Kategorie – neue Version


Kategorie ist ein zentraler Begriff in meiner Theorie-Arbeit Ich habe hier schon früher eine erste Fassung und vor kurzem eine zweite Fassung geschrieben.

Meine Theorie ist ein Text darüber, welche Kategorien ich verwende. Den Ausdruck Kategorie verwende ich nicht im umgangssprachlichen Sinn, also nicht als Synonym zu Klassen, die durch eine Klassifizierung eingeführt werden. Umgangssprachlich bezeichnet Kategorie oft eine Art Wertigkeit von Klassen. Bei Radrennen etwa gibt es Bergpreise erster und zweiter Kategorie, wobei in der ersten Kategorie die höchsten Berge sind.

In der Philosophie ist oft von den Kategorie-Begriffen von Aristoteles und I. Kant die Rede, die hier auch nicht gemeint sind, weil sie nicht Beobachtungen von Beobachtungen bezeichnen, sondern Ideen, die den Beobachtungen auf unergründliche Weise – a priori – vorausgehen sollen. K. Lorenz hat solche Kategorien in der biologischen Evolution verortet, was zeigt, dass er auch einen sehr eigenen Kategorie-Begriff hat.

A. Leontjew begründet sein kulturhistorisch-marxistische Psychologie durch die Verwendung der Kategorie Tätigkeit ohne explizit zu sagen, was er als Kategorie bezeichnet. Im Unterschied zu den genannten Philosophen – die bei ihren Kategorien keine Wahl zulassen – zeigt er aber, wie sich einerseits verschiedene Kategorien in der Beobachtung auswirken und andrerseits, dass die Benennung einer Kategorie noch keineswegs hinreichend bestimmt, wie sie verwendet wird.

Als Kategorien bezeichne ich die in einer Theorie beobachte Einheit der Unterscheidung einer Beobachtung. Ich gebe zuerst eine kurze Erläuterung des Begriffes jenseits von Theorie und anschliessend eine Erläuterung dazu, welche Rolle die Kategorie in der Theorie hat. Im einfachsten Fall beobachte ich Beobachtungen vom Typ des elementarsten Sprechaktes „Es ist xy“. Ich kann mit dieser Beobachtung, also wenn ich beispielsweise den Satz „Das Auto ist rot“ sage, einem Ding oder einem Sachverhalt eine Eigenschaft zuschreiben. Ich kann mit „es ist“ aber auch etwas anderes sagen, etwa dass es dunkel oder Nachmittag ist. Der Satz: „Das Auto ist rot“ enthält zwei Unterscheidungen und ein Zuordnung. Das Auto wird von anderen Dingen und rot von anderen Farben unterschieden. Wenn ich den Satz unter kategorieller Perspektive beobachte, kann ich Ding und Eigenschaft als Kategorien erkennen. Ich beobachte dabei, dass einem Ding ein Wert der Eigenschaftsdomäne Farbe zugeschrieben wird. Der Satz sagt nichts über Ding und Farbe. Ich verwende Ding und Farbe, um etwas über die im Satz beschriebene Beobachtung zu sagen. Ich sage damit auch nichts über ein rotes Auto.

Kategorie bezieht sich – in meiner Theorie – auf eine Beobachtung, die Eigenschaft auf etwas Beobachtetes. Eigenschaftsdomäne und Kategorie werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Die Eigenschaftsdomäne bezeichnet den Wertebereich der Eigenschaft. Die Kategorie bezeichnet, dass in der Beobachtung beispielsweise Eigenschaften unterschieden werden. Verschiedene Theorien unterscheiden sich durch die je verwendeten Kategorien. Jenseits einer Theorie haben Kategorien für mich keinen Sinn, während sie für I. Kant eine Voraussetzung, also nicht einen konstitutiven Teil der Theorien darstellen.

Ich unterscheide zwei Fälle. Im einen Fall beobachte ich Sachverhalte ohne mir bewusste Theorie und im andern Fall verwende ich eine Theorie. N. Wiener beschreibt in seinem Roman Die Versuchung, wie er die Systemtheorie anhand von Beschreibungen von technischen Regelungsmechanismen entwickelt hat. Nachdem er seine Systemtheorie hatte, wurde sie auf verschiedene Gegenstände angewendet, die davor nicht als kybernetische Systeme beobachtet wurden. Schliesslich erkannte er den universellen Charakter der Theorie.

Kategorien in diesem Sinn sind anders als Eigenschaftsdomänen keine Wertedomänenen. Sie lassen sich auch nicht logisch begründen, sie sind – die den Worten von K. Marx – geschichtliche Tat. Ich kann sie im Sprachspiel beobachten.

Unabhängig davon, wie explizit die verwendeten Kategorie sind, entscheiden sie, wie beobachtet wird. Dabei spielt insbesondere auch eine Rolle, welchen Kategorien Priorität gegeben wird. Ein Standardbeispiel dafür ist die Kategorie Bedürfnis. Wenn zuerst ein Bedarfszustand beschrieben wird, etwa die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme, erscheint die menschliche Tätigkeit als Reaktion darauf. Wenn dagegen das Herstellen als fundamentale Kategorie verwendet wird, geht es gerade nicht darum, irgendwelche Mängel zu kompensieren. Denn dann wären die Mängel fundamental und das Herstellen eben nur eine Kompensationshandlung. Herstellen ist dann das, was Menschen von sich aus ohne jede Not – eben primär – tun. Sie heben damit die natürlichen Bedarfszustände, die sie mit anderen Lebewesen teilen auf. Hunger erscheint dann nicht als Bedarfszustand sondern als Zeichen dafür, dass etwas in der Produktion nicht funktioniert.

Kategorien beschreiben – wie Theorie – die Anschauung, nicht das Angeschaute.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s