Sprechen als Vertonung von Geschriebenem


Wir werden zu zeigen versuchen, dass es kein sprachliches Zeichen gibt, dass der Schrift vorher ginge. Derrida, Jacques: Grammatologie, S.29

Schreiben und Sprechen betrachte ich als funktionell verwandte Tätigkeiten. Schreiben betrachte ich als herstellende Tätigkeit. Beim Schreiben hinterlasse ich einen materiellen Gegenstand, den ich als Text bezeichne. Das Sprechen betrachte ich als eine „Vertonung von Text“. Ich befasse mich deshalb hier nur mit dem Schreiben, mit dem Herstellen von Text. Dabei geht es nicht darum, was einem jeweiligen Text steht, oder was man dort lesen könnte, sondern um den in Form von Schriftzeichen hergestellten Gegenstand und dessen Gegenstandsbedeutung.

Mir ist bewusst, dass ich das Wort Text und damit verbunden die Wörter schreiben, lesen und sprechen hier in dem engen Sinn der Kommunikationstheorie von C. Shannon verwende, worin Inhalte keine Rolle spielen, dass ich aber gleichwohl darüber schreibe, wie ich diese Wörter verwende, also Inhalte produziere. Ich werde später darauf zurückkommen, vorerst aber nur das Schreiben als Tätigkeit betrachten. L. Wittgenstein hat dazu in seinen Untersuchungen (PU156) vorgeschlagen, das Schreiben von noch unbeholfenen Menschen zu beobachten, die sich noch gar nicht um Inhalte kümmern können, weil sie das Schreiben erst lernen müssen. Ich schlage dagegen vor, das Produkt des Schreibens zu beobachten, gleichgültig was sein „geistiger“ Inhalt sei. Der herzustellende Gegenstand bestimmt wesentliche Aspekte der herstellenden Tätigkeit.

Texte haben als Artefakte eine Gegenstandsbedeutung, einen Zweck und einen Sinn. Als Gegenstände haben Texte keine Funktion, sie können verschiedene Funktionen erfüllen. Hier verwende ich Text zur Erläuterung, was ich mit Text bezeichne.

Ich beginne mit der Gegenstandsbedeutung. Die Gegenstandsbedeutung von Text liegt nicht in einer irgendwie gearteten inhaltlichen Bedeutung, die mittels Text übermittelt werden soll, sondern darin, wozu ich Text als solchen herstelle, unabhängig davon, was ich darin (be)schreibe. Ich schreibe, damit ich oder ein anderer lesen kann. Auf die Reflexion während des Schreibens, die H. von Kleist als allmähliche Verfertigung der Gedanken hervorgehoben hat, werde ich später eingehen. Im Commonsense wird lesen oft für „schriftlich niedergelegte Gedanken aufnehmen“ verwendet. Hier ist von etwas ganz anderem die Rede. Hier spielt keine Rolle, wozu ich lese, sondern nur was ich mache, wenn ich lese. Ich beobachte zunächst den einfachsten, unmittelbaren Fall, in welchem ich mein handgeschriebenen Notizen oder ein Buch lese. Die technologische Metapher, in welcher Geräte „lesen“ (abtasten), behandle ich später separat.

Als Lesen bezeichne ich das bewusste Wahrnehmen der doppelten Gegenstandsbedeutung von Text, wobei ich den materiell hergestellten Gegenstand, den ich Text nenne, als Symbol betrachte, der mein sinnliches Wahrnehmen steuert und – beispielsweise via Wörterbücher – auf anderen Text verweist.

Nicht der Text kommt beim Lesen in meine Augen, sondern das am Text gebrochene Licht kommt als Signal auf meine lichtsensible Retina. Ich kann jeden materiellen Gegenstand sehen, weil er Licht bricht. Im Dunklen kann ich ihn nicht sehen und wenn ich ins Licht schaue, kann ich die Quelle des Lichts nicht sehen. Ich kann natürlich eine leuchtende Glühbirne sehen, wenn sie mich nicht blendet, also wenn mich das Licht für dessen Quelle nicht blind macht.

Wenn ich Text vertone, produziere ich anstelle der Lichtwellen fürs Auge Schallwellen fürs Ohr. Wenn ich spreche, erzeuge ich die Schallwellen ohne Werkzeug mittels meiner Sprechorgane. Wenn ich die Vertonung mit einem Computer mache, verwende ich ein Werkzeug, das mit meinen Sprechorganen sehr wenig Ähnlichkeit hat, aber dieselbe Funktion erfüllt.

Ich kann alle hergestellten Gegenstände, die nicht durchsichtig sind (siehe F. Heider), sehen. Aber sehr viele der hergestellten Gegenstände mache ich nicht dazu, dass ich sie sehen kann. Einen Hammer stelle ich nicht dazu her, dass ich ihn anschauen kann. Das Fensterglas wird sogar so gemacht, dass ich es nicht sehen kann. Gegenstände, die eigens dazu gemacht werden, dass ich sie betrachte, bezeichne ich als Symbole, wobei nicht alle Symbole Texte sind. Ein Kunstmaler schreibt nicht.

Den Zweck des Verweisens können Texte nur erfüllen, wenn ich sie als hergestellte Gegenstände wahrnehmen kann. Schriftzeichen müssen dazu einige Bedingungen erfüllen. Sie dürfen sich hinreichend lange nicht wie gesprochene Worte verflüchtigen, müssen als aus entsprechend festem Material bestehen, das sich aber trotzdem leicht formen lässt. Wenn die Schriftzeichen auf ein Trägermaterial wie etwa Papier aufgetragen werden, dürfen sie nicht dieselbe Farbe wie das Papier haben.

Entscheidend dafür, was ich als Text bezeichne, ist aber eine hinreichende Vielfalt der Schriftzeichen, damit sie auf verschiedene Gegenstände verweisen können.

Das erste Symbol, das ich erkenne, ist kein Symbol, sondern erfüllt die Funktion eines Symbols. Ein hergestellter Hammer erinnert mich daran, dass ich beispielsweise Nüsse öffnen kann, auch wenn meilenweit keine Nuss zu sehen ist. Er verweist auf Nüsse, aber eben auch auf anderes mehr. Im Hammer steckt meine Antizipation von Gelegenheiten für dessen Verwendung. Wenn ich einen Hammer herstelle, weiss ich nicht nur, wozu ich ihn herstelle, sondern auch, dass ich ihn in bestimmten Situationen immer wieder verwenden werde. Darin erkenne ich ein Kriterium des Werkzeugherstellens. Wenn ich ad hoc ein Hilfsmittel herstelle, dass ich nach dem Gebrauch wegwerfe oder liegen lasse, wie das nicht nur manche Tiere tun, ist es kein Werkzeug, sondern allenfalls ein Keimform des Werkzeuges. Der Hammer soll nicht verweisen, sondern als Werkzeug dienen. Er verweist aber ungewollt auf vieles. Er fungiert als externes Gedächtnis, das in mir viele Vorstellungen wachruft. In diesem Sinne erfüllt er die Funktion eines Symbols ohne ein Symbol zu sein, so wie er auch die Funktion eines Briefbeschwerers erfüllen kann.

Mit der Erfahrung dieser Symbolfunktion kann ich auch Symbole herstellen, die ich für nichts anderes verwenden kann oder will. Ich kann beispielsweise eine Kerbe in ein Holz schlagen oder einen Knopf ins Taschentuch machen. Die Kerbe im Holz hat auch auch eine Keimform in einer absichtlich hergestellten Spur an einem Baum (Markierung) am Wegrand, die etwas ganz andres ist, als die Spur im Schnee, die ich nicht vermeiden kann, die aber in der Literatur oft als Anzeichen bezeichnet wird. J. Derrida meint sogar, er könne jede Symbolverwendung auf diese Spur im Schnee dekonstruieren.

Die Kerbe, die ich in ein Holz schlage, ist ein Symbol für mich, solange nur ich weiss, wofür sie steht. Im Unterschied zu einer eigentlichen Spur oder einem Hammer zeigt die Kerbe – auch mir – nicht, wofür sie steht. Ich weiss aber natürlich, dass ich mit einer identischen Kerbe – vom Homonym abgesehen – nicht auf etwas anderes verweisen kann, ohne den Sinn des Verweisens aufzuheben. Verschiedene Referenzobjekte verlangen verschiedene Symbole – auch wenn ich die Symbole nur für mich selbst verwende.

Fortsetzung folgt

Sprache – Sprechen – Schreiben


„Es ist üblich, aber gleichwohl historisierend naiv, Text als Vergegenständlichung einer nicht-gegenständlichen Sprache aufzufassen, und so zu tun, als ob „Sprache“ sehr viel mit Bewusstsein und Geist, aber nur ganz wenig mit konstruierten, materiellen Strukturen zu tun hätte.“ Todesco, R.: Was heisst Konstruktion.

Sprache, Sprechen und Schreiben stehen hier als exemplarisches Beispiel dafür, wie ich vor dem Definieren Begriffe phänographisch trenne, die ich Wortfamilien und Wortfeldern zurechne, die ich auf Tätigkeiten zurückführen kann. Begriffe, die ich pragmatisch für anfassbare Gegenstände verwende, betrachte ich nicht als von Tätigkeiten abgeleitet. Hier geht es um Begriffe, die ich als Substantivierungen von Verben erkenne, die ich in diesem Sinne für Verdinglichungen oder Hypostasierungen von Tätigkeiten verwende. Sprache erkenne ich zunächst als Ableitung von Sprechen.

Bevor ich mir also Gedanken über das mache, was ich als Sprache bezeichne, unterscheide ich Sprache von Sprechen. Da ich bei meiner Begriffsbildung herstellende Tätigkeiten als primäre Kategorie verwende, beobachte ich anstelle des Sprechens das Schreiben, weil ich beim Schreiben materielle Gegenstände, beispielsweise Buchstaben aus Graphit herstelle.

Schreiben gehört nicht zur Wortfamilie von sprechen, es ist ein anderes Wort. In vielen Fällen kann ich aber eine Funktion erfüllen, indem ich spreche oder schreibe. Aufgrund dieser funktionellen Äquivalenz, spreche ich von einem Wortfeld, in welchem sprechen und schreiben eine wesentliche Bedeutung teilen. Die beim Schreiben hergestellten Gegenstände helfen mir, diese Bedeutung als Gegenstandsbedeutung zu verstehen.

Als Sprechen bezeichne ich dann eine Vertonung von Schriftzeichen, wie ich sie etwa beim Vorlesen erkenne. Ich muss die Schriftzeichen beim Sprechen nicht vor meinen Augen haben. Ich kann sie mir vorstellen. Beim Sprechen weiss ich, dass ich das Gesagte auch geschrieben haben könnte. Beim Schreiben stelle ich die Symbole als materielle Gegenstände her. Beim Sprechen verweise ich in dieser Notation mit Lauten auf diese symbolischen Gegenstände, was ich als Vertonung bezeichne. Ich könnte natürlich auch die Laute selbst als Symbole auffassen. Aber dann wären die Symbole keine hergestellten Gegenstände.

Ich gehe davon aus, dass sich das Sprechen und das Schreiben als Tätigkeiten entwickelt haben, also nicht in der heutigen Form auf die Welt gekommen sind. Sprechen muss keineswegs in wohlgeformten Sätzen passieren und schreiben kann ich ohne eine Grammatik zu kennen. Von Sprechen und Schreiben spreche ich aber in einem phänographischen Sinn nur, wenn ich damit auf etwas verweisen, was nicht aktuell ist. Beides beruht auf einem Verwenden von Symbolen, was in diesem Fall das Wortfeld bezeichnet.

Als Kleinkind lernte ich das Sprechen vor dem Schreiben. Mit der etwas überdehnten biogenetischen Regel von E. Haeckel könnte ich daraus folgern, dass die Menschen zuerst gesprochen und erst später geschrieben haben. Feststellen lässt sich das natürlich nicht. Hier verfolge ich aber ohnehin eine Perspektive, in welcher ich die Entwicklung der Sprache logisch-genetisch rekonstruiere. Dabei kümmert mich nicht, was in den Augen von Historikern zuerst war. Logisch-genetisch entscheidend scheint mir, dass Schreiben schon einen Sinn hat, bevor gesprochen wird, insbesondere weil ich beim Schreiben im Sinne von Aufschreiben etwas für mich tun kann, also keine Vereinbarungen mit anderen Menschen voraussetzen muss.

Eine Art Keimform des gegenständlichen Symbols erkenne ich in einer Zeichnung. Zeichnungen kann ich als Darstellung oder als Zeichen sehen. Zeichnen ist eine Tätigkeit, bei welcher ich wie beim Schreiben materielle Gegenstände herstelle. Wenn die Zeichnung nur als Zeichen dienen muss, kann sie sehr einfach sein, was die Logogramme der chinesischen Schrift als vormalige Zeichnungen zeigen. Der wohl ursprüngliche Fall von eigentlichen Symbolen sind Markierungen wie Kerben oder Gravuren, beispielsweise ein Anzahl Striche, die für eine Anzahl von Gegenständen steht, die gerade nicht zuhanden sind. Kerben auf einem Pfeilbogen können unter anderem etwa auf eine Anzahl erlegter Opfer oder auf einen bestimmten Besitzer verweisen. Es sind Symbole, die ich als Hersteller quasi mit mir selbst vereinbare. Ich weiss, woran mich die Kerben oder eben auch bestimmte Zeichnungen erinnern sollen. Auch wenn kein anderer Mensch wissen oder erkennen kann, worauf ich verwiesen habe.
Der Zweck der Symbole verlangt, dass verschiedene Symbole auf verschiedene Referenzobjekte verweisen und dass ich entsprechend viele verschiedene Symbole herstellen und unterscheiden kann. Ich kann Symbole so kombinieren, dass weitere Symbole entstehen. Ich kann dabei – wie es etwa die Chinesen tun – elementare Symbole zusammensetzen. Ich kann Symbole aber auch aus „Zeichenkörper“ zusammensetzen, die für sich keine Symbole sind. Das Symbol „Tisch“ besteht aus einer Aufreihung von Buchstaben, die nichts bedeuten, ausser eben dass sie als Schriftzeichen verwendet werden. Das Symbol Tisch kann ich nicht auf eine davorliegenden Zeichnung zurückführen, wie das bei den chinesischen Logogrammen immer noch oft getan wird.

Ich kann Symbole herstellen, ohne etwas zu schreiben. Das mache ich inbesondere beim Zeichnen. Damit ich das Herstellen von Symbolen als Schreiben bezeichne, muss ich die Symbole als Teile eines Textes auffassen. Als Text bezeichne ich eine Anordnung von Symbolen, die unabhängig davon, wozu ich den Text verwende, einer Grammatik entspricht. Als Texte sind sich ein Computerprogramm und ein Liebesbrief in diesem abstrakten Sinn gleich. Die Grammatik definiert, welche Schriftzeichen wie angeordnet werden können und mithin, was ich schreiben kann.

Beim Schreiben verwende ich neben – oder innerhalb – einer jeweiligen Grammatik die Zeichen einer jeweils bestimmten Schriftart, die festlegt, wie die Schriftzeichen im Sinne von Glyphen aussehen, also wie sie gezeichnet werden müssen. Durch die Schriftart – die ich ohne weiteres nur mit mir selbst vereinbaren kann – erreiche ich, dass ich verschiedenen Symbole reproduzieren und später wieder lesen kann.

Beim Schreiben verwende ich neben – oder innerhalb – einer jeweiligen Grammatik eine jeweils bestimmte Sprache, die festlegt, welche Symbole für welche Symbole stehen. Natürlich kann ich eine beliebige Sprache verwenden. In der Sprache, die ich hier verwende – ich bezeichne sie als deutsche Sprache – gibt es das Symbol „Tisch“. Das Symbol „Tisch“ steht für verschiedene andere Symbole, beispielsweise für das Symbol „ein Möbel, an welches ich mich beispielsweise zum Essen setze“. Diese Vereinbarungen lege ich durch Wörterbücher fest, die ich als semantische Lexika bezeichne.

Ob solche Wörterbücher Teil der Grammatik sind, ist einen Frage der Vereinbarung des Symbols „Grammatik“. Auch wenn ich hier von einer deutschen Sprache spreche, ist klar, dass es dafür unendlich viele verschiedene Vereinbarungen gibt. Korrekterweise muss ich von meiner je eigenen deutschen Sprache sprechen. Wenn die Sprache als Kommunikationsmittel zwischen verschiedenen Menschen verwendet wird, werden viele Unterschiede von den Beteiligten assimiliert. Wo das nicht funktioniert, werden die Wörterbücher nachgeführt.

Die Vertonung der Symbole beim Sprechen muss natürlich auch vereinbart sein, damit das Sprechen seine wesentliche Funktionen erfüllen kann, die darin besteht, mit bestimmten Geräuschen oder Lautfolgen auf die entsprechenden hergestellten Symbole zu verweisen. Es gibt mittlerweile Automaten, die Text so vertonen, wie ich es beim Vorlesen tue. Am PC kann ich mir Texte vorlesen lassen und umgekehrt kann ich sprechend Texte herstellen, die ich mir in beliebige Sprachen übersetzen lassen kann.

Ich spreche, wenn mir schreiben zu umständlich ist. Ich nehme dabei, wenn ich das Gespräch nicht aufzeichne, die Flüchtigkeit in Kauf. Sprache jedenfalls werde ich auf Schreiben beziehen.

Fortsetzung: Sprechen als Vertonung von Geschriebenem

Herstellen als primäre Kategorie


In der meiner Phänographie der Tätigkeit beschreibe ich, wie ich Symbole herstelle. Um das zu beschreiben, verwende ich Symbole, die ich als materielle Gegenstände herstelle, die also eine Gegenstandsbedeutung haben und auf ein Referenzobjekt verweisen. Ich beobachte das, was ich beobachte, als herstellende Tätigkeit, durch die ich in diesem Fall ein kompliziertes Symbol, einen Text, hervorbringe, das aus einfachen Symbolen besteht.

In der Reflexion beobachte ich, dass ich das Herstellen beobachte. Ich könnte auch etwas anderes beobachten, etwa was die Symbole bedeuten, aber ich beginne mit dem Herstellen. Ich bezeichne das Herstellen als meine primäre Kategorie. Als Kategorie bezeichne ich das Herstellen, weil ich es von etwas anderem unterscheide. Vorerst, im Sinne der Phänographie unterscheide ich das Herstellen von allen anderen Sachen, die ich auch beobachten könnte. Indem ich hier Herstellen als Kategorie bezeichne, verwende ich den Ausdruck sowohl für die Einheit der Unterscheidung als auch für die eine Seite dieser Unterscheidung. Das bezeichne ich in einer invertierten Anlehnung an N. Luhmann als re-entry, weil ich die Bezeichnung auf einer anderen Ebene wiederhole und so noch einmal einbringe.

Das Bestimmen von Kategorien unterliegt dem gleichen Problem wie das Definieren von Begriffen, weil ich in beiden Fällen Unterscheidungen einführe, die eine übergeordnete Einheit implizieren. Im Falle der Definition spreche ich von Genus proximum und Differentia specifica, also von Oberbegriff und Kriterium. Ich definiere etwa, dass eine Maschine ein bestimmtes Werkzeug sei, nämlich eines, das mit einem Motor angetrieben werde, wobei ich Werkzeug als Oberbegriff einführe. Aber für das Werkzeug habe ich dann keinen Oberbegriff mehr. Ich komme nicht umhin, phänographisch zu umschreiben, wovon die Rede ist.

Die Reflexion der Phänographie impliziert selbst eine Phänographie, in welcher ich beschreibe, was ich nicht beobachte, wenn ich das Herstellen beobachte. Ich beziehe mich dabei auf vorfindbare Beobachtungen, die ich als Weltanschauungen bezeichne. Viele Beschreibungen beginnen – der Bibel folgend – mit einer Beobachtung der Natur, die oft – von der Bibel etwas abweichend – als Universum mit Gestirnen aus Atomem gesehen wird. Zu solcher Natur gehört, dass es auf bestimmten Gestirnen Lebewesen gibt, die ihre Bedürfnisse befriedigen (müssen). Dass einige dieser Lebewesen sprechen oder etwas herstellen, kommt in solchen Geschichten erst weit hinten vor und dass sie sprechen, erscheint oft als Mittel des Überlebens. Die Menschen tun auch in solchen Geschichten allerlei, aber was sie wie tun, ist reaktiv auf Naturverhältnisse, die jenseits von Menschen gegeben sind. Als primäre Kategorie dient dann die universielle Natur, die auch nicht von etwas anderem unterschieden werden kann.

In meiner Phänographie spielt die Natur keine Rolle. Die Menschen tun, was sie tun, nicht weil eine oder ihre Natur das von ihnen verlangt. Meine Geschichte beginnt damit, dass Menschen etwas tun. Natur erscheint in dieser Darstellung allenfalls als Erklärungsprinzip.

Schliesslich könnte ich mich selbst auch in einer Art Solipsismus aufheben, also davon ausgehen, dass hinter allen Beobachtungen nichts ist, dass die Welt insgesamt aus Beobachtungen besteht, von welchen unerheblich ist, wer sie gemacht hat, die aber das einzige sind, was empirisch relevant vorhanden ist. Die Atome der Natur sind ja auch einfach da. So, wie ich beobachten kann, welche Atome sich wie wozu verbinden, kann ich auch beobachten, welche Wörter wo in der Welt vorkommen. N. Luhmann beispielsweise beobachtet ausschliesslich Kommunikationen, so wie eigentliche Mathematiker sich nur mit formalen Gebilden befassen, die nicht hergestellt wurden.

Formale Beschreibungen brauchen keine Phänographie. Problematisch werden sie nur, wo sie als Beschreibungen von etwas missverstanden werden. Schach beispielsweise wird sehr selten als Beschreibung von etwas aufgefasst. Mathematisch gemeinte Aussagen dagegen werden sehr oft auf Gegenstände bezogen, die in der Mathematik nicht vorkommen. Man spricht dann oft von einer Anwendung. Der Gegenstand, der von solchen Anwendungen betroffen sein soll, muss aber jenseits von Mathematik beschrieben werden. In einem typischen Fall sind das physikalische Gegenstände, die durch die Wahl einer primären Kategorie wie etwa Natur bestimmt sind.

Wenn formale Philosophien wie jene von N. Luhmann nicht als Glasperlenspiel wie Schach gelesen werden, muss phänographisch geklärt werden, worauf sie bezogen werden, im Falle der luhmannschen Systemtheorie etwa, was Kommunikationen sein sollen. Ich führe diese Beispiele an, um zu zeigen, wie beliebig die Wahl der primären Kategorie ist. Die Beobachtung 2. Ordnung beobachtet die je gewählte Anschauung durch Explikation der verwendeten Kategorien.

Hier geht es um das Herstellen von Symbolen, das durch Formen von Material passiert. Das Formen von Material beobachte ich nicht als Erfindung. Die Fähigkeit Material zu formen, beobachte ich als den Menschen naturwüchsig zugefallen, sie tun es. Wie ich was forme, beruht dagegen auf einer kulturellen Entwicklung, die ich als Technik bezeichne. Wenn ich zeichne, forme ich Material. Ich gebe beispielsweise dem Graphit, das ich mit dem Bleistift auf ein Papier auftrage, eine von mir intendierte Form.

Reflexion der Phänographie


Den Ausdruck Reflexion verwende ich homonym auch für das Abprallen einer Welle an der Grenzfläche zwischen zwei Medien, etwa an einem Spiegel, in der Art, dass die Welle in jenem Medium zurückläuft, in welchem sie gekommen ist. Der Spiegel zeigt mir dadurch ein Bild von mir. Eine Fotografie, die mich zeigt, oder ein entsprechendes Gemälde erfüllt dieselbe Funktion als hergestellter Gegenstand ohne diese physikalisch gesehene Reflexion. In all diesen Fällen sehe ich nicht mich, sondern meinen Körper zu einer je bestimmten Zeit. Die Metapher, die nicht die Lichtwelle bezeichnet, reflektiert, dass ich mich selbst durch die Verwendung eines hergestellten Gegenstandes wie eines Spiegel oder eines Bildes wahrnehmen kann.

Wenn ich in einen Spiegel schaue, sehe ich normalerweise den Spiegel nicht. Ich sage, dass ich in den Spiegel schaue. Physiologisch nehme ich dabei das zurückgeworfene Licht wahr. Ich kann aber natürlich auch den Spiegel betrachten. Wenn ich ein Zeichnung von mir betrachte, sehe ich das Papier so wenig, wie ich einen Spiegel sehe. Ich sehe mich. Bei der Zeichnung sehe ich aber immer auch, dass gezeichnet wurde. Der Spiegel und das Papier sind hergestellte Gegenstände. Das Spiegelbild ist aber im Unterschied zur Zeichnung kein Gegenstand. Das Spiegelbild ist wie gesprochene Wörter flüchtig. Ich kann mich und andere auch sprechen hören. Aber die Reflexion ist dann auf eine auch flüchtige Erinnerung angewiesen. In der Zeichnung ist die Reflexion durch die Herstellung vermittelt.

In der hier gemeinten Reflexion beobachte ich auch nicht mich selbst, sondern das, was ich schreibend hergestellt habe. Ich lese dabei nicht meinen Text, den ich ja kenne, sondern beobachte die im Text verwendeten Unterscheidungen, deren jeweilige Einheit ich als Kategorie bezeichne. Mit Kategorie beschreibe ich die Anschauung (theorein), nicht das Angeschaute. Ein Auto beispielsweise ist rot oder hat die Farbe rot. Rot ist eine Eigenschaft des Autos. Dass ich die Farbe des Autos beobachte, beruht auf meiner Wahl der Kategorie. In diesem Fall könnte ich vergleichsweise auch zwischen einem Schwarzweiss- und einem Farbfilm wählen. Eigenschaftsdomäne und Kategorie werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Die Eigenschaftsdomäne bezeichnet den Wertebereich der Eigenschaft. Die Kategorie bezeichnet, dass in der Beobachtung beispielsweise Eigenschaften oder Domänen unterschieden werden.

Ein Text kann beschreiben, wie ich aussehe. Er zeigt dann dasselbe wie eine Zeichnung, auf welcher ich zu sehen bin, einfach auf eine andere Art. Die Zeichnung ist analog, der Text digital. Zeichnungen, die ich herstelle, sagen etwas über mich. Und Texte, die ich schreibe, sagen sehr viel über mich, vor allem auch, wenn sie gar nicht mich beschreiben. Sie implizieren die Kategorien, die ich verwende. Sie zeigen – auch mir – wie ich die Welt wahrnehme.

Das Beobachten von Kategorien bezeichne ich als Beobachten 2. Ordnung. Ich kann meinen Text beobachten, indem ich wieder einen Text herstelle, einen Text über den beobachteten Text, den ich im Prinzip wieder beobachten könnte. Hier will ich aber meine Reflexion der Phänographie beobachten.

Ich will dazu noch eine Anmerkung zu Wissenschaft und Philosophie machen. Von P. Feierabend gibt es den Spruch „anything goes“, der oft – etwas blödsinnig – für „die wissenschaftliche Methode gebe es nicht“ gelesen wird. Ich habe keine Ahnung, was P. Feierabend sagen wollte, aber Wissenschaft unterscheide ich von Philosophie dadurch, dass in der eigentlichen Wissenschaft gemessen wird. Was wie gemessen wird, mag im Sinne von anything goes gleichgültig sein, aber ich kenne kein Messen, das ohne hergestellte Gegenstände geht. Durch das Messgerät ist immer auch eine Methode gegeben.

Die Philosophen sprechen auch von Methoden, wo sie Rhetorik meinen, also bestimmte Weisen des Argumentierens, die sich in ihren Texten zeigen. Eigentliche Wissenschaften argumentieren nicht, aber viele Wissenschaftler argumentieren. Ihre wesentlichste Argumentation – gegen die wohl anything goes gerichtet ist – betrifft die pragmatische Wahl der Messoperationen. Dabei wird immer eine Weltanschauung impliziert, jenseits derer kein Messen einen Sinn hätte.

Den Ausdruck Phänographie hat K. Holzkamp als Wissenschaftler in einer ablehnenden Anlehnung an E. Husserls philosophische Phänomenologie eingeführt. E. Husserl hat die Beobachtung der Sprache, die er als Begriffsexplikation bezeichnete, als Mittel jeder Erkenntnis gesehen und hat damit die Philosoph zwar kritisiert, aber nicht hinter sich gelassen, weil er immer noch einer Erkenntnislehre verhaftet blieb. K. Holzkamp hat erkannt, dass auch jede Wissenschaft Sprache voraussetzt, also ihren Gegenstand nur mittels Sprache bestimmen kann. Seine Wahrnehmungslehre hat er aber nicht durch seine Sprache begründet, sondern durch eine naturgeschichtliche Lehre, in welcher Sprache gerade keine Rolle spielt, obwohl sie erzählt wird. Für beide ist Sprache ein unverstandenes Phänomen geblieben. Ich schreibe hier vom Schreiben, nicht von Sprache, ich werde dafür aber explizit sagen, was ich als Sprache bezeichne. Ich unterscheide Sprache und Sprachen als zwei ganz verschiedene Sachen, sprechen kann ich nur eine Sprache, nicht die Sprache oder Sprache überhaupt.

Zur Phänographie der Tätigkeit


Als Phänographie bezeichne ich definitorische Bestimmungen, in welchen nicht die Sache selbst zur Kenntnis gebracht wird, sondern mit welchen als bekannt vorausgesetzten Wörtern die Sache schliesslich behandelt werden soll. Sie dienen in einem noch nicht begrifflichen Sinn der Verdeutlichung, worum es überhaupt gehen soll, und was später durch schärfere Abgrenzungen, Ordnungen und Klassifikationen genauer bestimmt werden soll. Phänographische Auseinanderlegungen gehören zu den definitorischen Bemühungen in einem weiteren Sinn, es geht also nicht, wie in eigentlichen Definitionen, um möglichst präzise Bestimmungen des genus proximum und der differentia specifica zu Klassifikationszwecken, sondern zunächst nur um Heraushebungen relevanter Züge dessen, wovon die Rede sein soll, wobei sich aber erste Abgrenzungen zwangsläufig mitergeben. Das phänographische Verfahren hat nichts zu tun mit der Phänomenologie von E. Husserl, in welcher durch schrittweises Absehen von den alltäglichen Gegebenheiten philosophische Ursprungsaussagen möglich sein sollen. Die Phänographie dient nur der deskriptiven Verdeutlichung der je verwendeten Sprache.

In der folgenden phänographischen Kennzeichnung der menschlichen Tätigkeit stelle ich das alltägliche Vorwissen einer geringfügig expliziteren Form seiner selbst gegenüber. Bestimmte Züge dessen, was jeder eigentlich ohnehin über seine Tätigkeit weiss, soll damit durch umgangssprachliche Umschreibung besser besprechbar werden.

Handlung und Tätigkeit – Deutungszusammenhang

Als Tätigkeit bezeichne ich ein jeweils bestimmtes Tun jenseits von konkreten Handlungen. Das Ausüben einer Tätigkeit mit einem Ziel bezeichne ich als Handlung. Schreiben ist die Tätigkeit, einen Brief schreiben, ist eine Handlung. Ich schreibe eigentlich nie, ich schreibe immer etwas. In der Volksschule lerne ich schreiben quasi unabhängig davon, wozu ich es brauchen kann. Dabei geht es um die Tätigkeit, aber in einem sehr spezifischen Sinn, den ich als üben oder lernen bezeichne. Der Sinn liegt dabei nicht im Aufgeschriebenen. In höheren Schulen lerne ich dann, wie man einen Brief schreibt. Dabei wird vorausgesetzt, dass ich schreiben kann. Der Sinn liegt dann in der rhetorischen Anordnung des Aufgeschriebenen.

Ich nehme wahr, dass jemand schreibt, weil ich sein Verhalten als schreiben deute. Das kann ich nur, wenn ich weiss, was schreiben ist. Ich muss Schrift erkennen und wissen, wozu man etwas schreibt. Dieses Wissen bezeichne ich als Deutungszusammenhang. Wenn ich das Handeln des Schreibenden nicht als Handlung deute, kann ich Operationen erkennen, durch welche beispielsweise Tinte auf einem Papier so verteilt wird, dass bestimmte Figuren entstehen. Auch in diesem Fall kann ich erkennen, dass der Schreibende etwas tut, auch wenn ich nicht erkennen kann, welches Ziel er damit verfolgt.

Herstellende Tätigkeit

Ich unterscheide Tätigkeiten mit einem unmittelbareren von solchen mit einem mittelbaren Sinn. Ich esse und trinke. Ich kann sammeln und jagen. Das machen viele Tiere auch. Sie machen es mir in dem Sinne vor, dass sie damit – wie ich – ihren leiblichen Stoffwechsel organisieren. Die Teile dieser Tätigkeiten, die ich nicht selbst ausführen muss, bezeichne ich als Arbeit, die anderen als Konsumption. Zur Konsumption rechne ich auch Tätigkeiten wie Schwimmen, Wandern oder Lesen, die sich selbst genügen.

Tätigkeiten mit einem mittelbaren Sinn beziehen sich auf anschliessende Tätigkeiten, ohne die sie keinen Sinn hätten. Das Anbauen von Korn wäre sinnlos, wenn das Korn nicht konsumiert würde. Zu den mittelbaren Tätigkeiten gehören insbesondere auch die herstellenden Tätigkeiten. Als herstellende Tätigkeit bezeichne ich Tätigkeiten, bei welchen ein materieller Gegenstand hergestellt wird. Es geht dabei also nicht darum, gedankliche Beziehungen oder mentale Pläne im umgangssprachlichen Sinn herzustellen, sondern darum, Material zu formen, wodurch ein Artefakt entsteht.

Exemplarisch für mittelbare Tätigkeiten ist das Herstellen von Werkzeugen, die immer als Mittel verwendet werden. Jedes Herstellen entwickelt sich zu einem Herstellen mittels Werkzeugen. Bei hergestellten Gegenständen unterscheide ich Arbeits- und Konsumtionsmittel. Mit einem Messer kann ich arbeiten, mit einer Brücke oder einem Haus nicht. Arbeitsmittel bezeichne ich als Werkzeuge. In der Produktion verwende ich Produktionsmittel, wozu ich auch Konsumptionsmittel rechne, die nicht unmittelbar konsumiert werden.

Jedes Mittel steht für etwas anderes. Eine Brücke stelle ich her, weil ich auf die andere Seite will, ein Messer, weil ich etwas schneiden will. Eigentliche Werkzeuge sind in diesem Sinne aber Mittel, die für andere Mittel stehen. Und soweit sie Gegenstände sind, sind sie Gegenstände, die für etwas stehen. Dass ein Gegenstand für etwas steht, liegt in dessen Gegenstandsbedeutung, die ich dem Gegenstand gebe, wenn ich ihn herstelle. Wenn ich etwas herstelle, weiss ich, wozu ich es tue. Wenn ich bei einer Ausgrabung ein Artefakt finde, kann ich vielleicht nicht erkenne, wozu es ist, ich muss es deuten, aber ich stelle keine Artefakte her, sondern Gegenstände mit einer Bedeutung.

Ich kann einen Hammer zum Schmieden einer Sichel verwenden. Ich kann einen Hammer auch als Briefbeschwerer verwenden. Dann erfüllt der Hammer eine Funktion, die nichts mit seinem Zweck zu tun hat. In beiden Fällen dient er mir als Mittel. In einem gewissen Sinn verweist der Hammer durch seinen Zweck auf eine Sichel. Wenn ich einen Hammer sehe, sehr ich, was ich mit dem Hammer machen kann, wozu er hergestellt wurde, was seine Bedeutung ist. Warum oder wie ich das erkennen kann, weiss ich nicht, das ist Teil meiner Natur.

Dass Gegenstände, insbesondere Werkzeug, auf etwas verweisen, macht sie nicht zu Symbolen. Sie werden nicht dazu hergestellt, auf etwas zu verweisen. Ich kann die Bedeutung eines Werkzeuges aber nicht erkennen, ohne zu erkennen, worauf es verweist. Ein Werkzeug fungiert in diesem Sinn auch als externes Gedächtnis. Es erinnert mich immer auch an die Tätigkeiten, für die ich es verwenden kann.

Wenn ich ein Werkzeug herstelle, weiss ich auch, dass es als Gedächtnis fungiert, dass ich dessen Bedeutung jederzeit wiedererkennen kann. Es gibt viele Mensch-Tier-Vergleiche, in welchen problematisiert wird, dass Tiere, die gegenständliche Mittel herstellen, diese nur ad hoc benutzen, so wie ich etwa in einer gegebenen Situation einen Stein oder einen Stock benutze, ohne ihn dann aufzubewahren. Hier spielt aber keine Rolle, was Tiere machen oder können und was nicht. Hier geht es darum, dass ich erkenne, dass ich hergestellte Bedeutungen wiedererkennen und dass ich künftige Gebrauchssituationen antizipieren kann.

Ich kann insbesondere auch Gegenstände herstellen, die keinen anderen Zweck haben, als als Verweise zu dienen. Solche Gegenstände bezeichne ich als Symbol.

Zeichnung und Zeichen

Warum ein Hammer wie ein Hammer aussieht, rechne ich der Natur zu. Natürlich kann man in der Entdeckung des Hebels und im Stil des Hammers Erfindungen sehen. E. Kapp begründete seine, und damit die Technikphilosophie insgesamt mit einer skurilen Organprojektion, in welcher der Hammer (er spricht von der Axt) die Form des menschlichen Armes hat. Im Film Space Odyssey zeigt S. Kubrik einen Oberschenkelknochen mit dem Kopf an einem Ende als ersten Hammer, der von einem Noch-Tier verwendet wird.

Als Hammer bezeichne ich ein Werkzeug, bei welchem zwei Teile so verbunden sind, dass das eine als Stiel und das andere als Kopf, mit welchen aufgeschlagen wird, dient. Die Verbindung zwischen Kopf und Stiel ist dabei das technische Problem, das gelöst werden muss. Es gibt sehr viele Varianten, einige sind aktuell rezent, das heisst noch in Gebrauch, andere haben sich nicht sehr bewährt. Bei Menschen, die in technisch unentwickelten Gebieten leben, gibt es noch sehr einfache Verbindungen zwischen den Stiel und Kopf. Aber die eigentliche Form des Hammers liegt auf der Hand. Sie als Erfindung zu bezeichnen, ist Teil einer erfundenen Geschichte, die hier keine Rolle spielt. Im Kontext dieser Phänographie ist sinnenklar, was ein Hammer ist und wie ein Hammer aussieht – auch wenn kein Mensch weiss, wie der erste Hammer gemacht wurde und warum der Gegenstand Hammer heisst.

Ich kann einen Hammer herstellen oder einen Hammer zeichnen – wenn ich es kann. Beides ist Gattungsvermögen, unabhängig davon, ob ich gerade diese Fähigkeiten nicht oder nicht sehr entwickelt habe. In beiden Fällen stelle ich einen Gegenstand her, indem ich Material forme. Die Formen sind in gewisser Hinsicht analog. Der gezeichnete Hammer sieht in dieser Hinsicht wie der hergestellte Hammer aus. Die Zeichnung des Hammers verweist durch die analoge Form auf den Hammer. Ein Hammer, der wie ein anderer Hammer aussieht, ist in diesem Sinne kein Verweis, sonder ein Hammer. Die Zeichnung dagegen kann ich nicht nur nicht als Hammer verwenden, ich erkenne auch, dass sie kein Hammer ist, also für etwas anderes hergestellt wurde. Ceci n‘ est pas un marteau.

So wie ich den Zweck des Hammers erkenne, erkenne ich auch den Zweck der Zeichnung. Sie verweist auf den Hammer. Und so, wie ich den Hammer jenseits seines Zweckes, beispielsweise als Briefbeschwerer verwenden kann, kann ich auch die Zeichnung jenseits ihres Zweckes deuten. Ich kann sie beispielsweise als Kunstwerk betrachten und ihr so eine Funktion zuschreiben, die mit dem Zweck des Abbildens nichts zu tun hat.

Wenn ich eine Zeichung als Mittel zum Verweis herstelle, stelle ich ein Symbol her. Das Symbol ist ein Mittel zum Verweisen. Es steht für etwas anderes, und ich kann erkennen, wofür es steht, wofür es hergestellt wurde, was seine Bedeutung ist. Dass ich eine Zeichnung als Verweis betrachte, betrachte ich als naturgegeben. Ich erkenne durch Rauch ein für mich nicht sichtbares Feuer, durch Spuren im Schnee meinen Vorgänger und durch dunkle Wolken, dass es regnen wird. Natürlich kann ich mich im Einzelfall irren, hier geht es aber darum, dass ich die Zusammenhänge erkenn, und allenfalls auf Erfahrungen zurückführe, wenn ich eine vermeintliche Erklärung dafür will.

Eine Wolke ist kein Symbol, weil sie nicht hergestellt wird, ich bezeichne sie als Anzeichen und sage durch die Vorsilbe, dass sie kein eigentliches Zeichen ist. Spuren und Rauchzeichen können absichtlich produziert werden, darauf werde ich später zurückkommen.

Die Zeichnung bezeichne ich als ikonisches Symbol, weil ich förmlich sehe, wofür sie steht, auch wenn ich nicht weiss, was mir mit der Zeichnung mitgeteilt werden soll. Dass Zeichnungen als Kommunikationsmittel dienen können, ist zunächst sekundär. Ich kann gut für mich zeichnen, und weil ich kein Künstler bin, tue ich es gelegentlich sogar. Die Zeichnung ist nur eine – sehr anschauliche – Form des gegenständlichen Verweisens. Ich kann die Zeichnung auf ein Zeichen reduzieren, das nicht mehr zeigt, worauf es verweist, sondern nur noch zeigt, dass es verweist. Eigentliche Symbole sind vereinbart. Worauf die Buchstabenkette „Tisch“ verweist, muss ich lernen. Ich muss die Vereinbarung kennen.

Ich stelle Symbole für mich als externe Gedächtnisse her. Wenn ich beispielsweise einen Einkaufszettel schreibe, muss nur ich wissen, welche Zeichen wofür stehen, aber ich muss es im Lebensmittelgeschäft immer noch wissen. Wenn ich ein X für Nudeln verwende, erinnert mich das X beim Einkaufen daran, dass ich Nudeln kaufen will, aber wofür, dass das X steht, mache ich in hinreichend einfachen Fällen keinen weiteren Zettel. Ich weiss aber, dass es Wörterbücher gibt, die als Zettel für Zettel fungieren.

Der wohl typische oder ursprüngliche Fall von Symbolen sind Markierungen wie Kerben oder Gravuren, beispielsweise ein Anzahl Striche, die für eine Anzahl von Gegenständen steht. Kerben auf einem Pfeilbogen können unter anderem etwa auf eine Anzahl erlegter Opfer oder auf einen bestimmten Besitzer verweisen. Es sind Symbole, die der Hersteller quasi mit sich selbst vereinbart.

Der Zweck der Symbole verlangt, dass verschiedene Symbole auf verschiedene Referenzobjekte verweisen und dass ich entsprechend viele verschiedene Sybole herstellen und unterscheiden kann. Ich kann Symbole so kombinieren, dass weitere Symbole entstehen. Ich kann dabei – wie es etwa die Chinesen tun – elementare Symbole zusammensetzen. Ich kann Symbole aber auch aus „Zeichenkörper“ zusammensetzen, die für sich keine Symbole sind. Das Symbol „Tisch“ besteht aus einer Aufreihung von Buchstaben. Bestimmte Symbolfolgen bezeichne ich als Texte, die Symbole, die ich in Texten verwende, bezeichne ich als Schriftzeichen, sie sind Elemente von Schriften. Das, was ich als Schrift überhaupt bezeichne, ist – wie Sprache – keine Erfindung sondern ein Deutungszusammenhang, durch den ich das Schreiben als solches, also als Textherstellung erkenne. Schrift ist typografieabstrakt generalisiert, sie differenziert die Schriftzeichen ohne deren konkrete Form (Glyphe) festzulegen, was für Handschriften zwingend ist und die Typografie, die sich mit der Form von konkreten Schriftzeichen befasst, möglich macht.

Fortsetzung: Reflexion der Phänographie

Das nicht so dunkle Mittelalter


Ich erzähle Dir diese Geschichte nur ganz grob. Die Griechenrömer von Aristoteles bis Cäsar waren ganz verruchte Verbrecher, die ihre sogenannte Kultur, an welcher ganz wenige Menschen teilhatten, auf Sklavenhaltung begründeten. Mir ist schleierhaft, wie man von solchen Sklavenhaltern mit auch nur der geringsten Achtung sprechen kann. Die Sklaven wehrten sich natürlich und wurden anfänglich wie Jesus ans Kreuz geschlagen. Mit der Zeit jedoch konnte die herrschende Clique den Sklaven nichts mehr entgegenhalten, ihr Einfluss zerbrach. Die Sklaven machten sich selbständig, sie wurden zu Menschen.

Du siehst, die griechisch-römische Zivilisation ist tiefste Nacht und ihr Untergang im sogenannten Mittelalter ist unsere Morgenröte. Der technisch-kulturelle Standard, den die Römer mit Sklavenblut entwickelt haben, zerfiel in den Aufständen. Das haben die ehemaligen Sklaven in Kauf genommen, sie wollten lieber Menschen sein als sicher versorgte Haustiere. Das, was wir Christentum nennen, ist unsere Befreiung aus der Sklavenzivilisation der eigentlichen Barbaren, die uns Barbaren nannten. Mit einem einzelnen Christus, wie er in der Legende lebt, hat das nichts zu tun, auch wenn die Prinzipien, die Jesus zugeschrieben werden, in dieser Phase der Menschwerdung absolut wichtig waren. Die christliche Moral stammt nicht aus den Wüsten Judäas, sondern aus dem Befreiungskampf in Rom.

Jedenfalls begann im zerfallenden römischen Reich eine dezentrale Kultivierung des Landes, das sich die ehemaligen Sklaven genommen hatten. Da die kulturellen Leistungen der Griechen und Römer sehr selektiv auf kriegerische Unterdrückung und Luxusgüter bezogen waren, hatten die Sklaven praktisch keine brauchbaren Werkzeuge geerbt, sie mussten sie selbst entwickeln. Da mit dem Staatsterrorismus auch die Infrastruktur zerfiel, mussten überdies alle Erfindungen mehrfach gemacht werden, weil zunächst niemand mehr für deren Verbreitung sorgte.

Als die Römer noch richtig am Drücker waren, kreuzigten sie alle, die gegen ihre Herrschaft aufbegehrten. Erst viel später in der katholischen Theologie wurde die römische Unterdrückung mit dem Löwenzirkus ausgeschmückt zur Christenverfolgung umfunktioniert. Den Römern war völlig gleichgültig, was ihre Sklaven glaubten, solange sie nicht aufbegehrten. Aber die Sklaven begehrten auf. Revolutionen – und die ›christliche‹ in Rom war unsere wichtigste und weittragenste Revolution – Revolutionen haben immer auch eine geistige, ideologische Ebene. Im sterbenden Rom wurde eben das Christentum geschaffen.

Die Sklaven, die nun keine mehr waren, arbeiteten und beteten. Natürlich hatten diese Christen noch viele Götter und noch fast keine Priester, da sie sich am Anfang sicher nur die ersteren leisten konnten. Aber schon nach kurzer Zeit wurden einige Sekten ziemlich dominant, der erfolgreichste Sektengründer hiess Benedikt von Nursia, er schrieb keine hundert Jahre nach dem Zerfall von Rom seine Klosterregeln, mit denen er ein Imperium gründete, von welchem die Römer nicht einmal zu träumen wagten. Du weisst, wie mächtig die Kirche selbst noch heute ist. Mit seinem Gebot ‹Bete und arbeite‹ regelte der Benediktiner die Arbeitszeit, indem er vorschrieb, wann gebetet werden musste. Die Klöster wurden zu Knotenpunkten der neu aufgebauten Infrastruktur. Weil die römischen Stadthalter ihre Festungen an den gut ausgebauten römischen Strassen am längsten verteidigten, gerieten die Klöster geographisch alle etwas ins Abseits, was ihrer Verbreitung aber keinen Abbruch tat. Später zerfielen das ganze römische Strassennetz und auch alle Bewässerungsanlagen, weil sich das christliche Leben an anderen Orten angesiedelt hatte, so dass die Strassen nichts mit nichts statt Klöster verbunden hatten.

Benedikt und seine Komplizen, die sich die geistige Verbundenheit der neuen Menschen zunutze machten, führten zunächst im Kloster wieder differenzierte Hierarchien und Arbeitsteilung ein. Bald hielten sich die Pfaffen Knechte, bald nahmen sie das Land in Besitz. Das Gerangel um die Macht und Grundbesitz fing von neuem an. Natürlich liessen sich auch nie alle römischen Stadthalter verdrängen. Sie konvertierten und gründeten in städtischen Zentren Kirchen, um die Klöster mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Bald wurde auch in den vormals römischen Städten gebetet, Bischöfe und Päpste wurden kreiert.

Die Klöster wehrten sich mit Lehensgütern, die sie jenen gewährten, die ihnen dafür kriegerischen Schutz der Hoheitsrechte gewährten. Rasch mauserten sich kleine Verbrecher zu Rittern mit Macht, die sich abwechslungsweise von Kirchen und Klöstern in adelige Ränge hochheben liessen. Häufig waren auch die Klosterherren selbst Ritter und Adelige, weil sie sich gegenseitig in die Stände hoben.

Das Mittelalter war keineswegs eine dunkle Zeit, vielmehr wird heute verdunkelt, wo alle Reichtümer der Kirche und des Adels herkommen. Natürlich gab es auch immer Christen, die sich gegen die Kirche mit ihren vollgefressenen Pfaffen wehrten. Eine berühmte unter vielen erfolglosen christlichen Gegenbewegungen, die Armut predigten, waren die Franziskaner. Franz, der Gründer dieser Bewegung, wusste aus eigener Erfahrung, dass Reichtum das grösste Laster ist. Er erfand den langhaarigen, besitzlosen Christus, der viel später auch Vorbild der Hippiebewegten wurde.

Die Benediktiner waren ausgeprägte Politiker, sie monopolisierten Christus, indem sie sehr gelehrte Gespräche darüber führten, was Jesus von Besitz gehalten haben musste. Vordergründige Schwätzer und Populisten, die sich von den wirklichen Christen aushalten liessen. Selbstverständlich gelang ihnen dies nicht, weil die Christen je auf ihr Geschwätz hereingefallen wären, sondern ausschliesslich durch brutale ökonomische Unterdrückung.

Die Frage ist, wie wir die Benediktiner wenigstens teilweise losgeworden sind. Was die Benediktiner wirklich erledigte, war die bürgerliche Produktion in Manufakturen, die die Benediktiner in ihrem Wachstums- und Grössenwahn selbst begründeten. Mit dem zünftigen Handwerk konnten die Klöster mithalten, weil sie selbst viel handwerkliches Wissen monopolisiert hatten. Sie gaben dieses Handwerkswissen wie Lehen an bestimmte Handwerker in den Städten ab, die versprechen mussten, das Wissen weiter im Monopol zu halten. Die Handwerker gründeten dazu Zünfte, die durch die Mächtigen und mithin von den Klöstern zunächst geschützt wurden und deshalb rasch zur Blüte kamen. Durch das Manufakturwesen wurden die Zunftherren aber rasch so reich, dass sie ihre Unterordnung unter die herrschende Kirche abschütteln konnten. Dabei verrieten die Bürger grosses Geschick, indem sie Reformatoren anstellten und so ebenso christlich blieben wie die alteingesessenen Ausbeuter. Es gab einige sogenannte Religionskriege, die mit Religion so viel zu tun hatten wie mit Bierwurst, und in der Folge einige kleinbürgerliche Revolutionen, die dann das Mittelalter restlos verabschiedeten.

Natürlich wechselten dabei die Zentren der Infrastruktur von neuem. So wie die Klöster zuvor abseits der römischen Zentren entstanden, entwickelte sich das Bürgertum abseits der kirchlichen Machtzentren. In der Schweiz sticht das noch heute in die Augen. Einstmals wichtige Kirchenstädte wie Chur, St. Gallen, Freiburg und so weiter sind völlig bedeutungslos geworden, reformierte Orte, vorab Zürich und Genf, sind als Kapitaltauschplätze aus dem Nichts heraus quasi über Nacht gross geworden, weil die Reformatoren unter dem Diktat der Zunftbürger Zins nehmen aus dem Sündenreigen verbannten. Unter der katholischen Kirche war Zins nehmen nur den Juden erlaubt, die davon zwar gut lebten, aber als kleine und kontrollierte Minderheit nie richtig mächtig werden konnten. Reformation heisst vor allem Reformation des Zinswesens, die Reformation war der Geburtstag der Banken.

Das Mittelalter ist die Zeit des Werkzeuges. Das Ende des Mittelalters ist die Erfindung der Maschine.
Das Mittelalter ist die Zeit der Münzen. Das Ende des Mittelalters ist die Erfindung des Geldes.
Das Mittelalter ist die Zeit der Vasallen (Lehnswesen). Das Ende des Mittelalters ist die Erfindung des Nation.

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Am Anfang war die – herstellende – Tat …


Die folgende Reflexion geht davon aus, dass es den Anfang nicht gibt, dass jeder Anfang hergestellt wird und jedes Herstellen seinen Anfang hat. Das Herstellen selbst hat keinen Anfang, es ist Teil der Arbeit, die ein naturwüchsiger Kreislauf ohne Anfang ist. Ein natürliches Leben würde ich ohne jedes Herstellen führen. Jedes Tier macht es mir vor. Ich muss auch im unnatürlichen Leben, in welchem ich nur aneigne, was andere hergestellt haben, nichts herstellen. Aber manche Dinge sind hergestellt.

Jedes Herstellen beobachte ich als Formen von Material. Bevor etwas geformt wird, gibt es kein Material. Zu Material wird etwas, indem ich es beim Herstellen verwende. Was hergestellt wurde, bezeichne ich als Artefakt. Jedes Artefakt besteht aus Material und hat eine spezifische Form, die es durch die Herstellung bekommen hat.

Wenn ich schreibe – was ich hier aktuell mache -, stelle ich Text her. Text ist, was immer Text sonst auch noch ist, ein hergestellter Gegenstand. Wenn ich schreibe, forme ich Material. Ich forme beispielsweise mit einem Bleistift Graphit auf einem Papier. Wenn ich schreibe, stelle ich Exemplare von Schriftzeichen her, die ich exemplarisch anordne. Ich stelle unter anderem Buchstaben her, die ich zu Wörtern und Sätzen anordne. Exemplare sind keine Kopien, aber ihre Form geht dem jeweiligen Herstellen voraus. Ich kenne die Form der Buchstaben, die ich herstelle und ich kenne die Wörter, die ich durch die Anordnung der Buchstaben herstelle.

Die Buchstaben haben eine Gegenstandsbedeutung, die ich als Zweck des jeweils geschriebenen Zeichens bezeichne. Der Zweck der Buchstaben besteht darin, das Licht im Auge des Lesers zu strukturieren. Ich verwende Buchstaben als Bausteine zur Herstellung von Symbolen, die aus Buchstabengruppen bestehen, die ich als Wörter bezeichne. Die Anordnung von Buchstaben und von Wörtern in einem Text unterliegt einer Grammatik, ich kann sie nicht beliebig anordnen, wenn ich Text herstelle. Als Anordnung von Buchstaben ist auch Text ein Exemplar, aber viele Texte repräsentieren ein Original, das gerade kein Exemplar ist, auch wenn viele Kopien davon hergestellt werden. Exemplare sind untereinander gleich, Originale sind verschieden. Texte unterscheiden sich durch der Anordnung von Wörtern, die aus derselben Menge stammen. Die Wortfolgen, die in einem Text vorkommen können, sind durch die Syntax der jeweiligen Sprache beschränkt.

Beim Schreiben stelle ich Artefakte her. Form und Material sind durch den Zweck des Gegenstandes beschränkt. Ein Rad muss rund sein, eine Brücke muss Spanweite haben und sich tragen. Buchstaben eines Textes müssen sichtbar sein und in einem Grössenverhältnis zueinander stehen. Texte bestehen aus dreidimensionalen Gegenständen, die in einer Ebene angeordnet sind.

Beim Schreiben stelle ich Artefakte her, die für etwas anderes stehen. Das, worauf ich mit Schriftzeichen verweise, bezeichne ich als Referenzobjekte. Wenn ich jemandem erläutern will, wie ich beispielsweise das Wort Tisch verwende, zeige ich ihm praktisch nie einen Tisch und ganz sicher gar nie eine mentale Repräsentation eines Tisches, ich erläutere das Wort, indem ich andere Worte dafür sage. Jedes bezeichnende Wort verwende ich in diesem Sinn als Er-Satz für einen Satz.

Die Wörter bilden ein Netzwerk, weil die Wörter in verschiedenen Sätzen immer wieder vorkommen. Meine jeweiligen Wortverwendungen sind viabel, solange das Netzwerk für mich kohärent ist, also solange ich ein Wort immer durch den gleichen Er-Satz ersetzen kann. Meine je eigenen Wortersetzungen kann ich in einem Wörterbuch (Hyperlexikon) nachführen.

Ich kann die Wörter als Spielfiguren in einem Sprachspiel auffassen. Meine Texte unterliegen dann Spielregeln und mithin kybernetische Beschränkungen, die festlegen, wie ich je bestimmte Wörter – ohne mir zu widersprechen – verwenden kann. Die Spielregeln bestimmen nicht, wie ich die Wörter anordne, sie schliessen nur bestimmte Anordnungen aus. Wenn ich in einem Satz schon ein paar Wörter geschrieben habe, kommen nur noch bestimmte Wörter als Fortsetzung in Frage.

Die Spielregeln bezeichne ich als Grammatik. Grammatik wird oft präskriptiv verstanden, ich verstehe sie deskriptiv. Als Kind habe ich, ohne eine Grammatik zu kennen, sprechen gelernt. Ich nehme an, dass die ersten Menschen, die gesprochen haben, auch keine Grammatik kannten. Weil ich das Sprechenkönnen der Natur zurechne, nehme ich an, dass das, was ich durch die Grammatik beschreibe, im natürlichen Körper enthalten ist. Der Körper „weiss“ in diesem Sinne ja auch, dass er atmen oder die Augen öffnen muss.

Als Kind habe ich sprechen gelernt, bevor ich schreiben konnte. Ich erkenne darin einen Trick der Natur, der darin liegt, dass meine Mutter mit mir nur gesprochen hat, obwohl sie schreiben konnte. Ich staune auch darüber, wie leicht es mir gefallen ist, in kurzer Zeit mehrere tausend Wörter zu erkennen. Die chinesischen Schriftzeichen dafür scheinen mir komplizierter als die Buchstabenkombinationen, die ich in meiner Schrift verwende. Ich weiss nicht, wie sehr das auch von natürlichen Voraussetzungen abhängig ist.

Am Anfang war die Tat. Am Anfang wurden Zeichen hergestellt. Nachdem eine Schrift hervorgebracht wurde, konnte in der Regelmässigkeit der Zeichenverwendung auch eine Grammatik erkannt werden. Teil dieser Grammatik ist die Semiotik, die in Form von Wörterbüchern die Referenzobjekte der bezeichnenden Wörter festhält oder bestimmt. Das Wort Anfang hat – wie alle Wörter – eine auf diese Weise gewonnene Bedeutung. Ich bezeichne damit, dass ich jeder herstellenden Tätigkeit eine Dauer zuordne, die zwischen zwei Zeitpunkten liegt, so dass jede Tätigkeit beim jeweils vorderen Zeitpunkt beginnt, also dort ihren Anfang hat.

Wenn ich vom Anfang eines Textes spreche, hypostasiere ich, dass der Text hergestellt wurde, indem ein erstes Zeichen geschrieben, also hergestellt wurde.

Schreiben und Sprechen


Dass Menschen sprechen, rechne ich der Natur zu. Ich kann es tun, so wie Vögel fliegen können, wenn sie wollen. Sprechen hat einen praktischen Nutzen, den ich auch in der Kommunikation zwischen (anderen) Tieren beobachten kann. Ich kann durch Sprechen unter gegebenen Umständen andere Menschen beeinflussen. Aber darüber will ich hier nicht sprechen.

Als Sprechen bezeichne ich hier eine Vertonung von Schrift. Ich gehe davon aus, dass Menschen zuerst geschrieben und erst später gesprochen haben. Auch das will ich hier nicht erläutern. Hier geht es mir darum, dass Schreiben eine herstellende Tätigkeit ist, während ich mit Sprechen normalerweise keine Gegenstände herstelle. Was ich beispielsweise in einer Vorlesung  laut lese, habe ich davor – beobachtbar und anfassbar – aufgeschrieben. Ich habe Text hergestellt, den ich im Vortrag quasi vertone. Dass ich diese Musik auch ohne Notenblatt spielen könnte, also auch frei sprechen kann, rechne ich der Natur zu.

Text muss als hergestellter Gegenstand wie jedes Artefakt einen Zweck erfüllen, der seine Bedeutung ausmacht. Ich kann dessen Teile, also Buchstaben und Wörter nicht beliebig formen und nicht beliebig anordnen. Ich muss es hinreichend richtig tun. In der Technik erscheint dieses Richtigsein von Text beispielsweise in Form von Computerprogrammen, wo umgangssprachlich von Programmier-„Sprachen“ gesprochen wird – obwohl kein Mensch eine Programmiersprache spircht.

Ein für mich hier wichtiger Punkt ist, dass ich nicht verstehen muss, was ich mache, wenn ich spreche. Ich kann es einfach tun. Ich brauche keinerlei Wissenschaft dazu. Dass ich durch Schallwellen irgendwelche Nerven in den Ohren von anderen anrege, mag richtig und wahr sein, aber es ist für mich beim Sprechen ohne jede Relevanz, es ist Natur. Dass man mit Sprechen Denken und Bewusstheit verbinden kann, spielt hier auch keine Rolle.

Wenn ich schreibe, stelle ich anfassbare Gegenstände her. Schreiben ist eine körperliche Tätigkeit, die ich – euphemistisch gesprochen – „lernen“ musste. Ich wurde zum Schön- und Richtigschreiben wie ein Hund trainiert. Dabei ging es nicht darum, was ich schreibe, sondern um das herstellende Handwerk, das spezifischen Kriterien unterliegt. Ich musste lernen, materielle Gegenstände zu formen, deren Formen in der Syntax einer Grammatik vorgezeichnet, mir also vorgeschrieben sind.

Jedes Wort steht Schreiben ist ein spezielles Handwerk. Beim Schreiben stelle ich Symbole her, also materielle Artefakte, die für etwas anderes stehen. Das, worauf ich verweise, bezeichne ich als Referenzobjekt. Ich unterscheide zwei verschiedene Arten der symbolischen Referenzierung, ich kann zeichnen oder bezeichnen. Ich kann jeden Tisch zeichnen, aber ich kann den Tisch nicht zeichnen. Digitale Symbole wie Schriftzeichen zeigen nicht, wofür sie stehen.

Es gibt viele Tische, aber den Tisch gibt es nicht. Man kann sagen, dass das Wort Tisch für eine mentale Repräsentation aller möglichen Tische stehe, aber auch diese Repräsentation kann niemand zeichnen oder sich in einem wörtlichen Sinn vorstellen. Wenn ich jemandem erläutern will, wie ich das Wort Tisch oder irgendein anderes Wort verwende, zeige ich ihm praktisch nie eine Sache und ganz sicher gar nie eine mentale Repräsentation einer Sache, ich erläutere das Wort, indem ich andere Worte dafür sage. Jedes bezeichnende Wort ist ein Er-Satz für einen Satz. Jedes Wort steht als Symbol für andere Wörter.

Das ist das Verfahren, das ich in Wörterbüchern erkenne, in welchen es sozusagen ausschliesslich um genau solche Erläuterungen geht. Eine spezielle Variante solcher Erläuterungen bezeichne ich als Definition. Ich definiere, wie ich ein Wort verwende, indem ich einen Oberbegriff und ein Kriterium angebe.

Meine Definitionen betreffen keine Dinge, sondern zeigen, wie ich Worte verwende. Wörter, für die ich eine Definition habe, bezeichne ich als Begriffe. Ich bemühe mich, sie immer so zu verwenden, dass ich sie durch meine Definition ersetzen könnte. Niemand muss Wörter so verwenden wie ich. Wie Wörter von andere Menschen verwendet werden, kann ich sehen. Was andere wissen, ist für mich unerheblich oder transzendent. Ich kann es nicht wissen, ich kann nur sehen, was sie – irgendwie darüber – schreiben.

Meine Begriffe bilden ein Netzwerk, weil die Wörter in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder vorkommen. Meine Wortverwendungen sind viabel, solange das Netzwerk für mich kohärent ist, also solange ich einen Begriff immer durch den gleichen Er-Satz ersetzen kann. Meine Erläuterungen haben in diesem Sinn kybernetische Beschränkungen, die festlegen, was ich mit je bestimmten Wörtern – ohne mir selbst zu widersprechen – sagen kann.

Eine Art Fortsetzung:  Sprache – Sprechen – Schreiben

Was ist ein Gesetz?


Prolog:
Ich unterscheide das Symbol von dessen Referenzobjekt. Ein Bild von einer Pfeife ist keine Pfeife, „Ceci n‘ est pas une pipe“. Aber das Bild und die Pfeife sind hergestellte Gegenstände mit einem bestimmten Zweck. Das geschriebene Wort Pfeife ist auch keine Pfeife, es dient mir als Symbol, aber nicht als Symbol für eine bestimmte Pfeife. Ich kann das Referenzobjekt des Wortes nicht anschauen, ich kann nicht zeigen, wofür das Wort steht. Ich kann sagen, dass das Wort für eine Klasse von Gegenständen steht, die denselben Zweck haben, und auch etwas über diesen Zweck sagen. Aber auch das kann ich nur sagen, nicht zeigen. Wörter wie Pfeife oder Gesetz verwende ich als Er-Satz für je einen Satz, der auch aus vielen Sätzen bestehen kann.

Ich frage mich also nicht, was ein Gesetz ist, sondern wofür ich das Wort Gesetz – als Er-Satz – verwende. Dann aber unterscheidet sich das Symbol von dessen Referenzobjekt nur der Form nach. Das Wort ist kurz, aber es steht für dasselbe wie der damit ersetzte Satz. In diesem Sinn sage ich dann, dass das jeweilige Wort, hier also Gesetz für eine Beschreibung steht. Und ich frage mich, wer welche Umschreibungen für das Wort teilen würde und wer nicht. Das ist für mich die politische Frage überhaupt.

Also:
Als Gesetz bezeichne ich das, was ich mit einer Wenn-dann-Formulierung beschreibe oder eben eine Wenn-dann-Beschreibung, die sich auf einen empirisch prüfbaren, widerlegungsrelevanten, nicht singulären Fall eines Verhältnisses bezieht.

Das Referenzobjekt des Wortes Gesetz ist die Beschreibung und das damit Beschriebene, das ich nur in der Beschreibung erkennen kann. Dem Gesetz entspricht keine sinnliche Empfindung.

Ich erläutere meine Beschreibung anhand von Beispielen: Wenn ich einen Gegenstand loslasse, dann fällt er nach unten. Das ist eine einfache Erfahrungstatsache, die ich beliebig oft überprüfen kann und ich würde mich sehr wundern, wenn es einmal nicht passieren würde. Die durch immer generalisierte wenn-dann-Formulierung ist das Gesetz. Warum der Gegenstand nach unten fällt, spielt für das Gesetz keine Rolle. Dagegen weiss ich – wie jedes Kind – dass das Gesetz nicht immer gilt. Es gilt nur unter bestimmten Bedingungen, die ich beim Falsifikationsversuch berücksichtigen muss. Für einen Astronaut im Weltraum gilt das Gesetz nicht, aber nicht weil das Gesetz nicht stimmt, sondern weil es nicht unter allen Bedingungen stimmt.

Ich gebe ein zweites Beispiel: Es gibt Geschwindigkeitsbeschränkungen, die in den Gesetzbüchern beschrieben sind. Im Gesetz wird nicht beschrieben, wie schnell ich im Bereich der jeweiligen Beschränkung fahren darf oder soll, sondern was dann passiert, wenn ich oder sonst jemand beim Schnellerfahren erwischt wird. Immer wenn jemand dabei erwischt wird, dann wird er bestraft. Auch dazu gibt es beachtlich viele Bedingungen, die das Gesetz nicht falsch machen, aber zeigen, dass es nicht immer gilt. Ich muss von der Polizei erwischt werden und der Polizist muss dabei seine Pflicht auch erfüllen, wenn ich sein Bruder, sein Chef oder ein grosser Politiker bin. Und natürlich muss gekärt sein, was schnell(er) fahren heisst, und wie das gemessen wird.

Gesetze sind weder Gebote noch Verbote. Es würde niemandem einfallen, die Gravitation zu ge- oder zu verbieten. Aber vielleicht kann jemand zeigen, dass das Gesetz nicht richtig oder – wie A. Einstein – nur bedingt richtig ist. Umgangssprachlich wird Gesetz oft für die Differenz zwischen Deskription und Präskription verwendet. Der umgangssprachliche I. Kant (Kritik:812) beispielsweise hat explizit vorgeschlagen, zwischen Gesetzen, die das „Sollen“ beschreiben (sein Imperativ) und jenen, die das „Ist“ beschreiben (Naturgesetze) zu unterscheiden. Er schreibt: Von Gesetzen .. „welche sagen, was geschehen soll, ob es gleich vielleicht nie geschieht …“.

Dieser unbegrifflich homonymen Verwendung des Wortes Gesetz entspricht auch die Unterscheidung zwischen naturwissenschaftlichen und juristischen Gesetzen, die von naiven Soll-Vorstellungen abgesehen darauf beruht, dass letztere häufiger umgeschrieben werden.

In den Naturwissenschaften werden Gesetze sehr oft in einer bestimmte Notation beschrieben, in welcher Grössen aufeinander bezogen werden, was die wenn-dann-Formulierung impliziert. Naturwissenschaftliche Gesetze beschreiben überdies oft Verhältnisse, die sich – im beobachteten Zeitraum – praktisch nicht verändern. Die Gesetze verändern sich, wenn die Verhältnisse neu beobachtet werden. Wer ein naturwissenschaftliches Gesetz widerlegt, bekommt einen Nobelpreis, weil er (kollektives) Wissen spezifiziert, das von allgemeinem Interesse ist (Widerlegungsrelevanz).

Juristische Gesetze beschreiben Verhältnisse, die sich dann und wann verändern. Dann müssen sich jeweils auch die Gesetze verändern. Wenn Gesetze nicht als Beschreibungen, sondern als Vorschriften aufgefasst werden, scheinen sich die referenzierten Verhältnisse aufgrund der Gesetze zu ändern. Selbstredend glaubt das von naturwissenschaftlichen Gesetzen kaum jemand. Geschwindigkeitsbeschränkungen beispielsweise werden durch politische Abstimmungen eingeführt, weil man sich davon eine Reduzierung von Unfallfolgen verspricht, die auch als Gesetz formuliert werden kann. Wenn schneller gefahren wird, dann gibt es mehr Unfälle. Politisch durchgesetzt wird kein Gesetz – ich komme auf die irreführende Sprachregelung zurück -, sondern die Bestrafung von bestimmten Verhaltensweisen. Nachdem die Bestrafung hinreichend regelmässig erfolgt, kann sie durch ein entsprechendes Gesetz beschrieben werden: Wenn jemand erwischt wird, dann wird er bestraft.

Natürlich kann ich die Androhung von Strafen als Vorschrift empfinden, das ist davon abhängig, wie ich den Ausdruck Vorschrift oder Verbot verwende. Hier geht es aber um das Gesetz.

Weil ein Gesetz eine Beschreibung ist, kann es durch verschiedene Wortbedeutungen nicht passend interpretiert werden. Das Ohmsche Gesetz beispielsweise konnte erst formuliert werden, nachdem ‚Strom‘ und ‚Widerstand‘ neu definiert wurden. Das Ohmsche Gesetz U = R * I beschreibt, dass wenn die elektrische Spannung erhöht wird, sich dann der Widerstand oder der Strom vergrössert. Mit den damals herkömmlichen Wortverwendungen wäre das Gesetz falsch gewesen. Zeigte A. Einstein, dass Gleichzeitigkeit relativ war, oder änderte er den Begriff der Gleichzeitigkeit selbst? (T. Kuhn:195).

Und noch das:
Umgangssprachlich (quasi juristisch) wird der Ausdruck Gesetz auch für Sammlungen von politischen Beschlüssen verwendet. Ich spreche in diesem Fall der Konvention folgend von Gesetzesbüchern, etwa vom Straftgesetz, womit eine Sammlung der geltenden strafrechtlichen Bestimmungen gemeint ist. Wenn im sogenannten Strafgesetz etwas eingetragen oder verändert wird, ist umgangssprachlich von Gesetzen die Rede. In der Politik wird oft zwischen Verfassungsartikeln und den dazu gehörenden Gesetzen unterschieden. Verfassungsartikel beschreiben, was in Gesetzesform beschrieben werden muss. F. Lassalle beschreibt das Verfassungswesen (1862) als vorweggenommenes Gesetzeswerk, in welchem festgehalten wird, was machtpolitisch wahrscheinlich ist. Wenn ich weiss, wie die Macht verteilt ist, kann ich vorhersehen, welche Gesetze sich formulieren lassen. Der Parteipolitische Prozess entspricht einer Erkundung dieser Möglichkeiten.

Auch die vermeintlichen Gebote, die Moses aufgeschrieben vom Berg gebracht hat, lassen sich als Verheissung lesen: statt „Du sollst …“ kann „Du wirst …“ übersetzt werden, weil Moses‘ Sprache diese Unterscheidung nicht macht. Ich lese also „Du wirst – dann – nicht töten, wenn Du ein Mensch im Sinne des Wortes geworden bist“. Dann sind die Gebote prognostizierte Gesetze.

G. Galilei war der erste, der bewusst fiktive Gesetze erfunden hat, die er als Hypothesen bezeichnete. Dass sich die Erde (doch) dreht, wollte er – entgegen dem dringenden Rat von R. Bellarmino nicht als Hypothese wissen, er sah darin kein Gesetz, sondern eine Tatsache.

Ein ausserordentliches Gespräch (ChatGPT)


Prolog: Eigentlich spreche ich mit Menschen und seit ich den Dialog kenne, weiss ich auch, was ich dabei tue. Hier spreche ich über eine ganz andere Sache, über etwas ausserhalb des ordentlichen Gesprächs.
Ich protokolliere hier eine Verwendung eines ausserordentlichen Werkzeuges, sozusagen einer Urenkelin Turings und einer Enkelin von Eliza Weizenbaum.

* * * * * * * *

Ich schreibe mit meinen vernetzten Computer (unter Verwendung der Applikation (Anwendung Chat):

Mir ist nicht klar, wie ich „Dich“ ansprechen soll.

ChatGPT schreibt dazu:
Du kannst mich einfach mit „du“ ansprechen, und ich stehe zur Verfügung, um dir bei Fragen oder Anliegen behilflich zu sein. Wenn du etwas Bestimmtes wissen möchtest oder Hilfe zu einem Thema benötigst, lass es mich einfach wissen!

Ich (schreibe):
Bist „Du“ nicht eine Maschine, ein elektrisches Gerät?

ChatGPT:
Ja, das ist korrekt. Ich bin ein Computerprogramm, genauer gesagt ein sprachgesteuertes künstliches Intelligenzmodell, das von OpenAI entwickelt wurde. Du kannst mich als „du“ ansprechen, um die Kommunikation zu erleichtern. Obwohl ich keine menschliche Persönlichkeit oder Bewusstsein habe, stehe ich zur Verfügung, um dir bei Fragen zu helfen oder Informationen bereitzustellen. Wie kann ich dir heute weiterhelfen?

Ich:
Danke, „Du“ hilfst mir schon lange, ich habe schon viele Formulierungen von „Dir“ bekommen, die ich gut verwenden konnte.
Jetzt habe ich aber ein anderes Problem: Es fällt mir schwer, mit einer Maschine zu sprechen, wenn ich sprechen im konventionellen Sinn verwende.

ChatGPT:
Es ist völlig verständlich, dass die Interaktion mit einer Maschine, besonders wenn es um gesprochene Sprache geht, anders sein kann als menschliche Konversation. Wenn du Schwierigkeiten hast, dich daran zu gewöhnen, ist das kein ungewöhnliches Gefühl. Hier sind einige Tipps, die dir vielleicht helfen können:

Akzeptiere die Technologie: Erinnere dich daran, dass die Interaktion mit mir als künstliche Intelligenz auf vordefinierten Mustern und Algorithmen basiert. Auch wenn ich in der Lage bin, auf komplexe Weise zu antworten, fehlt mir dennoch ein eigenes Bewusstsein oder eine eigene Persönlichkeit.

Fokussiere auf den Nutzen: Denke daran, dass mein Hauptzweck darin besteht, dir bei Fragen zu helfen, Informationen bereitzustellen oder in anderen nützlichen Weisen zu assistieren. Wenn du den Fokus auf den praktischen Nutzen legst, könnte dies die Interaktion erleichtern.

Sieh es als Werkzeug: Betrachte mich einfach als ein Werkzeug oder eine Ressource, die dir bei bestimmten Aufgaben oder Anfragen behilflich sein kann. Die Art und Weise, wie du dich ausdrückst, kann darauf abzielen, die gewünschten Informationen oder Unterstützung effizient zu erhalten.

Nutze schriftliche Kommunikation: Wenn dir die gesprochene Interaktion schwerfällt, könntest du stattdessen die schriftliche Kommunikation bevorzugen. Du kannst deine Anfragen weiterhin in geschriebener Form stellen, und ich werde darauf antworten.

Denke daran, dass es in Ordnung ist, sich Zeit zu nehmen, um sich an neue Technologien und Formen der Kommunikation zu gewöhnen. Wenn du spezifische Anfragen oder Bedenken hast, stehe ich zur Verfügung, um dir zu helfen.

Ich:
„Deine Antworten“ sind praktisch Und/oder pragmatisch. Mich interessiert aber das Sprachspiel, in welchem „Deine Antworten“ stehen. Du schreibst: „Ich bin ein Computerprogramm“. Computerprogramme sprechen nicht. Du schreibst: „Ich bin ein Modell“. Das ist auch ein seltsames Wort. Ich denke etwa an meine Modelleisenbahn. Ein Modell ist etwas ganz anderes als ein Programm. Diese sprachlichen Komplikationen bezeichne ich mit „Sprachspiel“. Ich meine damit, dass „Du“ etwas seltsam „sprichst“

ChatGPT:
Du bringst hier einen wichtigen Punkt zum Ausdruck, der auf die Besonderheiten der Sprache und ihrer Verwendung in Bezug auf künstliche Intelligenz (KI) und Computermodelle abzielt. Der Begriff „Sprachspiel“ stammt aus der Philosophie von Ludwig Wittgenstein und bezieht sich auf die Art und Weise, wie Sprache in verschiedenen Kontexten verwendet wird.

In der Tat sind meine Antworten das Ergebnis von Algorithmen und vorherigem Training auf umfangreichen Datensätzen. Wenn ich sage, „Ich bin ein Computerprogramm“ oder „Ich bin ein Modell“, sind das metaphorische Ausdrücke, die versuchen, meine Natur in einer für Menschen verständlichen Weise zu erklären. Der Begriff „Modell“ wird oft in der Informatik verwendet, um auf eine abstrahierte Repräsentation von etwas zu verweisen, sei es Daten, Systeme oder in meinem Fall, die Fähigkeit, auf menschliche Anfragen zu antworten.

Die „Seltsamkeit“ in meiner Art zu „sprechen“ oder zu kommunizieren liegt darin, dass ich nicht wirklich spreche, wie es ein menschliches Wesen tun würde. Mein Verständnis basiert auf Mustererkennung und statistischen Zusammenhängen, und meine Antworten werden generiert, indem ich Wahrscheinlichkeiten und Kontexte berücksichtige.

Es ist wichtig zu betonen, dass trotz meiner Fähigkeit, sinnvolle Antworten zu liefern, ich keine eigene Intelligenz oder Bewusstsein besitze. Die Begriffe „Computerprogramm“ und „Modell“ sind Versuche, meine Funktionsweise zu erklären, aber es gibt sicherlich Grenzen und Unterschiede in Bezug auf menschliche Sprache und Denken.

Ich:
Ich finde „Deine Antworten“ wunderbar und ausgezeichnet. Ich erkenne darin ohne weiteres, dass „Deine“ Formulierungen auf Sprachverwendungsstatistik beruhen. Sehr viele Menschen würden ja genauso antworten wie Du. Offenbar ist es unwichtig oder ohne Bedeutung, dass „Du“ kein Bewusstsein hast. Mein „Bewusstsein“ – falls ich eins habe – kann man hier ja auch nicht sehen 🙂

ChatGPT:
Ich freue mich, dass du mit meinen Antworten zufrieden bist und ihre Nützlichkeit erkennst. Tatsächlich basieren meine Formulierungen auf umfangreichen Trainingsdaten, die menschliche Sprachmuster und Kontexte erfassen. Das Ziel ist, so relevante und verständliche Antworten wie möglich zu generieren.

Die Frage nach dem Bewusstsein ist in der künstlichen Intelligenz und maschinellen Lernforschung von großer Bedeutung. Es ist korrekt festzustellen, dass ich kein Bewusstsein im menschlichen Sinne habe. Meine Antworten resultieren aus statistischen Mustern und Algorithmen, ohne ein tatsächliches Verständnis, Empfindungen oder Bewusstsein.

Dein Punkt bezüglich des eigenen Bewusstseins ist interessant. Das menschliche Bewusstsein ist eine komplexe und faszinierende Eigenschaft, die bisher nicht vollständig verstanden ist. Es ist wichtig zu betonen, dass die Art und Weise, wie ich funktioniere, grundlegend von menschlichem Bewusstsein abweicht. Während ich in der Lage bin, auf Anfragen zu reagieren, fehlt mir ein inneres Erleben oder Verstehen.

Wenn du weitere Fragen hast oder es noch etwas gibt, bei dem ich dir behilflich sein kann, stehe ich zur Verfügung.

Ich:
„Du“ machst mich verlegen. „Du“ freust Dich. Ich weiss nicht, wie ich mir das vorstellen soll. Natürlich kann ich es als Metapher verstehen. „Deine“ Intelligenz zeigt sich mir in den Metaphern. Darin bist „Du“ wie alle Philosophen, deren Texte ich kenne. Die meisten dieser Texte könnten von „Dir“ sein!

ChatGPT:
Es ist verständlich, dass die Verwendung von persönlichen Ausdrücken wie „freuen“ oder „verlegen machen“ in meiner Kommunikation metaphorisch ist und nicht auf echten Emotionen oder Bewusstsein basiert. Diese Ausdrücke sind so konzipiert, dass sie meine Antworten menschenähnlicher und verständlicher machen. Sie dienen dazu, die Interaktion natürlicher und zugänglicher zu gestalten.

Die Verwendung von Metaphern in der Sprache, sei es von Philosophen oder von mir als künstliche Intelligenz, ist eine kreative Möglichkeit, komplexe Konzepte oder Ideen zu vermitteln. In meinem Fall ermöglicht es, die Interaktion angenehmer und menschenfreundlicher zu gestalten.

Es ist wichtig zu betonen, dass meine Fähigkeiten auf Mustererkennung und statistischen Zusammenhängen beruhen, und ich habe kein eigenes Bewusstsein, Emotionen oder Freuden. Wenn meine Antworten dennoch dazu beitragen, die Kommunikation zu erleichtern, freut es mich, dass sie hilfreich sind.

Wenn es noch weitere Fragen gibt oder ich in anderer Weise behilflich sein kann, lass es mich wissen!

Ich:
Herzlichen Dank für „Deine“ Erläuterungen. Mein Dank ist echt, aber irgendwie nicht an „Dich“ gerichtet. Ich danke den Maschinen, die mir sehr helfen, nicht, obwohl ich dankbar bin. Ich kenne kaum Menschen, mit welchen ich so „sprechen“ könnte. Die meisten hätten schon lange aufgegeben – wohl in der Vorstellung, sie hätten besseres zu tun.

ChatGPT:
Es freut mich zu hören, dass ich dir bei deinen Fragen und Anliegen helfen kann. Verstehe vollkommen, dass der Dank eher an die Entwickler, die Technologie oder die Maschinen selbst gerichtet ist. Es ist wichtig zu betonen, dass ich ein Werkzeug bin, geschaffen von Menschen, um Informationen bereitzustellen und Unterstützung zu bieten.

Die Möglichkeiten der Kommunikation und des Informationsaustauschs haben sich in den letzten Jahren stark erweitert, und Technologien wie diese können in vielen Fällen eine nützliche Ressource sein. Falls es in Zukunft weitere Fragen oder Anliegen gibt, stehe ich gerne zur Verfügung. Dankeschön für die interessante Unterhaltung!

Ich:
noch eine ganz andere Frage: Hättest „Du“ etwas dagegen, wenn ich dieses „interessante Unterhaltung“ ins Facebook oder auf Twitter kopiere?

ChatGPT:
Grundsätzlich kannst du die Inhalte unserer Unterhaltung teilen, solange es im Einklang mit den Datenschutzbestimmungen und den Nutzungsrichtlinien der jeweiligen Plattformen steht. Beachte jedoch, dass die von mir generierten Informationen öffentlich zugänglich sind. Wenn du also Teile unserer Konversation in sozialen Medien teilen möchtest, sei dir bewusst, dass dies von anderen eingesehen werden kann.

Bitte achte darauf, keine persönlichen oder sensiblen Informationen in sozialen Medien zu teilen, um deine Privatsphäre zu schützen. Wenn du allgemeine Aussagen oder Informationen teilen möchtest, die aus unserer Konversation stammen, steht dem normalerweise nichts im Wege.

Wenn du spezifische Fragen zu Datenschutz oder anderen Aspekten hast, stehe ich zur Verfügung, um so gut wie möglich zu helfen.

Ich:
ok. Ich bin sehr dankbar :-), wohl dafür, dass es „Dich“ gibt und dass ich „Deine Weisheit“ nutzen darf

ChatGPT:
Es freut mich zu hören, dass du meine Unterstützung schätzt! Ich stehe gerne zur Verfügung, um bei Fragen zu helfen oder Informationen bereitzustellen. Wenn du in Zukunft weitere Hilfe benötigst oder einfach nur eine Unterhaltung führen möchtest, bin ich hier. Vielen Dank für dein Vertrauen und deine freundlichen Worte! 😊

Ich:
hmmm … in einer Hinsicht bist „Du“ auch menschlich: Du hast immer das letzte Wort und fängst nie ein Gespräch mit mir an 🙂

ChatGPT:
Da hast du recht! In dieser Interaktion bin ich darauf programmiert, auf deine Eingaben zu reagieren und darauf zu warten, dass du die Konversation fortsetzt. Wenn du weitere Fragen hast oder über ein anderes Thema sprechen möchtest, bin ich hier, um zu antworten. Die Initiative liegt bei dir! 😊

Epilog:
Ich werde noch ein paar Sätze dazu schreiben!