(miss)Kredit


Jedes Missverständnis, dass ich in Bezug auf Kredit finden kann, wurzelt darin, dass Kredit als Geld gesehen wird und vice versa, dass Geld als Kredit gesehen wird. Geld hat seine Funktion im Tausch, noch vor dem Warentausch. Geld ist materiell. Kredit ist etwas ganz anderes. Es ist aber üblich geworden, Kredit in GeldFORM auszudrücken. Nur deswegen sollte man Geld und Kredit weder verwechseln noch vermengen – es sei denn, man erreiche dadurch eine Begründung, die einem wohlfeil ist. Um eine Analogie zu geben (oder zwei): C. Shannon hat in die Kommunikationstheorie einen InformationsGEHALT einführt. Viele Menschen sprechen dagegen von Information, eben wie bei Krediten von Geld statt von GeldFORM sprechen. Ebenso bei der sogenannten Energie. Wir verbrauchen materielle EnergieTRÄGER, viele Menschen sprechen von einem EnergieVERBRAUCH.

Ich verwende den Ausdruck Kredit für ein Darlehen, kreditwenn ich das Darlehen im Kontext des Warentausches wahrnehme. Wenn ich Waren kaufe, vollziehe ich einen Tausch gegen Geld. Solange ich das Geld noch nicht bezahlt habe, bezeichne ich es als Kredit, das heisst der Verkäufer ist mein Kreditor
, der – dem Wortsinn Gläubiger gemäss – glaubt, dass ich bezahlen werde. In diesem Sinn ist der Kredit eine Nichtbar-Bezahlung, was ich invers als Darlehen meines Kreditors auffassen kann.

Eine spezielle Variante des Kredits involviert eine Bank. Sie bezahlt dem Verkäufer an meiner Stelle, wodurch sie mein Kreditor wird. Ich kann in diesem Sinne Waren auf Kredit kaufen oder Kredit im Sinne eines Darlehens aufnehmen, um Waren zu kaufen.
In meiner Buchhaltungssprache unterscheide ich die beiden Fälle, indem ich im ersten Fall von einem Kreditor spreche und die Warenlieferung in Form einer offenen Rechnung in die Buchhaltung eintrage, womit ich auf einen zeitversetzten Tausch verweise. Die Bank dagegen, von welcher ich einen Kredit erhalte, bezeichne ich in der Buchhaltung nicht als Kreditor und umgekehrt sieht mich die Bank auch nicht als Kreditor, wenn ich mein Geld auf ein Sparkonto lege, weil wir dabei nicht ans Tauschen denken.

Lügen alle Kreter?


delfin1

Ich befasse mich gerade wieder mal mit Paradoxien und lese dabei auch, was ich früher dazu geschrieben habe:
Lügen alle Kreter?

Im Alten Testament findet sich eine noch verallgemeinerte Form (Psalm 116,11) „Ich sprach in meiner Bestürzung: Alle Menschen sind Lügner!“
Die Grundlage für das scheinbare Paradoxon steht im Neuen Testament, Titus 1,12:
– Dementsprechend wurde die Aussage auch gegen die Kreter verwendet. In der Bibel schreibt Paulus von Tarsus im Brief des Paulus an Titus 1,12: „Es hat einer von ihnen gesagt, ihr eigener Prophet: ‚Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche‘. Dies Zeugnis ist wahr.“
Hier wird das Zitat, welches von Clemens von Alexandria (150-215 n.Chr) dem Kreter Epimenides (6./7.Jh. v.Chr.) zugeschrieben wurde, erstmals in den Zusammenhang gestellt, dass das Zitat selbst von einem Kreter stammt.

Materialismus


Ich verwende den Ausdruck Materialismus für eine spezifische erkenntnistheoretische Position, die ich im Folgenden erläutere. Der Ausdruck wird aber quasi homonym auch für andere sehr verschiedene Auffassungen verwendet: umgangssprachlicher Materialismus, wissenschaftstheoretischer (philosophischer) Materialismus, dialektischer Materialismus, historischer Materialismus.

Im Ausdruck „Materialismus“ steckt das Wort Material, was ein ganz anderes Wort ist als Materie. In vielen Verwendungen müsste anstelle von „Materialismus“ quasietymologisch von „Materie-ismus“ gesprochen werden.

Zur gängigen Wort-Geschichte und dem Unterschied zwischen Materie und Material:

Als „Materialismus“ gilt – seit G.Leibniz anfangs des 18. Jh. Materialisten und Idealisten unterschieden hat – gemeinhin eine erkenntnistheoretische Position, in welcher physikalischen Prozessen ein ontologisches Sein zugesprochen wird, dem jedes Erkennen Rechnung tragen müsse. Materialismus war in der Aufklärung zunächst als Kampfbegriff vor allem gegen religiöse Anschauungen gedacht, quasi Naturgesetze anstelle des Willen Gottes.
Die Philosophen haben dann auf dem Höhepunkt der Aufklärung unter dem Einfluss von I. Kant, der Ontologie eine Epistemologie entgegengesetzt, in welcher dem Geistigideellen in Form von a priori Kategorien das erkenntnisleitende Primat zugesprochen wird. G. Hegel hat schliesslich auf dem Höhepunkt dieses Idealimus die beiden Positionen in seiner logischen Dialektik aufgehoben, aber nicht – wie später K. Marx – wirkliche aufheben können.
Jenseits der Philosophie – auch wenn lange nicht ausdifferenziert – entwickelte sich eine Naturwissenschaft, die im 19. Jh. praktisch und erfolgreich wurde. Als Materialismus wurde ab 1850 zunehmend auch eine Position bezeichnet, in welcher nur naturwissenschaftliche Erklärungen zugelassen wurden. Im sogenannten Reduktionismus wird alles auf physikalische Prozesse zurückgeführt, im konventionellen Materialismus wird der Spiritualität eine gewisse Eigenständigkeit zugestanden. Auf dem Höhepunkt des naturwissenschaftlichen Materialismus, wie er etwa von L. Feuerbach vertreten wurde, kritisierte K. Marx die Ausblendung der gesellschaftlichen Verhältnisse, der er seine Geschichtauffassung entgegensetzte, die F. Engels dann viel später als Historischen Materialismus bezeichnet hat. Als materialistisch bezeichnete K. Marx eine Geschichtsauffassung, in deren Zentrum die Entwicklung der Produktionsverhältnisse steht, die – in relativierter Anlehnung an C. Darwin – als evolutionäre Entwicklungen begründet werden. Materiell bezeichnet dabei aber kein naturwissenschaftliches Verständnis und schon gar keine Reduktion auf Physik, sondern die tätige Aneignung als Gegenstand der Beobachtung. Historisch bezeichnet dabei, dass die materielle Produktion der Lebensmittel – wie die Naturgeschichte des Menschen – als Evolutionsgeschichte begriffen und dargestellt wird. Dieser Materialismus bezieht sich nicht auf eine naturwissenschaftlich gemeinte, ontologische Materie, sondern auf die materiellen Voraussetzungen jeder herstellenden Tätigkeit, die gemeinhin als Material bezeichnet werden. Dieses Material kann zwar naturwissenschaftlich beobachtet werden, als Gegenstand aber ist in der herstellenden Tätigkeit begründet.

Materialismus im engeren Wortsinn

Als Materialismus bezeichne ich meine Auffassung, in welcher ich als toolmaking animalhandwerk die herstellende Tätigkeit als Aneignung reflektiere und dabei primär zwei Unterscheidungen verwende: Form und Material. Wenn ich ein Artefakt herstelle, forme ich Material.
• Als Form bezeichne ich in einem operativen Sinn, genau das, was ich zeichnen kann. Jede Zeichnung repräsentiert die Form.
• Als Material bezeichne ich das, was ich forme, wenn ich beispielsweise ein Schwert oder eine Sichel schmiede. Das, was ich forme, bestimme ich durch herstellungsrelevante Eigenschaften. Materialien wie Bronze und Silber, oder allgemeiner wie Metalle sind in diesem Sinne Verdinglichungen dieser Eigenschaften, die ich – quasi-ontologisch formuliert – am Material wahrnehme. “Metall” bedeutet in diesem Sinne “glänzend, stromleitend, schwer, …” und “Silber” bedeutet “Metall, helle Farbe, nicht oxidierend, …”.

Als Materialismus bezeichne ich in diesem Sinne das Resultat einer vortheoretischen Entscheidung, die in entsprechenden Theorien als vorausgesetzte Setzung erkennbar wird. Die verwendeten Unterscheidungen sind nicht von einer wirklichen Beschaffenheit einer gegeben Welt abhängig, sondern davon, wie ich ich mir die tätige Aneignung der Welt durch eine doppelte Differenz vorstelle.
Ich kann um im Beispiel zu bleiben, eine Sichel sehr verschieden formen, aber ich kann sie nicht formlos machen. Für eine Sichel kann ich sehr verschiedene Materialien verwenden, aber ich kann sie nicht ohne Material herstellen.

Die Einheit der operationellen Differenz zwischen Form und Material ist die Herstellung.

Materialien entstehen in doppelter Hinsicht mit ihren Formungen. Als Material bezeichne ich sekundär alles, was eine (tautologischerweise zeichenbare) Form hat und logisch primär das, was sich durch die herstellende Formgebung konstituiert. Das Referenzobjekt des Ausdruckes Bronze beispielsweise kann als Barren, Klumpen, Ohrring oder Statue, aber nicht ohne Form existieren. Jede Herstellung ist deshalb eine Umformung.

Wenn ich vom Material spreche, abstrahiere ich von dessen Form. Wenn ich dieses Material in einer physikalischen Perspektive beobachte, bezeichne ich es als Materie. Materie aber ist ein sich in Quanten auflösendes Konstrukt der Physik, also gerade kein Material (Zu dieser Konstitution siehe auch Luhmann über Medium in Die Kunst der Gesellschaft 1995:167).

In der Herstellung von Artefakten unterscheide ich drei Herstellungsaspekte:
• Beim Konstruieren verwende ich Halbfabrikate, die nicht konstruiert sind, beispielsweise Blech
• Bei der Herstellung von elementaren Halbfabrikaten forme ich Material, ich walze oder giese beispielsweise Stahl
• Beim Beschaffen von Material ist mir dessen Form nicht wichtig, ich wähle Eigenschaften, Stahl beispielsweise ist härter als Eisen

Die Produktion von Stahl kann ich als Herstellung begreifen. Ich kann Stahl nicht formlos herstellen, auch wenn mich die Form im Prinzip nicht interesssiert. Wenn ich aber ein Material wie Stahl herstelle, weiss ich wozu und damit verbunden auch, in welcher Form es mir als Halbfabrikat am besten dient. Das Herstellen von Material erscheint unter entwickelten Produktionsverhältnissen insofern als primäre Herstellungsart, als ich zuerst Stahl haben muss, bevor ich aus Stahlträgern eine Brücke konstruieren kann. Aber jede mir bekannte Materialherstellung setzt einerseits konstruierte Werkzeuge voraus und lässt sich als Aspekt neuer Werkzeugentwicklungen verstehen. Deshalb spreche ich von toolmaking animals und nicht von materialmaking animals.

Im so verstandenen Materialismus begreife ich die Entwicklung der Lebensverhältnisse als materielle Produktion in deren Zentrum die Werkzeugherstellung steht. Was Menschen denken oder glauben, oder was für Ideen und Ideale sie haben, und wie sie darüber sprechen, ist dabei so sekundär, wie die physikalische Perspektive auf die sogenannte Materie. Es geht dabei nicht um Erkenntnis, sondern um Aneignung, die Erkenntnis einschliesst.

Erläuterung am Beispiel der Kybernetik

In der Kybernetik verwende ich hochentwickelte Werkzeuge, also Automaten als Erklärungungen. Das, was ich erkläre, bezeichne ich als Phänomen. Als Standardbeispiel gilt der Thermostat als Erklärung für das Phänomen, dass die Temperatur in einem Raum konstant bleibt. Es spielt dabei keine Rolle, warum Menschen gerne konstante Raumtemperaturen haben, weil es nicht darum geht, Menschen zu erklären.

Die konstante Raumtemperatur dient hier als Beispiel für eine hergestellte Umwelt. Die Räume, die Heizungen und die Thermostaten sind materielle Produkte und mithin durch Tätigkeiten geformtes Material. Wenn ich den Raum mit konstanter Temperatur noch nicht habe, dient mir die Erklärung als Herstellungsanweisung.

In gewisser Hinsicht beginnt die Kybernetik mit Phänomenen. Hinter jedem kybernetischen Phänomen steht aber ein Beobachter, der eine Erklärung will. Was als Phänomen in Frage kommt, wird in dieser materialistischen Auffassung durch das bestimmt, was toolmaking animals herstellen wollen.

Der sozialhistorische Materialismus

Wenn ich von der Entwicklung des Menschen spreche, unterscheide ich eine naturhistorische Entwicklung innerhalb des Tierreiches, die mit dem Auftreten des Menschen abgeschlossen ist, und eine sozialhistorisch Entwicklung des Menschen, die mit dem Auftreten des Menschen beginnt und in welcher sich nicht mehr der Mensch, sondern dessen Lebensverhältnisse als Kultur entwickeln. Wenn ich den Menschen als toolmaking animal beobachte, beobachte ich im Tierreich eine Entwicklung hin zur Verwendung von Objekten, welche am Schluss den Menschen als Herstellenden hervorbringt, und eine zweite Entwicklung, in welcher sich die Menschen dadurch entwickeln, dass sie ihre Werkzeuge, ihre Lebensmittel und ihre gesellschaftlichen Verhältnisse entwickeln.

In die Kultur gehört alles, was nicht auch in der Natur vorhanden ist. Die Geschichte des Menschen beinhaltet, was Tiere auch tun und was Tiere nicht auch tun. Mit dem Ausdruck toolmaking animal bezeichne ich den Oberbegriff und die Differenz. Menschen leben als naturgeschichtliche Wesen wie andere Tiere. Die quasi natürlichste Aneignung bezeichne ich Konsumtion. Alle Tiere nehmen Nahrung aus ihrer Umwelt auf. Viele Tiere konsumieren auch Material, mit welchem sie ihre Umwelten einrichten. Bestimmte Vögel beispielsweise bauen Nester. Bei dieser Art des Konsumierens bleibt das Material in der Herstellung in veränderter Form erhalten und wird in diesem Sinne erst beim Konsumieren des Nestes verbraucht. Menschen konsumieren auch Materiel, wenn sie Werkzeuge herstellen und natürlich konsumieren sie auch die Werkzeuge und mithin das Material, aus welchem die Werkzeuge gemacht sind, wenn sie mit Werkzeugen ihre Lebensmittel produzieren.

In der Produktion ihrer Lebensmittel gehen Menschen bestimmte Produktionsverhältnisse ein, die sich historisch mit der Entwicklungsstufe der jeweilig materiellen Produktivkräfte zusammen entwickeln. Als sozialhistorischen Materialismus bezeichne ich die Geschichtsschreibung, in welcher die Produktionsverhältnisse als spezifischer Aspekt der materiellen Produktion erscheinen. K. Marx sprach von einer notwendigen Entwicklung der Produktionsverhältnisse, während sie mir als zufällig, also nur historisch gegeben erscheinen. Diese materialistische Notwendigkeit ist eine evolutionstheoretisch zurückgeschaute, nicht eine deterministische. Ich weiss nie, was kommen muss, sondern immer nur was kommen musste.

Die – unter materialistischen Gesichtspunkten sozialhistorisch beobachtete – relevante Konsumtion ist die Produktion, in welcher Werkzeuge zur Herstellung von Werkzeugen wendet werden. Wo die Produktionsmittel nicht Eigentum jener sind, die damit arbeiten, unterscheide ich verschiedene Produktionsverhältnisse. Unter kapitalistischen Verhältnissen wird im Produktionsprozess Lohnarbeit konsumiert. Die Konsumtion der Arbeitskraft vollzieht sich wie jede andere Konsumtion ausserhalb des Markts oder der Zirkulationssphäre in ihrer unmittelbaren Verwendung.

Anti-Materialismen

Der herkömmlichen Auffassung von Materialismus wurde philosophiegeschichtlich gesehen ein Idealismus entgegengesetzt, der die Entseelung der Materie durch eine Vergeistigung aufgehoben hat. Jenseits der Differenz zwischen Materie und Geist hat K. Marx einen Materialismus begründet, den er selbst kaum ausgeführt hat und der auch in der Psychologie der Tätigkeit, etwa bei A. Leontjew und K. Holzkamp in Bezug auf Material sehr abstrakt geblieben ist. Auch dieser an Arbeit orientierte Materialismus – der wegen Lenins dialektisch-historischem Materialismus immer auch in politischen Konnotationen verstrickt war – ist wie der ursprünglichere Materialismus erst durch die Kritik an seinen idealistischen Gegenpositionen als solcher hervorgetreten.

In der Neuzeit hat der Materialismus zwei prominente Gegenpositionen, die Informationstheorie und Medientheorie.

In der Informationstheorie (die bei ihrem Erfinder C. Shannon noch mathematische Kommunikationstheorie geheissen hat) gibt es eine quasi rein geistige Information, die keinen materiellen Träger hat und sozusagen als etwas Drittes neben Materie und Energie fungieren soll. Auf Konstruktionen wird ganz verzichtet, weil jede Operation durch beliebige Konstruktionen realisiert werden kann.
Es handelt sich um eine Art Wiederholung der hegelschen Logik gegen den Materialismus.

In der Medientheorie, wie sie beispielsweise durch F. Heider eingeführt wurde, wurd das Geformte als Ding bezeichnet und anstelle von Materie der Ausdruck Medium verwendet. Differenztheoretisch kann dieses Medium durch die Differenz zwischen Material und Medium gesehen werden, wobei Medium für die nicht aktualisierte Form steht, also keine Eigenschaft hat, während die Materialbezeichnung Eigenschaften bezeichnet und auch eine konkrete Form impliziert.
Es handelt sich um eine Art Idealismus, die von der doppelten Bestimmung der Herstellung abstrahiert und nur die quasi geistige Form beobachtet.

Was heisst Dialog?


Im Dialog kann ich erkennen, wie andere Menschen sprechen, wie sie welche Worte verwenden. Dabei wird mir bewusst, wie ich spreche und wie ich sprechen könnte. Im Dialog kann ich auch erkennen, dass der Ausdruck „Dialog“ sehr verschieden verwendet gespraechsrundewird. Gemeinhin wird der Ausdruck „Dialog“ für ernst gemeinte oder ernsthaft geführte Vermittlungsgespräche verwendet, etwa als Dialog zwischen Religionen oder zwischen Kriegsparteien. Als Vermittlungsgespräche unterscheiden sich Dialoge von den Monologen, die dort, wo Vermittlung notwendig wird, üblicherweise geführt werden. „Dialog“ bezeichnet auch eine rhetorische Form, etwa als sokratischer Dialog oder galileischer Diskurs, in welcher ein eigentlicher Monolog durch einen fiktiven Idioten, der Fragen stellt, „dialogisiert“ wird. Dia-log wird in diesen Interpretationen als Zwiegespräch von einem Mono-log unterschieden, in welchem eben nur einer oder nur eine Meinung spricht.

Ich verwende den Ausdruck „Dialog“ in Anlehnung an M. Buber und D. Bohm. Ich interpretiere dabei Dialog quasi-etymologisch als „dia logos“, was ich mit „durch das Wort“ oder „mittels des Wortes“ übersetze. Dabei stelle ich mir die Frage, was ich „durch das Wort“ gewährleisten will.

Ich unterscheide Dialog und Monolog nicht in bezug auf die Anzahl der beteiligten oder sprechenden Personen, sondern in bezug auf die Anzahl der Sichtweisen, die angestrebt werden. Als Monolog bezeichne ich das Ziel einer Diskussion, also die Entwicklung einer richtigen oder wahren Sichtweise. Als Dialog bezeichne ich die Entwicklung von möglichst vielen Sichtweisen. Der Dialog, von welchem ich spreche, steht quasi unter dem ethischen Imperativ von H. von Foerster „Erhöhe die Anzahl der Möglichkeiten“. In der Diskussion geht es darum, verschiedene Sichtweise zugunsten der besten Sichtweise aufzulösen, im Dialog geht es darum, verschiedene Sichtweisen zu erkennen. V. Flusser hat in seiner Kommunikationslehre vorgeschlagen, in Gesprächen zwischen Dialogen und Diskussionen abzuwechseln. D. Bohm bezeichnete den Dialog als Gespräch am Ende der Diskussionen. Ich sehe im Dialog eine Möglichkeiten die Differenz zwischen Diskussion und Dialog aufzuheben.

Medium – Medien


Das Homonym „Medium“ wird für sehr verschiedene Vorstellungen in oft sehr diffus gesehenen „Vermittlungszusammenhängen“ verwendet. Ich rekonstruiere einige mir gängige Verwendungen des Ausdruckes, indem ich sie als Metaphern interpretiere. Als Ausgangspunkt der Metaphern wähle ich pseudo-etymologisch begründet den „Äther“, den Aristoteles als Quintessence, also als das, was hinter allem ist, einführte. Im anschaulichsten Fall ist das Medium ein „Material“, in welchem eine „Wirkung“ weitergegeben wird.

Medium in der Wellenträger-Metapher (Beispiel Schallwellen: Luft als Medium)
In der technologischen Perspektive der Kybernetik bezeichne ich den „Träger“ eines Energieflusses als Medium. Luft ist beispielsweise das Trägermaterial, in welchem sich (Schall)Wellen fortpflanzen, was durch einen entsprechenden Empfänger wie etwa das Ohr als Übertragung von Schall interpretiert wird. Das Ohr ist am Schall interessiert, die Luft ist nur Mittel zum Zweck oder eben Medium.
Die Welle erscheint als Energiefluss, der gehörte Schall ist die Wirkung, die sich auch als Schwingung einer Membran zeigen kann. Die Äther-Energie-Vorstellung ist eine primitive Abstraktion dieses Verhältnisses.

Medium in der Kanal-Metapher (Beispiel: Telefonsignale: Leitung/Kabel als Medium)
Beim Festnetz-Telefon fliessen die Signale durch einen Kupferdraht. Das Kupfer ist also Trägermaterial der „elektrischen Wellen“.Technologisch bezeichne ich den Draht als Kanal und das Kupfer als Medium der Signale. In der Metapher erscheint die Leitung anstelle des Materials der Leitung als Medium, weil die Leitung für Kanal und Material steht. Die Signale fliessen in der verkürzten Redeweise durch das Kabel statt durch das Kupfer.

Flusser (:271) fragt: Was ist das Medium im Falle des Telefons: die Drähte oder die Sprache. Er kann sich nicht entscheiden und verwirft die Frage. Dann beantwortet er die Frage: Was ist ein Medium? Medien sind Strukturen in denen Codes funktionieren. Leider bleibt unbestimmt, was Codes sind, so dass sie in Strukturen funktionieren können.

Medium in der Metapher der elektrischen Massen-Medien (Beispiel: „Äther“ als Medium für Radiosignale)
Beim Radio (das in der Entwickling der Technik das Telefon als Konzertübertragungsmittel abglöst hat) entfällt die Leitung, aber nicht das Sender- und das Empfängergerät. Das Radio ist ein Telefon ohne Kabel. Die Leitung erscheint als – gedachtes – Trägermaterial der Radiowellen, der Kanal erscheint als – gedachte – Verbindung zwischen Sender und Radiogerät. Weil überdies ein Vielzahl von Radiogeräten gespiesen werden können, wird der Kanal zum Massenkanal. In der Metapher erscheint die Menge der Kanäle als Medium. Radio heisst dabei nicht das Radioempfangsgerät, sondern die Institution, durch die die Radiosignale fliessen. Und weil sich Radio an die Massen richtet, spreche ich in dieser Metapher von einem Massen-Medium.
Die Signale fliessen in der verkürzten Redeweise durch die „massenhafte Verbindung“ zwischen elektrischen Geräten, die Radio genannt wird, statt durch den Äther.

Medium in der Metapher der gedruckten Massen-Medien (Beispiel: „Zeitung“ als Medium)
Das gesprochene Wort fliesst als Schallwelle durch die Luft. Das geschriebene Wort „fliesst“ mit dem Brief oder mit der Zeitung zum Leser. Natürlich fliesst die Zeitung nicht, sie wird vom Postboten getragen. Die Zeitung wird durch eine Analogie zum Radio zum Medium, die darauf beruht, dass die Institutionen durch Redaktionen bestimmt sind. Massenmedien sind Massenmedien, weil sie Redaktionen haben. Der Ausdruck Massenmedium wird dabei zum Eigenname jenseits des Begriffs Medium. Aber natürlich fliesst auch bei der Zeitung ein Signal durch den Äther, der Text muss nämlich vom Zeitungspapier vor den Augen in die Auge des Lesers kommen.
In der Metapher, die eine Zeitung zum Medium macht, wird ganz viel verkürzt, was darin seinen Ausdruck findet, dass auch die Schrift als Medium bezeichnet wird.

Medium in der Schrift-Metapher
Wo von Schrift die Rede ist, ist oft Text gemeint, also Geschriebenes. Das geschriebene Wort steuert das Licht in den Augen des Lesers. Nicht der Text (etwa die Druckerschwärze der Zeitung) fliesst in die Augen des Lesers, sondern Licht. Ich sehe beim Lesen aber nicht das Licht, sondern die Buchstaben vor meinen Augen. In diesem Sinne wird die Schrift zum Medium anstelle der Lichtwellen im Äther, die durch die Schrift gesteuert werden.
Die Zeitung trägt die Schrift zum Leser, die Schrift steht als Medium für verdrängte Signale, die ins Auge fliessen.

Medium in der Sprache-Metapher
Schrift erscheint neben dem gesprochenen Wort als Repräsentant von Sprache, wodurch Sprache als Medium erscheint, wenn man hinreichend abstrakt beobachtet und sich unter Sprache nichts mehr vorstellt als gesprochene und geschrieben Worte.
In der Metapher, die Sprache zum Medium macht, wird Sprache anstelle von Schrift und anstelle des Schalls des gesprochenen Wortes gesetzt. Durch die Sprache werden die sich ausbreitenden Schallwellen und Radiosignale, die durch den Äther fliessen, als Nachricht oder Mitteilung gedeutet, wobei die Signale Symbole, also Worte repräsentieren. Und wo die Unterscheidung zwischen den Signalen und ihrer Symbolhaftigkeit aufgehoben wird, erscheint in der Metapher das Medium nicht als Signal, sondern als Symbol. Das Wort ist das Medium der Mitteilung.

Medium in der Computer-Metapher
Computer sind elektromechanische Geräte, die der Symbolproduktion dienen. Der Bildschirm fungiert wie eine Zeitung als Übertragungsmaterial von Zeichen und wird deshalb als Medium gesehen. Die Signale vom Bildschirm ins Auge des Benutzers fliessen, sind durch Signale bestimmt, die den Bildschirminhalt erzeugen. und diese Signal werden im Computer aufgrund von verhergehenden Eingaben berechnet. Der Computer vermittelt in dieser Metapher zwischen Ein- und Ausgaben und erscheint so als Medium, das von sich aus nichts beiträgt, sondern nur die Signale weiterträgt.

Medium in der Esoterik (Beispiel: Autor) medium.png
Den Ausdruck Medium verwende ich für Menschen, die zwischen Feinstofflichem und Stofflichem vermitteln. In der Esoterik wird der Überbringer als Medium (oder synonym als Kanal (Channeling)) bezeichnet.
„Autor“ bedeutet ursprünglich autorisierter Stellvertreter des Schöpfers, also eine Art autorisiertes Medium, das für das Gesagte nicht eigentlich verantwortlich ist. Später oder emanzipierter schreibt der Autor selbst(bewusst), was andere wissen müssen, aber immer noch, weil er aufgrund seiner Kanäle autorisiert ist. Der Autor N. Luhmann schreibt: „Fast nichts stammt vom Autor …“

Die Metapher wird also immer ver- oder entrückter, was dazu führt, dass so verschiedene Sachen wie Sprache, Zeitung und Luft als Medium bezeichnet werden. In den bisherigen Metaphern lässt sich – wie entrückt auch immer – der Äther noch als Träger von Wellen erkennen. Die Metapher entfaltet sich aber auch in eine andere Richtung. Nachdem erkannt ist, dass Radiowellen keinen Äther brauchen, der sie trägt, wird die Form der Radiowelle von der Radiowelle unterschieden.

Die (Äther-)Welle als Medium (Form anstelle von Materie und Energie)
Die Radiowelle wird so zum Träger ihrer eigenen Form und mithin zum Medium. Das Medium ist dabei nicht irgendeine Art von Material, sondern das Unsichtbare, nicht Wahrnehmbare, das die Form zulässt. Anstelle von Material, das die Welle zulässt, tritt die Welle, die eine Form der Welle zulässt. Das Medium übernimmt dabei den Platz von Material, das nicht gedacht werden will, weil nur die Form interessiert oder erscheint.

H. Duerr erzählt die Geschichte der Physik wie folgt: Man wollte wissen, was Material jenseits seiner Form ist. Also zerlegte man das Material bis hin zum Atom. Das Atom war gedacht als materielles Element. Leider hat das Atom aber Teile, einen Kern und Elektronen, die nicht Atom heissen können, weil der Ausdruck für das Kleinste eben schon vergeben war. Dann aber machte die Quantenphysik ein spezielles Experiment, das zeigte, dass man nicht sinnvoll von einem „Kleinsten“ sprechen kann, weil es irgendwie „verschmiert“ ist also keinen scharfen Ort hat (Heisenbergs Unschärfe). Man muss nun von Wellen sprechen, aber Wellen sind eine Form. Man ist also wieder dort, wo man anfänglich weg wollte: Man wollte Materie jenseits der Form und hat nur Formen gefunden.

Das Nichtbeobachtete als Medium (Die nicht-markierte Seite)
N. Luhmann formalisiert das Medium mittels G. Spencer-Brown’s Pseudomathematik. Jede Beobachtung markiert eine Form durch eine Unterscheidung. Das, was nicht bezeichnet ist, ist zusammen mit dem, was bezeichnet ist, das Medium der Unterscheidung. Das Medium existiert nicht und trägt keinen Energiefluss. Medium bezeichnet ein durch eine Operation negativ bestimmtes Potential.
Innerhalb der Kommunikation beispielsweise wird etwas gesagt. Das Gesagte ist eine Wahl. Alles was auch gesagt werden könnte, ist das Medium des Gesagten. Hier geht es also nicht um Sprache oder Worte, sondern um das Nichtgesagte oder um die nicht markierte Seite der Form.

“Ein Medium ist eine unbestimmte, aber bestimmbare Menge von Möglichkeiten, in ihm bestimmte Formen zu bilden. Nur die Form ist bestimmt, deswegen ist auch nur sie beobachtbar” (Baecker, S. 182).

George Spencer-Brown


Anmerkungen zu einer persönlichen Begegnung

Nachdem G. Spencer-Brown, Autor von Laws of Form,  in der Konstruktivisten-Szene spencer-brown1durch H. von Foersters Zitat zum Guru avancierte, wurde er wieder entdeckt und zu einem Lehrauftrag an die Uni Heidelberg eingeladen, für den er nach eigenen Angaben nicht wie vereinbart bezahlt wurde. 1998 war er als Gastredner am Complex-Change-Kongress der Fachstelle für Weiterbildung der Universität Zürich.

„G. Spencer-Brown“ ist eine komplexe Figur, die radikal für die „Philosophie“ steht, die mit seinen verschiedenen Namen und Darstellungen verbunden ist. Er selbst beschreibt sich als erleuchtet (in: Dieses Spiel geht nur zu zweit). In der Anwendung seines Kalküls erscheint die Erleuchtung als re-entry auf einen Zustand, der zuvor als Geisteskrankheit konstruiert wird. G. Spencer-Brown ist ein beautiful mind in der expliziten Form.

Mich behandelte G. Spencer-Brown jedenfalls in gröbster Art, als ich anlässlich seines Besuches unserer Veranstaltung in Zürich für drei Tage auf ihn aufpassen musste, weil er sich in einer fremden Umgebung krankheitsbedingt räumlich nicht orientieren kann. Das war allerdings nur meine Wahrnehmung. Er selbst hatte dazu eine ganz andere Interpretation: Er sagte mir ganz direkt ins Gesicht, ich sei ein ganz normaler Idiot, der seine eigenen Wahrnehmungen für wirklich nehme.

Re-entry: Wenn mir jemand sagt, ich sei ein Idiot und dabei sagt, was mich zu
Idioten macht, nämlich dass ich etwas für-Wahr-nehme, beobachte ich die Differenz. Man kann die Unterscheidung treffen, wonach es eine Wirklichkeit gibt. Ich habe beispielsweis für wirklich gehalten, dass ich drei Tage lang auf Herrn Spencer-Brown aufpassen musste und er mich dabei laufend beleidigte. Wenn ich aber meine Unterscheidung nicht so gezogen hätte – was er als Idiotie bezeichnete – hätte ich etwas ganz anderes erlebt. Ich hätte dann erlebt, dass er in seiner Radikalität über Idioten spricht und merkt, dass die Idioten das nicht verstehen, also Demonstrationen brauchen. Also demonstrierte er seine Theorie so, dass ich nicht umhin kam, seine Theorie (Anschauung) ernst zu nehmen, oder ihn als verrückt zu sehen.

Mittlerweile sehe ich, dass sich das Muster reproduziert. Wer Aussagen wie „ich habe die Enkelin von Russel vergewaltigt“ auf eine Wirklichkeit bezieht, hat von LoF nicht die geringste Ahnung.

Ich halte LoF für einen ultimativen Ausdruck von Wahnsinn (vom Wahnsinn, der in der Standardauffassung von Mathematik überhaupt steckt). Herr Spencer-Brown hat mir durch seine Beleidigungen (ich bezeichne sie als die 4. Beleidigung des menschlichen Verstandes) soviel eröffnet, wie C. Darwin, der mich glauben machen will, ich würde von Affen abstammen.

Arbeitsteilung


Umgangssprachlich wird der Ausdruck Arbeitsteilung für zwei ganz verschiedene Verhältnisse verwendet. In beiden Verhältnissen führen verschiedene Menschen verschiedene Tätigkeiten aus. Als Teilätigkeiten erscheinen diese Tätigkeiten, wenn eine noch ungeteilte ursprüngliche Gesamttätigkeit vorausgesetzt wird. In Bezug auf diese Gesamttätigkeit erscheint die Arbeitsteilung als Differenzierung, und in Bezug auf die so gesehenen Teiltätigkeiten als Spezialisierung.

Mit Arbeitsteilung ist in diesem umgangssprachlichen Sinn nicht gemeint, dass die Menge der Arbeit geteilt wird, wie es der Fall ist, wenn verschiedene Menschen eine bestimmte Arbeit gemeinsam erledigen und dabei dasselbe tun. Gemeint ist, dass die Beteiligten verschiedenes tun.

Ich unterscheide in Anlehnung an H. Braverman eine naturwüchsige und eine intendierte, innerbetriebliche Arbeitsteilung.

  • Als naturwüchsige Arbeitsteilung bezeichne ich die Tatsache, dass Menschen verschiedene gewerbliche, freiberufliche oder landwirtschaftliche Tätigkeiten ausübern, indem sie etwa als Schlosser, als Arzt oder als Bauer arbeiten.
    Wenn von dieser Arbeitsteilung gesprochen wird, werden diese Tätigkeiten als Teile einer Gesamttätigkeit aufgefasst, die genau durch die Summe der Teiltätigkeiten begriffen wird. Impliziert wird, wenn von Teilung gesprochen wird, dass ohne die Teilung der einzelne Mensch diese Gesamttätigkeit in einer noch nicht differenzierten Form ausführen müsste oder ursprünglich ausgeführt habe.
    Zu dieser naturwüchsigen Vorstellung gehört auch, dass die Menschen ihre Arbeitsprodukte ursprünglich nicht teilten, sondern wie Waren getauscht haben.
  • Als intendierte, innerbetriebliche Arbeitsteilung bezeichne ich die organisierte arbeitsteilung1Zerlegung von Produktionstätigkeiten innerhalb eines Betriebes. Das Standardbeispiel stammt von A. Smith, der beschrieben hat, wie Nähnadeln in 18 verschiedenen Teiltätigkeiten von 18 verschiedenen Personen hergestellt wurden.
    Wenn von dieser Arbeitsteilung gesprochen wird, werden die Tätigkeiten als Teile einer Gesamttätigkeit aufgefasst, die zur Herstellung des jeweiligen Produktes notwendig ist, und die im idealen Handwerk von einer einzigen Person ausgeführt wurde.
    Die innerbetriebliche Arbeitsteilung begründet die Manufaktur und anschliessend die Fabrik, beides Aspekte der Industrie und mithin der Lohnarbeit.
    A.Smith gilt immer noch als einer der bedeutendsten englischen Ökonomen. Er schrieb, dass die Vorteile der Arbeitsteilung vor allem in einer gesteigerten Geschicklichkeit der spezialisierten Arbeiter liege und in der Zeit, die gespart werde, dass der Einzelne sein Werkzeug nicht wechseln müssse. C. Babbage, einer der Väter des Computers, schrieb dagegen, dass die Aufspaltung eines Arbeitsprozesses in unterschiedlich anspruchsvolle Teilprozesse die Lohnkosten für die Produktion senke. Wenn jeder Arbeitende alles können muss, muss auch jeder den gleich grossen und eben grossen Lohn bekommen. C. Babbage formulierte dieses Prinzip erstmals in seinem 1832 in London erschienenen Werk On the Economy of Machinery and Manufactures.
    Bei dieser Arbeitsteilung werden also auch die Arbeitenden in verschiedene Lohnklassen eingeteilt.

In der naturwüchsigen Arbeitsteilung tauschen die Produzenten ihre Arbeitsprodukte – in der heutigen Gesellschaft durch Geld vermittelt. Was aber tauschen Arbeitende, die in demselben Betrieb arbeiten?
In der innerbetrieblichen Arbeitsteilung teilen die Arbeitenden nichts, sie verrichten Teile einer von anderen geteilten Arbeit.

Arbeitsteilung ist ideologischer Ausdruck, der positive Konnotationen zu teilen transportieren soll, indem sehr verschiedene Verhältnisse gleich bezeichnet werden. Eine exemplarische Darstellung des ideologischen Commonsense (auf dem begrifflichen Niveau von A. Smith, wenn auch mit ein paar arbeitspsychologischen Anmerkungen) gibt beispielsweise T. Hildebrandt, ein Prof. der Ökonomie (!). Er spricht zwar explizit von einer „innerbetrieblichen Arbeitsteilung“ … :

Unter dem Begriff Arbeitsteilung versteht man folglich die Zerlegung der Produktion in Teilprozesse, die von speziell geschulten Arbeitern oder auch Betrieben durchgeführt werden. Hierbei sind mindestens drei Ebenen der Arbeitsteilung aufzuzeigen:

  • Die innerbetriebliche Arbeitsteilung, bei der sich die Spezialisierung innerhalb eines Betriebs vollzieht und die Arbeitskräfte folglich nach ihren persönlichen Fähig- und Fertigkeiten eingesetzt werden.
  • Die zwischenbetriebliche Arbeitsteilung vollzieht sich zwischen mindestens zwei (Produktions-) Betrieben, die für die Fertigung eines Erzeugnisses benötigten Rohstoffe, Baugruppen und Serviceleistungen zur Verfügung stellen.
  • Die internationale (regionale) Arbeitsteilung, bei der sich die jeweiligen Volkswirtschaften (Regionen) auf die Produktion bestimmter Güter und Dienstleistungen spezialisieren, die anschließend über den Außenhandel wieder vereint werden. Das weltweite Zusammenwachsen der Märkte, die Globalisierung der Wirtschaftsstrukturen, wird mehr als Chance denn als Bedrohung betrachtet.

… er unterstellt aber die innerbetriebliche Arbeitsteilung als quasi kleiner Form der von ihm als zwischenbetriebliche Arbeitsteilung bezeichneten Differenzierung von industriellen Gewerben. Und dann erkennt er sogar dasselbe Muster in einer von ihm als internationale (regionale) Arbeitsteilung bezeichneten Differenzierung.

T. Hildebrandt verwischt damit alle Unterschiede auf groteske Weise, so dass sogar die ausgebeutetsten Nationen als Teile einer naturwüchsige Arbeitsteilung erscheinen.

Und selbst typische politische Ökonomen haben – im Unterschied zum „Hildebrandtschen“ Commonsense – erkannt, dass der Gewinn der betrieblichen Arbeitsteilung einer Differenzierung der Lohnklassen entspringt.

PS:
In meinem Roman Walden III geht es um eine Aufhebung der Lohnarbeit, die als Aufhebung der innerbetrieblicher Arbeitsteilung erscheint. Eine Utopie, für viele Menschen nur als Utopie vorstellbar.

Bildquelle: http://www.aibobar.de/pikachu/667.html