Zeigen, sagen, beobachten


Im Rinnstein der champs elysees liegt ein noch grüner Apfel.

Ich stehe auf dem Trottoir, das sie Boulevard nennen, und zeige auf den Apfel. Ich sehe ihn, ich zeige mit meinem Zeigefinger auf ihn, und ich zeichne ihn, damit ich ihn auch im Moment nicht Anwesenden zeigen kann. Andere sehen beispielsweise tote Fische im Rhein, auf die sie auch zeigen und die sie auch zeichnen könnten.

Ich sage, dass im Rinnstein der champs elysees ein grüner, noch nicht reifer Apfel liegt. Wer meine Sprache spricht, unreife Äpfel kennt und schon mal an der champs elysees war, kann sich ein Bild zu dem machen, was ich sage. Er kann verstehen, was ich sage. Natürlich weiss er, dass man den unreifen Apfel, den er sieht, weder zeichen nochzeigen kann. Ich kann jeden unreifen Apfel zeichnen, aber nicht den unreifen Apfel.

Ich beobachte also einen noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees und ich sage es. Ich beobachte dabei, dass ich beobachte und was ich beobachte. Warum sonst sollte ich es sagen? Ich beobachte, dass ich einen Apfel, also keine Birne, aber einen Vertreter der Gattung Kernobst beobachte. Es könnte ja auch etwas anderes im Rinnstein liegen, eine Birne oder reifer, eventuell bereits etwas angefaulter Apfel oder eint toter Fisch. Oder etwas, wofür mit gar kein Wort einfallen würde, obwohl ich es zeigen und zeichnen könnte. Ich beobachte, dass der Apfel nicht irgendwo, sondern im Rinnstein liegt. Aber nicht in irgendeinem Rinnstein, auch wenn die Stelle, wo der Apfel liegt, nur durch diesen und sonst in keiner Weise markiert ist. Ich beobachte mithin, wie beliebig oder – wie andere sagen würden, wie kontingent – meine Beobachtung ist und was ich dabei für Unterscheidungen verwende, die ich allen nicht verwenden müsste, wenn mich der Apfel im Rinnstein der champs elysees nicht interessieren würde.

Ohne all diese Unterscheidungen könnte ich den noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen, wenn er und ich gleichzeitig dort wären. Auf ihn zu zeigen oder ihn zu zeichnen, würde ich aber nur, wenn ich ihn von seiner Umwelt unterscheiden würde. Die meisten Menschen, die dann auch gerade auf dem Boulevard vorüberschlendern täten, würden den Apfel wohl nicht sehen, und so auch nicht dessen Umwelt, also all das, was nicht Apfel ist. Wenn sie dann – ich meine etwas später – meine Zeichnung im Louvre neben andern Kunstwerken wie der Monalisa sehen würden, würden sie wohl – aber nicht sicher – den noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen, wozu sie ihn nicht wieder erkennen müssten. Sie könnten aber sagen, dass sie EINEN noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen, oder nachdem das Bild so berühmt wie Monalisa geworden wär, dass sie DEN noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen. Und wenn sie dabei – statt kunstbeflissen das Bild – beobachten würden, dass und was sie beobachten, würden sie der Beliebigkeit ihrer Unterscheidungen gewahr, obwohl die Beliebigkeit ihrer Unterscheidungen durch die gezeigte Zeichnung aufgehoben wäre.

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