Karikaturen (Pegida)


islamismusEine Karikatur in der Zeitschrift Cicero vom 12 .1.15 lässt mich nochmals über Karikaturen und Karikiertes nachdenken. Eine Karikatur beinhaltet mich, oder sie ist eine zerschnittene Karikatur, die nur andere hinstellt, also keine Karikatur. In einer Karikatur muss ich mich erkennen können, tendenziell so, wie es mir gar nicht recht gefällt.

In der abgebildeten Karikatur von Cicero habe ich die Wahl mich als ein Terrorist oder als ein Hasser zu sehen, also so oder so als Terrorist. Das gefällt mir nicht nur tendenziell nicht, sondern gar nicht, egal wie übertrieben es gemeint sein könnte. Die naheliegenste Beobachtung könnte sein, dass andere gemeint sind, aber dann wäre es für mich keine Karikatur, sondern eine Beleidigung von anderen.

Eine Karikatur ist eine Zeichnung, das heisst ich muss sie beobachtend aneignen, sonst existiert sie für mich nicht. In der Aneignung könnte ich quasi distanziert erkennen, was ein andere gezeichnet hat. Dann könnte ich ihm zurechnen, dass er ein Karikatur gezeichnet hat, sich selbst also mitgemeint hat, oder dass er andere beleidigen wollte. Darüber sagt eine Zeichnung aber nichts, das müsste ich zurechnen.

In einer mehr empathischen Aneignung wie sie im Dialog praktiziere, versuche ich die Zeichnung selbst nochmals zeichnen, also die Zeichnung als meine Zeichnung zu sehen. Dabei erfahre ich etwas über mich oder darüber, wie ich mich sehe oder eben nicht sehen mag und nicht sehen kann. Natürlich bin ich auch bezüglich meiner Zeichnungen in meinen Deutungen gefangen. Ich weiss nicht, wie andere meine Zeichnung interpretieren. Aber ich weiss, dass ich die Zeichnung, die ich im Cicero sehe, so nicht zeichnen will.

Ich zeichne sie anders, ich zeichne mich als Publikum dazu. Natürlich muss ich auch meine Zeichnung so beobachten, dass sie mich beinhaltet, wenn sie eine Karikatur sein soll. Und natürlich habe ich auch bei meiner Zeichnung die Option, mich darin nicht zu erkennen, also ein Publikum zu meinen, zu welchem ich nicht gehöre. Wer gehört schon gerne ins Publikum?

Wenn ich mich in meiner Karikatur erkenne, habe ich die Wahl, mich als Terrorist oder als Publikum zu sehen. Diese Wahl gefällt mir auch nicht. Aber ich sehe mich. Das ist der Sinn der Karikatur. Ich sehe mich so, wie es mir nicht gefällt. Ich sehe, dass ich ins Publikum versetzt werde. Und ich frage mich, wie mir das passiert. Würde ich je irgendwo hingehen und zuschauen, wo Terroristen oder Islam-Hasser, also Terroristen am Werk sind? Würde ich hingehen und klatschen oder buh-rufen? Würde ich sie mit meinem hingehen in ihrem Schauspiel bekräftigen und gar ermöglichen wollen? Würde ich sie unterstützen, und sei es nur so, dass ich ihre Gegner unterstützen würde?

In meiner Karikatur sehe ich mich als Opfer von Medien. Meine Karikatur macht mir bewusst, dass ich den „Karren vollständig überlade“ (caricare), wenn ich mich als Opfer sehe. Ich bin aneignendes Subjekt, die Karikatur zeigt mich nur dort, wo ich das nicht wahrnehme, etwa meine Wahrnehmung mit einer Realität entschuldigen will.

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Eine Antwort zu “Karikaturen (Pegida)

  1. Pingback: Hebdo-Karikatur im Tages Anzeiger | Dialog

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