Was heisst Kommunikation? (neue Version)


P. Watzlawick schrieb 1969 im Vorwort seines zuerst englisch erschienenen Buches „Menschliche Kommunikation“ der Begriff Kommunikation sei „im Deutschen ungewohnt“. Bis 1970 haben deutsch sprechende Menschen offenbar eher miteinander gesprochen als kommuniziert. Erst später hat sich das Kunstwort, das seine Keimformen in verschiedenen Fachsprachen hat, auch in der Umgangssprache eingebürgert. In der englischen Sprache wird communication schon lange verwendet, es wurde aber auch dort durch die technische Entwicklung von Kommunikationsmitteln neu geprägt. C. Shannon führte den Begriff in seiner „Mathematischen Kommunikationstheorie“ 1948 für Signalprozesse jenseits von symbolischen Deutungen ein. N. Wiener hat im gleichen Jahr Kybernetik als Regelung und Kommunikation im Tier und in der Maschine bestimmt. Er hat offen gelassen, worin sich Regelung und Kommunikation unterscheiden, aber Kommunikation wie C. Shannon auf Mechanismen bezogen, in welchen Signale nicht symbolisch gedeutet, sondern konstruktiv interpretiert werden. (1)

Die erste mir bekannte physikalisch-technologische Verwendung des Ausdruckes „Kommunikation“ stammt von Stephen Gray, der 1729 mit nassen Hanfschnüren elektrostatische Versuche zur Leitfähigkeit von Materialien gemacht hat. Elektrizität hatte – hundert Jahre vor M. Farraday – noch keinen sichtbaren Nutzen, sondern war ein physikalisches Phänomen, um dessen Verständnis man sich praktisch – also durch konstruktive Manipulation – bemühen konnte. S. Gray spannte seine Hanfschnur in einem Klostergarten auf. Mönche mussten diese einerseits mit Wasser nass halten und andrerseits während der Messversuche rufen, wenn die mit Bernstein erzeugte elektrische Ladung bei ihnen vorbeikam und sie zwickte. S. Gray stellte fest, dass und wie schnell sich Strom durch nasse Schnüre bewegt. Aber S. Gray entdeckte durch das Rufen der Mönche auch, dass er am Ende seiner Schnur kommunikationsschnur.pngerfahren konnte, dass am Anfang der Schnur Strom angelegt wurde. Er nannte seineelektrische Datenüber-tragung (Telegraph,  Stromleitung weit voraussehend „Kommunikationsschnur“ und hat so die Telefon, Internet, usw.) vorweggenommen, für die er sich mangels Technologie noch gar nicht interessieren konnte.

Die Kommunikationsschnur ist in diesem projizierten Sinne eine Entdeckung, keine Erfindung, weil S. Gray eine Funktion seiner Installation entdeckte, die er so wenig beabsichtigte, wie die Oelfassproduzenten das Musikinstrument, das sich die Mitglieder einer Steelband aus Oelfässern machen. Die Entdeckung ist natürlich reflexiv. S. Gray stellte die Mönche auf, damit sie rufen. Dann entdeckte er, dass sie rufen. Dass er aber den Ausdruck Kommunikations-schnur wählte, zeigt, dass er den Ausdruck Kommunikation bereits irgendwie kannte, falls er ihn nicht assoziativ zur Kommune erfunden hat. In der frühen Phase der Technik wurden für hergestellte Phänomene oft politische Begriffe verwendet.(2)

Das Wort Kommune verwende ich als Fremdwort für die politische Gemeinde, speziell wenn ich die Geschichte der Gemeinde hervorheben will. Kommune bezeichnete im 11. Jhd das Organisationsprinzip einer gemeinsam handelnden politischen Korporation, die sich autonom macht und Stadtrechte gründet, sich also abgrenzt und so einer Herrschaft entzieht. Die Kommune ist die Keimform der Republik, in welcher eine Angleichung in Form von Bürgerrechten angestrebt wird: Vor dem Gesetz der republikanischen Kommune sind alle – die zur Kommune gehören – gleich, was durch die kommunizierenden Gefässe – die auch verbunden sind – veranschaulicht wird. Ich weiss nicht, wer diese Gefässe als „kommunizierende“ bezeichnet hat. B. Pascal, der wohl 1648 im Rahmen seiner physikalischen Experimente über Druckverhältnisse als erster über diese Gefässe kommunikationsgefaessgeschrieben hat, sprach nicht von Kommunikation, sondern von Ausgleich und Gleichgewicht. Ich deute die Namensgebung bei den Gefässen damit, dass das Einschwingen als Kommunikation beobachtet wurde, obwohl die Gefässe ja gerade nicht via Signale kommunizieren. Sie zeigen vielmehr, dass Differenzen auch ohne Kommunikation aufgehoben werden können.

Ich weiss nicht, ob S. Gray tatsächlich an eine Kommune gedacht hat, aber die Klostergemeinschaft, in welcher er seine Versuche gemacht hatte, war eine Kommune. Und wenn die elektrische Ladung beim letzten Mönch in der Reihe angekommen ist, hat dieser dem ersten zugerufen, was als Antwort in die Kommune zu begreifen ist, da die Frage, ob sie den Strom spüren, an alle in der Kommune gerichtet war.

Umgangssprachlich bezeichne ich mit Kommunikation ganz naiv im Sinne von nativ, dass Menschen sich mittels Mitteilungen zu verständigen versuchen. Wenn ich beispielsweise jemandem sage, er solle das Fenster öffnen, hat er meine Mitteilung verstanden, wenn er das Fenster öffnet oder mir sagt, warum er das nicht tun will. Im ersten Fall bricht die Kommunikation ab, weil das Ziel der Verständigung erreicht ist, im zweiten Fall wird sie weitergeführt, indem ich eine Antwort bekomme. Der Kommunikationsprozess lebt sozusagen davon, dass die Verständigung nicht erreicht wird. Kommunikation verbindet die beteiligten Menschen auch, wenn eine Verständigung nicht möglich ist, bis sie endlich aus diesem Grund abbricht.

Jede Mitteilung muss übertragen und geteilt werden. Wenn ich jemandem etwas sage, produziere ich hörbare Laute. Es geht mir dabei nicht um diese Laute, aber ich komme nicht umhin, sie zu produzieren, wenn ich etwas sagen will. Jede Mitteilung ist an ein Signal gebunden. Und ganz unabhängig davon, was ich mitteilen will, muss das Signal von jemandem empfangen werden, der es interpretieren kann. Kommunikation hat im umgangssprachlichen Sinn deshalb die beiden Konnotationen, die im Ausdruck „mitteilen“ aufgehoben sind:

Signalübertragung (Information) und Kommune (Gemeinschaft)

kommunikations_modell_2.png

Wenn Telefontechniker ein Kommunikationsproblem lösen, befassen sie sich vordergründig mit dem Funktionieren der Signalübertragung. Psychotherapeuten, die Kommunikationsprobleme lösen, befassen sie sich vordergründig mit dem Funktionieren einer Gemeinschaft. Aber natürlich beruht diese Arbeitsteilung auf einer fiktiven Trennung von zwei Aspekten der Kommunikation, die sich unterscheiden, aber nicht trennen lassen. Die Kommune kann nicht ohne Signale kommunizieren und Signale haben ihren Sinn nur, wenn sie als solche interpretiert werden. In der technologischen Kommunikationstheorie von C. Shannon wird nur die Signalübertragung behandelt und den sozialphilosophischen Kommunikationstheorie wird nur die Interpretation, die dort als Verstehen bezeichnet wird, behandelt.

Als die Sozialwissenschaftler den Kommunikationsbegriff – nach vielen Jahren – übernommen haben, haben in gewisser Weise komplementiert, was die Technologen in ihrem Kommunikationsbegriff zuvor weggelassen haben. In der deutschsprachigen Sozialwissenschaft haben J. Habermas und N. Luhmann das Wort Kommunikation etwa 1980 ins Zentrum der Sozialwissenschaften gerückt. Bei J. Habermas erscheint das Wort im Buchtitel seiner grundlegenden „Theorie“ (Theorie des kommunikativen Handelns,1981), während bei N. Luhmann die gemeinte Kommune als Soziales System bezeichnet wird (Soziale Systeme, 1984). (3)

In die deutsche Alltagssprache ist der Ausdruck Kommunikation wohl eher durch den oben zitierten Bestseller „Menschliche Kommunikation“ von P. Watzlawick und seinen Mitautoren gekommen. Der deutsche Buchtitel ist in zwei Hinsichten problematisch. Im Original heisst das Buch „Pragmatik der menschlichen Kommunikation“, was auf eine Anwendung verweist. Das Buch befasst sich nicht mit Kommunikation überhaupt, sondern mit dem Beheben von Störungen in zwischenmenschlichen Beziehungen, die als Kommunikationstörungen aufgefasst werden und sich psychotherapeutisch behandeln lassen. Wichtiger aber ist, dass von „menschlicher“ Kommunikation gesprochen wird, was eben auch eine unmenschliche oder nichtmenschliche Kommunikation unterstellt. Im Kontext des therapeutisch gedachten Buches sind dabei nicht technische Aspekte der Kommunikation gemeint, sondern dass bestimmte kommunikative Verhalten der Behandlung bedürfen, weil sie nicht gesellschaftsfähig sind.

Die pragmatischen Thesen, die P. Watzlawick zusammen mit D. Jackson, der ein Assistent von G. Bateson war, veröffentlicht hatte, stammen weitgehend von G. Bateson, der damit zusammen mit J. Ruesch viel Jahre früher eine Anwendung der Kybernetik auf soziale Phänomene beschrieben hat, wobei er sich auch hauptsächlich auf psychiatrisch gesehen gestörtes Verhalten bezogen hat. Das schon 1951erschiene Buch hiess „Kommunikation: Die soziale Matrix der Psychiatrie“. N. Wiener hat seine Kybernetik als mathematisches Prinzip aufgefasst, das er für generell anwendbar hielt. G. Bateson hat das kybernetische Denken als erster auf soziale Phänomene angewendet und dabei die Wienersche Verdoppelung von Regelung und Kommunikation aufgehoben: Regelung funktioniert mechaanisch und Kommunikation könnte wie Regelung funktionieren, wenn soziale Systeme mechanisch begreifbar wären. (4)

In der fragmental getrennten Perspektive vieler Sozialwissenschaftler, in welcher die Signalübertragung keine Rolle spielt, tritt im Kommunikationsprozess anstelle des Signals die jenseits von Energie und Materie doppelt kontigente Information, von welcher der technologisch gedachte Informatik-Duden geschrieben hat, Information stelle neben Energie und Materie einen der „drei wichtigsten Grundbegriffe der Natur- und Ingenieurwissenschaften dar. Für die Informatik als der Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen sollte der Begriff von zentraler Bedeutung sein; dennoch ist er bisher kaum präzisiert worden“ (Duden Informatik 1988:273). Das scheint die Sozialwissenschaftler wenig zu plagen. (5)

N. Wiener hat in seiner laschen Sprache auch von Information gesprochen, damals aber noch nicht geahnt, wie der Begriff später von Sozialwissenschaftlern verwendet wurde. W. Asby hat in seiner grundlegenden Darstellung der Kybernetik 1956 schon geschrieben, dass kybernetische System informationsdicht sind. In der gleichzeitig propagierten Theorie offener Systeme von L. von Bertalanffy wird Information so verwendet, wie es heute im Commonsense üblich ist, als eine Qualität, die mitgeteilten Daten zugeschrieben wird, wenn diese deutend interpretiert werden. In der Sozialphilosophie, die sich um die technischen Aspekte der Kommunikation nicht kümmert, haben sich rasch zwei unverträgliche getrennte Auffassungen von Kommunikation entwickelt. Einerseits wird Kommunikation als sprachliches Handeln verstanden und andrerseits als konstituierender Prozess im sozialen System. Ich werde auf diese fragmentierte Auseinandersetzung zurückkommen, nachdem ich die kybernetische Auffassung von Kommunikation erläutert habe. (6)

Als Kommunikation bezeichne ich – im Kontext der Kybernetik – den Signalprozess einer Kommune, den ich durch die dabei verwendbaren Kommunikations-Mittel bestimme. Als Kommunikationsmittel bezeichne ich Artefakte, die ich zur Signalübertragung benutzen kann. Ein typisches Beispiel ist das Telefon, in welchem das Signal moduliert und von der Quelle zur Senke weiterleitet wird. Mit Signalübertragung bezeichne ich, was bei jeder Kommunikation operativ passiert, und mit Kommune bezeichne ich, was durch die Kommunikation hervorgebracht wird, nämlich eine Art autopoietisches System, in welchem sich die Kommunikation abspielt. Weil der Ausdruck Kommune in der Alltagssprache oft eingeschränkter verwendet wird, spreche ich stattdessen auch von Gesellschaft oder von Gemeinschaft oder terminologische gebundener von Sozietät, obwohl ich die Kommune im engeren Sinne des Wortes meine, die sich – analog zur biologischen Zelle – durch ein sich Abgrenzen hervorbringt.

Mit Signalübertragung bezeichne ich mithin die mareielle Grundlage der Kommunikation, also die für die Funktion der Kommunikation relevanten mechanischen Operationen oder deren Funktionsweise. Mit Kommunne bezeichne ich die namensgebende Funktion der Kommunikation, einen konsensuellen Deutungs- oder Handlungszusammenhang zu erzeugen, in welchem Kommunikation stattfinden kann. Der exemplarische Handlungszusammenhang ist die Sprache, die als Interpretationsrahmen für mündliches und schriftliches Verhalten fungiert und genau dadurch hervorgebracht wird, dass geschrieben und gesprochen wird. Ein anderer Handlungszusammenhang ist die Gestik. (7)

Die Kommunikation passiert nicht zwischen oder in Kommunikationsmitteln, sondern in der Kommune, in welcher diese Mittel verwendet werden (können). Wenn etwa Robinson zu Freitag sagt, er solle ein Feuer machen, findet eine un-mittel-bare Kommunikation in einer Kommunue statt, die aus zwei Menschen besteht, und die ich genau deshalb als Kommune bezeichne, weil sie kommuniziert. Natürlich könnte Robinson dabei auch Kommunikationsmittel verwenden. Wenn ich beispielsweise mit dem Auto an einer Ampel bei Rot anhalte, findet eine durch viele Kommunikationsmittel kompliziert vermittelt Kommunikation in einer Kommune statt, die aus sehr vielen Menschen besteht. Ich muss weder wissen, wie gross die Kommumune ist, noch wie die Kommunikationsmittel funktionieren, um in die Kommunikation einbezogen zu sein. Ich muss nur auf das Signal reagieren (können).

Als Signal bezeichne ich eine Entität aus strukturierter Energie. Das Signal wird durch den Interpreter zum Signal, weil es dort seinen Sinn erfüllt. Rotes Licht ist nur Energie. Für einen Verkehrsteilnehmer ist es spezifisch strukturiertes Licht, wenn er es situativ von grünem Licht unterscheidet. Und es wird zum Signal, wenn er es als solches interpretiert, also mit einer spezifischen Intention verbindet, die für sein eigenes Verhalten relevant ist. Der Empfänger bestimmt die Bedeutung des Signals. Die Interpretation kann festgelegt oder flexibel sein. Als flexibler Autofahrer wäge ich ab, ob ich bei einem Rotlicht anhalte. Wenn mein Auto dagegen eine entsprechende Sensorsteuerung hat, wurde vorab festgelegt, dass es bei Rot anhält. In beiden Fällen wird das rote Licht als Signal interpretiert und in beiden Fällen geschieht das durch Menschen, die so Teil der Kommune sind.

Die intendierte Gegenstandsbedeutung einer Lichtsignalanlage an einer Kreuzung besteht – in meiner Interpretation – darin, den Verkehr zu regeln. Anstelle der Ampel könnte ein Polizist diese Funktion übernehmen. Wenn mir ein Polizist durch seine Gesten zeigt, ob ich fahren oder halten soll, findet die Kommunikation in dem Sinne unmittelbar statt, als keine Kommunikationsmittel verwendet werden. Der Polizist ist bezüglich seiner Gesten in zwei Hinsichten flexibel, er passt sie seinen Wahrnehmungen an. Er kann eine Verkehrsrichtung bevorzugen und er kann die Gesten mehr oder weniger deutlich machen oder durch rufen unterstützen. Eine Ampel ist festgelegt, aber natürlich wurde sie eingerichtet und in Betrieb genommen. Sie hat sich nicht selbst entschieden, den Verkehr zu regeln oder dann und wann auf Rot zu schalten. Und wenn mein Auto aufgrund von eingebauten Sensoren auf das Signal der Ampel reagiert, hat sich nicht mein Auto dazu entschieden, es wurde von jemandem programmiert. Die Kommunikationsmittel transformieren den Signalprozess. Die Transformation ist rekonstruierbar und auf die unmittelbare Kommunikation mit dem Verkehrspolizisten zurückführbar.

Indem ich ein Auto mit einem Rotlichtsensor verwende, interpretiere ich das Rotlicht in einem verallgemeinerten Sinn. Indem ich ein Auto verwende, das bei Rotlicht anhält, halte ich bei jedem Rotlicht an. Wenn das Rotlicht zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeschaltet ist, wurde es von jemandem eingeschaltet, der damit zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort ein entsprechendes Signal sendet. Wenn zu einem gegebenen Zeitpunkt das Rotlicht keine Interpretation findet, weil an der entsprechenden Kreuzung gar kein Verkehr ist, spreche ich von einem potentiellen Signal. Die Kommunikation ist in diesem Zeitpunkt aufgehoben.

Fortsetzung folgt


1) Die Verbreitung der Begriffe lassen sich anhand von Google Ngram sehr leicht nachvollziehen. Ich kann dort sehen, wann das Wort in der deutschen Literatur erscheint, und insbesondere auch, wann es in die englische Nonfictionliteratur gekommen ist. (zurück)

2) Ein typisches Beispiel mit langer Geschichte: Auf J. Maxwell’s „Theory of Governors“ hat N. Wiener mit der griechische Form des Wortes Steuermann Kybernetik verwiesen, weil J. Maxwell die mathematischen Grundlagen der Regelung entwickelt hat. J. Maxwell seinerseits hat den Begriff von J. Watt, der den Fliehkraftregler, der die Geschwindigkeit seiner Dampfmaschine auf einem konstanten Niveau hält, so nannte. J. Watt bezog sich mit ”Governor” seinerseits auf A. Ampère, der den Ausdruck im Sinne von Plato für die politische Steuerung verwendet. Bei Plato, der den Staat mit einem Schiff verglich, hiess der Steuermann Kybernetes. (zurück)

3) V. Flusser hat im portugisch sprechenden Brasilien das Wort Comunicação in einem umgangssprachlichen Sinn für Marketingfragen schon 1960 verwendet, aber seine kommunikationstheoretischen Arbeiten sind auch erst im akademischen Exil in Deutschland ab 1980 entstanden. Mit seinem Ausdruck Kommunikologie bezeichnete er die Differenz zwischen einem seiner Meinung nach naturwissnschaftlichen Kommunikationskonzept, womit er namentlich C. Shannon meinte, und einer zwischenmenschlichen Kommunikation, die er – ganz in der Tradition – geisteswissenschaftlich als das Verbindende verstanden hat.(zurück)

4) Bei G. Bateson ist die Sache noch etwas komplexer als bei P. Watzlawick, weil er den kybernetischen Beobachter berücksichtig hat, der bei P. Watzlawick in den Axiomen quasi objektiv aufgehoben ist. (zurück)

5) N. Luhmann schreibt in seiner Einführung in die Systemtheorie (S. 128f), dass G. Bateson seine viel zitierte Aussage Information sei „ein Unterschied, der den Unterschied macht“ einfach so sage. „Man findet das als Text, ohne dass die Bedingungen dieser Formulierung reflektiert werden.“ N. Luhmann macht einen Quellverweis auf die „Oekologie des Geistes“, wo er nichts gefunden hat. G. Bateson hat seine vielzitierte Aussage sehr ausführlich erläutert, aber eben in „Geist und Natur„, einem Bestseller, den N. Luhmann offensichtlich so wenig gelesen hat, wie die vielen anderen Zitierer des Zitates. (zurück)

6) L. von Bertalanffy hat nachdem er in die USA ausgewandert war, populäres englisch geschrieben. Es verwendet den Ausdruck Kommunikationssystem schon 1967 und in der 1970 erschienen deutschen Ausgabe wird der Ausdruck als bekannt vorausgesetzt. (zurück)

7) Sprache wird oft als Mittel oder als Werkzeug bezeichnet. Und eben so oft wird Sprache als abstrakte Verallgemeinerung von Sprachen wie Deutsch oder Englisch aufgefasst. Wenn ich spreche, benutze ich kein Werkzeug und dass ich etwas sagen will, hat mit Deutsch oder Englisch, also mit der Codierung des Signalprozesses nichts zu tun, auch wenn ich nicht umhin komme Signal zu unterscheiden. (zurück)

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