Pixel


Ich beginne hier eine kleine Serie mit ein paar Beiträgen zur Digitalisierung und fange nicht ohne Grund mit dem Begriff Pixel an. Er steht für eine einfache Sache, die aber Resultat einer komplizierten Technik ist. Der Ausdruck Digitalisierung signalisiert normalerweise, dass man sich lieber nur mit den vermeintlichen Folgen dieser Technik als mit der Technik selbst auseinandersetzen will. Ich will hier die Technik beobachten, die hinter dem Schlagwort steht.

Die Technik ist objektiv sehr kompliziert, so kompliziert, dass sie von einem einzelnen Menschen nicht im Detail rekonstruiert werden kann. Es geht hier aber nicht darum, die Details zu verstehen, sondern darum eine Sprache zu gewinnen, mit welcher die Technik prinzipiell adäquat dargestellt werden kann. Ich beobachte deshalb Gegenstände, die mir im Alltag gegegen und nicht mit dreisten Angstvisionen wie künstliche Intelligenz oder denkenden Algorithmen. Ich beginne mit dem Pixel.

Als Pixel bezeichne ich Bildpunkte, also Elemente in einem Raster, das einem pixel1entsprechenden Bild zugrunde liegt. „Pixel“ ist ein Kunstwort aus den englischen Wörtern „Picture“ und „Element“. Bei grosser Auflösung erscheinen gepixelte Bilder körnig, weil ich einzelne Pixel erkennen kann. Der Pointillismus als Stilrichtung in der Malerei nimmt wichtige Konzepte der elektronischen Fotografie, die auf Pixeln beruht, vorweg.

pointillismus

So einfach wie Pixel zu verstehen sind, so kompliziert sind die Verhältnisse, in welchen sie ihre Rollen spielen. Bildraster gibt es schon bei vielen Printverfahren. Punktdichten wie dpi sind beim Scannen und bei der Qualität von Printern relevant. Ich kann und will hier nicht auf die Unterschiede eingehen. Mich interessiert hier nur die Bewandtnis mit elektronisch gespeicherten Bildern, exemplarisch was in sogenannt digitalen Kameras der Fall ist.

Wenn ich ein Bild am LCD-Bildschirm anschaue, schaue ich auf eine Menge von einzelnen Pixeln, von welchen jedes durch ein Datenelement in einem Prozessor bestimmt wird. Jedes Datenelement verweist auf eine Adresse am Bildschirm, beispielsweise 2. Spalte, 3. Reihe (Rastergrafik) und enthält einen Farbwert, beispielsweise „gelb“. So wird der ganze Bildschirm durch x-tausend Datenelemente bestimmt.

Die Bildanzeige verlangt natürlich, dass das Bild zuvor mittels einer Kamera mit einen elektronischen Bildsensor, pixel2der die Datenelemente produziert, aufgenommen wurde. Wenn ich meine Katze fotografiere und die Datei auf meinen Computer kopiere, kann ich die Katze auf dem Bildschirm sehen. Ich sehe dann keine Pixel sondern ein Bild. Und wenn ich den Bildschirm fotografiere, passiert dasselbe wie wenn ich meine Katze fotografiere. Ich fotografiere dann keine Pixel sondern einen Gegenstand in seiner Umwelt, der erst in und durch meine Kamera (wieder) in Pixel zerlegt und Datenelementen zugeordnet wird.

In der elektronischen Kamera ist – wie im Computer – kein Bild, sondern eine Menge von Daten, die in der aktuellen Technik durch materielle Artefakte repräsentiert sind und die ich nur mittels eines Anzeigegerätes überhaupt in einer für mich sinnvollen Art, nämlich als Bild, sehen kann.

Pixel sind für mich wie das Wasser für den Fisch. Sie sind immer da, ohne dass ich sie wahrnehme. Über Pixel nachzudenken, heisst, sich für die Technik hinter den Bildern zu interessieren. Und die Art, wie ich über Pixel nachdenke, zeigt mir mein Technikverständnis.

3 Antworten zu “Pixel

  1. ich stolpere über den Begrif „denkende Algorithmen“. Was unterscheidet denkende von nicht denkenden Algorithmen? Und was unterschreidet sie von denkenden Menschen? Und denkenden Tieren?

  2. ja, das Solpern ist doch so angelegt, es sind eben die Themen der Digitalisierung, die mich NICHT interessieren (ich meine das so geschrieben zu haben?)

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