Kategorie – neue Version


Kategorie ist ein zentraler Begriff in meiner Theorie-Arbeit Ich habe hier schon früher eine erste Fassung und vor kurzem eine zweite Fassung geschrieben.

Meine Theorie ist ein Text darüber, welche Kategorien ich verwende. Den Ausdruck Kategorie verwende ich nicht im umgangssprachlichen Sinn, also nicht als Synonym zu Klassen, die durch eine Klassifizierung eingeführt werden. Umgangssprachlich bezeichnet Kategorie oft eine Art Wertigkeit von Klassen. Bei Radrennen etwa gibt es Bergpreise erster und zweiter Kategorie, wobei in der ersten Kategorie die höchsten Berge sind.

In der Philosophie ist oft von den Kategorie-Begriffen von Aristoteles und I. Kant die Rede, die hier auch nicht gemeint sind, weil sie nicht Beobachtungen von Beobachtungen bezeichnen, sondern Ideen, die den Beobachtungen auf unergründliche Weise – a priori – vorausgehen sollen. K. Lorenz hat solche Kategorien in der biologischen Evolution verortet, was zeigt, dass er auch einen sehr eigenen Kategorie-Begriff hat.

A. Leontjew begründet sein kulturhistorisch-marxistische Psychologie durch die Verwendung der Kategorie Tätigkeit ohne explizit zu sagen, was er als Kategorie bezeichnet. Im Unterschied zu den genannten Philosophen – die bei ihren Kategorien keine Wahl zulassen – zeigt er aber, wie sich einerseits verschiedene Kategorien in der Beobachtung auswirken und andrerseits, dass die Benennung einer Kategorie noch keineswegs hinreichend bestimmt, wie sie verwendet wird.

Als Kategorien bezeichne ich die in einer Theorie beobachte Einheit der Unterscheidung einer Beobachtung. Ich gebe zuerst eine kurze Erläuterung des Begriffes jenseits von Theorie und anschliessend eine Erläuterung dazu, welche Rolle die Kategorie in der Theorie hat. Im einfachsten Fall beobachte ich Beobachtungen vom Typ des elementarsten Sprechaktes „Es ist xy“. Ich kann mit dieser Beobachtung, also wenn ich beispielsweise den Satz „Das Auto ist rot“ sage, einem Ding oder einem Sachverhalt eine Eigenschaft zuschreiben. Ich kann mit „es ist“ aber auch etwas anderes sagen, etwa dass es dunkel oder Nachmittag ist. Der Satz: „Das Auto ist rot“ enthält zwei Unterscheidungen und ein Zuordnung. Das Auto wird von anderen Dingen und rot von anderen Farben unterschieden. Wenn ich den Satz unter kategorieller Perspektive beobachte, kann ich Ding und Eigenschaft als Kategorien erkennen. Ich beobachte dabei, dass einem Ding ein Wert der Eigenschaftsdomäne Farbe zugeschrieben wird. Der Satz sagt nichts über Ding und Farbe. Ich verwende Ding und Farbe, um etwas über die im Satz beschriebene Beobachtung zu sagen. Ich sage damit auch nichts über ein rotes Auto.

Kategorie bezieht sich – in meiner Theorie – auf eine Beobachtung, die Eigenschaft auf etwas Beobachtetes. Eigenschaftsdomäne und Kategorie werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Die Eigenschaftsdomäne bezeichnet den Wertebereich der Eigenschaft. Die Kategorie bezeichnet, dass in der Beobachtung beispielsweise Eigenschaften unterschieden werden. Verschiedene Theorien unterscheiden sich durch die je verwendeten Kategorien. Jenseits einer Theorie haben Kategorien für mich keinen Sinn, während sie für I. Kant eine Voraussetzung, also nicht einen konstitutiven Teil der Theorien darstellen.

Ich unterscheide zwei Fälle. Im einen Fall beobachte ich Sachverhalte ohne mir bewusste Theorie und im andern Fall verwende ich eine Theorie. N. Wiener beschreibt in seinem Roman Die Versuchung, wie er die Systemtheorie anhand von Beschreibungen von technischen Regelungsmechanismen entwickelt hat. Nachdem er seine Systemtheorie hatte, wurde sie auf verschiedene Gegenstände angewendet, die davor nicht als kybernetische Systeme beobachtet wurden. Schliesslich erkannte er den universellen Charakter der Theorie.

Kategorien in diesem Sinn sind anders als Eigenschaftsdomänen keine Wertedomänenen. Sie lassen sich auch nicht logisch begründen, sie sind – die den Worten von K. Marx – geschichtliche Tat. Ich kann sie im Sprachspiel beobachten.

Unabhängig davon, wie explizit die verwendeten Kategorie sind, entscheiden sie, wie beobachtet wird. Dabei spielt insbesondere auch eine Rolle, welchen Kategorien Priorität gegeben wird. Ein Standardbeispiel dafür ist die Kategorie Bedürfnis. Wenn zuerst ein Bedarfszustand beschrieben wird, etwa die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme, erscheint die menschliche Tätigkeit als Reaktion darauf. Wenn dagegen das Herstellen als fundamentale Kategorie verwendet wird, geht es gerade nicht darum, irgendwelche Mängel zu kompensieren. Denn dann wären die Mängel fundamental und das Herstellen eben nur eine Kompensationshandlung. Herstellen ist dann das, was Menschen von sich aus ohne jede Not – eben primär – tun. Sie heben damit die natürlichen Bedarfszustände, die sie mit anderen Lebewesen teilen auf. Hunger erscheint dann nicht als Bedarfszustand sondern als Zeichen dafür, dass etwas in der Produktion nicht funktioniert.

Kategorien beschreiben – wie Theorie – die Anschauung, nicht das Angeschaute.

Beobachten und die 2. Ordnung


Umgangssprachlich verwende ich das Wort beobachten für eine Tätigkeit, bei welcher ich meine Aufmerksamkeit eine Zeitlang auf einen bestimmten Gegenstand richte. Ich beobachte in diesem Sinne etwa das Verhalten eines Lebewesens. Solches Beobachten kann spontan etwa in Bezug auf ein überraschendes Ereignis erfolgen oder mehr oder weniger systematisch nach empirischen Regelmässigkeiten suchen.

In der umgangssprachlichen Verwendung von beobachten ist aufgehoben, ob die Beobachtung dokumentiert oder wenigstens zur Sprache gebracht wird. Hier interessiert aber nur der Fall, in dem das Beobachtete beschrieben wird. Wenn ich sehe, dass jemand mit einem Feldstecher längere Zeit an einen bestimmte Ort schaut, nehme ich an, dass er etwas beobachtet. Aber nur wenn er beschreibt, was er beobachtet, wird es auch für mich eine Beobachtung.magritte_pipe

Als Beobachtung bezeichne ich in diesem Sinne ein manifestes Resultat des Beobachtens, beispielsweise einen Bericht darüber, was wie beobachtet wurde. In jeder Beobachtung in diesem Sinn wird ein beobachteter Gegenstand bezeichnet und über ihn etwas gesagt, im einfachsten Fall: „x ist y“, beispielsweise „Das Auto ist rot“.

Wenn ich die Beobachtung – also nicht das Referenzobjekt der Beobachtung – beobachte, spreche ich von einer Beobachtung 2. Ordnung. Ich kann dann etwa sagen, dass in der Aussage von einem Auto die Rede ist oder dass die Aussage von xy gemacht wurde. Dabei sage ich nichts über das Auto und dessen Farbe. Da es sich wieder um eine Beobachtung handelt, muss auch sie explizit sein.

Eine spezielle Art der Beobachtung 2. Ordnung beobachtet Unterscheidungen, die in der beobachteten Beobachtung verwendet wurden. Ich beobachte beispielsweise, dass von einem Auto und rot die Rede ist, und frage mich, was dabei wovon unterschieden wird. Rot ist eine Eigenschaft des Autos, die ich als Wert der Eigenschaftsdomäne Farbe erkenne. Das, was in der Beobachtung unterschieden wird, bezeichne ich als Wert einer Kategorie. In der Beobachtung, dass das Auto rot ist, wurde die Kategorie Farbe gewählt. Die Eigenschaft gehört zum Auto, die Kategorie zur Beobachtung.

Das systematische Beobachtung von Kategorien bezeichne ich als theoretisieren. Als Theorie bezeichne ich eine explizite Reflexion (Widerspiegelung) der Kategorien, die ich beim Beobachten von Sachverhalten verwende. Theorie ist mithin ein Resultat einer Beobachtung 2. Ordnung. Sie beschreibt die Anschauung (theorein), nicht das Angeschaute.

Technik als Kunst des Effizient-Seins


Als Tätigkeit bezeichne ich ein Aneignungsverhalten, in welchem ich dieses Verhalten auch in Bezug auf dessen Effizienz reflektiere. Wenn ich tätig bin, denke ich immer auch darüber nach, wie ich es besser machen könnte. Unter evolutionstheoretischen Gesichtspunkten scheint mir dies ein signifikateres Kriterium fürs Menschsein als das Herstellen von Werkzeugen, auch wenn dieses Nachdenken sich hauptsächlich in Form von verbesserten Werkzeugen zeigt.[1] Ich spreche aber – metaphorisch – auch von verschiedenen Techniken, wenn ich Tätigkeiten ausübe, bei welchen ich keine Werkzeuge verwende. Ich kann beispielsweise beim Schwimmen oder Hochspringen verschiedene Techniken verwenden, was ich im Verhaltensrepertoir von Tieren nie sehen kann. Dass ich in solchen Fällen von Techniken spreche, zeigt mir, dass ich an Technik denke, wenn ich wirklich effizienter sein will. Ein Motorboot oder eine Brücke ist viel effizienter als jede Form von Schwimmen, wenn Schwimmen nicht als reines Practise gesehen wird, sondern den Zweck hat, ein Gewässer zu überqueren.

Den Ausdruck Technik verwende ich für die Kunst des Effizient-Seins. Eigentlich verwende ich den Ausdruck als Produkt-Bezeichner für in Artefakten konservierte Verfahren, die mich effizienter machen. Dann verwende ich den Ausdruck Technik in einem verallgemeinerten Sinn als Prozess-Bezeichner für effiziente Tätigkeiten, wenn ich etwa von Verhandlungstechnik oder der Technik eines Künstlers oder eines Fussballers spreche. In diesem übertragenen Sinn beobachte ich Verfahren, die in einem Artefakt, etwa in einem Roboter aufgehoben werden können. Als Technik bezeichne ich mithin einen Handlungszusammenhang, in welchem Verfahren in Artefakten aufgehoben werden.[2]

Technik heisst in diesem Sinne die intendiert wiederholbar Verursachungen von institutionalisierten Verfahren, die im entwickelten Fall im externen Gedächtnis, also in Artefakten, die das Verfahren rekonstruierbar machen, gespeichert sind. Ich gebe dazu ein Beispiel. Wasser schöpfen kann ich, indem ich mit meinen Händen eine Schale forme. Ich kann jemandem zeigen, wie ich mittels meiner Hände Wasser aus einem Bach trinke. Er kann das Verfahren kopieren und wendet dann eine bestimmte Technik an, die beispielsweise meine Katze nicht anwendet. Ich kann statt meiner Hände eine Schale verwenden – was mir dann auch zeigt, warum ich davon spreche, dass ich mit meinen Händen eine Schale forme. Ich kann beispielsweise eine hohle Fruchtschale verwenden oder eine hergestellte Schale. Jede hergestellte Schale ist bewusst geformtes Material. Ich kann beispielsweise mit meinen Händen eine Schale aus Lehm formen, was etwas ganz anderes ist als eine Schale in Form meiner Hände zu formen. Die hergestellte Schale hat eine Gegenstandsbedeutung, die ich erkenne, wenn ich sie als Schale verwende. Die Schale ist in diesem Sinne eine konservierte Anweisung für ein Verfahren, das ich als Schöpfen bezeichne. Ich bezeichne sie als externes Gedächtnis, weil sie mich an das Schöpfen erinnert. Als externes Gedächtnis ist sie in dem Sinne sozial, als auch andere Menschen deren Sinn rekonstruieren können.

Eine hergestellte Schale mittels der Hände zu verwenden, ist in vielen Fällen nicht effizient. Deshalb wird sie oft in Maschinen, beispielsweise in Wasserschöpfeinrichtungen oder in Baggern eingesetzt. Und natürlich sind auch Maschinen nicht sehr effizient, wenn man sie von Hand steuern muss. Deshalb verwende ich lieber geregelte Maschinen, also Automaten. Das Herstellen einer Schale beinhaltet nicht nur, wozu die Schale gut ist, sondern auch dass und wie sie technologisch weiterentwickelt werden kann.

Ein Schale ist zunächst kein Werkzeug, sondern ein Gerät, das aber im Laufe seiner Entwicklung in ein Werkzeug einfliesst. Die gegenständliche Tätigkeit besteht im Kern darin, Werkzeuge zu verwenden, die ihrerseits Produkte gegenständlicher Tätigkeiten sind. Die grösste Effizienz besteht darin, mittels Werkzeugen, entwickeltere Werkzeuge herzustellen. Die technische Entwicklung repräsentiert sozusagen eine selbstbezügliche Produktion, in welcher Werkzeuge zur Herstellung von Werkzeugen hergestellt werden.

Die entwickelsten Werkzeuge sind mittels sogenannter Programmiersprachen programmierbare Automaten. Wenn ich einen Automaten programmiere, stelle ich den jeweiligen Automaten her. Bevor er programmiert ist, ist er lediglich ein Halbfabrikat. Die Programme von entsprechend entwickelten Automaten werden als Texte lochkarte1hergestellt.[3] Als Programmiersprache bezeichne ich eine Steuerungsmechanik, deren Konfiguration als Steuerungselemente so angeordnete Zeichenkörper, beispielsweise Lochkarten verlangt, so dass diese sekundär lesbar sind. Wenn ich Programme schreibe, stelle ich schreibend materielle Teile jener Automaten her, in welchen die Programme verwendet werden. Darin zeigt sich das Textherstellen als subtiles Herstellen von Werkzeugen.

Dass ich Programme schreiben und lesen kann, ist nur für mich wichtig, für deren
lochkarte Funktion in der Maschine ist es ohne Relevanz. Programmieren ohne Programmiersprache ist aber extrem kompliziert und sehr ineffizient. Programme als Texte herzustellen, zeigt in einem spezifischen Sinn, was Texte sind – und inwiefern Schreiben schon immer eine Technik der Technik war. Wenn ich einen Konstruktionsplan einer Maschine zeichne, muss danach ein Mechaniker die Maschine herstellen. Wenn der Arbeitswissenschaftler F. Taylor genau beschreibt, wie welche Arbeit ausgeführt werden muss, muss diese Arbeit von Arbeitern ausgeführt werden. Wenn ich dagegen ein Programm schreibe, muss niemand mehr Hand anlegen. Schreiben erscheint in dieser Hinsicht als die höchstentwickelte technische Tätigkeit, in welcher der Unterschied zwischen Herstellen und Beschreiben aufgehoben ist.

Ich habe diese technologischen Zusammenhänge in meinem Buch „Technische Intelligenz“ ausführlich dargestellt.[4]


[1] K. Marx beispielsweise hat die Verwendung des Kriteriums „toolmaking animals“ ja recht eigentümlich kommentiert, auch wenn ich nicht sehe, dass er es verworfen hätte.

[2] Im Kontext der ökonomischen Produktion dient die Technik der materiellen Verbesserung des Wohlstandes oder anders ausgedrückt, dem Erübrigen von Arbeit. Ein Roboter kann einen Arbeiter ersetzen, ein PC kann eine Sekretärin zehn Mal schneller machen. „Technik = Arbeit sparen“ (Ortega y Gasset, Ropohl, 1979:197).

[3] Anschaulich sind diese Maschinenteile beispielsweise als Lochkarten, wo ihr sekundäres Textsein noch nicht so augenfällig ist, etwa bei J. Jacquards Webstuhlsteuerung. Die Programme der ersten Computer wurden noch nicht als Texte gesehen, weil die Programmiersprache noch nicht erfunden war und die Computer (etwa der Colossus oder die Eniac) durch eine Anordnung von Kabeln programmiert wurden.

[4] Todesco, Rolf: Technische Intelligenz oder Wie Ingenieure über Computer sprechen. Stuttgart, frommann-holzboog, 1992.

Schrift als Handlungszusammenhang


Den Ausdruck Schrift verwende ich homonym für Schrift (ohne Plural) und für je bestimmte Schriften.

Schrift ist einerseits hoch abstrakt und wird andrerseits als Homonym für eine ganz leicht nachvollziehbare Sache benutzt. Ich sage etwa, Du hast schöne Schrift und weiss dann sehr wohl, wovon ich spreche, ohne die geringste Ahnung davon haben zu müssen, wie ich den Begriff Schrift jenseits davon verwende.

text

Als Schrift bezeichne ich – von all den umgangssprachlichen Verwendungen des Wortes abgesehen – einen Handlungszusammenhang, in welchem ich bestimmte Verhaltensweisen als Schreiben deute. Als Handlungszusammenhang bezeichne ich, dass ich Verhaltensweisen als Handlungen beobachte, ihnen also Sinn zuschreibe. Die beobachtbare Operation, die ich als Schreiben deute, besteht im Herstellen von Artefakten, die ich als Schriftzeichen erkenne, wenn ich ein Konzept von Schrift habe. Man könnte sogar sagen, dass man mit einem vorhandenen Konzept von Schrift das Schreiben ausschliesslich als Schreiben gesehen werden muss. Hier geht es gerade darum, dass man das Schreiben nicht als solches beobachten muss. Wenn ich keine Ahnung vom Schreiben habe, kann ich ein Kritzeln oder ein Zeichnen sehen, wo jemand etwas schreibt.

Wenn ich schreibe, stelle ich ein Artefakt her, indem ich Material forme. Die Form der einzelnen Zeichen und des Textes ist durch die von mir gewählten Schrift bestimmt. Schrift bestimmt – in diesem operativen Verständnis – die Form von Text, der aus endlich vielen wohl angeordneten Zeichen besteht. Wenn die Artefakte und deren Anordnung die Bestimmungen der Schrift nicht erfüllen, sind sie kein Text.

Handlungszusammenhänge bilden den funktionalen Kontext von Tätigkeiten. N. Luhmann, der sich nicht für Tätigkeiten interessiert, spricht von Funktionssystemen. Die Wikipedia, die keiner Systemtheorie verpflichtet ist, spricht von einem Zeichensystem, das keiner weiteren Erläuterung bedarf. Als Handlungszusammenhang beruht Schrift auf einer Verdinglichung des Schreibens. Die damit zugrunde gelegte Operation entfaltet sich durch die technische Entwicklung der Werkzeuge, dich ich beim Schreiben, also beim Herstellen der materiellen Zeichenkörper verwende.

noch mehr zu Gutenberg (2. Teil)


zum 1 Teil Ein paar kritische Anmerkungen zur Gutenberg-Geschichte

Entscheidend am Stempel als Textwerkzeug ist, dass in ihm die Form des herzustellenden Zeichens aufgehoben ist, so dass Exemplare des Zeichens mit weniger Aufwand und weniger Geschick hergestellt werden können als wenn sie von Hand anfertigen geschrieben werden.

Es ist entwicklungslogisch unerheblich, wann Meissel, Feder und Stempel von wem zum ersten Mal verwendet wurden. Historiker mögen es interessant finden, dass in Asien viel früher als in Europa Schriftzeichen mit Stempeln hergestellt wurden. Wenn man – aus welchem Grund auch immer – solche Erfindung einem Erfinder zurechnen will, muss man sich mit solch peinlichen Fragen befassen. Wenn ich dagegen nur beschreiben will, was Gutenberg gemacht hat, spielt es keine Rolle, ob er es als erster gemacht hat oder welche Vorbilder er gekannt hat.

J. Gutenberg hat sicher nicht den „Buchdruck“ erfunden, aber er hat einige Verfahren verwendet, die das Herstellen von Textkopien effizient gemacht haben. Ein wichtiges Verfahren mit allerlei Voraussetzungen, das als „Buchdruckes-mit-beweglichen-Lettern“ bezeichnet wird, besteht darin, Zeichenstempel aus einem Setzkasten auf einem Winkelhaken anzuordnen.

patrize

Das vielleicht wichtigste Verfahren von J. Gutenberg betrifft die Herstellung von Stempeln durch Giesen, wozu eine Patrize und eine Matrize hergestellt werden. Dabei geht es nicht darum, mit einem Stempel mehrfach zu drucken, sondern den Stempel durch Giessen mehrfach herzustellen, was für den Setzkasten und für das damit verbundene Verfahren, in welchem die Letter-Stempel in einen Rahmen gebracht werden, notwendig ist. Dabei wird also nicht die Form des herzustellenden Buchstabens sondern jene des Letters in der Gussform aufgehoben, so dass die Exemplare des Letters mit weniger Aufwand und weniger Geschick hergestellt werden können als wenn sie – wie die jeweilige Patrize – von Hand anfertigt würden.

Das Herstellen des Textes beruht darauf, dass Farbe auf den Textträger (Beschreibstoff) aufgetragen wird. Dazu gibt es sehr verschiedene Verfahren, wobei hier nur solche mit Drucktypen interessieren. Bei der Schreibmaschine beispielsweise wird die Drucktype auf ein Farbband geschlagen. Im hier interessierenden Fall unterscheide ich eine Abreibtechnik und das eigentliche Drucken, wobei in beiden Fällen die Farbe vom eingefärbten Bleisatzes (oder Holzschnittes) mit Druck übertragen wird. Beim Abreiben wird das Papier auf den Bleisatz gelegt und mit dem Handballen oder beispielsweise mit einer Bürste durch Reiben angedrückt. Mit einer Druckerpresse dagegen werden der Drucksatz und das Papier auf Platten aufgespannt, die mit einem Mechanismus zusammengedrückt werden. In der einfachsten Form, die Gutenberg von einer Weintraubenpresse übernommen hat, wird eine Spindelpresse mit einem Hebelarm verwendet. Dabei Damit wird der ganze Drucksatz schnell und überall gleich stark belastet, so dass die Farbe gleichmässig übertragen wird.

Der sogenannte „Buchdruck“ besteht aus einer Reihe verschiedener und unabhängiger Verfahren, die alle den Zweck haben, mehrere Exemplare eines Textes herzustellen, wobei jedesmal wohlgeformte Tintenkörper auf einen Textträger aufgetragen werden – die unter anderem auch als Buchseiten verwendet werden können. Die gedruckten Seiten sind keine Kopien eines Originales, wenn man von einer Kopie verlangt, dass sie gleich aussehen soll wie das Original. Texte die in Skriptorien von Hand abgeschrieben werden, sind dagegen Kopien und auf einem Fotokopiergerät werden Kopien erstellt.

Die Mechanisierung der Textherstellungsverfahren ist exemplarisch für die Mechanisierung jeder Handarbeit. Die Gutenbergverfahren sind in dem Sinne primitiv, als die Mechanismen noch von Hand angetrieben und gesteuert werden, also noch keine Maschinen, geschweige denn Automaten darstellen. Die Werkzeuge sind aber bereits so weit entwickelt, dass die Arbeit wesentlich effizienter und vor allem arbeitsteilig organisiert werden kann.

Der Sage nach gab es seit dem 1. Jh. v. Chr. einen „Buchmarkt“ für griechische und lateinische Literatur. Die Herstellung der Texte erfolgte durch Sklaven und Freigelassene, es gab aber auch schon Verleger wie Atticus und Buchhändlern wie die Gebrüder Sosius. Das Gewerbe ist also in keiner Weise an den „Buchdruck“ oder an eine bestimmte Technik gebunden. Es scheint vielmehr so, dass Sklavenhalter nicht erkennen konnten, dass industrielle Mechanisierung, wie sie Gutenberg geleistet hat, viel mehr Mehrwert abwerfen als Slavenarbeit.

Jenseits von antiken Sagen und kapitalistischen Interessen ist jedes technische Verfahren ein Lösung für das Problem, das in der Beschreibung des Verfahrens erläutert wird. Verfahren, die durch Technik aufgehoben werden, bezeichne ich als Operationen. Auf der Ebene von Handlungen hat die Lösung von Gutenberg das Problem gelöst, dass die Sklaven in den Skriptorien die Texte, die sie schreiben mussten, langsam und schlecht herstellten und viel kosteten, auch wenn sie für mager Kost und karge Logie geschrieben haben. Auf der Ebene von Operationen beobachte ich konstruktiv beschreibbare Aspekte von Handlungen, also konstruktiv festgelegte Teile eines Verfahrens. Hier geht es darum, wie die Zeichenkörper hergestellt und platziert werden. Wenn jemand im Skriptorium einen Buchstaben schreibt, stellt er ihn dadurch her, dass er ihn mit der Feder auf dem Papier formt. Wenn der Buchstaben mit einem Stempel hergestellt wird, muss er nicht geformt werden. Der Stempel löst also das Problem, dass der Buchstabe geformt werden muss. Der Stempel oder bei Gutenberg der einzelne Letter muss wie die Feder mit Farbstoff angereichert auf das Papier gedrückt werden. Dieses Problem wird also nicht gelöst, es wird nur ein anderes Verfahren verwendet. Wie eine technisch viel weiter entwickelte Lösung, nämlich der Tintenstrahldrucker zeigt, ist das Verfahren mit der Feder, bei welchem flüssige Tinte geziehlt aufgetragen wird, auch auf ganz andere Weise aufhebbar.

handgiessapparat

Weil der Handgiessapparat oft als Kern von J. Gutenbergs Erfindung bezeichnet wird, soll hier auch dieses Verfahren unter dem Gesichtspunkt der Technik betrachtet werden. Das Giessen war zur Zeit von Gutenberg von der Herstellung von Glocken schon gut bekannt. Der Sage nach hat Gutenberg in seiner Handwerkerkarriere selbst Rahmen für Spiegel gegossen. In seinem Apparat hat er Drucktypen aus einer Bleilegierung hergestellt, wozu er eben Matrizen verwendet hat, die er mit Patrizen, also mit Stempeln geprägt hat, die von Hand aus Stahl hergestellt wurden. Die Patrize und die Drucktype sind in der wesentlichen Hinsicht gleich, sie werden nur mit verschiedenen Verfahren hergestellt. Die Patrize wird graviert, die Letter gegossen. Das Giessen verlangt viel mehr Infrastruktur, ist aber handwerklich einfacher und effizienter. Mit den Handgiessapparat wird also vor allem ein ökonomisches Problem gelöst, denn die Letter könnten natürlich genauso wie die Patrizen hergestellt werden. Dieses Beispiel zeigt auch, inwiefern Gutenberg zurecht eher als Geschäftsmann als als Techniker gelobt wird. Für einen Setzkasten braucht man viele Exemplare von jedem Typ.

Die Verfahren, die Gutenberg angewendet hat, haben ältere Verfahren ersetzt und wurden in der technischen Entwicklung ihrerseits durch neuere ersetzt. Die Produktion von Text unterliegt einer Evolution, in welcher sehr viele Entwicklungsstufen immer noch rezent sind. Ich schreibe immer noch mit einem Bleistift, weil das in vielen Situationen für mich das beste Verfahren ist. Diesen Text schreibe ich aber mit einem sehr handlichen Computer und lege eine Kopie davon auf einen Internetserver, von wo er „on demand“ auf beliebige andere Computer kopiert werden kann. Alle Verfahren, die Gutenberg verwendet hat, spielen dabei absolut keine Rolle mehr. Und wenn ich diesen Text in einem Buch veröffentliche, wird der Text wie bereits vor Gutenbergs Zeiten auf Papier aufgetragen, das als Seiten des Buches „gebunden“ wird. Natürlich wird Papier mittlerweile anders hergestellt und Bücher werden nur noch selten wirklich gebunden, weil auch diese Verfahren einer technischen Entwicklung unterliegen.

Fortsetzung folgt demnächst

Anmerkung:
Die Bilder stammen aus dem wunderbaren Youtube-Video von Stephan Füssel, in welchem die Gutenberggeschichte aber sehr traditionell erzählt wird

Ein paar kritische Anmerkungen zur Gutenberg-Geschichte


„Gutenberg“ ist der Name einer dramatischen Geschichte, in welcher ein simples technisches Verfahren als Grundlage einer Revolution, die ihresgleichen sucht, dargestellt wird. Johannes Gutenberg, der Namensgeber dieser Geschichte, wird oft als Erfinder des Buchdrucks bezeichnet, der so die Reformation, die Renaissance und die moderne Wissenschaft wenn nicht verursacht, mindestens ermöglicht habe.

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Ich erzähle die Geschichte etwas anders, also eine andere Geschichte. Ich erzähle nicht die Geschichte eines Erfinders, sondern eine technische Entwicklungsgeschichte, in welcher auch gedruckte Bücher eine Rolle spielen. Ich betrachte dabei verschiedene Stadien der Textherstellung als Lösungen von jeweiligen Problemen, die ich anhand der Lösungen rekonstruiere. Die Perspektive oder Theorie, die ich dabei zugrunde lege, entwickle ich in meinem Blog Schrift-Sprache. Hier geht es um eine Geschichte der Technik, nicht um die Geschichte von Helden, die die patriarchalische Geschichtsschreibung bevölkern. Hier geht es darum, die Erfindungen von Gutenberg als Momente einer evolutionären Entwicklung der werkzeugherstellenden Tätigkeit des toolmaking animals zu begreifen.

Die Gutenberg-Geschichten bezeichnen Gutenberg oft halbwegs bewusst verkürzt als Erfinder des Buchdruckes, und wenn sie etwas genauer bezeichnen wollen, als Erfinder des Buchdruckes-mit-beweglichen-Lettern und der Druckerpresse. Unabhängig davon, was der Held dieser Vorstellung wirklich erfunden hat, kennzeichnet Buchdruck allenfalls (s)ein Gewerbe, worin er in seiner Manufaktur gedruckte Bibeln verkauft hat. Der Ausdruck Buchdruck zeigt gut, dass nicht eine Technik sondern eine sozialhistorisch srevolutionäre Epoche gemeint ist. Das Drucken, gleichgültig mit welcher Art von Lettern und Pressen, produziert Texte oder Abbildungen, aber sicher keine Bücher. Für das Buch ist gleichgültig, ob die Seiten gedruckt sind, und für die gedruckten Seiten ist gleichgültig, ob sie zu einem Buch gebunden werden.
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In der Wikipedia steht „Buchdruck ist ein mechanischer Prozess, bei dem Schriften und Bilder in großer Anzahl auf ebenen Flächen, meist aus Papier, reproduziert werden“. Weshalb dabei von Buchdruck die Rede ist, bleibt offen, vielmehr wird nicht nur gesagt, dass es nicht um Bücher geht, sondern dass auch nicht das Drucken mit einer Presse gemeint ist. Die ersten mechanisch vervielfältigten Texte wurden per Abreibtechnik reproduziert.

Natürlich kann man für alles beliebige Bezeichnungen wählen. Erdbeeren sind ja auch keine Beeren. Das Wort Buchdruck mag in diesem Sinne dafür stehen, dass Bücher seit der bezeichneten Epoche hauptsächlich aus bedruckten Seiten gebunden werden. Und auch natürlich setzt auch diese Redeweise voraus, dass mit „Buch“ ein Buch aus gebundenen Seiten und nicht grössere Textteile wie das „Buch Moses“ oder „Der Produktionsprozess des Kapitals“ bemeint ist, also das, was ein Buchbinder herstellt. Bücher gab es schon lange bevor Gutenberg auf die Welt kam, und es gab wohl vereinzelt auch Bücher, deren Seiten durch Abreiben von Holzschnitten „bedruckt“ waren.

Mittlerweile gibt es beachtlich viele Hinweise darauf, dass in Asien schon lange vor der Buchdruckepoche in Europa verschiedene Verfahren zur Herstellung von Textkopien verwendet wurden, insbesondere auch bewegliche Lettern. Allerding ist wenig darüber bekannt, wann welches Wissen darüber wie nach Europa kam. Man kann also gut annehmen, dass Gutenberg diese Technik nochmals erfunden hat – was hier einfach keine Rolle spielt, weil es um die Technik, nicht um Erfindungen oder Sozialgeschichte geht. Hier spielt auch keine Rolle, warum die asiatischen Völker von ihren Erfindungen kaum Gebrauch machten. Und warum sich in Europa im 15. Jahrhundert ein Bedürfnis nach Vervielfältigungen von Texten entstand.

Aber wenn schon die Rede vom Erfinder ist: Gutenberg scheint keineswegs den massenhaften „Buchdruck“ im Sinn gehabt zu haben, obwohl er mit den Büchern Geld verdienen wollte. Er wollte nicht vor allem effizienten kopieren, sondern war vielmehr daran interesiert, dass die Dokumente, die er mit seinen Verfahren herstellte, typographisch wohlgestaltet – wie Kunstwerke – waren.Er betrieb sehr viel Aufwand, die besten Handschriften und Malereien zu kopieren. Wäre ihm an einer massenhaften Verbreitung der Bibel gelegen, hätte er ganz sicher ganz anders gearbeitet: Einfache Schriften, kein aufwendiger Blocksatz und keine Ornamente, die er in Handarbeit herstellen liess. Man würde dann wohl auch nicht von Drucker-Kunst sprechen. Zu seiner Zeit gab es noch keinen Massenmarkt, weil fast niemand lesen konnte und kaum jemand Geld für Bücher hatte.

Medienhistorisch wird Gutenberg heute denn auch weniger als technischer Erfinder gewürdigt denn als technisch inspirierter Kaufmann, der ein Produktionsverfahren mit erheblichen Geldmitteln erschloss. Seine 42-zeilige Bibel wie auch die Lutherbibel, die dieser Technik wohl zum Durchbruch verholfen hat, hätte auch ohne seine Erfindung der beweglichen Lettern „druckmässig“ vervielfältiget werden können, denn der Text änderte sich ja nicht so schnell, sodass feste, „gravierte“ (embossierte) Platten ebenso gut bzw. besser als die Gebinde einzelner, eigentlich loser Lettern in der mittleren Auflage durchgehalten hätten. Es ist ja auch immer noch strittig, ob die Gutenberg-Bibel tatsächlich mit losen Lettern gedurckt worden ist (Bruno Fabbian).

Wenn man die technische Entwicklung beobachtet, in welcher die Verfahren, die Gutenberg zugeschrieben werden, beobachtet man sinnigerweise nicht die Herstellung von Büchern oder Bibeln, sondern die Herstellung von Text. Dazu will ich ein paar begriffliche Anmerkungen machen. Als Text bezeichne ich ein materielles Artefakt. Dabei interessiert mich nicht, was mit dem Text gesagt wird, sondern dass er durch Formen von Material hergestellt wird. Die gegenständliche Bedeutung von Text besteht darin, das Licht, das in das Auge des Lesers fällt zu strukturieren. Die Herstellung von Text ist eine handwerkliche Tätigkeit, die mechanisiert und automatisiert werden kann. Ich kann mit dem Finger im Sand schreiben oder mit einer Feder Tinte auf ein Papier auftragen. In jedem Fall forme ich ein Material nach grammatikalisch festgelegten Regeln. Und wenn ich will und kann, kann ich die Zeichenkörper sehr schön gestalten und mich dabei auch daran orientieren, das der Text gut lesbar ist.

Auch das Herstellen von Text unterliegt einer Technik, also einer Kunst des Effizient-Seins. Als Technik im engeren Sinne bezeichne ich die in materiellen Artefakten konservierten Verfahren, die mich effizient machen. Jedes Werkzeug repräsentiert ein solches Verfahren. Mit einem Meisel kann ich in einen Stein schreiben, mit einer Feder und Tinte kann ich auf ein Papier schreiben. Mit dem Stempel kann ich prägen oder Farbe auftragen. In beiden Fällen forme ich Material. Auch ein Schriftzeichen aus Tinte ist ein dreidimensionaler Körper auf einem Textträger, der oft als Beschreibstoff bezeichnet wird.

Fortsetzung: noch mehr zu Gutenberg (2. Teil)

Erd-beere, Wal-fisch, Wal-nuss und Giral-geld …


oder wie adjektivische Voranstellungen in einem zusammengesetzten Wort zu interpretieren sind

Auf irgendeine unverstandene Art versteht jeder – der Deutsch spricht -, was mit dem Ausdruck „Erdbeeren“ gemeint ist. Dem Marktfahrer kann ich sagen, dass ich gerne Erdbeeren hätte, und ich kriege Erdbeeren. Das Referenzobjekt des Ausdruckes, also was ich mit dem Wort meine, ist gemeinhin bekannt. Es ist eben das süsse, rote Ding, das Erdbeere heisst.

Man kann den Ausdruck „Erdbeere“ als beliebige, arbiträe Bezeichnung sehen, die wie der Rufname eines Kindes keinen andern Grund hat, als dass er einmal gewählt wurde. In der linguistischen Sprachwissenschaft hat sich diese Vorstellung von F. de Saussure – jenseits von Doppelwörtern – eingebürgert. G. Frege dagegen meinte, dass Doppelwörter ihre Bedeutung von den Bedeutungen der Teilwörtern übernehmen. Warum aber Beeren Beeren und Erde Erde heissen, hat auch er offen gelassen. B. Whorf hat dann aber anhand von vielen problematischen Fällen gezeigt, dass Ausdrücke und insbesondere Doppelwörter sehr oft quasietymologisch gedeutet werden, dass sie also nicht als zufällige Symbole, sondern als Aussagen über die Welt verstanden werden. Wenn ich „Erdbeere“ nicht als zufälligen Eigenname verstehe, könnte ich in diesem Sinne deutend meinen, dass damit eine bestimmte Sorte von Beeren bezeichnet wird, wozu ich natürlich wissen muss, was ich, egal wie arbiträr der Ausdruck ist, als Beeren bezeichne.

Wenn ich mit Erdbeere eine Sorte bezeichne, bezeichne ich damit gleichzeitig, dass es auch andere Sorten gibt. Ich kenne auch Himbeeren und Stachelbeeren. Beere wäre damit eine Bezeichnung für das, was allen Beeren zukommt, also ein abstrakter oder allgemeiner Begriff, den ich definieren kann, indem ich das bezeichne, was allen Beeren gemeinsam ist. In einem naiven, quasi naturwissenschaftlichen Sinn, beschreibe ich damit, was Beeren wirklich sind. In einem weniger naiven Sinn beschreibe ich, wie der Ausdruck von wem verwendet wird, weil ich weiss, dass Biologen andere Klassifikationsinteressen haben als der Marktfahrer.

In der Perspektive der Biologen wachsen eigentliche Beeren nicht nahe der Erde, sondern an Sträuchern und haben wässeriges Fruchtfleisch und Kernen. Erd-Beeren sind in diesem Sinn also gar keine Beeren. Biologisch gesehen sind Erdbeeren Sammel-Fruchstände der Pflanzengattung Rosaceen. Die eigentlichen Früchte dieser Pflanzen sind die Nüsschen, die auf dem roten, süssen Fruchtboden sitzen. Die Erdbeeren gehören zu den Nüssen. Die adjektivische Vorsilbe sagt also, dass es sich gerade nicht um Beeren handelt, während die Hauptsilbe sagt, dass wir sie wie Beeren essen.

Ich erkenne darin ein generelles Phänomen der deutschen Sprache. Vorsilben reflektieren sehr oft die Position oder die Perspektive des Sprechers. Ich sage beispielsweise her-aus oder hin-aus, je nachdem, von wo aus ich spreche. Vorangestellte Eigenschaften dienen der begrifflichen Spezifizierung sehr verschieden. Erd-Beere heisst sowohl „Beere nahe der Erde“, wie auch „Nicht-Beere“.

Jenseits der Definitionen geht es hier darum, dass unsere sprachlichen Vereinbarungen oft reflektieren, was wir über die Referenten wissen. Mit der Vorsilbe „Erd-“ verweisen wir darauf, dass Beeren – hier im Sinne einer Verallgemeinerung der biologischen Definition, die auch im Alltagsbewusstsein leicht zu finden ist – gerade nicht bei der Erde, sondern an Sträuchern wachsen. Wir wissen ja im gleichen Sinne, dass „Baum“-nüsse keine Nüsse und „Wal“-Fische keine Fische sind. Dass Walfische keine Fische sind, ist sehr verbreitetes Wissen, man sagt mir sogar, dass das Wort Walfisch falsch sei, während es in den Konversationslexika als „volksd(!)ümlich“ bezeichnet wird. Bei der Walnuss oder bei der Erdbeere dagegen brauche ich oft eine längere Erläuterung bis jemand die die Willkür im gewählten Ausdruck akzeptiert. Gemeinhin einigen wir uns darauf, dass es eben verschiedene Bezeichnungskonventionen sind, dass die bezeichnete Sache aber nicht strittig seien: Erdbeeren sind dann keine Beeren, sie heissen nur so. Wenn man das weiss, gibt es keinen Grund den Ausdruck zu verwerfen oder ihn zu ersetzen. Ich esse also weiterhin Erdbeeren und Baumnüsse.

Problematisch ist nur, wenn nicht erkannt wird, dass die Ausdrücke willkürlich (arbritär) gewählt sind, wenn man also meint, Erdbeeren seien wirklich Beeren, weil sie so bezeichnet werden. Dabei gibt es zwei ganz verschiedene Problemlagen. Im einen Fall erkennt jemand einfach nicht, inwiefern die Bezeichnung nicht adäquat ist. Er kriegt dann auf dem Markt trotzdem, was er will. Er hat sozusagen ein Problem, von dem er nichts merkt. Dass es nicht immer so gut geht, hat B. Whorf ausführlich dokumentiert. Beim Analysieren von Brandversicherungsfällen ist er oft darauf gestossen, dass unvorsichtiges Verhalten, das Brandschäden verursachte, daraus resultierte, dass Bezeichnungen quasi zu wörtlich genommen wurden, so etwa wenn neben ”leeren” Benzinfässern geraucht wurde, weil ”leer” nicht mit ”voll explosiver Gase” verbunden wurde, oder der unter Umständen sehr gut brennende Kalk”stein”, weil er Stein heisst, nicht vor Hitze geschützt wurde, usw.

Im andern Fall geht es nicht darum, dass jemand die Ausdrücke zu wörtlich (miss)interpretiert, sondern dass die wörtliche Interpretation zeigt, wie, also mit welchem Verständnis die Ausdrücke gewählt wurden. Warum von Erdbeeren, Walfischen und Baumnüssen gesprochen wird, ist leicht zu erkennen, die Bezeichnungen entsprechen Kategorien der alltäglichen Anschauung. Erdberren werden wie Beeren konsumiert, Walfische schwimmen wie Fische und Baumnüsse haben eine Schale, die man knacken muss. Bei Doppelwörtern, die nicht so anschaulische Gegenstände beschreiben, ist die Wortbildung oft nicht so einfach nachvollziehbar und damit verbunden werden sie auch eher wörtlich interpretiert. Ausdrücke wie Gesellschaftsvertrag oder Giralgeld sind Kompositionen aus Teilwörtern, die auch einzeln nicht leicht zu definieren sind. Gleichwohl kann bei der Interpretation solcher Doppelwörter auch davon ausgegangen werden, dass der vordere Wortteil als eine Art Bestimmunswort fungiert.

Der Ausdruck „Giralgeld“ liesse sich leicht so verstehen, dass die Vorsilbe „giral“ anzeigt, dass es sich um eine bestimmte Art von Geld handle, so wie der Walfisch als eine bestimmte Art der Fische gesehen werden könnte, was viele Menschen bei Erdbeeren ja tun. Der Ausdruck giral bezeichnet jenseits von Geld als Giro eine Art Kreislauf. Banken bezeichnen Kontokorrente als Girokonten, weil sie verschiedene Kontokorrente in einem Kreis schliessen. Von Girogeld oder Giralgeld würde in diesem Sinne jemand sprechen, der meint, auf einem Bankkonto liege Geld, so wie jemand von Erdbeeren spricht, weil weil er meint, es handle sich um Beeren.

Wenn die Komposition eines Doppelwortes, wie G. Frege meinte, derselben Interpretation unterliegt, mit welcher das Wort dann gedeutet wird, hat jemand von Erdbeeren gesprochen, weil er Beeren wahrgenommen hat, und wer das Wort später hört, meint in derselben Logik, dass die bezeichnete Sache zu den Beeren gehören. In diesem Sinne zeigt die Komposition Giralgeld, dass jemand meinte, auf dem Girokonto liege Geld. Und wer beim Dopppelwort Giralgeld in derselben Logik denkt, meint Giralgeld sei Geld.

Man kann Giralgeld auch so verstehen, dass der Bestimungswortteil giral anzeigen soll, dass es gerade nicht um Geld geht. Auf dem Konto der Bank werden Schulden und Guthaben verbucht, ohne dass irgendwelches Geld fliesst, geschweige denn auf der Bank liegt. Giral heisst dann in Bezug auf Geld un-bar oder expliziter un-sicht-bar, weil der Kontoinhaber den Kontostand ausschliesslich durch Umbuchungen verändern kann. Die Kontostände von allen Bankkonten werden wie jene in der Finanzbuchhaltung in Währungseinheiten wie Franken oder Euro angegeben. In dieser Perspektive gehören Währungseinheiten zu einer Grösse, die mit dem Ausdruck Geld bezeichnet wird, so wie Meter und Meilen Einheiten der Grösse Länge bezeichnen. Giralgeld gibt es in dieser Perspektive so wenig wie es in der Terminologie eines Biologen Erdbeeren und Walfische gibt.

Sprachsoziologisch gesehen – und darum geht es hier, wobei zu beachten ist, dass Sprachsoziologie ein Doppelwort ist – geht es nicht darum, was Beeren oder Geld wirklich sind, sondern es geht darum, zu verstehen, wie die Wörter verwendet werden. Wer von Erdbeeren spricht und damit Beeren bezeichnet, bezeichnet mit Beere eben etwas ganz anderes, als der systematische Biologe es tut. Und wer mit Giralgeld Geld bezeichnet, wird wohl eine dazu passende Vorstellung von Geld und Banken haben. Sprachsoziologisch interessant ist, wie sich diese Vorstellungen begrifflich fassen lassen. Hier geht es nicht um Erdbeeren und Giralgeld, sondern um eine sprachsoziologische Methode, in welcher das Sprechen als selbstreferentielle Reflexion beobachtet wird. Wer von Giralgeld spricht, bezeichnet – wie bewusst auch immer – eine sehr spezifische Sichtweise.

„Geld“ als Homonym


Als Homonym bezeichne ich einen Ausdruck, den ich für verschiedene Gegenstände (Referenzobjekte) verwende. Den Ausdruck Bank etwa verwende ich für eine Sitzgelegenheit (bench, banc) und für ein Geldinstitut (bank, banque).Ich unterscheide also zwei Gegenstände, für die ich (in meiner Sprache) das gleiche Wort verwende. Von einem Homonym spreche ich nur, wenn die bezeichneten Gegenstände in meinem Verständnis nichts miteinander zu tun haben. Wenn ich einen Zusammenhang zwischen ihnen herstelle, spreche ich von einer Metapher.

Homonyme verursachen zwei Arten von Missverständnissen. Ganz einfach aufzulösende, wenn die gemeinte Sache verwechselt wird, und kaum aufzulösende, wenn Homonyme nicht als solche erkannt werden. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das Homonym Bank je als Kommunikationsproblem begegnet ist. Ich glaube, alle, die mit mir sprechen, erkennen das Homonym und erkenne sehr rasch, von welcher Art Bank die Rede ist.

Ganz anders ist es bei Geld. Ganz viele, die mit mir sprechen, verwenden das Wort Geld nicht homonym, sondern nur für eine Sache, nämlich für das, was sie gerne hätten, weil sie wissen, was sie damit kaufen könnten und für das, was sie der Bank oder die Bank ihnen schuldet. So erzeugen sie paradoxe Formulierungen, die Inbegriff von kommunikativen Missverständnissen sind.

Ich verwende den Ausdruck Geld für zwei ganz verschiedene Sachen. Zum einen bezeichne ich damit die Gegenstände, die ich Porte-Monnaie habe, also Banknoten und Münzen, und zum andern bezeichne ich mit Geld eine Grösse, in welcher ich den Wert einer Sache in Währungseinheiten ausdrücke. Wenn ich mit Geld Banknoten meine, kann ich sagen, dass ich viel oder wenig Geld habe und damit die Anzahl Banknoten meinen, die ich habe. Wenn ich meine Banknoten – beispielsweise einem Bekannten, einem Kunden oder einer Bank – ausgeliehen habe, habe ich diese Banknoten nicht. Dann kann ich nur paradoxerweise sagen, dass ich dieses Geld habe.

Wenn ich mit Geld dagegen eine Grösse – wie etwa Länge oder Gewicht – bezeichne, kann ich nicht viel oder wenig davon haben, und eine Grösse kann ich auch nicht sparen, aufbewahren oder ausgeben. Ich kann beispielsweise Silber haben. Dann kann ich das Gewicht messen. Natürlich kann ich Silber aufbewahren oder weggeben, aber das Gewicht kann ich nicht weggeben. Das Silber hat einen bestimmten Wert, den ich auf dem Markt erfahren kann. Wenn ich sage, dass mein Silber 1 Kilogramm schwer ist, verwende ich Gewicht als Grösse. Wenn ich sage, dass mein Silber 1000.- Franken wert ist, verwende ich Geld als Grösse und Franken als Einheit. Ich kann den Wert aber ebensowenig wie das Gewicht aufbewahren oder weggeben, ich kann bestenfalls sagen, dass der Wert wie das Gewicht beim Silber bleibt, wenn ich das Silber weggebe.

Die begriffliche Konfusion entsteht durch die paradoxe Redeweise, dass ich oder sonst jemand Geld auf einer Bank habe. Kaum jemand (der nicht zu Mafiakonsorten gehört) meint damit, dass er Banknoten in einem Banktresor habe. Normalerweise ist ein Darlehensverhältnis gemeint, das – aus dubiosen Gründen – nicht so bezeichnet wird. Zum Darlehen gehört, von Zinsen und dergleichen abgesehen, dass wenn nicht dieselbe Sache derselbe Wert zurückgegeben wird. Der Wert aber wird in Geldform gemessen ganz unabhängig davon, worin das Darlehen besteht. Die Bank schuldet mir das Darlehen, nicht Geld. Wenn sie Silber hat und mir Silber genehm ist, kann sie mir Silber oder jede andere Ware mit demselben Wert zurückzahlen. Banknoten sind in Bezug auf die Rückzahlung der Schuld nur eine mögliche Form.

Wenn eine Bank mein Schuldner ist, weil ich einen Betrag im Sparbuch habe, habe ich kein Geld und kein Geld auf der Bank.

Zeigen, sagen, beobachten


Im Rinnstein der champs elysees liegt ein noch grüner Apfel.

Ich stehe auf dem Trottoir, das sie Boulevard nennen, und zeige auf den Apfel. Ich sehe ihn, ich zeige mit meinem Zeigefinger auf ihn, und ich zeichne ihn, damit ich ihn auch im Moment nicht Anwesenden zeigen kann. Andere sehen beispielsweise tote Fische im Rhein, auf die sie auch zeigen und die sie auch zeichnen könnten.

Ich sage, dass im Rinnstein der champs elysees ein grüner, noch nicht reifer Apfel liegt. Wer meine Sprache spricht, unreife Äpfel kennt und schon mal an der champs elysees war, kann sich ein Bild zu dem machen, was ich sage. Er kann verstehen, was ich sage. Natürlich weiss er, dass man den unreifen Apfel, den er sieht, weder zeichen nochzeigen kann. Ich kann jeden unreifen Apfel zeichnen, aber nicht den unreifen Apfel.

Ich beobachte also einen noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees und ich sage es. Ich beobachte dabei, dass ich beobachte und was ich beobachte. Warum sonst sollte ich es sagen? Ich beobachte, dass ich einen Apfel, also keine Birne, aber einen Vertreter der Gattung Kernobst beobachte. Es könnte ja auch etwas anderes im Rinnstein liegen, eine Birne oder reifer, eventuell bereits etwas angefaulter Apfel oder eint toter Fisch. Oder etwas, wofür mit gar kein Wort einfallen würde, obwohl ich es zeigen und zeichnen könnte. Ich beobachte, dass der Apfel nicht irgendwo, sondern im Rinnstein liegt. Aber nicht in irgendeinem Rinnstein, auch wenn die Stelle, wo der Apfel liegt, nur durch diesen und sonst in keiner Weise markiert ist. Ich beobachte mithin, wie beliebig oder – wie andere sagen würden, wie kontingent – meine Beobachtung ist und was ich dabei für Unterscheidungen verwende, die ich allen nicht verwenden müsste, wenn mich der Apfel im Rinnstein der champs elysees nicht interessieren würde.

Ohne all diese Unterscheidungen könnte ich den noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen, wenn er und ich gleichzeitig dort wären. Auf ihn zu zeigen oder ihn zu zeichnen, würde ich aber nur, wenn ich ihn von seiner Umwelt unterscheiden würde. Die meisten Menschen, die dann auch gerade auf dem Boulevard vorüberschlendern täten, würden den Apfel wohl nicht sehen, und so auch nicht dessen Umwelt, also all das, was nicht Apfel ist. Wenn sie dann – ich meine etwas später – meine Zeichnung im Louvre neben andern Kunstwerken wie der Monalisa sehen würden, würden sie wohl – aber nicht sicher – den noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen, wozu sie ihn nicht wieder erkennen müssten. Sie könnten aber sagen, dass sie EINEN noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen, oder nachdem das Bild so berühmt wie Monalisa geworden wär, dass sie DEN noch grünen Apfel im Rinnstein der champs elysees sehen. Und wenn sie dabei – statt kunstbeflissen das Bild – beobachten würden, dass und was sie beobachten, würden sie der Beliebigkeit ihrer Unterscheidungen gewahr, obwohl die Beliebigkeit ihrer Unterscheidungen durch die gezeigte Zeichnung aufgehoben wäre.

Fiktion, fiktiv


Als Fiktion bezeichne ich eine durch ein spezifisches Verfahren hergestellte Erscheinung. Ein Zauberer etwa bringt mich dazu, dieses Verfahren anzuwenden, damit ich sehen kann, wie ein Kaninchen im Hut verschwindet. In diesem Sinne ist die Fiktion eine Tat-Sache: ich muss etwas ganz bestimmtes tun (Tat), damit ich eine bestimmte Sache wahrnehmen kann. Umgekehrt ist jede Tat-Sache eine Fiktion, weil ich immer etwas ganz bestimmtes Tun muss, um Tatsachen zu erkennen. Quasietymologisch kommt Fiktion wie Faktum von facere (machen).

I. Newton sagte: „Hypotheses non fingo“
(Ich erfinde keine Hypothesen oder Ich bastle keine unsinnige Begründungen oder ich beobachte den Wertebereich meiner Hypothesen: Wenn ich etwas über die Temperaturabhängigkeit der Ausdehnung einer Quecksilbersäule sage, sage ich nichts (keine Hypothese) darüber aus, weshalb die Quecksilbersäule eine oder eine bestimmte Temperatur hat).
G. Bateson sagte: „Jede Aussage, die zwei deskriptive Aussagen miteinander verknüpft, ist eine Hypothese“ ( beides: H. von Foerster: Wissen und Gewissen:135). Die Fiktion ist dabei jenseits der beschriebenen Sache.

Im englischen Sprachraum wird bei Büchern Fiction (zb Romane) von Nonfiction (Sachbücher) unterschieden. Wenn ich einen Roman lese, frage ich mich nicht, ob das Gelesene wahr ist, bei einem Sachbuch dagegen schon. Die Fiktion zielt darauf, dass ich die Frage nach der Wahrheit nicht stelle.

Im deutschen Sprachraum wird der Fiktion oft eine Realität gegenübergestellt, was die Fiktion verdopppelt, so dass die reale Fiktion und die fiktive Realität getrennt beobachtet und verschieden bewertet werden können. Die reale Fiktion verliert dabei – wie als Roman – ihre Problematik, Fiktion zu sein. Die fiktive Realität aber wird zum Politikum von Erkenntnistheorien (und entsprechenden Soziologien). Ich werden darauf zurückkommen.

Vergl. Fiction: der Pilot im Simulator