Tractatus technicus

Der Ausdruck Tractatus ist berüchtigt, seit L. Wittgenstein ihn für seine Aufhebung der Philosophie verwendet hat: Tractatus logico-philosophicus.

Ich verwende „Tractatus“ – in Anlehnung an L. Wittgenstein – für eine andere Aufhebung der Philosophie, jene durch die Technologie.

„Ja, was ich hier geschrieben habe, macht im Einzelnen überhaupt nicht den Anspruch auf Neuheit; und darum gebe ich auch keine Quellen an, weil es mir gleichgültig ist, ob das was ich gedacht habe, vor mir schon ein anderer gedacht hat.“

Als Tractatus technicus bezeichne ich mein Traktat, in welchem ich eine Technologie konzipiere. Mit Tractatus verweise ich auf eine Einheit des Gegenstandes und insbesondere auf eine vorausgesetzte Hinsicht auf den Gegenstand. Mit technicus bezeichne ich den Gegenstand des Tractatus, den es so in anderen Hinsichten nicht gibt. Der Gegenstand des Traktates besteht nicht in einer ausgearbeiteten Lehre zur Technik, sondern darin, wie eine solche konzipiert werden muss. Dazu sind zwei Bemerkungen nötig:
Die hier gemeinte Technik entwickelt sich. Die Begriffe einer Lehre entsprechen einem evolutionär erreichten Stand der Dinge, das heisst, sie entwickeln sich auch. Da dieses Konzept von diesen Begriffen abhängig ist, ist es auch ein Stand der Dinge.
In der Welt des Buchdruckes waren Traktate – wie unvollständig inhaltlich auch immer – Texte, die sich nicht weiterentwickelt haben. Für Änderungen in den Formulierungen mussten neue Texte hergestellt werden. In der Welt der Internetseiten verändern sich Texte täglich – wenn sie nicht wie Texte aus der alten Welt behandelt werden. Hier steht immer ein aktueller Stand dieses Textes, oder eben immer ein Entwurf.

Tractatus technicus

1. Am Anfang steht das Herstellen von Werkzeugen als Tätigkeit
1.1. Das Herstellen von Werkzeugen ist etwas anderes, als die Arbeit, die alle Lebewesen verichten (H. Arendt)

2. Dann das Herstellen von Beschreibungen.
2.1. Zuerst, weil das Herstellen Konstruktionspläne braucht, das ist aber nur ein Übergang. Die Evolution beginnt beim programmierbaren Automaten – und dort ist die Beschreibung dann Teil des Werkzeuges.
2.1.1. Die Beschreibung ist eine Zeichnung, dann aber eine sprachliche – wegen der Zustandsdynamik
2.2. Die Beschreibung beginnt mit der Form der Teile, dann mit der Struktur oder Anordnung der Teile in der Maschine. Und schliesslich – kybernetisch mit der Frage: wie funktioniert das mit dem „System“
2.2.1. Das Verhalten des Systems wird als historische Zustandsfolge mit if-then beschrieben. Dazu werden Variablen eingeführt, die sich in der Zeit verändern.
2.2.2. Die Beschreibung ist auf dieser Stufe ein Formular (Programm mit Datenfelder)
2.2.2.1. Egal, was die Maschine IST, in der Beschreibung brauche ich Zeichen in Datenfelder = Daten.
2.2.2.2. Daten sind immer Teil der Beschreibung, nicht Teil des Beschriebenen.
2.2.2.3. Schliesslich: In einer bestimmten Perspektive – die als Verarbeitung bezeichnet wird – beobachte ich, wie sich „im System“ in Abhängigkeit der vorhandenen Daten Daten ergeben
2.2.2.4. Es werden KEINE Daten verarbeitet!! Material wird verarbeitet
2.2.2.5. Die Daten werden zu zwei verschiedenen Zeitpunkten – oder anders vor und nach einer Operation beobachtet.
2.2.2.6. Als Operation bezeichne ich die Veränderung einer Variablen, die sich in zwei Daten zeigt, die ich mit t1 und t2 adressiere.