellt, wofür Geld verwendet werde. Dabei wird vorausgesetzt, was Geld ist. Im einfachsten Fall werden dem Geld drei Funktionen zugeschrieben, es gilt als Tauschmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit. In einem etwas entwickelteren Verständnis gilt es als gesetzliches Zahlungsmittel und hochabstrakt als Medium für bestimmte soziale Interaktionen.

Die Frage, was Geld sei, ist problematisch, weil sie ontologisch interpretiert werden kann. Die kybernetische Ersetzung der „was ist-Frage“ wäre, wie Geld funktioniere. Aber Geld funktioniert nicht, man müsste nach einem Geldsystem fragen, was die meisten Ökonomen ja auch tun. Eine andere, dialogische Ersetzung der „was ist Geld-Frage“, besteht darin zu fragen, wie und wofür der Ausdruck Geld verwendet wird. Ich frage mich, wie ich den Ausdruck verwende.

Ich verwende den Ausdruck Geld homonym für zwei verschiedene Dinge:
•   Ich verwende den Ausdruck Geld einerseits für materielles Geld, das innerhalb einer Währung von einer zuständigen Organisation, die meistens Zentralbank heisst, herausgegeben wird. Das hat nichts mit Giralgeld und Schulden zu tun, und zwar auch dann nicht, wenn die Zentralbank das Geld in Form von Krediten vergibt, weil sie beispielsweise ein Aktiengesellschaft ist. Eine Form von Geld, die sich weitgehend durchgesetzt hat, sind Banknoten.
•   Und davon relativ unabhängig, verwende ich den Ausdruck Geld andrerseits für eine Grösse, deren Einheiten Währungseinheiten sind. Was ich in Währungseinheiten angebe, können, aber müssen nicht Geldbeträge sein. Geldbeträge kann ich aber nur in Währungseinheiten angeben.

Die zweite Wortverwendung, Geld als eine Grösse, will ich hier genauer klären. Als Grösse bezeichne ich eine Hypostasierung eines quantitativen Aspektes eines Vergleichs, bei welchem konventionell vereinbarte Grösseneinheiten verwendet werden. Die Vereinbarung einer Grösse beinhaltet eine operative Bestimmung der Grösse und die Festlegung einer Grösseneinheit.

Die operative Bestimmung der Grösse beschreibt die Vergleichsoperation, also was auf welche Weise verglichen wird. In diesem Sinne ist die Grösse immer eine Relation zwischen zwei Gegenständen, die allenfalls gleich gross sind, oder von welchen der eine grösser ist. Ich kann zwei Gegenstände nebeneinander legen und schauen, welcher in einer bestimmten Richtung mehr Platz braucht. Ich sage dann, dass er länger ist, ohne zu sage, wie lang er ist.

Die konventionelle Festlegung einer Grösseneinheit bestimmt einen Gegenstand, mit welchem alle Grössenvergleiche durchgeführt werden, die der Grösse einen absoluten Wert zuordnen. Die Operation, die Länge bestimmt, besteht darin, einen Massstab neben eine andere Sache zu legen und das Verhältnis abzulesen. Die Länge wird dann beispielsweise in Metern angegeben. Man kann aber auch andere Einheiten wie Zoll oder Meile vereinbaren, was aber nur die Einheit, nicht das Verfahren betrifft.

Bestimmte Grössen können durch verschiedene Operationen bestimmt werden. Das meterstabVolumen beispielsweise kann ich durch Messen der Raumdimensionen in Kubikmetern bestimmen, ich kann aber auch das Gewicht einer Flüssigkeit, beispielsweise ein Kilo Wasser verwenden, um einen Liter festzulegen. Dabei verwende ich verschiedene Operationen für dieselbe Grösse. Volumen ist eine Grösse von dreidimensionalen Gegenständen. Aber natürlich wird nicht nur in der Physik verglichen.

Die Grösse Geld wird nicht in einem physikalischen Sinn gemessen. Geld ist im allgemeinsten Fall eine Grösse für Projekte. Als Projekt bezeichne ich in einem Zirkelschluss, was ich mit Geld bewerten kann. So kann ich etwa meinen Lebensunterhalt als Projekt sehen, aber auch eine einzelne Verausgabung wie etwa ein Velotour oder den Bau eines Hauses. Ein sehr kleines Projekt wäre dann etwa das Kaufen einer einzelnen Ware, wobei sehr oft nur der Preis dieser Ware eine Rolle spielt. Aber wenn ich diese Ware nur an einem entfernten Ort kaufen kann, muss ich auch den Transport im Kauf verrechnen.

Ich kann insbesondere auch die Finanzierung eines Projektes bewerten, indem ich das Projekt mit einem entsprechenden Vermögen bilanziere. Mithin kann ich jedes Vermögen, mit welchem ich Projekte finanzieren könnte, in Geldform bewerten. Ich brauche oder habe ein Vermögen, das ich in Geldform quantifiziere, egal ob das Vermögen eigentliches Geld, ein Haus oder ein Schuldschein ist.

Wenn ich etwas eintausche, vergleiche ich zwei Gegenstände hinsichtlich ihres gerade aktuellen Preises. Ich kann dieses Vergleichen als Messen ohne Massstab auffassen, weil ich beispielsweise erkenne, dass in der entsprechenden Hinsicht ein Paar Schuhe beispielsweise 20 Tafeln Schokolade entspricht, ohne dass ich sagen könnte, wie ich dieses Zahlenverhältnis gemessen oder berechnet habe. Ich habe dieses Verhältnis sozusagen auf dem Markt gefunden, wo die beiden Waren ihren jeweiligen Preis in derselben Einheit, beispielsweise in Franken ausgedrückt haben. Den Preis bezeichne ich als ökonomische Grösse, wenn eine Grösseneinheit verwendet wird.

Die Grösse Geld wird in Währungseinheiten, beispielsweise in Franken angegeben. Ein mögliches operatives Verfahren, durch welches die Grösse Geld bestimmt wird, besteht darin, zu schauen, wie viele Währungseinheiten in einem estimierten Durchschnitt für die durchschnittliche Ware bezahlt werden muss. Diese Operation ist allerdings extrem komplex, sie hat aber eine ganz einfache Reduktion. Ich schaue auf dem Markt die Preise an, die in Währungseinheiten ausgedrückt sind. Aufgrund dieser Preise kann ich abschätzen, wie viel Vermögen ich (und andere) zum Leben brauchen, wobei das Vermögen keineswegs Geld sein muss.

In Bezug auf Vermögen und Preis ist oft von Wert die Rede. Dieser „Wert“ wird dann auch in Geldform ausgedrückt. In der politischen Ökonomie gibt es aber keinen guten Grund einen Wert einzuführen, wenn er doch nur über Preise festgelegt wird. Ich kann etwa sagen, dass ein bestimmter Preis gut ist, weil die Ware mehr Wert habe, als sie koste. Aber dabei beziehe ich mich auf einen fiktiven Durchschnittspreis oder auf Preise, die ich an andern Orten für dieselbe Ware bezahlen müsste.

Geld wird gelegentlich als Rechenmittel, Recheneinheit oder als Wertmassstab schoty_abacusbezeichnet. Das scheinen mir unglücklich gewählte Wörter, aber natürlich sind Wörter arbiträr. Als Rechenmittel würde ich den Abakus bezeichnen, weil er ein Mittel zum Rechnen ist, während ich fürs Rechnen natürlich kein Geld brauche. Und der Massstab ist ein Mittel zum Messen, ich weiss nicht, wie ich mit Geld messen soll. Die gemeinten Einheiten sind allenfalls Währungseinheiten, die ich durch Wechselkurse verrechnen kann. Meines Erachtens zeigen diese Ausdrücke sehr spezielle Geldauffassungen, die aber eben nie erläutert werden.

Fazit:
Eigentliches materielles Geld ist historisch gesehen eine Übergangsform, die eine Möglichkeit geboten hat, Währungen einzuführen. Goldmünzen und Banknoten machten anschaulich, was in der Währung gemeint ist und waren wohl notwendig, um den Preis der Währungseinheiten festzulegen. Aber heute braucht niemand mehr Geld, weil wir alles gegenseitig in Währungseinheiten verrechnen können.

Siehe auch Wem gehört das Geld? und giral (Geld)

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