Bilder als hergestellte Gegenstände


Hergestellte Gegenstände kann ich sehen, auch wenn das Gesehenwerden nicht ihr Zweck ist. Bei sehr viele Gegenständen wird in Form von Design sehr darauf geachtet, dass sie beobachtet werden. Sie sollen jenseits ihres Zweckes auch gefallen oder imponieren. Es gibt aber hergestellte Gegenstände, deren Zweck das Angeschautwerden ist. Einen Teil dieser Gegenstände – die auch als Kunstwerke fungieren, wenn sie keinen anderen Zweck haben – bezeichne ich als Bilder.

Als Bild bezeichne ich einen Gegenstand, der dazu hergestellt wurde, etwas zu zeigen, der also keinen anderen Zweck hat. Natürlich kann man sich dafür interessieren, was auf dem Bild zu sehen ist oder man kann das Bild kann als Mitteilung interpretieren, aber hier geht es um das Artefakt, also um den hergestellten materiellen Gegenstand.

Unabhängig davon, was auf einem Bild gesehen werden soll, muss ein Bild von vorne betrachtet werden. Das hier interessierende Bild hat aber als materieller Körper wie jeder hergestellte Gegenstand eine Rückseite, wobei vorne und hinten durch die in der Gegenstandsbedeutung mitbestimmte Handhabung festgelegt sind. Ein handhabbares Bild kann ich drehen, wie ich will, aber was es zeigen soll, kann ich nur von einer bestimmten Seite sehen. Sehr viele Artefakte haben funktionsbedingt eine Vorderseite, die beim Herstellen entsprechend bearbeitet wird. Ein moderner Bildschirm etwa, der ja etwas ganz anderes ist als ein Bild, hier aber nicht ganz zufällig als Beispiel fungiert, hat vorne eine Anzeigefläche, die aus Flüssigkristallen besteht, die ihrerseits angeordnete Körper sind. Die Rückseite der Bildschirme interessiert den Nutzer weniger, obwohl sie natürlich für den Bildschirm als Gegenstand so wichtig ist wie die Leinwand für ein Ölgemälde.

Das Herstellen eines Bildes unterliegt wie jedes Herstellen von Artefakten einer Entwicklung der dabei verwendeten Werkzeuge, die ich auch als Übergang von handwerklicher zu automatisierter Produktion beobachte. In gewisser Weise sagen mir die entwickelteren Werkzeuge, was ich beim Herstellen von Bildern quasi von Hand mache, wenn ich diese Werkzeuge noch nicht entwickelt habe. In diesem Sinne beobachte ich die Auslagerung von Operationen in Werkzeuge und jedes Werkzeug verdeutlicht mir das darin aufgehobene Handwerk. Und alles, wofür ich beim Herstellen von Bildern noch kein Werkzeug habe, bezeichne ich als den noch nicht verstandenen Teil des Herstellens von Bildern.

Die Herstellung von Bildern unterliegt auch einer evolutionären Arbeitsteilung, die auch aktuell sehr verschiedene rezente Formen hat. Wenn ich als Kunstmaler meine Farben selbst herstelle, befasse ich mit einem anderen Aspekt der Bildproduktion, als wenn ich in einer Fabrik am Fliessband arbeite, an welchem gerahmte Poster oder Heiligenbildchen produziert werden.

Als bildproduzierende Tätigkeit beobachte ich insgesamt das Auftragen von farbigem Material auf einer begrenzten Fläche, die als Bildträger fungiert. Es gibt sehr verschiedene Verfahren, die unter anderem vom Material und von den verwendeten Werkzeugen abhängig sind. Es ist eine Tätigkeit, die ich wie keine andere Tätigkeit sonst auf den verschiedenen Stufen ihrer technologischen Entwicklung selbst ausübe und deshalb in einem spezifischen Sinn erkenne. Ich benutze auch heute noch Bleistifte zum Zeichnen, aber ich stelle auch Bilder mit dem Computer her, die ich mit einem Printer ausdrucke.

Das Anordnen von Farbe auf einem Bildträger ist eine Tätigkeit, für die ich viele Verben, aber kein allgemeines kenne. Ich spreche etwa von malen, zeichnen, skizzieren, schreiben, bedrucken oder kopieren, aber das Verb bilden kann ich nicht in diesem Sinn für das Herstellen von Bildern verwenden. Mit den verschiedenen Verben bezeichne ich verschiedene Arten der Tätigkeit, die auf verschieden intendierte Verwendungen der Bilder, also auf verschiedenen Funktion und auf verschiedene Werkzeuge zurückzuführen sind.

Ich beobachte zunächst die Entwicklung der Produktion von Bildern und erst später die Funktionen, die verschiedene Bilder wie Gemälde, Zeichnungen, Schemas oder Texte haben. Ich beobachte aber nicht die gesamte Produktion, zu welcher ja auch die Herstellung von Farben, Bildträgern und Werkzeugen gehört, sondern nur die Entwicklung des zunächst handwerklichen Auftragens von Farbe auf den Bildträger.

Natürlich kann man fragen, was mit dieser Beobachtung für die Interpretation von Bildern gewonnen wird. Hier geht es nicht darum, Bilder irgendwie semiotisch zu verstehen, sondern um die Herstellung der Bilder, also darum zu verstehen, inwiefern sich deren Herstellung wie das Herstellen von Artefakten insgesamt verstehen lässt.

Fortsetzung Bildertechnik und Technobild

Eine Antwort zu “Bilder als hergestellte Gegenstände

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