Peking-Form (Taijiquan)


taiji_sportIch befasse mich wieder mehr mit Taiji und werde deshalb hier dazu etwas schreiben. Ich beginne heute mit einer einfachen Geschichte einer einfachen Form.

Die Taijiquan-Pekingform ist eine einfache Form mit 24 Yang-Stil Positionen, die 1956 in der Volksrepublik China von der Regierung als zulässiges „modernes“ Wushu propagiert wurde.

Hintergrund dafür war, dass Taijj im Kontext der Barfuss-Medizin als gesundheitsfördernde Gymnastik gesehen wurde, dass aber die philosophischen und mystischen Vorstellungen der traditionellen Formen als reaktionäre Lehren verboten wurden. Im gleichen Sinne wurde aus Qigong eine „chinesische Volksmedizin“ gemacht, die später zur TCM mutierte.

Eigentlich wollte die KP traditionelle Lehren ganz verbieten, aber der Not gehorchend, suchte sie einen Kompromis, der in den folgenden Jahren mehrfach total revidiert wurde. 1976 wurde eine Form mit 48 Bildern entwickelt, in die auch Elemente anderer Stile eingebunden sind. 1989 entstand die Form mit 42 Bildern als eine neuere Wettkampfform. Sie enthält deutlich erkennbar Elemente verschiedener Stile. Seit 1999 gibt es im Yang-Stil auch sehr vereinfachte Formen mit 16 und mit 10 Bildern, die quasi „vom Volk“ als öffentliches Turnen – was im Westen Gymfit heisst – praktiziert werden.

Im Jahre 1990 wurde in China die International Wushu Federation gegründet, die die verschiedenen Wushu-Verbände auf der Welt unter ihrem Dach zusammenfasst und die jährlich Wushu-Weltmeisterschaft ausrichtet, bei der die standardisierten Taijiquan- und Taijijian-(Schwert-)Formen verwendet werden. Seit 2006 richtet sie eine Weltmeisterschaft aus, bei der traditionelle Taijiquanformen ausgeführt werden dürfen.

Die International Wushu Federation ist ein staatliches Organ, das der KP China unterstellt ist. Die KP hat ihre Bewertung des Taiji im Laufe ihrer Geschichte mehrmals fundamental gewechselt, immer so, dass es gerade zu ihrer Politik passte. Aktuell ist die KP eine zutiefst kapitalistisch orientierte Organisation mit diktaorischen Befugnissen. Sie propagiert nationalistische Ideen und organisiert Taiji oder Wushu als olympischen Volksport im Sinne von Fussballturnieren und negiert damit jede Spiritualität, beschwört aber einen Nationalismus der bis in die Vorzeiten zurückreichen soll. Das ist die Strategie, die auch sehr viele westliche Staaten verwenden, und die in Deutschland, Italien und in Japan vor dem sogenannten 2. Weltkrieg ihre Blüte erreichte.

Die Wikipedia schreibt: „Taijiquan ist in der Volksrepublik China ein Volkssport“. Das ist eine ziemlich blöde Zusammenfassung, die von der KP China stammen könnte.

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