Die Praxis der alten Griechen


Vorab, ich habe keine Ahnung, inwiefern es die alten Griechen je gegeben hat, geschweige denn, wie sie lebten. Ich referenziere Menschen, die in Texten beschrieben werden, die beispielsweise Aristoteles zugeschrieben
werden. Ich habe keine Ahnung, ob Aristoteles je gelebt und geschrieben hat. Die Texte, auf die ich mich beziehe, sind ganz sicher nicht von ihm hergestellt worden, es sind im allerbesten, aber sehr unwahrscheinlichen Fall Abschriften von Abschriften von Abschriften. Aber die Menschen, die in diesen Texten beschrieben werden, sind jene, die ich als alte Griechen bezeichne.homer

Die alten Griechen hielten sich Sklaven, so wie die Bauern heute Kühe oder Schafe halten. Als die neuen Europäer, die in den Süden der USA ausgewandert sind, sich auch Sklaven kauften, wussten sie sehr genau, dass sie etwas Kriminelles machten, die alten Griechen dagegen wussten das auf diese Weise nicht. Sie dachten in anderen Kategorien.

Als Kategorie bezeichne ich – ganz anders als Aristoteles und viele seiner heute noch lebenden Nachfolger – nicht Klassendefinitionen oder Eigenschaftsdomänen, sondern die für eine Theorie in dem Sinne fundamentalen Beobachtungen, als damit der Gegenstandsbereich der Theorie bezeichnet wird. Man kann in diesem Sinne in seiner je eigenen Theorie die Kategorie Lebewesen oder Menschen oder Griechen verwenden und eine dazu passende Gleichberechtigung postulieren.

Wer in diesem kategoriellen Sinn Menschen von Tieren unterscheidet, wird Menschen und Tier verschieden wahrnehmen und verschieden behandeln. In der aktuellen Rechtsauffassung der Schweiz sind Tiere Sachen, die man kaufen kann. Die alten Griechen haben kategoriell Griechen und Nichtgriechen unterschieden. Bei den Nichtgriechen unterschieden sie wohl Sklaven von Tieren, aber beides waren
Sachen, die man als Grieche kaufen konnte. Die Kategorie Mensch kannten sie nicht, weil sie mit ihrer Praxis nicht vereinbar war.

Die alten Griechen praktizierten. Als Praktizieren bezeichne ich ein Tätigsein, das sich selbst genügt. In dieser Hinsicht sind sie Keimformen des entwickelten Menschen, von welchem F. Schiller sagte, dass er nur spielt, wo er
in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und dass er nur da ganz Mensch ist, wo er spielt. F. Schiller meinte nicht Karten- oder Würfelspiele, sondern Sprachspiele als Inbegriff des von den allten Griechen gemeinten Praktizierens.

Die alten Griechen schauten durch die Kategorie Techne, durch welche sie ihr Praktizieren in einer Differenz zum Hervorbringen, das sie als Poiesis bezeichneten, sahen. Ein Schiff oder ein Haus beobachteten sie als etwas Hervorgebrachtes, wofür sie selbst nicht zuständig waren. Die Natur liess Bäume hervorwachsen und Sklaven, die die Bäume zu Schiffen machten. Die Natur brachte Kuhhäute auf die Welt, die ganz natürlich zu Lederschuhen wurden.

Als Techne bezeichneten die alten Griechen die von ihnen erfundene Kopfarbeit, die sie zuerst im handwerklichen Demiurg entdeckten, der allerlei brauchbare Gegenstände wie Waffen und Werkzeuge hervorgebracht hat. Aristoteles deckte auf, dass ein Grieche wissen und lehren (nicht lernen und können) kann, wie brauchbare Gegenstände herstellt werden. Im Sinne einer Mimesis konnten Griechen die Natur der Sklaven sogar nachahmen und dabei Gegenstände herstellen, allerdings nur solche, die sich selbst genügten – etwa ein Bild von einem Baum, auch wenn der Baum irgendwie natürlicher schien als das Bild. Die Griechen entwickelten das Beschreiben und das darüber Sprechen, was von Sklaven hervorgebracht wurde.

Die alten Griechen praktizierten Techne.

Advertisements

2 Antworten zu “Die Praxis der alten Griechen

  1. Hat Karl Marx je gelebt? also der Mann, dem z.B. „Das Kapital“ zugeschrieben wird?

  2. gute Frage, ich weiss es nicht. Aber die ihm zugeschriebenen Texte verwenden Kategorien, die ich (heute oder jetzt lebend) nachvollziehen kann, während Aristoteles, wenn er je gelebt hat, Kategorien verwendet hat, die ich grotesk finde.
    Mir ist aber eben gleichgültig, wem die Texte zugeschrieben werden, mich interessieren die Texte, So wie ich sie hier und jetzt lese – und wie sie andere hier und jetzt lesen.
    Was halten Sie von Aristoteles Ansicht zur Sklavenhaltung? Ist sie in irgendeiner Weise zu rechtfertigen? Oder war ihr Verfasser ein Unmensch?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s