Subtiles Mobbing


Als gewöhnliches Mobbing bezeichne ich, andere Menschen zu schikanieren, indem man sie der Unfähigkeit bezichtigt, sich innerhalb einer gedachten Hierarchie zu wehren. Typisch ist das gezielte Nörgeln an rivalisierenden und untergebenen Arbeitskollegen mit dem Ziel, dass sich diese unterordnen oder verschwinden. Mobbing ist aber in keiner Weise an handfeste Verhältnisse wie Arbeitsstellen gebunden. Schulkinder und kindische Internetbenutzer mobben oft gegen Personen, die von Normen abweichen, von welchen sie auch gerne abweichen würden, sich aber nicht trauen. Mobben hat zwei Varianten. Entweder wird die gemobbte Person direkt angesprochen oder sie wird angeprangert, typischerweise durch Fakes im Internet.

Es gibt recht primitive Formen von Mobbing wie Blossstellen, Drohen oder Beleidigen. Es gibt aber auch subtile Formen. Ich will dazu ein Beispiel etwas genauer beobachten. Die Facebookpersona „Philippe Wampfler“ schreibt in einem Kommentar zu einen Posting von mir über die Gefahr von Monopoly, dass sie sich langsam Sorgen mache. Dieser Kommentar scheint mir so eigenartig, dass ich nachfrage, worum es gehe. Ich bin sozusagen in die Falle getappt. Zunächst bekomme ich keine Antwort, was ich später der Mobbingstrategie zuschreibe.

Doch etwas später schreibt „Philippe Wampfler“, dass er sich auch wegen anderer Leute, die in meinem Post zu Monopoly kommentieren, Sorgen mache. Dann fügt er hinzu, dass er nicht glaube, dass in diesem Fall seine Nachricht etwas nütze. Das macht mich aufmerksamer. Sollte ich auf seine mir noch versteckten Sorgen hin, irgendwie reagieren? Ich trampe auch in diese Falle und frage nochmals nach, weshalb er sich denn Sorgen mache. Er antwortet, dass mir das klar sein sollte. Nicht sehr versteckt wirft er mir damit vor, dass ich dumm oder nicht willens sei. Da ich nun ohnehin diffamiert bin, frage ich nochmals explizit nach, ich gebe also zu, dass ich nicht fähig bin, was ja Ziel jedes Mobbings ist.

Dann lässt „Philippe Wampfler“ die Katze aus dem Sack. Er schreibt, dass er sich sorge, dass ich mich auf ein Thema beschränke und bei diesem Thema mich versteifen würde. Das ist insofern sehr eigenartig, als ich zum Thema Monopoly oder genereller zu den Gefahren von Spielen noch kaum jemals geäussert habe. Er muss also ein ganz anderes Thema im Auge haben, das er wieder nicht benennen will. Subtiles Mobbing basiert auf bewusst diffusen Aussagen. Allerdings begreife ich jetzt sehr wohl, wohin die Reise gehen soll. „Philippe Wampfler“ und ich haben in einer ganz anderen Sache sehr verschiedene Ansichten. Ich schreibe auch im Facebook, dass ich die Billag-Gebühren nicht in Ordnung finde, was ihm nicht gefällt. Aber ich schreibe hauptsächlich zu ganz anderen Themen, die SRG interessiert mich nicht sonderlich. Sie ist im Facebook einfach gerade ein richtiger Hype.

„Philippe Wampfler“ schreibt aber bewusst nichts zu seinem Thema, sondern dass es seiner Erfahrung nach, Menschen, die sich auf ein Thema beschränkten nicht gut gehe und dass sie sich ohnmächtig fühlen würden. Seine Sorgen beruhen auf einer psychologistischen Projektion, die halb Selbstoffenbarung, aber nicht sehr glaubwürdig ist. „Philippe Wampfler“ hat kaum Grund sich über mein Wohlergehen Sorgen zu machen, wir kennen uns nicht, sondern sind Facebookfreunde. Er scheint sich viel mehr um die SRG zu sorgen als um mich. Und diese nicht bezeichnete Sorge veranlasst ihn, mich auf diese Weise zu mobben.

Subtil ist die Geschichte, weil sie nicht nur ein verstecktes Thema behandelt, sondern weil auch die Drohung unterschwellig formuliert ist. Sie besteht darin, jemandem einen Untergang vorherzusagen, weil er sich nicht anpassen kann oder will. Der Drohende erscheint dabei nicht als Drohender, denn er kann nichts dafür, dass es mit mir schlecht enden wird. Nur ich könnte das abwenden, wenn ich vernünftig würde.

Ich erkenne in solchem Mobbing die ganz normale Erziehung von Zöglingen, die nicht mit Gewalt zur Einsicht gebracht werden dürfen. Es ist gängiger Schulunterricht auf höheren Schulstufen, wo die Schüler schon etwas besser verstehen, wie das Spiel läuft. Solches Mobbing ist subtil genug, um in Verhältnissen mit geklärten Hierarchien wie etwa Lehrer-Schüler gar nicht als Mobbing bezeichnet zu werden. Ein Schüler kann ja nicht gut Mobbing reklamieren, wenn der Lehrer ihm schlechte Prognosen macht. Ich bin aber nicht Schüler von „Philippe Wampfler“, sondern sein Facebookfreund. Ich muss seine weissagende Drohung nicht so ernst nehmen, ich kann nicht von der Schule fliegen.

Mir wird am Beispiel unabhängig vom Mobbing auch klarer, wer sich um die SRG vor allem Sorgen macht. Es sind Menschen, die wichtig finden, dass Informationhierarchien geklärt sind. Es sind Menschen, die Vielfalt fürchten. In der SRG kommen nur passende Leute zum Wort, im Internet dagegen fast nur nicht gut passende, wie das Mobbing dann deutlich macht.

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