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Subtiles Mobbing


Als gewöhnliches Mobbing bezeichne ich, andere Menschen zu schikanieren, indem man sie der Unfähigkeit bezichtigt, sich innerhalb einer gedachten Hierarchie zu wehren. Typisch ist das gezielte Nörgeln an rivalisierenden und untergebenen Arbeitskollegen mit dem Ziel, dass sich diese unterordnen oder verschwinden. Mobbing ist aber in keiner Weise an handfeste Verhältnisse wie Arbeitsstellen gebunden. Schulkinder und kindische Internetbenutzer mobben oft gegen Personen, die von Normen abweichen, von welchen sie auch gerne abweichen würden, sich aber nicht trauen. Mobben hat zwei Varianten. Entweder wird die gemobbte Person direkt angesprochen oder sie wird angeprangert, typischerweise durch Fakes im Internet.

Es gibt recht primitive Formen von Mobbing wie Blossstellen, Drohen oder Beleidigen. Es gibt aber auch subtile Formen. Ich will dazu ein Beispiel etwas genauer beobachten. Die Facebookpersona „Philippe Wampfler“ schreibt in einem Kommentar zu einen Posting von mir über die Gefahr von Monopoly, dass sie sich langsam Sorgen mache. Dieser Kommentar scheint mir so eigenartig, dass ich nachfrage, worum es gehe. Ich bin sozusagen in die Falle getappt. Zunächst bekomme ich keine Antwort, was ich später der Mobbingstrategie zuschreibe.

Doch etwas später schreibt „Philippe Wampfler“, dass er sich auch wegen anderer Leute, die in meinem Post zu Monopoly kommentieren, Sorgen mache. Dann fügt er hinzu, dass er nicht glaube, dass in diesem Fall seine Nachricht etwas nütze. Das macht mich aufmerksamer. Sollte ich auf seine mir noch versteckten Sorgen hin, irgendwie reagieren? Ich trampe auch in diese Falle und frage nochmals nach, weshalb er sich denn Sorgen mache. Er antwortet, dass mir das klar sein sollte. Nicht sehr versteckt wirft er mir damit vor, dass ich dumm oder nicht willens sei. Da ich nun ohnehin diffamiert bin, frage ich nochmals explizit nach, ich gebe also zu, dass ich nicht fähig bin, was ja Ziel jedes Mobbings ist.

Dann lässt „Philippe Wampfler“ die Katze aus dem Sack. Er schreibt, dass er sich sorge, dass ich mich auf ein Thema beschränke und bei diesem Thema mich versteifen würde. Das ist insofern sehr eigenartig, als ich zum Thema Monopoly oder genereller zu den Gefahren von Spielen noch kaum jemals geäussert habe. Er muss also ein ganz anderes Thema im Auge haben, das er wieder nicht benennen will. Subtiles Mobbing basiert auf bewusst diffusen Aussagen. Allerdings begreife ich jetzt sehr wohl, wohin die Reise gehen soll. „Philippe Wampfler“ und ich haben in einer ganz anderen Sache sehr verschiedene Ansichten. Ich schreibe auch im Facebook, dass ich die Billag-Gebühren nicht in Ordnung finde, was ihm nicht gefällt. Aber ich schreibe hauptsächlich zu ganz anderen Themen, die SRG interessiert mich nicht sonderlich. Sie ist im Facebook einfach gerade ein richtiger Hype.

„Philippe Wampfler“ schreibt aber bewusst nichts zu seinem Thema, sondern dass es seiner Erfahrung nach, Menschen, die sich auf ein Thema beschränkten nicht gut gehe und dass sie sich ohnmächtig fühlen würden. Seine Sorgen beruhen auf einer psychologistischen Projektion, die halb Selbstoffenbarung, aber nicht sehr glaubwürdig ist. „Philippe Wampfler“ hat kaum Grund sich über mein Wohlergehen Sorgen zu machen, wir kennen uns nicht, sondern sind Facebookfreunde. Er scheint sich viel mehr um die SRG zu sorgen als um mich. Und diese nicht bezeichnete Sorge veranlasst ihn, mich auf diese Weise zu mobben.

Subtil ist die Geschichte, weil sie nicht nur ein verstecktes Thema behandelt, sondern weil auch die Drohung unterschwellig formuliert ist. Sie besteht darin, jemandem einen Untergang vorherzusagen, weil er sich nicht anpassen kann oder will. Der Drohende erscheint dabei nicht als Drohender, denn er kann nichts dafür, dass es mit mir schlecht enden wird. Nur ich könnte das abwenden, wenn ich vernünftig würde.

Ich erkenne in solchem Mobbing die ganz normale Erziehung von Zöglingen, die nicht mit Gewalt zur Einsicht gebracht werden dürfen. Es ist gängiger Schulunterricht auf höheren Schulstufen, wo die Schüler schon etwas besser verstehen, wie das Spiel läuft. Solches Mobbing ist subtil genug, um in Verhältnissen mit geklärten Hierarchien wie etwa Lehrer-Schüler gar nicht als Mobbing bezeichnet zu werden. Ein Schüler kann ja nicht gut Mobbing reklamieren, wenn der Lehrer ihm schlechte Prognosen macht. Ich bin aber nicht Schüler von „Philippe Wampfler“, sondern sein Facebookfreund. Ich muss seine weissagende Drohung nicht so ernst nehmen, ich kann nicht von der Schule fliegen.

Mir wird am Beispiel unabhängig vom Mobbing auch klarer, wer sich um die SRG vor allem Sorgen macht. Es sind Menschen, die wichtig finden, dass Informationhierarchien geklärt sind. Es sind Menschen, die Vielfalt fürchten. In der SRG kommen nur passende Leute zum Wort, im Internet dagegen fast nur nicht gut passende, wie das Mobbing dann deutlich macht.

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Zeichnen und die dialogische Kunst


Kürzlich im Dialog: Es wird erzählt, dass im Aktsaal von einer Gruppe Zeichner und Zeichnerinnnen Portraits eines Modells gezeichnet wurden. Anschliessend wurden die Portraits – die ja im Prinzip allesamt gleich sein könnten, weil sie alle dasselbe Modell abbilden – ausgelegt. Unbeteiligte Leute wurden aufgefordert, die Portraits den verschiedenen Zeichnern zuzuordnen, um die Hypothese zu prüfen, dass in jeder Zeichnung der Zeichner selbst zu erkennen sei. Die Hypothese konnte weitgehend verifiziert werden. Die Zeichner zeichnen sich selbst, wenn sie das Modell zeichnen. Oder vielleicht etwas differenzierter: die Zeichner sehen im Modell bestimmte Aspekte (die wiederum andere bei ihnen erkennen können) viel deutlicher als andere.

Man kann für dieses Phänomen Erklärungen suchen. Man könnte etwa vermuten, dass in den Zellen des zeichnenden Organismus ein Selbstbild verankert ist, dass sich beim Zeichnen einbringt. Mir geht es aber nicht um Erklärungen, sondern um eine Erläuterung des Phänomens in zwei von mir zusammengedachten Hinsichten.

Im Dialog spreche ich immer über mich, was ich mir durch ich-Formulierungen bewusst halte. Ich spreche aber nicht sehr oft unvermittelt über mich, sondern normalerweise darüber, wie ich die Welt sehe. Dabei kommt meine Welt ins Spiel, die ich konstruktivistisch als projeziertes Modell meiner Konstruktionen verstehe. Dia logos – durch das Wort, durch meine Beschreibung – erkenne ich, wie ich mir die Welt vorstelle, oder wie ich sie modelliere. Und mancher könnte vielleicht sofort erkennen, dass es sich um meine Beschreibungen handelt, sowie er im Aktsaal sehen könnte, welcher Zeichner das Modell gezeichnet hat.

In der bildenden Kunst führt das Bewusstsein solcher Selbstdarstellungen in den Darstellung zur allmählichen Abstraktion des Modells. Als Zeichner wird mir immer bewusster, was ich eigentlich zeichne. Ginge es mir darum, ein Abbild des Modelles zu bekommen, würde ich gar nicht zeichnen, sondern ein Technobild, eine Fotograpie oder einen Film machen. Beim Zeichnen, das ich jetzt meine, geht es mir um etwas anderes. Ich sehe das Zeichnen als Differenz zwischen einer Sachbeziehung und eine Selbstoffenbarungsbeziehung. Wenn ich einen Konstruktions- oder einen Stadtplan zeichne, spiele ich selbst keine mir bewusste Rolle, dann geht es mir um die gezeichnete Sache, die ich so nicht fotograpieren kann. Wenn ich aber als Künstler zeichne, zeichne ich mich.

Ich kann eine entsprechende Distanzierung vom Abbilden etwa bei P. Picasso erkennen. Das Modell im Aktsaal wird zum Katalysator, es mischt sich immer weniger ein in dem Zeichnungs-Prozess, den es katalysiert. Der Zeichner nimmt das Modell als Anlass, nicht als etwas, was fotografisch reproduziert werden muss. Mit der Zeit verkehrt sich das Verhältnis. Das Modell etwa eines Archtekten entsteht vor dem, was es abbildet. Und im an der Architektur inspirierten Kubismus werden die gezeichneten Sachen gar nicht mehr produziert.

Im (quasi-philosophischen) radikalen Konstruktivismus wird genau diese Sache auch begriffen: Zuerst gibt es ein Objekt und objektive Sichten, dann gibt es subjektive Sichten auf ein nicht mehr objektiv fassbares Objekt und schliesslich gibt es nur noch Sichten. Das, was in einer abstrakten Zeichnung dargestellt wird, heisst auch in der Kunst Konstruktion, und die Epoche heisst Konstruktivismus in der Kunsttheorie.

radikaler_konstruktivismus

Genau so verstehe ich den Dialog als Kunst. Ich spreche anfänglich über Objekte oder über die Wirklichkeit. Mit der Zeit merke ich, dass ich eine ziemlich subjektive Sicht habe und schliesslich realisiere ich, dass ich durch mein Sprechen meine Wirklichkeit hervorbringe. Im Dialog achte ich deshalb auf meine Worte.

Ich beschreibe nicht die Wirklichkeit und ich spreche nicht über die Wirklichkeit, sondern ich spreche. Und ich höre, was ich spreche und welche Wirklichkeit ich dabei – als Utopie – erzeuge. Unser Dialog im Aktsaal heisst so, weil wir in einem Aktsaal mit dem Dialog angefangen haben. Aber Nomen est Omen.

Sensitiver Dialog


Als sensitiven Dialog bezeichne ich einen in der Schwebe gehaltenen, sprachlichen Kommunikationsprozess, in welchem sich die Vielfalt von Sichtweisen entwickelt. Im sensitiven Dialog erscheint mir Kommunikation nicht als Mittel, um etwas anderes als Kommunikation zu erreichen, sondern Zweck. Im Dialog will ich mit andern Menschen Beziehungen und Freundschaften realisieren, die sich gerade im Dialog zeigen. Im sensitiven Dialog interessiere ich mich dafür, wie ich die Dinge oder meine Um-Welt sehe und wie ich sie auch sehen könnte, weil andere Menschen es so tun. Im Dialog erkenne ich, was alles möglich wäre, indem ich meine Mitmenschen erkenne.

Das dialogische Erkennen praktiziere ich in Form von reflektierten Dialog-Uebungen, wie sie vor allem D. Bohm bekannt gemacht hat.

Bedarf und Bedürfnis


Ein paar noch nicht fertigt sortierte Gedanken zur Differenz zwischen Bedarf und Bedürfnis:

Bedarf ist eine Kategorie meiner Systemtheorie, durch die ich das System als Mechanismus von seinem unorganischen Leib abgrenze, der für dessen Funktionieren im Sinne des Metabolismus und der Energieversorgung zur Einheit des Systems gehört. Maschinen brauchen Treibstoff, Pflegestoff und Bedienung, damit sie ihre Funktion erfüllen können, autopoietische Maschinen brauchen das sogar um ihre fortlaufende Reproduktion aufrecht zu erhalten. Alles, was das System aneignet oder einverleibt, ist davor sein unorganischerLeib.

1. Im Tierzustand waren Mensch und Natur eine Einheit
Die Natur ist der unorganische Leib des Menschen, nämlich die Natur, soweit sie nicht selbst menschlicher Körper ist. Der Mensch lebt von der Natur, heisst: Die Natur ist sein Leib, mit dem er in beständigem Prozess bleiben muss, um nicht zu sterben.
Dass das physische und geistige Leben des Menschen mit der Natur zusammenhängt, hat keinen anderen Sinn, als dass die Natur mit sich selbst zusammenhängt, denn der Mensch ist ein Teil der Natur. K. Marx, ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW 40, 516.

2. Arbeit trennte die Menschen vom Tierreich und der Natur
Nicht die Einheit der lebenden und tätigen Menschen mit den natürlichen, unorganischen Bedingungen ihres Stoffwechsels mit der Natur, und daher ihre Aneignung der Natur bedarf der Erklärung oder ist Resultat eines historischen Prozesses, sondern die Trennung zwischen diesen unorganischen Bedingungen des menschlichen Daseins und diesem tätigen Dasein … K. Marx, Grundrisse , S. 389.
Sprachkritisch ist eine Maschine auch eine Maschine, wenn sie stillsteht. In dieser Perspektive sehe ich das hergestellte Artefakt als abgegrenzten, bewegungslosen Gegenstand. Der tote Körper ist in diesem Sinne ein vollständiger Organismus, den wir als Einheit beispielsweise beerdigen, wobei ihm im Vergleich zum lebenden Zustand nichts fehlt – ausser die Bewegung des Lebens.

Wenn ich einen Mechanismus von seinem unorganischen Leib trenne, entsteht Bedarf, etwa Bedarf an Treibstoff oder Nahrung, also Bedarf an Bedarfsmitteln.

Als Bedarf bezeichne ich, dass sich ein System Bedarfsmitteln aneignen muss, um seine Funktion zu erfüllen. Die Unterscheidung zwischen System und dessen Bedarf ist die Grundlage des offenen Systems in der Systemlehre.

Beispiele:
Ein Motor braucht Benzin, das – wenn man so will – nicht zum Motor gehört.
Ein Lebewesen braucht Nahrung, die – wenn man so will – nicht zum Lebewesen gehört.
… obwohl der Motor ohne Benzin nicht läuft und obwohl das Lebewesen aus seiner Nahrung besteht

Zur Kategorie:
Es gibt Gegenstände, die funktionieren können. Ein Stein kann nicht funktionieren, aber eine Maschine kann es (Mechanismus, System)
ein Verbrennungsmotor braucht – unter dieser Kategorie – Benzin, nicht um ein Motor zu sein, sondern um seinen Zweck zu erfüllen.

Anmerkungen zum Verhältnis Bedürfnis

Der Motor hat kein Verlangen nach Benzin, Lebewesen spüren Hunger, wenn ihnen Nahrung fehlt, sie haben dann quasi ein Bedürfnis als Empfindung zum Bedarf, wobei das Bedürfnis ganz unabhängig vom Bedarf auftreten kann, weshalb es ja auch so viele relativ dicke Menschen gibt.

Wer Menschen und Tiere in dieser Hinsicht nicht unterscheidet, bezeichnet das Empfinden von Bedarfszuständen als Bedürfnis. In der Naturgeschichte entwickeln sich dazu Emotionen, die das Lebewesen veranlassen, unabhängig von Bedarfszuständen zu agieren. Eine Katze hat „emotionale Freude“ am Jagen, auch wenn sie keinen Hunger hat (das gibts auch bei Menschen).

Die Menschen fangen an, sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Bedarfsmittel zu produzieren. Das Sammeln und Jagen sind übergange, die auf beiden Seiten der Differenz vorkommen: „Hunger ist Hunger, aber Hunger, der sich durch gekochtes, mit Gabel und Messer gegessnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer Hunger, als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn verschlingt. Nicht nur der Gegenstand der Konsumtion, sondern auch die Weise der Konsumtion wird daher durch die Produktion produziert, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Produktion schafft also den Konsumenten.“ (MEW23, S. 624)

Und als Inversion:
Als Bedarf bezeichne ich – quasi metaphorisch – eine vergesellschaftete Form eines objektivierten Bedürfnis – das bei Maslow durchschimmert und im real existierenden Sozialismus verallgemeintert wurde.

Als Bedürfnis wird umgangssprachlich das Verlangen bezeichnet, einem empfundenen Mangel Abhilfe zu schaffen.
Dabei werden sehr verschiedene Kategorien verwendet. Manchmal wird Hunger, manchmal Nahrung, manchmal essen als Bedürfnis bezeichnet, immer gilt: Du weisst doch, wie ich meine.
Bedürfnis wird oft auch mit Motiv oder Motivation gleichgesetzt und selten von Bedarf unterschieden.

Als Bedürfnis bezeichne ich einen empfundenen Bedarf. Diese Empfindung ist nicht davon abhängig, ob und wie der Bedarf real ist und ob ein Mangel vorhanden ist.
Beispiel
Ich kann Hunger haben, auch wenn ich satt bin. Ich kann das Bedürfnis nach mehr Geld haben, jenseits davon, wie viel ich habe und ob es mir mangelt.
Ich kann das Bedürfnis haben, berühmt zu sein. An Berühmtheit kann ich kein Mangel haben, Berühmtheit kann nicht negativ sein.
Ich kann das Bedürfnis haben, fliegen zu können (das ist ein Wunsch, kein Wille)
Ich kann das Bedürfnis haben, ein Flugzeug zu besitzen, was nur möglich ist, wenn ich weiss, was ein Flugzeug ist, weil es Flugzeuge gibt.
Ich kann nicht das Bedürfnis haben, einem nicht erfüllten Bedarf Abhilfe zu schaffen. Das ist kein Bedürfnis, sondern ein verklärter Bedarf.
Beispiel
Wenn ich kein Sauerstoff habe, habe ich Bedarf.
K. Marx schreibt am Anfang des Kapitals (S. 49):
„Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache.“ „Verlangen schließt Bedürfnis ein; es ist der Appetit des Geistes, und so natürlich wie Hunger für den Körper … die meisten (Dinge) haben ihren Wert daher, daß sie Bedürfnisse des Geistes befriedigen.“ (Nicholas Barbon, „A Discourse on coining the new money lighter. In answer to Mr. Locke’s Considerations etc.“, London 1696, p. 2, 3.)

Aber natürlich macht es einen Unterschied, ob mir Sauerstoff und Nahrung fehlt, oder ein Gemälde von Picasso und etwas Kaviar.

A. Maslow hat mit seiner Pyramide die Bedürfnisse – auf eine unsinnige Weise (vergl maslowpyramidedazu A. Leontjew – gewichtet. Das hat damit zu tun, dass er Bedarf und Bedürfnis nicht unterscheidet. Meine Bedürfnispyramide würde je nach Situation ganz anders aussehen. Unter normalen Bedingungen ist die Selbstverwirklichung mein grundlegenstes Bedürfnis.

Die diskursive Differenz: Bedürfnisse sind der Grund für Arbeit versus Bedürfnisse werden durch Tätigkeit produziert.

Als Bedarf bezeichne ich eine vergesellschaftete Form eines objektivierten Bedürfnis – das Bei Maslow durchschimmert und im real existierenden Sozialismus verallgemeintert wurde.

„Dass das Bedürfnis des einen durch das Produkt des anderen und vice versa befriedigt werden kann und der eine fähig ist, den Gegenstand dem Bedürfnis des andren gegenübersteht, zeigt, dass jeder als Mensch über sein eigenes besonderes Bedürfnis etc. übergreift und dass sie sich als Mensch zueinander verhalten; dass ihr gemeinschaftliches Gattungswesen von allen gewusst ist.“ (Marx, Grundrisse MEW 42, S. 168).

„Hunger ist Hunger, aber Hunger, der sich durch gekochtes, mit Gabel und Messer gegeßnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer Hunger, als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn verschlingt. Nicht nur der Gegenstand der Konsumtion, sondern auch die Weise der Konsumtion wird daher durch die Produktion produziert, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Produktion schafft also den Konsumenten. MEW23,

Die Praxis der alten Griechen


Vorab, ich habe keine Ahnung, inwiefern es die alten Griechen je gegeben hat, geschweige denn, wie sie lebten. Ich referenziere Menschen, die in Texten beschrieben werden, die beispielsweise Aristoteles zugeschrieben
werden. Ich habe keine Ahnung, ob Aristoteles je gelebt und geschrieben hat. Die Texte, auf die ich mich beziehe, sind ganz sicher nicht von ihm hergestellt worden, es sind im allerbesten, aber sehr unwahrscheinlichen Fall Abschriften von Abschriften von Abschriften. Aber die Menschen, die in diesen Texten beschrieben werden, sind jene, die ich als alte Griechen bezeichne.homer

Die alten Griechen hielten sich Sklaven, so wie die Bauern heute Kühe oder Schafe halten. Als die neuen Europäer, die in den Süden der USA ausgewandert sind, sich auch Sklaven kauften, wussten sie sehr genau, dass sie etwas Kriminelles machten, die alten Griechen dagegen wussten das auf diese Weise nicht. Sie dachten in anderen Kategorien.

Als Kategorie bezeichne ich – ganz anders als Aristoteles und viele seiner heute noch lebenden Nachfolger – nicht Klassendefinitionen oder Eigenschaftsdomänen, sondern die für eine Theorie in dem Sinne fundamentalen Beobachtungen, als damit der Gegenstandsbereich der Theorie bezeichnet wird. Man kann in diesem Sinne in seiner je eigenen Theorie die Kategorie Lebewesen oder Menschen oder Griechen verwenden und eine dazu passende Gleichberechtigung postulieren.

Wer in diesem kategoriellen Sinn Menschen von Tieren unterscheidet, wird Menschen und Tier verschieden wahrnehmen und verschieden behandeln. In der aktuellen Rechtsauffassung der Schweiz sind Tiere Sachen, die man kaufen kann. Die alten Griechen haben kategoriell Griechen und Nichtgriechen unterschieden. Bei den Nichtgriechen unterschieden sie wohl Sklaven von Tieren, aber beides waren
Sachen, die man als Grieche kaufen konnte. Die Kategorie Mensch kannten sie nicht, weil sie mit ihrer Praxis nicht vereinbar war.

Die alten Griechen praktizierten. Als Praktizieren bezeichne ich ein Tätigsein, das sich selbst genügt. In dieser Hinsicht sind sie Keimformen des entwickelten Menschen, von welchem F. Schiller sagte, dass er nur spielt, wo er
in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und dass er nur da ganz Mensch ist, wo er spielt. F. Schiller meinte nicht Karten- oder Würfelspiele, sondern Sprachspiele als Inbegriff des von den allten Griechen gemeinten Praktizierens.

Die alten Griechen schauten durch die Kategorie Techne, durch welche sie ihr Praktizieren in einer Differenz zum Hervorbringen, das sie als Poiesis bezeichneten, sahen. Ein Schiff oder ein Haus beobachteten sie als etwas Hervorgebrachtes, wofür sie selbst nicht zuständig waren. Die Natur liess Bäume hervorwachsen und Sklaven, die die Bäume zu Schiffen machten. Die Natur brachte Kuhhäute auf die Welt, die ganz natürlich zu Lederschuhen wurden.

Als Techne bezeichneten die alten Griechen die von ihnen erfundene Kopfarbeit, die sie zuerst im handwerklichen Demiurg entdeckten, der allerlei brauchbare Gegenstände wie Waffen und Werkzeuge hervorgebracht hat. Aristoteles deckte auf, dass ein Grieche wissen und lehren (nicht lernen und können) kann, wie brauchbare Gegenstände herstellt werden. Im Sinne einer Mimesis konnten Griechen die Natur der Sklaven sogar nachahmen und dabei Gegenstände herstellen, allerdings nur solche, die sich selbst genügten – etwa ein Bild von einem Baum, auch wenn der Baum irgendwie natürlicher schien als das Bild. Die Griechen entwickelten das Beschreiben und das darüber Sprechen, was von Sklaven hervorgebracht wurde.

Die alten Griechen praktizierten Techne.

Techne


„Techne“ ist ein Ausdruck aus der Philosophie der alten Griechen, die kein Gefühl für Technik im Sinne von Toolmaking hatten.

Das narrative Klischee:tempel_1
Die alten Griechen arbeiteten nicht, sie hatten Sklaven. Sie entwickelten zwar eine Art Technologie, etwa Heron von Alexandria, aber keine Maschinen für die Arbeit. Die Produkte der Sklaven waren wie die Produkte der Natur Hervorbringungen, über die alten Griechen philosophierten.

Die Hervorbringung – das H. Maturana in seiner Autopoiese in Anlehnung an die Griechen beobachtet hat – ist ein Ereignis oder ein Geschehen, über welches wissenschaftlich und bei noch fehlender Differenzierung philosophisch nachgedacht werden kann.

Aristoteles unterscheidet zwei Arten des Hervorbringens, Poietik und Praktik, wobei Poietik Mittel hervorbringt, die das Handeln effizienter machen und Pratik das praktische Handeln effizienter macht. Das poietische Hervorbringen bezieht sich auf Gegenstände. Aristoteles spricht vom Handwerk, wofür es Sklaven gibt, während das praktische Hervorbringen sich auf (Kunst)Fertigkeiten bezieht, die beim Praktizieren entstehen, wobei das Kunstwerk – soweit es durch Handwerk entsteht – unwichtig ist.
Aristoteles hebt insbesondere das Kriterium der Lehrbarkeit und präzisen Beschreibbarkeit der Handlungsschritte des poietischen Handelns hervor, die durchgeführt werden müssen, um ein Werk oder Werkstück herzustellen. Mit der Vollendung eines solchen Werkstücks ist die poietische Handlung abgeschlossen. Das Praktizieren hat dagegen kein Ende und kein ausser sich liegendes Ziel.

Die Poietik ist sozusagen der materielle Teil von Techne, als das, was Sklaven oder die Natur tun, wenn etwa ein Schiff aus Holz hervorgebracht wird. Praktik dagegen ist zu verstehen, wie beispielsweise ein Schiff hervorgebracht wird. Da auch im griechischen Reich nicht nur Sklaven Artefakte hervorbrachten, wurden Handwerker als Hervorbringer (Demiourgos) und deren Wissen, das über das handwerkliche Können hinausging, zunächst als Techne bezeichnet.

Als Techne bezeichne ich in diesem Sinne die Einheit der Differenz zwischen Poietik und Praktik, die von den griechischen Sklavenhaltern geprägt wurde. Mit Techne bezeichne ich also ziemlich genau das Gegenteil von Technik, auch wenn das lehr(nicht lern)bare Hervorbringen von Artefakten in Techne auf spezifische Art und Weise zweifach mitgemeint ist. Die Handwerkssklaven machen Gegenstände, die einen banalen Zweck haben, die eigentlichen Griechen machen zwecklose Kunstwerke.

Die verbreiteten Commonsenseinterpretationen von Techne verdrängen, das die vermeintlich so klugen griechischen Sklavenhalter weder Technik noch Kunst kannten und sich mit ihrer Brutalität auf Kriegs-Politik und Philosophie beschränkten.
(PS: gemeint sind mit Kunst und Technik hier natürlich gesellschaftlich ausdifferenzierte Systeme, nicht ein sogenanntes Kunstwerk oder ein Hammer)

Geld als Grösse


Umgangssprachlich (aber sehr weit in die politische Ökonomie hinein) wird „Geld“ diffus für eigentliches Geld und für verschiedenste Dinge, die irgendetwas mit Geld zu tun haben können, vorab beispielsweise für Schulden oder Schuldscheine verwendet. Sehr oft wird Geld mit Währungseinheiten oder noch verkürzter mit deren Namen gleichgesetzt. Geld bedeutet in diesem weiten Sinn dann eine Banknote, eine Menge Franken oder ein Bankguthaben.

Gemeinhin wird Geld funktional begriffen. Anstelle der Frage, was Geld sei, wird die Frage gestellt, wofür Geld verwendet werde. Dabei wird vorausgesetzt, was Geld ist. Im einfachsten Fall werden dem Geld drei Funktionen zugeschrieben, es gilt als Tauschmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit. In einem etwas entwickelteren Verständnis gilt es als gesetzliches Zahlungsmittel und hochabstrakt als Medium für bestimmte soziale Interaktionen.

Die Frage, was Geld sei, ist problematisch, weil sie ontologisch interpretiert werden kann. Die kybernetische Ersetzung der „was ist-Frage“ wäre, wie Geld funktioniere. Aber Geld funktioniert nicht, man müsste nach einem Geldsystem fragen, was die meisten Ökonomen ja auch tun. Eine andere, dialogische Ersetzung der „was ist Geld-Frage“, besteht darin zu fragen, wie und wofür der Ausdruck Geld verwendet wird. Ich frage mich, wie ich den Ausdruck verwende.

Ich verwende den Ausdruck Geld homonym für zwei verschiedene Dinge:
•   Ich verwende den Ausdruck Geld einerseits für materielles Geld, das innerhalb einer Währung von einer zuständigen Organisation, die meistens Zentralbank heisst, herausgegeben wird. Das hat nichts mit Giralgeld und Schulden zu tun, und zwar auch dann nicht, wenn die Zentralbank das Geld in Form von Krediten vergibt, weil sie beispielsweise ein Aktiengesellschaft ist. Eine Form von Geld, die sich weitgehend durchgesetzt hat, sind Banknoten.
•   Und davon relativ unabhängig, verwende ich den Ausdruck Geld andrerseits für eine Grösse, deren Einheiten Währungseinheiten sind. Was ich in Währungseinheiten angebe, können, aber müssen nicht Geldbeträge sein. Geldbeträge kann ich aber nur in Währungseinheiten angeben.

Die zweite Wortverwendung, Geld als eine Grösse, will ich hier genauer klären. Als Grösse bezeichne ich eine Hypostasierung eines quantitativen Aspektes eines Vergleichs, bei welchem konventionell vereinbarte Grösseneinheiten verwendet werden. Die Vereinbarung einer Grösse beinhaltet eine operative Bestimmung der Grösse und die Festlegung einer Grösseneinheit.

Die operative Bestimmung der Grösse beschreibt die Vergleichsoperation, also was auf welche Weise verglichen wird. In diesem Sinne ist die Grösse immer eine Relation zwischen zwei Gegenständen, die allenfalls gleich gross sind, oder von welchen der eine grösser ist. Ich kann zwei Gegenstände nebeneinander legen und schauen, welcher in einer bestimmten Richtung mehr Platz braucht. Ich sage dann, dass er länger ist, ohne zu sage, wie lang er ist.

Die konventionelle Festlegung einer Grösseneinheit bestimmt einen Gegenstand, mit welchem alle Grössenvergleiche durchgeführt werden, die der Grösse einen absoluten Wert zuordnen. Die Operation, die Länge bestimmt, besteht darin, einen Massstab neben eine andere Sache zu legen und das Verhältnis abzulesen. Die Länge wird dann beispielsweise in Metern angegeben. Man kann aber auch andere Einheiten wie Zoll oder Meile vereinbaren, was aber nur die Einheit, nicht das Verfahren betrifft.

Bestimmte Grössen können durch verschiedene Operationen bestimmt werden. Das meterstabVolumen beispielsweise kann ich durch Messen der Raumdimensionen in Kubikmetern bestimmen, ich kann aber auch das Gewicht einer Flüssigkeit, beispielsweise ein Kilo Wasser verwenden, um einen Liter festzulegen. Dabei verwende ich verschiedene Operationen für dieselbe Grösse. Volumen ist eine Grösse von dreidimensionalen Gegenständen. Aber natürlich wird nicht nur in der Physik verglichen.

Die Grösse Geld wird nicht in einem physikalischen Sinn gemessen. Geld ist im allgemeinsten Fall eine Grösse für Projekte. Als Projekt bezeichne ich in einem Zirkelschluss, was ich mit Geld bewerten kann. So kann ich etwa meinen Lebensunterhalt als Projekt sehen, aber auch eine einzelne Verausgabung wie etwa ein Velotour oder den Bau eines Hauses. Ein sehr kleines Projekt wäre dann etwa das Kaufen einer einzelnen Ware, wobei sehr oft nur der Preis dieser Ware eine Rolle spielt. Aber wenn ich diese Ware nur an einem entfernten Ort kaufen kann, muss ich auch den Transport im Kauf verrechnen.

Ich kann insbesondere auch die Finanzierung eines Projektes bewerten, indem ich das Projekt mit einem entsprechenden Vermögen bilanziere. Mithin kann ich jedes Vermögen, mit welchem ich Projekte finanzieren könnte, in Geldform bewerten. Ich brauche oder habe ein Vermögen, das ich in Geldform quantifiziere, egal ob das Vermögen eigentliches Geld, ein Haus oder ein Schuldschein ist.

Wenn ich etwas eintausche, vergleiche ich zwei Gegenstände hinsichtlich ihres gerade aktuellen Preises. Ich kann dieses Vergleichen als Messen ohne Massstab auffassen, weil ich beispielsweise erkenne, dass in der entsprechenden Hinsicht ein Paar Schuhe beispielsweise 20 Tafeln Schokolade entspricht, ohne dass ich sagen könnte, wie ich dieses Zahlenverhältnis gemessen oder berechnet habe. Ich habe dieses Verhältnis sozusagen auf dem Markt gefunden, wo die beiden Waren ihren jeweiligen Preis in derselben Einheit, beispielsweise in Franken ausgedrückt haben. Den Preis bezeichne ich als ökonomische Grösse, wenn eine Grösseneinheit verwendet wird.

Die Grösse Geld wird in Währungseinheiten, beispielsweise in Franken angegeben. Ein mögliches operatives Verfahren, durch welches die Grösse Geld bestimmt wird, besteht darin, zu schauen, wie viele Währungseinheiten in einem estimierten Durchschnitt für die durchschnittliche Ware bezahlt werden muss. Diese Operation ist allerdings extrem komplex, sie hat aber eine ganz einfache Reduktion. Ich schaue auf dem Markt die Preise an, die in Währungseinheiten ausgedrückt sind. Aufgrund dieser Preise kann ich abschätzen, wie viel Vermögen ich (und andere) zum Leben brauchen, wobei das Vermögen keineswegs Geld sein muss.

In Bezug auf Vermögen und Preis ist oft von Wert die Rede. Dieser „Wert“ wird dann auch in Geldform ausgedrückt. In der politischen Ökonomie gibt es aber keinen guten Grund einen Wert einzuführen, wenn er doch nur über Preise festgelegt wird. Ich kann etwa sagen, dass ein bestimmter Preis gut ist, weil die Ware mehr Wert habe, als sie koste. Aber dabei beziehe ich mich auf einen fiktiven Durchschnittspreis oder auf Preise, die ich an andern Orten für dieselbe Ware bezahlen müsste.

Geld wird gelegentlich als Rechenmittel, Recheneinheit oder als Wertmassstab schoty_abacusbezeichnet. Das scheinen mir unglücklich gewählte Wörter, aber natürlich sind Wörter arbiträr. Als Rechenmittel würde ich den Abakus bezeichnen, weil er ein Mittel zum Rechnen ist, während ich fürs Rechnen natürlich kein Geld brauche. Und der Massstab ist ein Mittel zum Messen, ich weiss nicht, wie ich mit Geld messen soll. Die gemeinten Einheiten sind allenfalls Währungseinheiten, die ich durch Wechselkurse verrechnen kann. Meines Erachtens zeigen diese Ausdrücke sehr spezielle Geldauffassungen, die aber eben nie erläutert werden.

Fazit:
Eigentliches materielles Geld ist historisch gesehen eine Übergangsform, die eine Möglichkeit geboten hat, Währungen einzuführen. Goldmünzen und Banknoten machten anschaulich, was in der Währung gemeint ist und waren wohl notwendig, um den Preis der Währungseinheiten festzulegen. Aber heute braucht niemand mehr Geld, weil wir alles gegenseitig in Währungseinheiten verrechnen können.

Siehe auch Wem gehört das Geld? und giral (Geld)