Techne


„Techne“ ist ein Ausdruck aus der Philosophie der alten Griechen, die kein Gefühl für Technik im Sinne von Toolmaking hatten.

Das narrative Klischee:tempel_1
Die alten Griechen arbeiteten nicht, sie hatten Sklaven. Sie entwickelten zwar eine Art Technologie, etwa Heron von Alexandria, aber keine Maschinen für die Arbeit. Die Produkte der Sklaven waren wie die Produkte der Natur Hervorbringungen, über die alten Griechen philosophierten.

Die Hervorbringung – das H. Maturana in seiner Autopoiese in Anlehnung an die Griechen beobachtet hat – ist ein Ereignis oder ein Geschehen, über welches wissenschaftlich und bei noch fehlender Differenzierung philosophisch nachgedacht werden kann.

Aristoteles unterscheidet zwei Arten des Hervorbringens, Poietik und Praktik, wobei Poietik Mittel hervorbringt, die das Handeln effizienter machen und Pratik das praktische Handeln effizienter macht. Das poietische Hervorbringen bezieht sich auf Gegenstände. Aristoteles spricht vom Handwerk, wofür es Sklaven gibt, während das praktische Hervorbringen sich auf (Kunst)Fertigkeiten bezieht, die beim Praktizieren entstehen, wobei das Kunstwerk – soweit es durch Handwerk entsteht – unwichtig ist.
Aristoteles hebt insbesondere das Kriterium der Lehrbarkeit und präzisen Beschreibbarkeit der Handlungsschritte des poietischen Handelns hervor, die durchgeführt werden müssen, um ein Werk oder Werkstück herzustellen. Mit der Vollendung eines solchen Werkstücks ist die poietische Handlung abgeschlossen. Das Praktizieren hat dagegen kein Ende und kein ausser sich liegendes Ziel.

Die Poietik ist sozusagen der materielle Teil von Techne, als das, was Sklaven oder die Natur tun, wenn etwa ein Schiff aus Holz hervorgebracht wird. Praktik dagegen ist zu verstehen, wie beispielsweise ein Schiff hervorgebracht wird. Da auch im griechischen Reich nicht nur Sklaven Artefakte hervorbrachten, wurden Handwerker als Hervorbringer (Demiourgos) und deren Wissen, das über das handwerkliche Können hinausging, zunächst als Techne bezeichnet.

Als Techne bezeichne ich in diesem Sinne die Einheit der Differenz zwischen Poietik und Praktik, die von den griechischen Sklavenhaltern geprägt wurde. Mit Techne bezeichne ich also ziemlich genau das Gegenteil von Technik, auch wenn das lehr(nicht lern)bare Hervorbringen von Artefakten in Techne auf spezifische Art und Weise zweifach mitgemeint ist. Die Handwerkssklaven machen Gegenstände, die einen banalen Zweck haben, die eigentlichen Griechen machen zwecklose Kunstwerke.

Die verbreiteten Commonsenseinterpretationen von Techne verdrängen, das die vermeintlich so klugen griechischen Sklavenhalter weder Technik noch Kunst kannten und sich mit ihrer Brutalität auf Kriegs-Politik und Philosophie beschränkten.
(PS: gemeint sind mit Kunst und Technik hier natürlich gesellschaftlich ausdifferenzierte Systeme, nicht ein sogenanntes Kunstwerk oder ein Hammer)

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Eine Antwort zu “Techne

  1. Pingback: Die Praxis der alten Griechen | Dialog

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